In der Sammlung finden sich in über 300 Publikationen und bis zu 35 000 Seiten weitreichende und intensive ökumenische Betrachtungen aus gut hundert Jahren seit der Weltkonferenz für Praktisches Christentum zum Thema ökumenische Sozialethik und ökumenisches Handeln.
Der ÖRK möchte alle dazu einladen, sich mit der Sammlung zu befassen und sich von diesem lebendigen Vermächtnis des heutigen Werks des ÖRK, das sich dem Leben, der Gerechtigkeit und dem Frieden widmet, inspirieren zu lassen.
„In dieser einzigartigen Sammlung sind die Schriften zu ökumenischer Sozialethik und ökumenischem Handeln aus einem ganzen Jahrhundert in hunderten von Dokumenten für Forschung und Wissenschaft online frei zugänglich“, sagte Bischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des ÖRK-Zentralausschusses. „Die Sammlung umfasst Berichte, Tagungsbände, Studiendokumente, Broschüren und weitere Dokumente, darunter auch solche zum Prozess vor und nach der Weltkonferenz für Praktisches Christentum in Stockholm 1925.“
In den Grundlagendokumenten wird beschrieben, wie christliche Kirchen sich versammelten, um gemeinsam Zeugnis über verschiedene Bereiche abzulegen. Zu den Themen gehören Frieden, wirtschaftliche Gerechtigkeit, die Auseinandersetzung mit dem Totalitarismus, Dekolonisierung, Menschenrechte, Klimagerechtigkeit, christlicher Glaube in Auseinandersetzung mit Wissenschaft und Technik sowie die aktuelle wirtschaftliche Lage.
Die Konferenz von Stockholm 1925 wurde als Reaktion auf das Blutbad im Ersten Weltkrieg und der Notwendigkeit, dass Kirchen als historisches Zeichen über das Kommen des Reiches Gottes eine zentrale Rolle im Wiederaufbau der Gesellschaft und des wirtschaftlichen und politischen Lebens spielen, von Erzbischof Nathan Söderblom von Uppsala einberufen.
Aus der Konferenz entwickelte sich die Bewegung für Praktisches Christentum, die wiederum ein wesentlicher Bestandteil des ÖRK bei seiner Gründung 1948 war. Die Bewegung trug auch dazu bei, dass sich der ÖRK für Themen wie Menschenrechte, Dekolonisierung, Gerechtigkeit auf ethnischer, geschlechtlicher, wirtschaftlicher und politischer Grundlage, Herausforderungen in Wissenschaft und Technik, Umweltethik und Klimagerechtigkeit engagiert.
„Die Sammlung Praktisches Christentum digital ist ein lebendiges Vermächtnis des Werks, das in Stockholm unter der Federführung von Erzbischof Söderblom ins Leben gerufen wurde, um eine gerechtere und friedlichere Welt zu schaffen. Dieses Mandat bleibt uns bis heute erhalten“, sagte ÖRK-Generalsekretär Pastor Prof. Dr. Jerry Pillay. „Wir danken der Lund Mission Society und der Kirche von Norwegen für ihre Unterstützung dabei, diese Sammlung zu realisieren, und hoffen, sie fortlaufend aktualisieren zu können.“
Dr. Samuel Rubenson, Präsident der Lund Mission Society, sagte: „Durch die Veröffentlichung des Archivs des Praktischen Christentums ermöglicht der Ökumenische Rat der Kirchen einen Einblick in einige der bedeutendsten Ereignisse für die politische Rolle von Kirchen weltweit, aber auch in den Verlauf der Entwicklung der Theologie und der Interpretation der Welt in den vergangenen hundert Jahren. Heute ist es eine wahre Fundgrube für Studierende, Forschende und Kirchenverantwortliche der ganzen Welt.“
Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Vorsitzender Bischof der Kirche von Norwegen, bemerkte, dass diese Sammlung Betrachtungen, Debatten und Beiträge der ökumenischen Bewegung über Frieden und Gerechtigkeit umfasse. „Diese Texte stehen für eine Wende in der Geschichte der Kirchen und ihrer Rolle in der Welt“, sagte er. „Dass sie nun allgemein zugänglich sind, ist einem großen Arbeitsaufwand zu verdanken und für uns alle ein wahres Geschenk.“
Pastor Dr. Benjamin Simon, Studiendekan des Ökumenischen Instituts in Bossey und Direktor der ÖRK-Kommission für Bildung und ökumenische Ausbildung, sagte, dass das neue digitale Archiv Studierenden und Forschenden weltweit die Möglichkeit biete, von ihren eigenen akademischen Instituten aus Einblicke in den Bereich Sozialethik zu gewinnen. „Sie erhalten Zugang zu Forschungsmaterial, das für ihre eigenen Karrieren wichtig ist und zudem das Vermächtnis des ökumenischen Rates der Kirchen weiter bereichert.“
Erzbischof Martin Modeus, Erzbischof der Kirche von Schweden, bemerkte, dass sich die Kirche von Schweden schon lange für die ökumenische Bewegung engagiere. „Heute feiern wir das 100-jährige Jubiläum seit der Konferenz in Stockholm, dem Geburtsort der Bewegung für Praktisches Christentum, und an diesem Tag möchten wir auf unsere heutige und zukünftige Rolle blicken“, sagte er. „Doch dabei müssen wir mit einem Auge stets auf die Geschichte blicken, um zu wissen wir, woher wir kommen und jenen Tribut zu zollen, die vor uns kamen.“
Dank der digitalen Bibliothek hätten Studierende und Forschende weltweit die Möglichkeit, Erkenntnisse über die Anfänge der Bewegung für Praktisches Christentum zu teilen, fügte Modeus hinzu. „Ich bin dem ÖRK und all jenen, die dieses Projekt ermöglicht haben, sehr dankbar.“
Praktisches Christentum digital: Hundert Jahre ökumenische Sozialethik und ökumenisches Handeln
Die Sammlung „Praktisches Christentum digital“ umfasst über 300 Publikationen aus gut hundert Jahren weitreichender und intensiver ökumenischer Beschäftigung mit ökumenischer Sozialethik und ökumenischem Handeln.