World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Sie sind hier: Startseite / Pressezentrum / Nachrichten / Ein Streiter für Familienwerte, berufen von Gott

Ein Streiter für Familienwerte, berufen von Gott

Ein Streiter für Familienwerte, berufen von Gott

Kenneth Ben. Foto: Claus Grue/ÖRK

26. März 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 29. März 2018

Von Claus Grue*

Als Kenneth Ben in den sechziger und siebziger Jahren aufwuchs, wurde am Anfang und am Ende jedes Tages ein Gebet gesprochen. Sein Vater war Pastor und hatte eine Kanzel zu Hause. Seine Eltern richteten ihr gesamtes Leben an christlichen Werten aus. Ben lernte ebenfalls früh die Bedeutung einer großen Familie kennen, zu der auch die Großeltern und andere Verwandte gehörten.

„Heute sind die Menschen zu beschäftigt, und die alten Menschen werden vernachlässigt. Die Menschen wissen nichts mehr über den Wert einer Großfamilie. Das ist eine traurige Entwicklung. Es gibt so viele zerbrochene Familien, und deshalb besteht unsere wichtigste Herausforderung in der heutigen Gesellschaft darin, sich der Familienwerte wieder bewusst zu werden“, sagt Ben.

Fast 25 Jahre hat er als Polizist auf Rarotonga, der größten der Cook-Inseln, seinen Dienst versehen, bevor er dem Ruf folgte und er sich dazu entschloss, sein Leben als Jünger Jesu zu verbringen.

Heute arbeitet er als Sekretär der Gemeinde Titikaveka auf Rarotonga sowie als ordinierter Direktor für Evangelisation bei der Cook Island Christian Church (CICC), verantwortlich für die Evangelisation in mehr als 60 Zweigstellen christlicher Kirchen in Neuseeland, Australien und den Cook-Inseln. Vor vier Jahren hat die CICC ihren Tätigkeitsbereich auf die Mission ausgeweitet und damit begonnen, junge Menschen für den Missionsberuf auszubilden. Das Interesse war enorm: 45 Studierende haben sich für das Programm eingeschrieben, 12 neue werden alle vier Jahre rekrutiert.

„1965 wurde ich geboren, 1973 gab mit der Herr eine Vision, und 1986 zeigte er mir meine Mission. Es geschah, als ich und meine zukünftige Ehefrau am Strand farbenfrohe Fische bewunderten. Wenn Gott dich ruft, wirst du dich immer daran erinnern“, erklärt Ben.

Zwanzig Jahre später, im November 2006, nahm er einen Posten in der Kommission für Weltmission und Evangelisation des Ökumenischen Rates der Kirchen an, und nach weiteren sieben Monaten quittierte er seinen Dienst bei der Polizei. Damals starb auch sein Vater, der immer eine so große Quelle der Inspiration für ihn gewesen war. Aufgrund seiner 24-jährigen Erfahrung als Polizist kann er den alltäglichen Überlebenskampf der kleinen Leute gut nachvollziehen.

„Man ist ganz nah dran am Leben der Menschen, und damit bekommt man auch einen Einblick in das, was in einer Gesellschaft vorgeht“, sagt er.

„Unsere wichtigste Herausforderung heute sind die Auswirkungen der modernen Technologie auf unser Alltagsleben und unsere Traditionen. Die Menschen sind zu beschäftigt, um noch miteinander zu reden, und wir erleben eine immer größere Entfremdung zwischen der traditionellen Lebensart älterer Menschen und dem modernen Lebensstil der jungen Leute. Die Frage ist, wer hier an den Rand gedrängt wird“, sagt Ben.

Die meisten seiner mehr als 200.000 Landsleute leben in Neuseeland, wo die Menschen von den Cook-Inseln Bürgerstatus haben, und in Australien. Weniger als 20.000 sind in ihrer ursprünglichen Heimat im Pazifik geblieben.

„Die jungen Menschen gehen ins Ausland, um dort zu studieren und zu arbeiten, und dann kommen sie nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren zurück und bringen ihren urbanen Lebensstil und ihre globalen Perspektiven mit“, erklärt Ben.

Auch Fremde haben im Laufe der Zeit den traditionellen christlichen Glauben beeinflusst und ihre eigenen Kirchen auf den Inseln gegründet. „Als dies gehört zur Globalisierung und stellt die traditionellen Familienwerte vor Herausforderungen, eröffnet aber auch Möglichkeiten für Jobs und Einkommen. Wir müssen das größere Bild vor Augen haben und den Glauben als heilende Kraft zu Hause anerkennen. Heilung erfordert Versöhnung, und hier kann die Kirche eine wichtige Rolle übernehmen. Wir müssen der Tatsache positiv gegenüberstehen, dass Gottes Gnade viel größer ist als die Herausforderungen, denen wir uns in der Gesellschaft stellen müssen“, fährt Ben fort.

Seine Teilnahme an der Konferenz für Weltmission und Evangelisation in Arusha Anfang des Monats als Beauftragter und Mitglied zweier Kommissionen eröffneten ihm zahlreiche Gelegenheiten, seine Erfahrungen mit den Themen Mission und Evangelisation mit Kolleginnen und Kollegen aus aller Herren Länder zu teilen.

„Die Aufgabe besteht hier darin, die heutigen Herausforderungen wie Globalisierung, Umweltprobleme, Geschlechterfragen, Gewalt gegen Frauen und Kinder usw. zu thematisieren und sie im globalen Kontext auf eine andere Ebene zu bringen. Ich weiß zu schätzen, was andere Delegierte in ihrem eigenen Kontext leisten und dass wir voneinander lernen können. Es ist gut, als ein Volk in dem universellen Leib Christi vereinigt zu sein“, sagt Ben abschließend.

Für ihn geht es im Leben um Harmonie, und Gebete sind nach wie vor der Schlüssel, um die Tür am Morgen zu öffnen und am Abend zu verschließen.

Missionskonferenz in Tansania beginnt im Geist des Miteinanders (ÖRK-Pressemitteilung vom 8. März 2018)

ÖRK-Generalsekretär über die Konferenz für Weltmission und Evangelisation: Wir sind zur Veränderung berufen (ÖRK-Pressemitteilung vom 7. März, nur auf EN)

Thema der Missionskonferenz hat tiefergehende Bedeutung (ÖRK-Pressemitteilung vom 6. März, nur auf EN)

„Aufruf zur Nachfolge“ in Arusha verfasst (ÖRK-Pressemitteilung vom13. März 2018)

*Claus Grue ist Kommunikationsberater für den Ökumenischen Rat der Kirchen.