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Ökumenisches Institut in Bossey motiviert Studierende zum Einsatz für Veränderung in Kirche und Gesellschaft

Ökumenisches Institut in Bossey motiviert Studierende zum Einsatz für Veränderung in Kirche und Gesellschaft

Tamar Koraschwili, eine Absolventin des Ökumenischen Instituts, kommt aus Georgien. Foto: Ivars Kupcis/ÖRK

20. Juni 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 21. Juni 2018

*Von Philippa Hitchen

Das Ökumenische Institut in Bossey, das Papst Franziskus am Donnerstag, 21. Juni, im Rahmen seiner Pilgerfahrt zum Ökumenischen Rat der Kirchen in Genf besuchen wird, ist eine Ideenwerkstatt, in der zukünftige Wege zur christlichen Einheit erschlossen werden.

Das nach dem Zweiten Weltkrieg zur Förderung von Dialog und Begegnungen zwischen Angehörigen der verschiedenen christlichen Kirchen gegründete Institut ist in einem eleganten Château aus dem 18. Jahrhundert beheimatet, von dem aus man einen Blick über den Genfersee und das Alpenpanorama genießt.

Als innovatives „ökumenisches Labor“ bekannt, bietet Bossey Master- und Promotionsstudiengänge sowie auch kürzere Programme unter Leitung von römisch-katholischen, orthodoxen und evangelischen Professorinnen und Professoren.

Unter den acht Studierenden, die dieses Jahr einen Mastertitel erworben haben, ist Tamar Koraschwili aus Georgien, dessen orthodoxe Mehrheitskirche den Ökumenischen Rat der Kirchen vor zwanzig Jahren verlassen hat.

Koraschwili absolvierte vor ihrem Aufenthalt in Bossey ein Studium der Kunst und der Geschichte des Mittelalters. Nach ihrer Rückkehr nach Hause möchte sie sich für Frauenrechte und Gleichberechtigung der Geschlechter engagieren.

Die Gesetze schreiben Gleichberechtigung vor, berichtet sie, „aber in den Familien und der Gesellschaft haben wir immer noch mit einigen Problemen zu kämpfen.“

Dazu gehörten Kinderehen, besonders innerhalb der muslimischen Bevölkerungsgruppe, führt sie aus, wo sogar 13- und 14-Jährige verheiratet werden, die dann „keinerlei Chancen auf eine Schulbildung“ haben.

Aber auch innerhalb der orthodoxen Kirche hätten patriarchalische Einstellungen und das Fehlen von Frauen auf der Leitungsebene Rückwirkungen „auf das Alltagsleben der Menschen in Georgien“.

Koraschwili würde sich durchaus Frauen als Priesterinnen wünschen, verweist aber auf die Erfahrungen in anderen orthodoxen Kirchen, einschließlich des Ökumenischen Patriarchats, in denen zunächst einmal grundlegende Fragen im Blick auf Gleichberechtigung und mehr Achtung vor Frauen angegangen werden.

In Georgien, so Koraschwili, werde Frauen vermittelt, dass sie, wenn sie ihre Periode haben, „nicht zur Kommunion gehen sollten, [ihr] Kind nicht taufen lassen können“. Aber „mehrere rumänische Priester haben mir gesagt, dass das für sie kein Problem ist“, stellt Koraschwili fest und ergänzt, dies zeige, wie man „doch diese Probleme bewältigen kann, auch ohne dass man die Strukturen der Kirche verändern muss.“

Ihr Studium in Bossey und die Erfahrungen, die sie dort mit Menschen aus vielfältigen Kulturen und religiösen Traditionen gemacht hat, haben in ihr die Überzeugung gestärkt, sich für Wandel in Kirche und Gesellschaft einsetzen zu müssen.

„Meine Weltsicht hat sich verändert“, sagt sie lächelnd über ihre Freundschaft mit einer Kommilitonin von den Molukken in Indonesien. „Ich habe vieles von ihr gelernt und wir haben festgestellt, dass wir in [unseren] Kulturen in Georgien und auf den Molukken vieles gemeinsam haben. Es ist unglaublich, wie die Welt hier in Bossey näher zusammenrückt!“

*Die Journalistin Philippa Hitchen arbeitet im Vatikan.

Audio: Interview mit Tamar Koraschwili (in englischer Sprache)

Ökumenisches Institut des ÖRK in Bossey (in englischer und französischer Sprache)

Papst Franziskus besucht den Ökumenischen Rat der Kirchen