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Matilde Sapuana lebt in der indigenen Gemeinschaft der Wayúu in Jamiche, La Guajira, Kolumbien. Das indigene Volk der Wayúu ist seit Jahrzehnten von Vertreibung, Umweltverschmutzung und der Zerstörung ihrer Kultur durch den Steinkohletagebau in der Cerrejón-Kohlemine betroffen – einer der größten Kohleminen der Welt. Die Menschen berichten von verseuchtem Wasser, schlechten Ernten und chronischen Atemwegserkrankungen und gleichzeitig wird ihnen weiterhin die rechtliche Anerkennung verwehrt, die ihnen Zugang zu grundlegenden Rechten und staatlichen Leistungen ermöglichen würde.

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In einer der trockensten Regionen Südamerikas ist Wasser das A und O. Der Rio Ranchería, der durch das Departamento La Guajira, Kolumbien, fließt und der einzige größere Fluss in dem Departamento ist, war einst die Lebensversicherung der Menschen dort. In sechs der 15 Gemeinden der Region lieferte er Trinkwasser, Wasser für die landwirtschaftliche Tätigkeit der Menschen und Weideland für das Vieh. Bevor Glencore dort eine Kohlemine eröffnete, hatten die Wayúu ihr Leben vollständig am Fluss ausgerichtet.

El Cerrejón, der größte Kohletagebau in Lateinamerika, verbraucht Berichten zufolge bis zu 30 Millionen Liter Wasser pro Tag. Eine derart intensive Bergbautätigkeit in dieser semiariden Region lässt alle Grundwasservorkommen versiegen, auf die auch die Menschen angewiesen sind. Ein normaler Mensch in La Guajira hat im Durchschnitt laut einer von der Universität La Guajira veröffentlichten und vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zitierten Studie gleichzeitig täglich Zugang zu lediglich 0,7 Litern Rohwasser. Eine Kohlemine, die täglich 30 Millionen Liter Wasser verbraucht, während die durchschnittliche Bevölkerung in der gleichen Gemeinde weniger als einen Liter am Tag zur Verfügung hat, ist ein skandalöses Missverhältnis.

Seit der Erweiterung der Cerrejón-Kohlemine wird der Fluss zudem systematisch umgeleitet, um die Mine zu versorgen. Verschiedene unabhängige Untersuchungen haben gezeigt, dass das Wasser, das den Wayúu zur Verfügung steht, dadurch nun mit Arsen, Quecksilber, Blei, Zink, Barium und aus der Mine eingeleiteten Kraftstoffrückständen verseucht ist. Außerdem ist der Wasserstand so stark gesunken, dass die flussabwärts gelegenen Gemeinwesen unter chronischem Wassermangel leiden und 17 Nebenflüsse des Rio Ranchería sogar vollständig verschwunden sind.

Auch, so haben Gerichte festgestellt, hat die Cerrejón-Mine, deren mehrheitlicher Anteilseigner Glencore ist, Wasserläufe verändert und mehr als 20 Nebenflüsse des Ranchería von ihrem natürlichen Verlauf umgelenkt, um die darunter liegenden Kohlevorkommen abbauen zu können.

Versprechen nicht eingehalten

Ein staatlicher Staudamm, der El Cercado, der 2011 am Ranchería gebaut wurde, hat die Lage in Bezug auf die Wasserversorgung weiter verschärft. Die Regierung hatte versprochen, neun Gemeinwesen über Aquädukte mit Wasser aus dem Stausee zu versorgen – hat diese jedoch nie gebaut. Heute wird weitverbreitet vermutet, dass der Stausee Reis- und Palmenplantagen privater Unternehmen mit Wasser versorgt, während Einzelpersonen und Gemeinwesen kein Wasser daraus entnehmen dürfen – auch wenn die kolumbianische Regierung dies abstreitet und betont, dass niemand Zugang zum Wasser des Stausees habe. Von allen Seiten unbestritten ist jedoch, dass die versprochene Wasserversorgung bis heute nicht umgesetzt ist.

