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Ausblick auf gerechten Frieden und Einladung zur "Friedenswelle"

Ausblick auf gerechten Frieden und Einladung zur "Friedenswelle"

Bischof Algermissen und ÖRK-Generalsekretär Tveit bei der Podiumsdiskussion „Wie baut man Frieden?“ auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag. Foto: Olivier Schopfer/ÖRK

15. Mai 2010

Das Engagement für den Frieden ist uns als Kirchen und als Christ/innen in die Wiege, oder besser gesagt in die Krippe gelegt,“ sagte Bischof Dr. Martin Schindehütte, Leiter der Abteilung für Ökumene und Auslandsarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), beim Tag zur Vorbereitung der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvokation 2011 auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München.


Das Forum „Frieden stiften“ am 14. Mai stimmte die Teilnehmenden des Kirchentags in Podiumsdiskussionen mit Friedensaktivist/innen, Politiker/innen, Bischöfen und Vertreter/innen des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) ein auf die verschiedenen Aspekte des „gerechten Friedens“. Er soll im Fokus der Friedenskonvokation stehen, zu der der ÖRK im Mai nächsten Jahres nach Kingston, Jamaika, einlädt.


Der „gerechte Friede“ stellt einen Gegenentwurf zum Konzept des „gerechten Kriegs“, demzufolge Krieg unter bestimmten Umständen gerechtfertigt wäre, dar.


Die Sorge, dass der Krieg rehabilitiert werden könnte, brachte der katholische Bischof von Fulda Dr. Heinz Josef Algermissen, Präsident von Pax Christi Deutschland, in der Gesprächsrunde unter dem Titel „Wie baut man Frieden?“ zum Ausdruck. Es gäbe darüber „faktisch keine Diskussion in der Gesellschaft“.


Mit Blick auf Afghanistan sagte er: „Wir werden keinen Frieden bauen, solange es noch strukturelle Gewalt gibt.“ Man müsse die Frage stellen: „Wie schaffen wir Gerechtigkeit in Afghanistan?“ Dies sei aber nicht gewährleistet, solange man viel mehr Geld für den militärischen Einsatz ausgebe.


Sicherheit ohne Frieden wird Unterdrückung


Der EKD-Ratsvorsitzende Präses Dr. Nikolaus Schneider ergänzte, mit Militär schaffe man keinen Frieden, denn „Sicherheit ist nicht Frieden“. Zwar gebe es ohne Sicherheit keinen Frieden, „aber Sicherheit ohne Frieden wird Unterdrückung“.


Der ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit erklärte, dass sich das Konzept des gerechten Friedens auch auf andere Zusammenhänge als die deutsche Afghanistan-Debatte anwenden ließe, etwa auf die Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo, oder auf den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.


Hier hätten die Kirchen in Deutschland einen wichtigen Beitrag zu leisten, weil sie aus der eigenen Geschichte wüssten, wie wichtig der Respekt vor den Menschenrechten sei, deshalb die Probleme der Palästinenser verstünden. Zugleich wüssten sie um die besondere Verantwortung der Christen gegenüber den Juden und pflegten den sorgsamen Umgang miteinander: „Die deutschen Kirchen können verstehen, warum dieser Konflikt so schwierig zu lösen ist, aber auch dass er gelöst werden muss.“


Frieden im Alltag, auf den Märkten, mit der Erde


Für den Friedensbegriff, den die Kirchen im Laufe der Dekade zur Überwindung von Gewalt von 2001 bis 2010 entwickelt haben, ist der Friede zwischen den Völkern nur ein Aspekt. Um ihn dauerhaft zu verwirklichen, braucht es auch die Erziehung zum friedlichen Miteinander im täglichen Leben, ein Ende der Gewalt durch ausbeuterische wirtschaftliche Strukturen und ein Ende des zerstörerischen Umgangs mit der Schöpfung.


Als Erfolgsbeispiel nannte Präses Schneider den fairen Handel, der mit dem Verkauf einiger Produkte in Kirchengemeinden nach dem Gottesdienst begonnen hatte, und inzwischen in der Gesellschaft allgemein Fuß gefasst hat.


Zum Thema Friedenserziehung sagte Nicolau Jemusse Luis, Leiter des Programms "Schwerter zu Pflugscharen" im Christenrat von Mosambik: „Ich möchte Sie herausfordern: Lassen Sie uns keine Spielzeugwaffen für unsere Kinder mehr kaufen, sondern alle Spielsachen, die Waffen darstellen, einsammeln und vernichten.“


Ein Aufruf, in den auch Gisela Mayer, Sprecherin des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, einstimmte. Sie gründete gemeinsam mit anderen trauernden Eltern eine Initiative für ein friedlicheres Umfeld für Kinder, nachdem ein Schüler im März 2009 ihre Tochter, die an der Schule unterrichtete, und zahlreiche seiner Mitschüler erschossenen hatte.


„Was sind wir nur für Wesen, dass wir das Üben von effizientem Töten als Freizeit und Sport verstehen?“ fragte Mayer, und fügte hinzu: „Was brauchen unsere Kinder, damit sie Gewalt nicht brauchen?“ Von der Friedenskonvokation erhofft sie sich, dass die Kirchen „mit klarer und deutlicher Stimme“ sagen, „dass das Ringen um Frieden niemals zu Ende sein wird, und genau deshalb jeden Tag neu beginnen muss.“


Die Erfahrungen, die Kirchen während der Dekade zur Überwindung von Gewalt mit der Friedensarbeit in den verschiedenen Bereichen gesammelt haben, fließen ein in eine „Erklärung zum gerechten Frieden“.


„Sie soll ein Versuch sein, das Gelernte zu bewahren,“ erklärte Prof. Dr. Konrad Raiser, ehemaliger ÖRK-Generalsekretär und Koordinator der internationalen Redaktionsgruppe der Erklärung. Ziel der Dekade, die 2001 in Berlin eröffnet symbolisch wurde, war es, „die Friedenshoffnung vom Rand ins Zentrum des kirchlichen Lebens zu rücken,“ erläuterte er.


Welle von Friedensgebeten rund um die Welt


Die Einladung, im Mai 2011 Teil einer christlichen Friedenswelle zu werden, stand am Abschluss des Friedensforums in München. Beim liturgischen Abend unter dem Motto „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“ rief Bischof Schindehütte dazu auf, sich wie die Hirten von Bethlehem auf den Weg zu machen und am Sonntag der Friedenskonvokation am 22. Mai 2011 die Friedensbotschaft weiterzutragen – in Kingston oder am eigenen Heimatort.


Kirchengemeinden rund um den Globus seien eingeladen, an diesem Tag gemeinsam für den Frieden zu beten. „Von Jamaika wird eine Welle ausgehen: Nicht eine La-Ola-Welle, sondern eine Ora-et-Labora-Welle. Wir wollen gemeinsam beten und arbeiten für den Frieden,“ erklärte Schindehütte.


Das Anliegen, nicht nur ÖRK-Mitgliedskirchen sondern auch die katholische Kirche in Deutschland möge sich an dem Aufruf zum Friedensgebet beteiligen, traf bei dem Freiburger Erzbischof Dr. Robert Zollitsch auf offene Ohren. Er werde den Gebetstext mit seinen Amtsbrüdern in der Deutschen Bischofskonferenz, deren Vorsitzender er ist, besprechen.


Internationale Ökumenische Friedenskonvokation


Mehr Informationen über ÖRK-Aktivitäten auf dem Kirchentag


Website des 2. Ökumenischen Kirchentags