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Kirchen fordern Unterstützung des Menschenrechtsrates für religiöse Minderheiten im Irak

Kirchen fordern Unterstützung des Menschenrechtsrates für religiöse Minderheiten im Irak

Sondersitzung des Menschenrechtsrates zum Irak. Foto: Vereinte Nationen Genf

02. September 2014

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 05. September 2014

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen aufgefordert, eine dringende Mission und die Erstellung eines Berichts – gemeinsam mit dem Sonderberichterstatter über Religions- und Weltanschauungsfreiheit – zu beschließen, gestützt auf die Erlebnisse der Minderheitsgemeinschaften im Nordirak, die Opfer des selbst ausgerufenen „Islamischen Staates“ (IS) geworden sind.

Die Erklärung wurde verfasst, nachdem eine ÖRK-Delegation die Region Kurdistan im Irak besucht hatte.

Peter Prove, ÖRK-Direktor für internationale Angelegenheiten und Leiter der Delegation, erzählte nach der Rückkehr: „Wir konnten mit zahlreichen Vertriebenen aus Mossul, der Ninive-Ebene und anderen Orten, die nun von IS kontrolliert werden, sprechen und ihre Berichte anhören.“

Prove sagte weiter: „Ihre Berichte zeugen von den unmenschlich brutalen, gewalttätigen, durch Zwang und Unterdrückung geprägten Bemühungen des Islamischen Staates, jegliche gesellschaftliche Vielfalt in der Region zu beseitigen.“ Er betonte, ein „klares internationales Engagement zur Aufrechterhaltung und zum Schutz der religiösen Vielfalt im Irak“ sei notwendig.

Die Erklärung des ÖRK ruft den Menschenrechtsrat eindringlich auf, sich für eine stärkere humanitäre Unterstützung der vertriebenen Bevölkerung einzusetzen und empfiehlt eine weitere verbindliche Resolution des Sicherheitsrates mit wirksamen Maßnahmen, um IS die finanzielle und materielle Unterstützung zu entziehen.

Der Text wurde dem UN-Menschenrechtsrat auf seiner Sondersitzung über die Menschenrechtslage im Irak am Montag, 1. September, am Sitz der Vereinten Nationen in Genf, Schweiz, vorgelegt.

Er macht auf die Bedrängnis von rund 100 Menschen aufmerksam, von denen man weiß, dass sie in Karakosh – einer von IS eingenommenen Stadt – geblieben sind. „Diese Menschen werden gefangen gehalten ... Wir werden dem Hochkommissariat für Menschenrechte eine Liste mit Namen einiger dieser Menschen vorlegen, die wir erhalten haben, damit die Vereinten Nationen diesen Fällen alle in ihrer Macht stehende, dringende Aufmerksamkeit schenken“, heißt es in der Erklärung.

Gestützt auf die Erkenntnisse der ÖRK-Delegation im Irak betont die Erklärung auch die Lage der Frauen. „Besonders besorgt sind wir um die Frauen und Mädchen in dieser Gruppe, da wir Berichte von Frauen gehört haben, die in Käfigen gefangen gehalten und von IS-Dschihadisten als Sklavinnen gekauft und verkauft worden sind.“

Im Irak trafen die ÖRK-Delegierten Vertriebene aus Christen-, Jesiden- und Kaka'i (Sufi)-Gemeinschaften sowie Kirchenleitende. Sie sahen Initiativen lokaler NGOs zur Verteilung grundlegender Nahrungsmittel und anderer wichtiger Güter an die Vertriebenen. Zudem besuchten sie Menschen in notfallmäßig eingerichteten Lagern und Notunterkünften, die von den örtlichen Kirchen zur Verfügung gestellt wurden.

Menschenrechtsverletzungen

Neben der humanitären Krise im Irak zeigt sich der ÖRK auch besorgt über das kollektive Leiden der religiösen Minderheiten und die längerfristigen Auswirkungen dieser Ereignisse. „IS zerstört – und in den von der Organisation kontrollierten Gebieten ist die Zerstörung bereits vollendet – die Präsenz und die eigentliche Identität der religiösen Minderheiten, zerreißt das gesellschaftliche Gefüge und das Erbe des interreligiösen Nebeneinanders in der Region.“

Die Erklärung hebt hervor, dass die eingeborene christliche Bevölkerung der Stadt Mossul, wo seit den Anfängen des Christentums Christen leben, vertrieben wurde und Kirchen, Klöster und heilige Texte zerstört worden sind.

„Die aggressive militärische Stärke von IS zu neutralisieren und seine giftige Ideologie bis an die Wurzeln auszumerzen sollte von höchster Wichtigkeit sein, für die gesamte internationale Gemeinschaft, besonders aber für unsere Brüder, Schwestern und Freunde im Islam, in dessen Namen IS diese Grausamkeiten begeht“, heißt es in der Erklärung weiter.

Der Text ruft zudem dringend zu einem „Ende der Kultur der Straffreiheit im Irak und in der gesamten Region“ auf und schlägt einen Sondergerichtshof für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Irak und in Syrien vor.

Der ÖRK vertritt 345 Mitgliedskirchen auf der ganzen Welt und hat bereits mehrmals seine Solidarität mit Christinnen und Christen, Jesidinnen und Jesiden und Mitgliedern anderer religiöser und ethnischer Gemeinschaften im Irak, die mit der Gewalt von IS konfrontiert sind, zum Ausdruck gebracht.

In einem Appell an den Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon, bat ihn Dr. Isabel Apawo Phiri, beigeordnete Generalsekretärin des ÖRK, er möge dazu beitragen, „den Schutz aller dort lebenden Menschen sicherzustellen und auf die Einhaltung der Menschenrechte einschließlich der Religionsfreiheit zu dringen“.

Erklärung der Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten für die Sondersitzung über die Menschenrechtslage im Irak (auf Englisch)

Gebete und Solidarität mit Kirchen im Nordirak (ÖRK-Pressemitteilung vom 12. August 2014)

Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten

ÖRK-Programm für Menschenrechte

Kirchen und Naher Osten: Solidarität und Zeugnis für den Frieden