Philippinen
Am 18. Juni übermittelte Mervin Toquero, stellvertretender Generalsekretär des Nationalen Kirchenrates in den Philippinen, in einem interaktiven Dialog mit dem UN-Sonderberichterstatter zu extralegalen, summarischen und willkürlichen Hinrichtungen eine Erklärung der ÖRK-Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten.
In der ÖRK-Erklärung wurde die Regierung der Philippinen aufgefordert, für den Schutz der Opfer und deren Familien zu sorgen. „Dazu gehört auch der Schutz vor Vergeltungsakten wie etwa Gewalt, willkürliche Festnahmen oder Online-Einschüchterung“, heißt es in der Erklärung.
Der ÖRK nahm auch an einem Briefing für Nichtregierungsorganisationen zur Menschenrechtssituation in den Philippinen teil. Die Vortragenden berichteten, dass die Menschenrechtslage in den Philippinen sich trotz des Endes des Regimes von Duterte 2022 und seiner bevorstehenden Gerichtsverhandlung vor dem Internationalen Strafgerichtshof nicht gebessert habe. Morde, Entführungen und Repression seien an der Tagesordnung und die Tausenden Opfer des „Kriegs gegen die Drogen“ hätten noch keine Gerechtigkeit erfahren.
Rise Up, eine Nichtregierungsorganisation in den Philippinen, berichtete, dass der Krieg gegen die Drogen der Regierung Duterte, in dem Tausende arme Menschen umgebracht worden seien und der Tausende trauernde Witwen, Mütter und Waisenkinder hinterlassen habe, eine der schlimmsten Menschenrechtskrisen des Landes verursacht hätte.
„Eine überwältigende Anzahl an Menschen in armen Stadtgemeinschaften wurden umgebracht“, hieß es im Bericht von Rise Up. „Die Hauptaufgabe von Rise Up ist seit ihrer Bildung im Oktober 2016 die Begleitung der Familien der Opfer.“
Es seien keine Arbeitsplätze verfügbar, so dass die Familien unter Hunger und Krankheiten litten, berichtete Rise Up. „Diese finstere Zeit muss zukünftigen Generationen in Erinnerung bleiben – nicht nur, um die Geschichte dieses staatlich geförderten Blutbades zu kennen, sondern insbesondere um eine Wiederholung zu verhindern.“
Am 24. Juni legte die UN-Sonderberichterstatterin zur freien Meinungsäußerung, Irene Khan, die den Philippinen kürzlich einen Besuch abstattete, in einer vom ÖRK mitgetragenen Nebenveranstaltung ihren Bericht vor.
Angola und Madagaskar
Am 1. Juli übermittelte der ÖRK eine Erklärung während der Verabschiedung der allgemeinen regelmäßigen Überprüfung von Angola. Am 2. Juli übermittelte der ÖRK eine Erklärung während der Verabschiedung der allgemeinen regelmäßigen Überprüfung von Madagaskar.
Die Erklärungen zu Madagaskar und Angola befassten sich in erster Linie mit Frauenrechten, insbesondere mit dem Thema der Geburtsfistel, im Zusammenhang mit den Besuchen des ÖRK in diese Länder im Jahr 2022 bzw. 2024.
Die Geburtsfistel ist eine Verletzung, die üblicherweise durch eine verlängerte, schwere Geburt ohne Zugang zu einer angemessenen Gesundheitsversorgung verursacht wird. Für betroffene Frauen kann sie schlimme körperliche, emotionale und ökonomische Folgen haben und sogar in einer bleibenden Behinderung münden.
In der Erklärung zu Angola wird auch auf die während des ÖRK-Besuchs in Angola von Frauen in örtlichen Kirchen geäußerte Sorge über die steigenden Zahlen häuslicher Gewalt eingegangen. Viele Frauen trauten sich aus Angst vor Konsequenzen und vor den Tätern nicht, darüber zu sprechen.
„Das Gemeindezentrum für Familienberatung arbeitet sowohl mit Tätern und mit Opfern, doch das Personal setzt sich größtenteils aus unbezahlten Freiwilligen zusammen“, heißt es in der Erklärung. „Wir fordern , dass die Regierung in ganz Angola nach dem Vorbild dieses ausgezeichneten Zentrums weitere Zentren aufbaut, um alle Opfer häuslicher Gewalt zu erreichen und diesen Opfern Zuflucht zu bieten, und dass das Personal dieser Einrichtungen entlohnt werden.“
In der Erklärung zu Madagaskar wird bemerkt, dass die Prävention der Geburtsfistel dringende Investitionen benötige. „Der Zugang zu einer höheren Schuldbildung in ländlichen Gebieten würde frühe Verheiratungen und Schwangerschaften verzögern. Das Schulpensum sollte eine kulturell angemessene und einfühlsame Sexualerziehung beinhalten“, heißt es in der Erklärung. „Der Zugang zu Transportmöglichkeiten zu medizinischen Einrichtungen für gebährende Frauen zu einer Verringerung von Fällen von Geburtsfisteln führen.“
In der Erklärung wird der dringende Bedarf einer Fortbildung für madagassische Chirurginnen und Chirurgen zum operativen Verschluss von Geburtsfisteln bemerkt. Dadurch wäre der Wissenstransfer an weitere Fachleute gewährleistet und die Abhängigkeit von ausländischen Chirurginnen und Chirurgen niedriger. „Es bedarf auch nach der Operation einer besseren Begleitung der behandelten Frauen“, heißt es abschließend in der Erklärung.
Mitunterzeichnung einer Stellungnahme
Am 30. Juni unterzeichnete der ÖRK im Rahmen des interaktiven Dialogs mit der UN-Sonderberichterstatterin zum Klimawandel eine Erklärung des Genfer Interreligiösen Forums zum Klimawandel.