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Der Río Ranchería fließt durch das kolumbianische Departamento La Guajira. Er war einst die Lebensversicherung des indigenen Volks der Wayúu und versorgte eine der trockensten Regionen Südamerikas mit sauberem Trinkwasser. Seit der Erweiterung der Cerrejón-Kohlemine, dem größte Kohletagebau in Lateinamerika, wird der Fluss systematisch umgeleitet, um die Mine zu versorgen. Der Wasserstand ist so stark gesunken, dass die flussabwärts gelegenen Gemeinwesen unter chronischem Wassermangel leiden und 17 Nebenflüsse sogar vollständig verschwunden sind. 

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María Magdalena Brito, Stammesführerin der Wayúu in El Pimiento, erzählt, welche Auswirkungen der Staudamm in der Praxis hat: „Der Río Ranchería, der unsere Wasserversorgung sichergestellt hat, ist kommerzialisiert worden. Sie befüllen Tankwagen mit Wasser und schicken sie los, um das Wasser für viel Geld zu verkaufen. Der Staudamm wurde gebaut, um eine konstante Wasserversorgung rund um die Uhr zu gewährleisten, aber das hat nie funktioniert. Jedenfalls nicht für uns. Für Unternehmen schon. Für die Menschen in den indigenen Gebieten hat er keinerlei Nutzen.“

Schwerwiegende Folgen

Die Folgen für die normale Bevölkerung sind gravierend. „Wir haben kein Wasser für unser Vieh“, berichtet Brito. „Sie verdursten einfach. Und wir können auch kein Gemüse zur Selbstversorgung mehr anbauen.“

José Luis Amayo Urrarillo aus dem Ort La Granja, wo seit 100 Jahren rund 550 Familien leben, beschreibt den Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Tätigkeit mit ebenso dramatischen Worten: „Früher haben wir von unserer Ernte gelebt: Bohnen, Maniok, Mais, Kürbis. Heute müssen wir alles dazukaufen. Jedes Mal wenn ich versuche, Mais anzupflanzen, legt sich der Kohlestaub auf die jungen Triebe, die dann absterben.“

Mildreth Guetta Uriana spürt die Wasserkrise unmittelbar und jeden Tag. „Das Wasser bei uns ist verseucht. Früher konnte man direkt aus dem Río Ranchería trinken. Das geht heute nicht mehr. Wenn man heute sauberes Wasser trinken will, muss man etwa 15 bis 20 Tage warten, bis ein Tankwagen es liefert. Und wenn dieser dann kommt, muss man auch noch dafür bezahlen.“ 

Laut einer gerichtlichen Anordnung muss die Cerrejón-Mine ihrem Gemeinwesen alle zwei Wochen 500 Liter Wasser liefern. „Für eine Familie mit 10 oder 15 Personen in einem Haushalt“, sagt sie, „reicht das nicht. Wir sind gezwungen, uns anderweitig Wasser zu besorgen, und müssen dafür aus eigener Tasche bezahlen.“

Zum Trinken nicht geeignet

Matilde Sapuana lebt in der indigenen Gemeinschaft der Wayúu in Jamiche, La Guajira, Kolumbien. Sapuana und alle Menschen in ihrem Gemeinwesen müssen sich ihr Wasser heute per Tankwagen liefern lassen, da die Quelle in ihrem Dorf von bewaffneten Männern mit einem Bulldozer blockiert wird.

Die Abfallprodukte der Mine sind für Menschen besonders gefährlich. Kohlenflöze enthalten Arsen, das an Mineralien gebunden ist. Wenn diese durch den Abbau mit Luft und Wasser in Kontakt kommen, wird das Arsen durch Oxidation freigesetzt und gelangt ins Wasser – das Ergebnis nennt man dann saures Grubenwasser. Technologien, um das Arsen wieder aus dem Abwasser von Bergwerken zu entfernen, bevor es in Flüsse eingeleitet wird, gibt es. Die Verunreinigung der Flüsse ist also nicht unvermeidlich, sondern hängt davon ab, wie das Abwasser gereinigt wird – bzw. ob es überhaupt gereinigt wird.

