Dabei blickt der Erzbischof auf sein Leben, seine Berufung und seinen Dienst zurück, sowohl aus einer persönlichen als auch aus einer globalen Perspektive. Er zeigt daneben auch die Verknüpfungen zwischen seinem persönlichen Weg, seiner theologischen Ausbildung und seinem jahrzehntelangen Engagement in der ökumenischen Bewegung auf.
Erzbischof Anastasios betont die Bedeutung von Einheit. Sie sei kein abstraktes theologisches Ideal, sondern ein gelebtes Engagement für den Dialog, die Versöhnung und das gemeinsame Zeugnis in einer zersplitterten Welt.
Ein großer Teil des Interviews ist seinem Missionsweg und seiner Erfahrung in Afrika gewidmet – eine Erfahrung, die sein Verständnis der Kirche veränderte: Er sieht sie nicht als eine autoritäre Struktur, sondern als eine lebendige Gemeinschaft der Hoffnung.
Als der Erzbischof nach Albanien aufbrach, musste er sich von seiner Gemeinde in Afrika verabschieden. „Sie gaben mir für die Reise eine Tüte mit Bananen, Zucker und Tee mit“, sagte er. „Die Einfühlsamkeit dieser Menschen war sehr bewegend.“
Danach spricht er über Albanien und erinnert sich an den allerersten Tag, an dem er ins Land kam und mit Glauben und Entschlossenheit in eine ungewisse Zukunft schritt. Zu dieser Zeit hatten die Albanerinnen und Albaner weder das Recht zu beten noch eine Bibel zu besitzen. Der Erzbischof spricht über die erste Zeit bis zum Wiederaufbau der Orthodoxen Kirche sowie über die Pflege von Vertrauensbeziehungen mit anderen Glaubensgemeinschaften und präsentiert den interreligiösen Dialog nicht als Theorie, sondern als eine tägliche Übung, verwurzelt im Respekt und im Zusammenleben.
Weiter geht er auch auf das heutige Albanien ein. „Es herrscht vollständige Religionsfreiheit, und die Ideen und Verhaltensweisen anderer werden grundsätzlich respektiert“. Doch er räumt ein, das soziale und religiöse Leben umfasse auch gewisse Herausforderungen.
Im Gespräch werden nicht zuletzt drängende zeitgenössische Fragen behandelt: die Rolle der Frau in Kirche und Gesellschaft, die sinnvolle Teilnahme von Kindern am religiösen Leben, die Herausforderungen internationaler Beziehungen, die Wunden durch wirtschaftliche Krisen und die zunehmende Polarisierung, die den globalen Diskurs prägt.
Der Erzbischof erörtert die Ursprünge der Korruption: „Für mich ist es ganz klar, dass es drei Hauptgründe gibt: erstens Lügen, zweitens Gier und drittens Egoismus. Die wichtigste Freiheit ist die Freiheit von uns selbst, von unserem Egoismus. Genau dies ist die große Botschaft des Christentums: Freiheit von sich selbst.“
Immer wieder kehrt er zur Überzeugung zurück, dass der Glaube eine kreative, heilende Kraft bleiben muss, die die Widerstandsfähigkeit erhalten und Frieden stiften kann.
Am Ende des Interviews betont der Erzbischof, dass alles, was wir haben, eine Gabe Gottes sei, und dass unsere einzige Verantwortung darin bestehe, diese Gaben Gottes demütig und bescheiden mit anderen zu teilen und so tiefer in Christus zu leben. „Das Wichtigste ist, in Christus zu leben“, sagt er. „Wenn ich an all diese Zeiten in meinem Leben als orthodoxer Zeuge denke, kann ich sagen, dass ich stets versucht habe, theologisches Denken und Forschung in anderen Religionen mit pastoralem und missionarischem Dienst und gleichzeitig mit einem Feingefühl für die sozialen Realitäten zu verbinden.“
Der Erzbischof unterstreicht besonders die Einheit. „Für mich ist es ganz einfach“, sagt er. „Der Ausdruck unserer Liebe zu Christus und zu den anderen Menschen ist nicht eine Art von Theologie. Oder anders ausgedrückt ist es so, dass jedes einfachste Handeln nur ein Flüstern ist, das von unserer Liebe zu Gott zeugt.“