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Ökumenische Delegation: Durch bevorstehenden Wintereinbruch benötigen Flüchtlinge dringend Unterstützung

Ökumenische Delegation: Durch bevorstehenden Wintereinbruch benötigen Flüchtlinge dringend Unterstützung

ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit mit Kindern im Flüchtlingslager in Idomeni, in der Nähe von Polykastro/Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. © ÖRK/Marianne Ejdersten

19. Oktober 2015

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 27. Oktober 2015

Vertreterinnen und Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) besuchten vom 14. bis 18. Oktober Griechenland, zur Unterstützung der Bemühungen für die Flüchtlinge in Europa und im Nahen Osten.

Obwohl in den letzten Wochen das windige Herbstwetter die Meeresüberquerungen aus der Türkei erschwerte, steigt die Zahl der in Griechenland ankommenden Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten weiter. Das Land bleibt mit Abstand wichtigster Ankunftsort für Neuankömmlinge im Mittelmeerraum.

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten, die dieses Jahr das Mittelmeer überquert haben, liegt derzeit bei fast 530 000. Im September kamen 168 000 Menschen auf dem Seeweg an, die höchste, je verzeichnete monatliche Anzahl, fast fünfmal mehr als im September 2014.

Beim Besuch eines Flüchtlingslagers in Idomeni, in der Nähe von Polykastro/Idomeni an der Grenze zwischen Griechenland und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, lauschte die Delegation am Freitag gemeinsam mit Metropolit Dimitrios von Goumenissa den Erlebnissen und Erwartungen der Menschen vor Ort.

Der Leiter der ÖRK-Delegation, Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, erklärte: „Es war schön, zu sehen, wie die Einwohnerinnen und Einwohner und die Freiwilligen dort auf die Menschen zugingen und in dieser Situation ihre Menschenwürde bekräftigten. Noch viel mehr beeindruckte mich jedoch, wie die Flüchtlinge ihre menschlichen Qualitäten – Fürsorge, Würde und Hoffnung – behalten. Das ist eine Lehre für uns alle, auch für die Kirchen in Europa.“

Und er fügte hinzu: „Dies ist ein entscheidender Moment für die Kirchen und ihre Gesellschaften. Ich sehe ein starkes Zeugnis der Christinnen und Christen in Griechenland. Wir sind stolz darauf, wie die Kirchen mit Liebe und Solidarität reagiert haben. Wir müssen unserem Auftrag und unseren Werten weiterhin treu bleiben. Halten wir zusammen, als eine Gemeinschaft.“

Der Solidaritätsbesuch des ÖRK wurde vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und der Kirche von Griechenland organisiert. Die Delegation umfasste auch Metropolit Prof. Dr. Gennadios von Sassima, stellvertretender Vorsitzender des ÖRK-Zentralausschusses, und Marianne Ejdersten, ÖRK-Kommunikationsdirektorin. Prof. Dr. Dimitra Koukoura, Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses, stieß in Thessaloniki zur Delegation.

In Griechenland trafen die Delegierten Erzbischof Hieronymos von Athen und Primas von ganz Griechenland und Metropolit Gabriel von Nea Ionia.

Als Vertreter der Kirche von Griechenland in den Gesprächen waren anwesend: Metropolit Klimis von Methana, leitender Sekretär des Heiligen Synods, Metropolit Athenagoras von Ilion, Acharnes und Petroupolis, Vorsitzender des Zentrums für die Integration von Wanderarbeitnehmern – Ökumenisches Flüchtlingsprogramm, Archimandrit Chrysostomos Simeonides, Direktor des Zentrums für die Integration von Wanderarbeitnehmern – Ökumenisches Flüchtlingsprogramm, Archimandrit Ignatius Soteriades, Sekretär der synodalen Kommission für interorthodoxe und zwischenchristliche Beziehungen, Archimandrit Maximos Pafilis, Mitglied der synodalen Kommission für interorthodoxe und zwischenchristliche Beziehungen, und Evelina Douris, Sekretärin für Flüchtlinge des Ökumenischen Flüchtlingsprogramms. Die Delegation traf sich außerdem mit der Leitung der Hilfsorganisation Apostoli (Mission) und mit der Vertreterin und operativen Koordinatorin des UNHCR in Griechenland, Alessandra Morelli.

Am Donnerstag Morgen traf die Delegation Vertreter der Kirche von Griechenland, man tauschte sich aus und suchte nach Wegen für eine Erweiterung der Zusammenarbeit zwischen dem ÖRK und der Kirche von Griechenland.