Studien der NGO Indepaz haben festgestellt, dass die Konzentration von Schwermetallen – Zink, Blei, Magnesium und Barium – an den Stellen, wo das Bergwerk Abwasser in den Fluss leitet, deutlich erhöht ist. In den Brunnenanlagen, die Wasser in das Wasserreservoir der Provinz einleiten, waren die Arsenwerte mehr als doppelt so hoch wie es der in Kolumbien geltende Grenzwert erlaubt. 

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Keila Paz lebt im Dorf der indigenen Gemeinschaft der Wayúu in Jamiche, La Guajira, Kolumbien. Das indigene Volk der Wayúu in La Guajira, Kolumbien, ist seit Jahrzehnten von Vertreibung, Umweltverschmutzung und der Zerstörung ihrer Kultur durch den Steinkohletagebau in der Cerrejón-Kohlemine betroffen – einer der größten Kohleminen der Welt. Die Menschen berichten von verseuchtem Wasser, schlechten Ernten und chronischen Atemwegserkrankungen und gleichzeitig wird ihnen weiterhin die rechtliche Anerkennung verwehrt, die ihnen Zugang zu grundlegenden Rechten und staatlichen Leistungen ermöglichen würde. 

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Jocelyn Carolina, Stammesführerin im Ort Rincón del Cerezo, berichtet von den im Alltag sichtbaren Beweisen für die Umweltverschmutzung: „Wenn man Wasser hier einen kleinen Moment stehen lässt, setzt sich der Kohlestaub am Boden ab. Zum Trinken ist dieses Wasser nicht geeignet. Wenn man sich damit wäscht, sieht man das auch auf der Haut.“ Die gesundheitlichen Folgen der Schadstoffe im Wasser sind schwerwiegend und gut erforscht. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Arsen als karzinogen für den Menschen in der Gruppe 1 ein. Eine chronisch hohe Arsenbelastung gilt als Risikofaktor für Lungen-, Blasen- und Hautkrebs. Blei- und Cadmiumexposition – zwei Stoffe, die ebenfalls im Abwasser von Minen zu finden sind – wird mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, koronaren Herzerkrankungen und chronischen Nierenleiden in Verbindung gebracht.

Verschmutzung geht weiter

Verschiedene Klagen von indigenen Gemeinschaften zum Schutz ihrer Grundrechte vor kolumbianischen Gerichten hatte zwar Erfolg: Richter urteilten, dass Atemwegserkrankungen bei Kindern durch die Entsorgung der Abfallprodukte aus dem Bergbau verursacht werden. Aber weder Cerrejón noch die zuständigen Gesundheitsbehörden haben den Urteilen entsprechend Maßnahmen ergriffen. Uriana hat das genau beobachtet: „Das Verfassungsgericht hat zwar zu unseren Gunsten geurteilt und bestätigt, dass das Wasser verunreinigt ist und diese Verunreinigung tatsächlich Grund für bestimmte Krankheiten ist. Aber die Maßnahmen, zu denen das Gericht Cerrejón verpflichtet hat, werden nur in dem Maß umgesetzt, wie es dem Unternehmen selbst dient. Es gibt eine Gesundheitsstation, deren Einrichtung das Gericht angeordnet hatte – aber was nützt uns die, wenn es dort kein medizinisches Personal gibt, das uns im Notfall versorgen kann? Es gibt ein Programm, im Rahmen dessen die Häuser der Menschen einmal im Jahr gereinigt werden und das nach Angaben des Unternehmens die Schadstoffbelastung deutlich reduziert. Aber das stimmt nicht. Man kann sein Haus jeden Tag reinigen – aber die Verschmutzung geht ja trotzdem weiter.“

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Jocelyn Carolina, eine engagierte Stammesführerin der Wayúu, die das offizielle Stammesoberhaupt vertritt, neben einem alten Ölfass, in dem Wasser gesammelt wird, mit einem alten Schutzhelm aus dem Bergwerk, der zum Schöpfen verwendet wird. Das indigene Volk der Wayúu in La Guajira, Kolumbien, ist seit Jahrzehnten von Vertreibung, Umweltverschmutzung und der Zerstörung ihrer Kultur durch den Steinkohletagebau in der Cerrejón-Kohlemine betroffen – einer der größten Kohleminen der Welt.

