Das Treffen fand während der Internationalen Ökumenischen Friedensversammlung in Seoul vom 9.–13. September statt und wurde gemeinsam vom ÖRK, der Asiatischen Christlichen Konferenz und dem Nationalen Kirchenrat von Korea (NCCK) ausgerichtet.
Pillay wurde begleitet von Peter Prove, Direktor der ÖRK-Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten; Pfarrerin Jung Eun Grace Moon, Generalsekretärin der Asiatischen Christlichen Konferenz; Pfarrer Park Seung Ryoul, Generalsekretär des NCCK; Melissa Parke, Exekutivdirektorin der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen; und weiteren ökumenischen Partnern.
Bei den Diskussionen ging es in erster Linie um die zurzeit fehlenden effektiven Gesprächskanäle für einen bilateralen koreanischen Dialog sowie um eine denkbare Rolle der Kirchen bei der Bereitstellung von Begegnungsräumen, in denen schrittweise Kontakte und Vertrauen wiederhergestellt werden können.
Pillay erwähnte besonders das seit langer Zeit bestehende Engagement des ÖRK für Frieden auf der koreanischen Halbinsel sowie die enge Zusammenarbeit mit dem NCCK und den Kirchen in der Region. Pillay erinnerte ebenfalls an die Bedeutung der Glion-Konsultation, die auf Initiative des ÖRK erstmals Christinnen und Christen aus Nord- und Südkorea direkt zu einem gemeinsamen Treffen zusammenbrachte, und wies darauf hin, dass der 40. Jahrestag dieser Konsultation nicht nur daran erinnere, welche Möglichkeiten vorhanden seien, sondern auch Motivation sein sollte, unter den heutigen schwierigen Umständen den Dialog nicht aufzugeben.
„Wir werden in unserem Engagement für Frieden und Versöhnung nicht nachlassen“, sagte Pillay.
Pillay schlug vor, nicht sofort mit politisch heiklen Fragen zu Versöhnung und Wiedervereinigung zu beginnen, sondern neue Initiativen zunächst in praktischen Bereichen und gemeinsame Themen zu suchen, darunter Klimawandel, humanitäre und soziale Aufgaben und andere Formen der diakonischen Zusammenarbeit.
Premierministerin Han begrüßte diese schrittweise Annäherung und erklärte, dass ein Dialog nicht einfach dadurch wiederbelebt werden könne, dass man die Versöhnung zum sofortigen Ziel erkläre. Wenn sich die Dialogpartner stattdessen zunächst mit praktischen Themen befassten, die für das alltägliche Leben der Menschen wichtig seien, so könnte dies ein realistischerer Weg zum Aufbau von Kontakten und Vertrauen sein.
Auf der Zusammenkunft ging es ebenfalls um die anhaltenden Beziehungen des ÖRK zu der Koreanischen Christlichen Föderation in Nordkorea (KCF). Prove wies darauf hin, dass der ÖRK vor kurzem eine Botschaft der KCF anlässlich des 78. Geburtstags des ÖRK erhalten habe, in der die Föderation ihren Wunsch nach weiterhin guten und solidarischen Beziehungen übermittelte.
Die ÖRK-Vertreterinnen und -Vertreter bezeichneten die Gespräche als ein bescheidenes, aber doch ermutigendes Zeichen dafür, dass Möglichkeiten für ein erneuertes Engagement bestehen könnten. Der ÖRK hat die Absicht, weitere Möglichkeiten für direkte Kontakte und für Initiativen zu erkunden, um Christinnen und Christen aus Nord- und Südkorea einer Gemeinschaft wieder näherzubringen.
Im Rückblick auf die Gespräche während der Friedensversammlung in Seoul sagte Pillay, dass als erste Maßnahme für den Wiederaufbau von Beziehungen einfache Begegnungen erforderlich sein könnten und nicht die direkte Thematisierung schwierigster politischer Fragen.
„Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um wieder voranzukommen“, sagte er und sprach damit die einfache Zusammenkunft von Menschen christlichen Glaubens an, die ihre Gemeinschaft leben, gemeinsam das Brot brechen und damit einen möglichen Ausgangspunkt für einen tieferen Dialog setzen.
Premierministerin Han äußerte sich anerkennend über den historischen Beitrag der koreanischen Kirchen und des ÖRK zur koreanischen Gesellschaft und ermutigte die ökumenische Gemeinschaft, in der Friedensarbeit weiterhin eine konstruktive Rolle zu übernehmen.
Die Zusammenkunft zeigte die gemeinsame Überzeugung, dass das geduldige Engagement der Kirchen und der Zivilgesellschaft sowie eine praktische Zusammenarbeit trotz der derzeitigen Stagnation in den innerkoreanischen Beziehungen einen Beitrag leisten können, um Begegnungen zu ermöglichen und die Hoffnung auf Frieden für die koreanische Halbinsel aufrechtzuerhalten.
ÖRK-Generalsekretär eröffnet Versammlung in Korea: „Das Königreich Gottes ist Frieden” (ÖRK-Pressemitteilung, 9. September 2026) (in englischer Sprache)
Internationale Ökumenische Friedensversammlung 2026 findet in Korea statt (ÖRK-Pressemitteilung, 7. September 2026) (in englischer Sprache)