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Christliche, jüdische und muslimische Fürsprache für sozialen Zusammenhalt und friedliches Zusammenleben

Christliche, jüdische und muslimische Fürsprache für sozialen Zusammenhalt und friedliches Zusammenleben

Foto: Daniel Shaked/KAICIID

01. März 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 08. März 2018

Unter religiösen Führungspersonen wächst eine Geschlossenheit. Im arabischen Raum ist dies eine starke Botschaft der Hoffnung, die christliche, jüdische und muslimische Würdenträger in Wien auf einer Konferenz über ein friedliches Miteinander und Vielfalt hörten, während sie sich für den Bedarf an noch mehr Dialog stark machten.

Die Konferenz fand vom 26. bis 27. Februar statt und wurde vom Internationalen Dialogzentrum (KAICIID) organisiert.

Sie fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem Menschen, die Konflikte entzünden wollen, Unterschiede zwischen Religionen als Ursache gesellschaftlicher Probleme darstellen, während religiöse Führungspersonen intensiver denn je für eine Geschlossenheit arbeiten.

„Die Übereinstimmung der gemeinsam verfolgten Ziele von Christen und Muslimen in wesentlichen Fragen, wie den gemeinsamen zivilen Rechten und Pflichten, ist offensichtlich. Geschlossenheit unter religiösen Führungspersönlichkeiten ist die stärkste Botschaft der Hoffnung, die die Region seit langem gesehen hat“, sagte KAICIID-Generalsekretär Faisal Bin Muaammar in seiner Eröffnungsrede.

Zum Konferenzabschluss bekräftigten hunderte von religiösen Führungspersonen gemeinsame Werte des sozialen Zusammenhalts und der friedlichen Koexistenz.

Das in Wien basierte Zentrum arbeitet mit Vertretenden von fünf großen Weltreligionen zusammen und führt Programme in Nigeria, in der Zentralafrikanischen Republik, im arabischen Raum, in Myanmar und in Europa durch.

Internationale Partner

KAICIID arbeitet mit einem großen Spektrum von internationalen Partnern zusammen, dabei religiöse Institutionen, zwischenstaatliche Organisationen, wie die Europäische Kommission, die Vereinten Nationen und die Zivilgesellschaft.

Mehr als 200 religiöse Führungspersonen, politische Entscheidungsträger und Entscheidungsträgerinnen, Akademikerinnen und Akademiker sowie Vertretende von internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft nahmen an der Konferenz teil.

Dabei fanden sich Leitende der orthodoxen Gemeinschaft, des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, der Islamischen Weltliga, jüdische Leitende sowie Führungspersonen der Evangelischen Kirche von Ägypten.

Unter dem Titel: „Interreligiöser Dialog für den Frieden: Die Förderung der friedlichen Koexistenz und der gemeinsamen Bürgerschaft“ fiel die Konferenz mit dem fünfjährigen Bestehen des KAICIID zusammen.

„Die Förderung von Toleranz und die Vertiefung von geteilten Werten wird unsere Religionen davon abhalten, alleinige Ansprüche und fundamentalistische Tendenzen geltend zu machen“, sagte Katholikos Aram I. Keshishian, Oberhaupt des Heiligen Stuhls von Kilikien.

„Geist der Toleranz“

Weiter sagte er: „Nur wenn wir dem Geist der Toleranz Ausdruck verleihen, können wir Angst und Misstrauen überwinden und eine harmonische Existenz aufbauen.“

Metropolit Emmanuel, Exarch des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, wiederholte die Worte, die Patriarch Bartholomäus in seiner Rede gesprochen hatte.

„Wir müssen Liebe üben, nicht nur unseren Freunden, sondern auch unseren Feinden gegenüber – und das ist schwieriger. Dies ist die Basis für einen ernsthaften und andauernden Dialog, und darin besteht die Arbeit von KAICIID.“

Rabbiner David Rosen, internationaler Direktor für interreligiöse Angelegenheiten des American Jewish Committee, bemerkte: „Vorurteile und Fanatismus werden von Unwissen und Entfremdung genährt. Aus diesem Grund ist dieses Treffen so wichtig. Ein ernsthafter interreligiöser Dialog fördert deshalb den Frieden.“

Pastor Mark Poulson, Sekretär für interreligiöse Angelegenheiten für den Erzbischof von Canterbury, sagte, Dialogplattformen müssten authentisch sein. „Plattformen und deren Umsetzung verlangen Vorbereitungen und Sorge, und sie sind nur wirksam, wenn sie lokal von Bedeutung sind“, sagt er.