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Für die Familien, die in unmittelbarer Nähe zu dem Bergwerk leben, sind die Aussichten düster. Das Wasser aus dem Río Ranchería können sie nicht mehr nutzen, seit Hautkrankheiten aufgetreten sind, die sie auf den Staub aus dem Bergwerk zurückführen. Stattdessen müssen sie Brunnen graben, die häufig nur Brackwasser liefern. Damit können sie nur das Vieh versorgen, für den menschlichen Verzehr müssen sie sich Wasser per Tankwagen liefern lassen. Zudem sind die Brunnen vieler Wayúu-Gemeinschaften bereits versiegt. Sie können nur immer tiefer graben, oder Wasser zukaufen, das sie sich nicht leisten können.

Kolumbiens Präsident Gustavo Petro gab Cerrejón 2023 öffentlich Mitschuld am Tod tausender Wayúu-Kinder durch Hunger und fehlendes Trinkwasser. Glencore aber bestreitet, dass sich seine Bergbautätigkeiten negativ auf die Wasserversorgung auswirken. „Wenn es so weitergeht“, sagt Uriana, wird unser Gemeinwesen hier nach und nach zerstört. Es ist sehr schmerzhaft zu sehen, dass die älteren Menschen in unseren Gemeinwesen und die Kinder wegen eines Bergwerks krank werden und sterben, in dem vor 40 Jahren die Arbeit aufgenommen wurde und das uns nur schadet, das unsere Lebensgrundlage zerstört und das unsere Heimat als Gebiet nutzt, das eben geopfert werden muss.“

Die Beschwerde der Kirchen gegen die HSBC-Bank ist ein Beispiel für das konkrete Engagement der ÖRK-Initiative „Hoffnung für Kinder“, das angestoßen wurde, weil Kinder und junge Erwachsene den ÖRK dringend aufgefordert hatten, Klimagerechtigkeit zu einer tragenden Säule des Programms „Engagement der Kirchen für Kinder“ zu machen.

Der Ökumenische Rat der Kirchen lädt seine Mitgliedskirchen und Kirchen, ökumenischen Partner und alle Organisationen weltweit, die aus dem Glauben heraus handeln, ein, einen offenen Brief mitzuzeichnen, der eine Beschwerde rund um die Geschäftsbeziehungen der HSBC-Bank mit Glencore und der Cerrejón-Kohlemine in Kolumbien unterstützt, die die methodistischen Kirchen in Kolumbien, Großbritannien und Irland zusammen mit verschiedenen Partnern bei der OECD eingereicht haben. Kirchen, ökumenische Partner und andere Organisationen, die diese Initiative unterstützen möchten, können den offenen Brief hier unterzeichnen.

Um die Kohlemine in Kolumbien werden die Menschen „von dem Staub sehr krank“ (ÖRK-Feature-Artikel in englischer Sprache vom 06. August 2026)

Für die Kohle in Kolumbien zahlen indigene Menschen mit ihrem Leben (ÖRK-Feature-Artikel in englischer Sprache vom 22. Juli 2026)

ÖRK lädt Kirchen und Gemeinden ein, Forderung nach verantwortungsvollen Bankgeschäften und Klimagerechtigkeit zu unterstützen (ÖRK-Pressemitteilung, 12. Juni 2026)

Aus dem Glauben handelnde Gruppen reichen Beschwerde bei der OECD gegen die Finanzierung der Cerrejón-Kohlemine durch die HSBC-Bank in Kolumbien ein (ÖRK-Pressemitteilung, 08. Juni 2026)

Mehr über das Engagement der Kirchen für Kinder und ein klimaverantwortliches Banking