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Rev. Dr Carlton Turner speaks at the plenary

Wadi El Natrun, Ägypten, am 27. Oktober 2025: Pastor Dr. Carlton Turner (Kirche in der Provinz Westindien), hält eine Ansprache im Rahmen einer Plenarsitzung mit dem Titel „Die Kirche in und für die Welt“ an der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung, die unter dem Motto „Welchen Weg nun zur sichtbaren Einheit?“ vom 24. bis 28. Oktober 2025 in Wadi El Natrun, Ägypten, stattfindet.

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„Für uns in der Karibik ist Ägypten auch mit einem anderen Schlüsselmoment der Bibelgeschichte verknüpft: es ist ein Ort der Zwangsarbeit, der Ausbeutung, der imperialen Herrschaft, ein Ort, wo wir den Namen und die erlösende Macht Gottes erlebten“, schilderte der karibische Theologe Pastor Kanoniker Dr. Carlton Turner in einer Plenarsitzung am vierten Tag der vom 24. bis 28. Oktober stattfindenden Konferenz.

„Es ist der Ort, an dem die Worte ‚Lass mein Volk ziehen‘ ertönten. Es ist das Land des Exodus – so singen und hören wir es in den bewegenden Worten Bob Marleys“, sagte Turner, stellvertretender Vorsitzender der Queen's Foundation for Ecumenical Theological Education in Birmingham, Vereinigtes Königreich.

Rund 400 Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben sich zu dieser Konferenz versammelt, die von der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) organisiert wird. Als Veranstaltungsort dient das päpstliche Logos-Zentrum der Koptischen Orthodoxen Kirche in Wadi El Natrun, im Südwesten Alexandrias in Ägypten.

Die Konferenz gehört zu den Hauptveranstaltungen des ÖRK anlässlich des 1700-jährigen Jubiläums des ersten ökumenischen Konzils von Nizäa im Jahr 325 n. Chr., als sich Kirchenverantwortliche unter der Ägide von Kaiser Konstantin I. erstmalig versammelten. 

Das Konzil von Nizäa markiert einen Wendepunkt der christlichen Geschichte: Christinnen und Christen wurden von einer verfolgten Minderheit zu einer vom römischen Staat anerkannten Kirche. Doch es wirft auch Fragen über die Verflechtung von Kirche und Imperium auf. 

Das Konzil sei ein hochpolitischer Anlass gewesen, erklärte Pastor Dr. Evangelos Thiani von der Erzdiözese Nairobi des Griechisch-Orthodoxen Patriarchats von Alexandria und ganz Afrika, in seiner Ansprache. 

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Very Rev. Dr Evangelos Thiani speaking at the plenary

Pastor Dr. Evangelos Thiani (Griechisch-Orthodoxes Patriarchat von Alexandria) hält eine Ansprache im Rahmen einer Plenarsitzung mit dem Titel „Die Kirche in und für die Welt“ an der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung, die unter dem Motto „Welchen Weg nun zur sichtbaren Einheit?“ vom 24. bis 28. Oktober 2025 in Wadi El Natrun, Ägypten, stattfindet.

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„Unter der Herrschaft Konstantins nahm die Beziehung zwischen Kirche und Staat neue Formen an“, sagte er. „Es entwickelte sich allmählich der staatliche Einfluss auf religiöse Angelegenheiten und Theologie sowie die Benutzung des Staates durch die Kirche zum Zwecke der Mission und Expansion.“

Das habe eine Art politischer Religiosität genährt, die noch heute die politische Ekklesiologie von Christinnen und Christen beeinflusse, sagte Thiani. „Manche Kirchen weisen eine zu enge Zusammenarbeit von Staat und Kirche ab, andere Kirchen sehen dies als unabdingbar an.“

Das Christentum, das die Region, die nun als Karibik gilt, erreichte, „baute auf die Glaubenssätzen von Nizäa auf, doch es hatte äußerst imperialistische und dadurch auch äußerst gewaltsame Züge gegenüber jenen, die in der europäischen Vorstellung nur eine marginale Rolle spielten“, sagte Turner.

„Die Theologie und theologische Standpunkte müssen stets auf die darin eingebettete Abhängigkeit von Macht- und Gewaltsystemen, die in imperialen, wirtschaftlichen, nationalistischen und politischen Systemen ihren Ursprung haben, geprüft werden“, warnte Turner. 