Dies wurde ebenfalls von Dr. Kezevino Aram, Shanti Ashram-Direktorin, bestätigt, die sagte: „Wir alle hier Versammelten sind überzeugt, dass der Dialog weitergeführt werden muss, doch müssen wir auch unsere Brüder und Schwestern von den konkreten Auswirkungen dieses Dialogs überzeugen. Konflikte haben zugenommen, doch der Wunsch und der Hunger nach Frieden wächst ebenfalls.“

Bischof Miguel Ayuso, Sekretär des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, sprach über die Hoffnung, die solche Konferenzen bringen können.

„Die massiven Bewegungen von Flüchtlingen und Migrantinnen und Migranten, die vor dem Horror des Krieges fliehen, sollen uns in Mitgefühl vereint und um der Dringlichkeit, die gegenwärtigen Herausforderungen anzugehen, bewusst vorfinden“, sagte der römisch-katholische Bischof.

„In dieser Zeit und in unserer Welt sind Frieden und Versöhnung dringend notwendig. Wir brauchen die Förderung einer ,Kultur des Dialogs‘, einer ,Kultur der Inklusivität‘, die jeden Menschen respektieren, damit wir gemeinsam eine Solidarität fördern können, die sich auf das Gemeinwohl ausrichtet.“

KAICIID ließ verlauten, hochrangige Würdenträger von muslimischen, christlichen, jüdischen und anderen religiösen Gemeinschaften weltweit hätten sich „einstimmig für sozialen Zusammenhalt, friedliches Zusammenleben und Respekt für religiöse Vielfalt“ ausgesprochen.

Gemeinsame Bürgerschaft

Die Teilnehmenden befassten sich mit Themen, wie die Rolle von religiösen Führungspersonen und politischen Entscheidungsträgern bei der Förderung von sozialem Zusammenhalt und gemeinsamen zivilen Rechten und Pflichten – Anliegen, die in den Prioritätenlisten von religiösen Würdenträgern im Nahen Osten einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

Weiter diskutierten sie über globale Partnerschaften für den Dialog und die Förderung von sozialem Zusammenhalt, interreligiöser Ausbildung und gemeinsame Werte der Bürgerschaft, und untersuchten die sozialen Medien als Raum für den Dialog.

Unter den Teilnehmenden befanden sich leitende Persönlichkeiten im Bereich des interreligiösen Dialogs sowie Fachpersonen und politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger.

An der Konferenz haben unter anderem folgende Personen teilgenommen: Patriarch Bartholomäus, Erzbischof von Konstantinopel; Dr. Mohammad bin Abdul Karim Alissa, Generalsekretär der Muslimischen Weltliga; Dr. Abbas Shuman, Vertreter von Al-Azhar; Theodoros II, Papst und Patriarch von Alexandrien und ganz Afrika, Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Oberrabbiner von Moskau, Russland, und Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz; Adama Dieng, Sonderberater des UN-Generalsekretärs für die Verhütung von Völkermord und Ahmad Alhendawi, Generalsekretär der Weltpfadfinderorganisation.

Unterstützt wurde die Aufgabe, interreligiösen und interkulturellen Dialog zu fördern, unter anderem von: Dr. Michael Linhart, Generalsekretär für auswärtige Angelegenheiten der Republik Österreich; Dr. Nizar Madani, Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten des Königreichs Saui-Arabien; Belén Alfaro, Botschafterin der Allianz für Zivilisationen und für interreligiösen Dialog von Spanien.

Arabische Religionsführer schaffen erstmals Plattform für sozialen Zusammenhalt (ÖRK-Pressemeldung vom 26. Februar 2018)

Fotos der Konferenz „Interreligiöser Dialog für den Frieden: Die Förderung der friedlichen Koexistenz und der gemeinsamen Bürgerschaft“

Arbeit des ÖRK zur Stärkung von Vertrauen und Respekt zwischen den Religionen