Nebenveranstaltungen
Am 24. Juni nahm das Ökumenische Aktionsbündnis von und für Menschen mit Behinderungen des ÖRK an der Nebenveranstaltung mit der Überschrift „Holding the Line: Advancing Human Rights and Gender Justice in Shrinking Space“ (Wir bleiben dran: Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit in immer kleinerem Raum fördern) teil. Die Veranstaltung wurde von den Ständigen Vertretungen Schwedens und Brasiliens, der EU, der ACT Alliance, dem Lutherischen Weltbund, dem ÖRK sowie anderen wichtigen Partnern ausgerichtet
und bot multilateralen Stimmen und Stimmen aus der Zivilgesellschaft Platz. Die Nebenveranstaltung konzentrierte sich auf gemeinsame Strategien zum Kampf gegen zunehmende Einschränkungen des öffentlichen Raums, insbesondere für Frauen und marginalisierte Bevölkerungsgruppen.
Umverteilung von Land, Wiederherstellung von Rechten
Am 30. Juni befasste sich eine vom ÖRK und anderen Partnern in Genf ausgerichteten Nebenveranstaltung mit dem Thema „Redistributing Land, Restoring Rights: Tackling Land Inequality to Overcome Global Crises“ (Umverteilung von Land, Wiederherstellung von Rechten: Bewältigung von ungerechter Landverteilung zur Überwindung globaler Krisen).
Die Konzentration riesiger Flächen in den Händen weniger globaler Unternehmen verschärfe laut eines Berichts von FIAN International die Ungleichheit und beschleunige die Klimakrise. Im Bericht wird eine Landumverteilung sowie globale Steuerreformen gefordert, um eine Trendwende dieser gefährlichen Tendenz einzuleiten.
Während der Nebenveranstaltung gab Ana Maria Suarez, Generalsekretärin von FIAN, zu bedenken, dass Grundstücke zunehmend in Finanzanlagen verwandelt würden, anstatt als lebenswichtige Ressourcen zu fungieren.
Neue Herausforderungen im Zusammenhang mit Nahrungs-, Klima-, Energie- und Finanzkrisen hätten zu einer erheblichen Wertsteigerung von Landbesitz geführt.
Außerdem gäbe es nun neue Akteure, wie etwa Pensionskassen und Versicherungen, die sich an der Investition und Verwaltung von Landbesitz beteiligten.
Zusätzlich dazu wäre auch ein rapider Zuwachs transnationaler Investitionen in Landbesitz verzeichnet. „Ein Prozent der größten Landwirtschaftsbetriebe weltweit besitzt siebzig Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen“, sagte Suarez.
Zehn globale, transnationale Landbesitzer mit dem Spitznamen „Lords of the Land“ (Herren des Landes“ kontrollieren über 400 000 km (40 Mio. Hektaren) Land in verschiedenen Staaten. Das entspricht der Fläche von Japan.
„Durch koloniale Praktiken wird das Land im globalen Süden durch Finanzakteure im globalen Norden kontrolliert“, sagte Suarez.
Ein weiteres Problem sei das „green grabbing“. Damit sind Projekte im Bereich Kohlenstoffhandel und Biodiversität gemeint, die zur Aneignung von Land führten, statt nachhaltige Praktiken zu unterstützen.
Die kolumbianische Landwirtschaftsministerin, Martha Viviana Carvajalino Villegas, sagte in einer Videobotschaft: „Wir brauchen das Land für Menschen in Not. Wir brauchen Land für die landwirtschaftliche Bestellung, für die Lebensmittelproduktion, für Nahrung und Leben. Um das zu bewerkstelligen, brauchen wir eine neue Agrarreform.“
Kolumbien ist im Februar 2026 das Gastgeberland der 2. Internationalen Konferenz über Agrarreform.
Morgan Ody, allgemeine Koordinatorin von Via Campesina, sprach über die freiwilligen Leitlinien für die verantwortungsvolle Regelung der Nutzungs- und Besitzrechte an Land, Fischgründen und Wäldern, die im Mai 2012 vom Ausschuss für Welternährungssicherheit empfohlen wurden.
Sie betonte, dass der Fokus der Agrarreform auf der Überwindung von Armut und Hunger liegen müsse, warnte jedoch vor den Herausforderungen. Sie beschrieb, wie vergangene Agrarreformen, beispielsweise in Chile oder in anderen Ländern, auf Widerstand durch reiche Landbesitzer trafen.
Michael Fakhri, UN-Sonderberichterstatter zum Recht auf Nahrung, bemerkte, dass die Kontrolle des Landbesitzes auf indigene Völker übertragen werden müsse, um eine effektive Landverwaltung zu gewährleisten. Er wies auf seinen kommenden Bericht an den UN-Menschenrechtsrat im März 2026 hin. In diesem Bericht werde er sich auf Land aus der Perspektive der Menschenrechte konzentrieren.
Dinesh Suna, ÖRK-Programmreferent für für Land-, Wasser- und Ernährungsarbeit, bemerkte, dass der Bericht von FIAN International den Landbesitz von Glaubensgemeinschaften nicht berücksichtige. Dieser betrage 8 % des bewohnbaren Landes. Kirchen selbst besäßen mehr als dreimal mehr als die 10 größten transnationalen Landbesitzer. „Vielleicht braucht es einen weiteren Bericht in diesem Bereich“, schlug Suna vor. „Wie können wir glaubensgestützte Organisationen und Glaubensgemeinschaften in die Agrarreform und Landumverteilung miteinbeziehen?“
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Das Ökumenische Aktionsbündnis von und für Menschen mit Behinderung (EDAN)
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