„Das Thema einer sichtbaren Einheit von Christinnen und Christen stand bereits zu Beginn der ökumenischen Bewegung im Raum und sollte Antworten auf eines der Hauptprobleme der kirchlichen Mission bieten“, sagte S. E. Metropolit Prof. Dr. Job von Pisidien, stellvertretender Vorsitzender der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung in einer Ansprache am 28. Oktober, dem Abschlusstag der fünftägigen Konferenz.
Rund 400 Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben sich zu dieser Konferenz versammelt, die von der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) wurde. Als Veranstaltungsort dient das päpstliche Logos-Zentrum der Koptischen Orthodoxen Kirche in Wadi El Natrun, im Südwesten Alexandrias in Ägypten.
Das Motto der Konferenz – „Welchen Weg nun zur sichtbaren Einheit?“ – wird aus den verschiedenen, miteinander verknüpften Perspektiven Glauben, Mission und Einheit betrachtet.
Während einer Plenarsitzung am Vormittag befasste sich die Konferenz mit der Perspektive der Einheit. Die Vortragenden stammten aus der orthodoxen, römisch-katholischen sowie der pfingstkirchlichen Tradition.
„Die Spaltung des Christentums stellt die Mission vor Hindernisse: Wie können wir unser Zeugnis von Christus wirkungsvoll und nachvollziehbar ablegen, wenn wir gespalten auftreten?“, fragte Metropolit Job.
Doch die Kirchen hätten bereits etliche wichtige Übereinkommen erreicht, die in den letzten Jahrzehnten zu einer sichtbaren Einheit beigetragen hätten, bemerkte er.
Dazu gehören die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ der römisch-katholischen Kirche und des Lutherischen Weltbundes, die sich mit einem der zentralen Reibungspunkten zwischen der römisch-katholischen Kirche und der Reformation im 16. Jahrhundert befasste
„Die methodologische Innovation dieser Erklärung liegt darin, dass die Einheit im Glauben durch eine Vielfalt der Sprachen, theologischer Formen und verschiedener Schwerpunkten gestützt werden kann. Daher können wir von einem ‚differenzierenden Konsens‘ sprechen“, sagte Metropolit Job.
Prof. Dr. Susan Wood (Toronto School of Theology, römisch-katholischen Kirche) spricht im Rahmen einer Plenarsitzung mit dem Titel „Einheit: Lebendig und sichtbar?“ an der Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung, die unter dem Motto „Welchen Weg nun zur sichtbaren Einheit?“ vom 24. bis 28. Oktober 2025 in Wadi El Natrun, Ägypten, stattfindet.
Prof. Dr. Susan Wood, eine römisch-katholische Theologin der Toronto School of Theology wies darauf hin, dass es im Hinblick auf die Bedeutung der Taufe und des dadurch entstehenden Bandes der Einheit ökumenische Übereinkünfte gegeben habe. Sie bezog sich dabei auf die 1982 verfasste Konvergenzerklärung des ÖRK mit dem Titel „Taufe, Eucharistie und Amt“.
Viele Kirchen anerkennen mittlerweile die Taufe anderer Kirchen, selbst wenn ihren Mitgliedern nicht möglich ist, an der Eucharistie teilzuhaben.
„In der Taufe werden wir mit Christus, aber auch miteinander vereint und bilden eine Gemeinschaft, die durch keinerlei Spaltungen ausgelöscht werden kann“, fuhr Wood fort. „Doch es steht auch fest, dass unsere Differenzen dieser Einheit schaden und dass die Kirche nur mit Mühe ihre Universalität in ihrem ganzen Ausmaß beweisen kann.“
Die Taufe sei ein Ausgangspunkt, ein Versprechen der Einheit und eine Ermahnung, dass Einheit ein Geschenk sei, das man in Empfang nimmt.
„Unsere Aufgabe ist es, dieses Geschenk durch Dialog, Vergebung und den Geist der Synodalität, durch die alle Getauften sich vereinigen und dem Geist und sich gegenseitig zuhören, sichtbar zu machen“, erklärte Wood den Teilnehmenden der Konferenz.
„In einer durch Konflikte und Abschottung gespaltenen Welt ist die Einheit der Kirche ein Zeichen der Hoffnung“, sagte sie.
Pastorin Prof. Dr. Jacqueline Grey, von der Pfingstbewegung der Christlichen Kirchen von Australien, beschrieb die moderne Pfingstbewegung als eine der religiösen Bewegungen mit dem größten Wachstum im 21. Jahrhundert, mit einer relativ jungen, sehr diversen Ausprägung und besonders schnell wachsender Präsenz im Globalen Süden.
Unter den christlichen Kirchen gebe es zwar Differenzen, durch die eine Einheit und uneingeschränkte Gemeinschaft verhindert würden, doch man müsse sich auch mit der Frage nach Macht, Autorität und Kontrolle auseinandersetzen, sagte sie.
„Wessen Taufe wird anerkannt? Wer entscheidet das und auf welcher Grundlage wird das entschieden?“, fragte sie. „Neue kirchliche Gruppen und christliche Gemeinschaften im Globalen Süden haben oft kein Mitbestimmungsrecht in diesen Fragen. Die Entscheidung dazu ist bereits gefallen.“
Trotz solcher Hindernisse und Einschränkungen sei es wichtig, inmitten der Vielfalt gemeinsame Werte zu identifizieren und zu unterstützen, sagte Grey.
„Lasst uns gemeinsam in einem Ausdruck sichtbarer Einheit handeln – im Großen und im Kleinen – um eine Veränderung unserer Welt herbeizuführen“, sagte sie.
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Livestreams und Aufzeichnungen der Konferenz
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