Die indonesische Theologin Pastorin Prof. Dr. Septemmy E. Lakawa beschrieb Nizäa in ihrer Videoansprache als „paradoxen Raum“.

„Die Kirchen litten unter Verfolgung und vermutlich auch Traumatisierung, doch gleichzeitig verbesserte sich ihr öffentlicher und politischer Status im ganzen Kaiserreich“, sagte Lakawa. 

„Womöglich befinden wir uns noch immer in einem vergleichbaren paradoxen Raum“, fuhr sie fort. „Verkörpern wir nach 1700 Jahren eine andere Art der ökumenischen Gemeinschaft und der ökumenischen Führung?“

In einer Welt nach Nizäa müssten die Masken des Terrors, der Ignoranz und der Gewalt fallen, sagte Lakawa.

„Was, wenn die Existenz als Kirche bedeutet, sich gegen die Welt zu stellen – gegen eine Welt, die von wetteifernden Megamächten in einem neuen Paradebeispiel einer gewaltsamen Hierarchie globaler Reiche, die den Beginn einer Katastrophe kosmischen Ausmaßes ankündigt, eingenommen wird?“ 

Das Motto der Konferenz – „Welchen Weg nun zur sichtbaren Einheit?“ – wird aus den verschiedenen, miteinander verknüpften Perspektiven Glauben, Mission und Einheit betrachtet. Am 27. Oktober lag der Fokus der Konferenz, die in Zusammenarbeit mit der ÖRK-Kommission für Weltmission und Evangelisation (KWME) organisiert wurde, auf der Perspektive der Mission.

In der Vollversammlung gedachte Dr. Andrej Jeftić, Direktor der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, des verstorbenen Direktors der KWME, Pastor Dr. Peter Cruchley, der bei der Planung des Programmes dieses Tages eine große Rolle übernommen hatte und am 15. August an einer Krebserkrankung verstarb. Jeftić bat darum, ihn und seine Familie im Gebet aufzunehmen.

Pastor Dr. Michael Blair, Vorsitzender der KWME, nahm diesen Gedanken dies in einer Podiumsdiskussion nach der Vollversammlung wieder auf. 

„Peter war ein wichtiger Gesprächspartner bei der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung und setzte sich stets dafür ein, den Auftrag der ÖRK-Vollversammlung zu erfüllen, Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen der KWME und der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung zu finden“, sagte Blair. „Peters Leitung der KWME war ein unfassbares Geschenk. Er hinterlässt eine Lücke und wir werden ihn und sein Erbe stets in Würde hochhalten.“

Livestream-Video der Plenarsitzung

Ansprache von Pastor Dr. Evangelos Thiani in der Plenarsitzung „Die Kirche in und für die Welt“ (in englischer Sprache)

Ansprache von Pastor Kanoniker Dr. Carlton Turner in der Plenarsitzung „Die Kirche in und für die Welt“ (in englischer Sprache)

Ansprache von Pastorin Prof. Dr. Septemmy Eucharistia Lakawa in der Plenarsitzung „Die Kirche in und für die Welt“ (in englischer Sprache)

Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung beginnt in Ägypten: Mit Herz und Verstand den Blick auf Einheit gerichtet (Pressemitteilung, 24. Oktober 2025)

Sechste Weltkonferenz setzt sich mit der Bedeutung des Glaubens für die Einheit der Kirchen in heutiger Zeit auseinander (ÖRK-Pressemitteilung, 25. Oktober 2025)

Livestreams und Aufzeichnungen der Konferenz

Fotogalerie: Sechste Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung, 2025

Mehr über die Sechste Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung

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Rev. Dr Septemmy Lakawa speaking at the plenary

Pastorin Prof. Dr. Septemmy E. Lakawa (Protestantische Kirche in Südostsulawesi) hält eine Videoansprache im Rahmen einer Plenarsitzung mit dem Titel „Die Kirche in und für die Welt“ an der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung, die unter dem Motto „Welchen Weg nun zur sichtbaren Einheit?“ vom 24. bis 28. Oktober 2025 in Wadi El Natrun, Ägypten, stattfindet.

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