Die Gespräche umfassten ausführliche Berichte über die Schwierigkeiten des Landes aufgrund der Flüchtlingssituation in Europa und der humanitären Krise durch die massiven Bevölkerungswanderungen, vor allem aus Syrien und über die Türkei und Griechenland ins übrige Europa.

Metropolit Klimis von Methana stellte die Arbeit des Ökumenischen Flüchtlingsprogramms in Griechenland vor, die in Zusammenarbeit mit den lokalen Kirchen und zahlreichen Freiwilligen erfolgt. Archimandrit Chrysostomos Simeonides erwähnte die spezifischen und individuellen Initiativen des Zentrums und die Partnerschaften, die mit dem UNHCR, dem Arbeitsministerium, dem Gesundheitsministerium und anderen Stellen in Griechenland und anderen Ländern aufgebaut worden sind.

Archimandrit Ignatius Soteriades sprach über die Tätigkeit der Kommission für interorthodoxe und zwischenchristliche Beziehungen, während Evelina Douris die Notwendigkeit hervorhob, unverzüglich sichere Zugangswege für Migrantinnen und Migranten nach Europa zu finden, damit diese nicht weiter von Menschenhändlern ausgebeutet werden. Sie betonte zudem die Erfordernis einer schnellen Bereitstellung von Einwanderungspapieren.

Am Nachmittag desselben Tages besuchte die Delegation Erzbischof Hieronymos. An diesem Treffen nahm auch Metropolit Gabriel von Nea Ionia teil. Die Anwesenden sprachen über die politische Dimension der Migration, über die Positionen der Primasse der Kirchen in Europa und über die humanitären Auswirkungen einer weiteren Verschärfung des Problems.

Erzbischof Hieronymos dankte dem ÖRK für seinen Besuch in Griechenland und betonte die Notwendigkeit einer internationalen Lösung, um den Flüchtlingen zu helfen und das Völkerrecht zu beachten. Er war am selben Tag von einem seiner wöchentlichen Besuche in den betroffenen Gebieten des Landes zurückgekehrt und erklärte: „Dies ist erst der Anfang. Wir wissen nicht, was uns in den nächsten Monaten erwartet. Bald wird der Winter hereinbrechen, und es wird für die Flüchtlinge sehr schwierig werden.“

Die Vertreterin des UNHCR, Alessandra Morelli, betonte: „Das Tempo und das Ausmaß der Wanderungen nach Griechenland setzen die Regierung und viele Gemeinschaften weiterhin stark unter Druck. Die Behörden haben viel unternommen, um die Aufnahme- und Registrierungseinrichtungen und -abläufe auf den Inseln zu verbessern, doch es kommt immer noch zu Engpässen.“

Das UNHCR ist besorgt, dass die mangelnden Aufnahmekapazitäten in Griechenland das vom Rat der Europäischen Union verabschiedete Übersiedlungsprogramm ernsthaft gefährden könnten, da die für das Programm in Frage kommenden Flüchtlinge keinen Ort haben, an dem sie warten können, bis sie zugeteilt werden. Wenn nicht sofort etwas getan wird, werden wohl weiterhin Menschen in benachbarte Länder weiterreisen.

Morelli erklärte zudem: „Unsere Anstrengungen konzentrieren sich auf die Unterstützung und die Arbeit mit den lokalen Behörden, mit NGOs, Kirchen und der Landesregierung, um die gesamte Reaktion zu verbessern, die Registrierung zu unterstützen, die Flüchtlinge mit Informationen zu versorgen, Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu ermitteln und weiterzuleiten und Unterstützung zu bieten, um die Aufnahmebedingungen zu verbessern. Das UNHCR leistet zudem grundlegende humanitäre Hilfe.“

Apostoli in Griechenland (in griechischer Sprache)

International Orthodox Christian Charities (Internationale orthodoxe Hilfswerke) in Griechenland (in englischer Sprache)

ACT-Bündnis in Griechenland (in englischer Sprache)

Lokale Pressemeldung über den Besuch (in griechischer Sprache)

Bericht der Kirche von Griechenland über den Solidaritätsbesuch (in griechischer Sprache)

ÖRK-Erklärung zu den Antworten auf die Migrantenkrisen (in englischer Sprache)

Projekt der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa: Safe Passage – Sichere Wege

UNHCR in Griechenland (in englischer Sprache)