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Zentralausschuss beschäftigt sich mit Perspektiven zu wirtschaftlicher Gerechtigkeit

Zentralausschuss beschäftigt sich mit Perspektiven zu wirtschaftlicher Gerechtigkeit

Hyun Ju Bae während der Tagung des ÖRK-Zentralausschusses.

06. Juli 2014

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 08. Juli 2014

Die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert sich rund um die Welt und Kirchen müssen sich stärker dafür einsetzen, dass wirtschaftliche Gerechtigkeit für Gemeinschaften gewährleistet wird. Diese Ansicht prägte die Diskussionen in einer Plenarsitzung während der Zentralausschusstagung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) am 5. Juli in Genf, Schweiz.

Der 150 Mitglieder zählende Ausschuss, das höchste Leitungsgremium des ÖRK, behandelte das Anliegen der wirtschaftlichen Gerechtigkeit als Teil des Tagungsthemas, „Pilgerreise der Gerechtigkeit und des Friedens“. Das Thema ist ein Aufruf der 10. Vollversammlung des ÖRK, welche 2013 in Busan, Republik Korea stattfand.

Der Ausschuss hörte sich von Referentinnen und Referenten im Plenum vorgetragene Perspektiven über die Verbindung zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Krisen an, sowie über die Frage, wie aktuelle Wirtschaftssysteme Ungleichheiten, Armut und wirtschaftliche Zerstörung verschärfen.

Einer der Referenten war Dr. Manuel Montes, Chefberater für Finanzen und Entwicklung am South Centre in Genf. Er gab eine Übersicht darüber, wie Menschen aufgrund von Schwachstellen im globalen Wirtschaftssystem leiden. Das System, sagte er, „begünstige die Kreditgebe und nicht die Kreditnehmenden“.

In seinen Ausführungen über die Wirtschaftskrise der 1920er Jahre und die Finanzkrise von 2007 und 2008 berichtete er von seinen Beobachtungen, dass viele der Herausforderungen des 20. Jahrhunderts, die zu gewaltigen Zerstörungen führten, Auswirkungen auf die heutige wirtschaftliche Situation haben.

Er bezeichnete die gegenwärtige wirtschaftliche Situation als „Herausforderung für die Glaubensgemeinschaften“.

Montes stellte den Versammelten die Arbeit des ökumenische Expertengremiums für eine neue internationale Wirtschafts- und Finanzarchitektur vor, die einen Bericht mit dem Titel „An Economy of Life for All Now: An Ecumenical Action Plan for a New International Financial and Economic Architecture“ verfasst hat. Das Gremium hat Strategien für die Kirchen entwickelt, um ethische, gerechte und nachhaltige wirtschaftliche und finanzielle Systeme zu verwirklichen. Eingesetzt wurde das Gremium vom ÖRK, der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, dem Lutherischen Weltbund und dem Rat für Weltmission.

Weiter sprach Montes über die São Paulo-Erklärung zur Umwandlung des internationalen Finanzsystems, die zu sichtbaren Maßnahmen zur sozialen Eingliederung, zur Verwirklichung von Gendergerechtigkeit und zum Umweltschutz ermutigt und gleichzeitig der „Habgier klare Grenzen“ setzt sowie eine „Ökonomie des Lebens“ unterstützt. Diese Erklärung wurde 2012 verfasst.

Pastorin Dr. Hyun Ju Bae, Theologin und ÖRK-Zentralausschussmitglied der Presbyterianischen Kirche von Korea, lud zu theologischen Reflexionen über wirtschaftliche Gerechtigkeit ein. Sie sagte: „Der Ruf nach wirtschaftlichen und ökologischen Reformen in unserer Zeit stellt eine große theologische Herausforderung dar, da er die Überarbeitung unserer theologischen Formulierungen und Vorstellungen erfordert.“

Bae fügte hinzu, die Kirchen bräuchten eine „transformierende Spiritualität, welche die Liebe Gottes nährt, der das Rechte liebt (Jes 61,8), das Bewusstsein für ökologische Gerechtigkeit, ökologische Schuld, Nachhaltigkeit und Biodiversität fördert und einen neuen Lebensstil ermöglicht.

Bae betonte, dass es sowohl in theologischen Ausbildungsstätten als auch in lokalen Kirchen theologische Ausbildung braucht, um Christinnen und Christen mit Wissen auszurüsten, welches wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit fördert.

„Die Kirche setzt sich zusammen aus Kolonisierten und Kolonisierende, aus Unterdrückenden und Unterdrückten, sowohl im globalen Süden als auch im globalen Norden. Viele von ‚uns‘ haben sowohl die Rolle der Unterdrückenden als auch der Unterdrückten inne, am Rande wie im Zentrum der Macht. Diese Komplexität erschwert zwar das Streben nach Gerechtigkeit, doch ist sie auch von unendlichem Wert“, sagte Bae, den Bericht und Aktionsplan des ökumenischen Expertengremiums zitierend.

David Woods von Oikocredit International stellte dem Plenum seine Organisation vor. Oikocredit wurde vor vierzig Jahren auf einer ÖRK-Tagung gegründet und ist eine der weltweit größten privaten Finanzierungsquellen des  Mikrofinanzsektors, der Berufsgenossenschaften, Organisationen für fairen Handel und kleinen bis mittleren Unternehmen Kredit und Kapital zur Verfügung stellt.

Durch Mikrofinanzierung, so Woods, verleihe Oikocredit Gelder an Mikrofinanzinstituten (MFI) weltweit. Im Gegenzug leisten diese benachteiligten Menschen finanzielle Hilfe und legen dabei einen besonderen Schwerpunkt auf ländliche Regionen, Frauen, den Landwirtschaftssektor und den Handel. Die Organisation widme sich der Messung von sozialen Ergebnissen, der Gewährleistung von Initiativen zur Unterstützung von Investitionen für nachhaltige Lebensgrundlagen, der Stärkung von Frauen sowie der Umwelt.

Sehen Sie das Video: Global wealtch inequality, need to change the rules

São Paulo-Erklärung: Umwandlung des internationalen Finanzsystems zu einer Wirtschaft im Dienst des Lebens

Oikocredit International

Arbeit des ÖRK zum Thema Armut, Reichtum und Umwelt

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