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Bishop Mary Ann Swenson at the WCC Central committee meeting, 2018

Bischöfin Mary Ann Swenson, stellvertretende Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen.

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So lange sie zurückdenken kann, waren Gebete immer ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. „Als Kind habe ich immer lange und regelmäßig gebetet“, sagte Swenson. Fotos aus ihrer Kindheit zeigen sie beim Lesen der Bibel bei der Aufnahme in den Kindergarten und später zu Beginn der sechsten Klasse.

„Manchmal, wenn ich lange am Esstisch gebetet habe, haben mich meine Cousins geneckt und gesagt, dass ich das nur als Show mache“, erinnerte sich Swenson.  „Meine Eltern haben schon mit mir am Bett gebetet, als ich noch ganz klein war.“

Sie liebte es, wenn ihr Vater zusammen mit ihr betete. „Als ich älter wurde, habe ich die Bibel gelesen, einzelne Bibelstellen auswendig gelernt und vor dem Schlafengehen gebetet“, sagte sie. „Und natürlich war ich mein ganzes Leben lang aktiv in der Kirche.“

Selbst als Kind waren ihre Gebete kein Handel mit Gott. „Es war vielmehr so, dass ich gesagt habe - Lieber Gott, zeige mir, was ich tun soll“, sagte sie. „Und ich habe meine Puppen auf das Sofa gesetzt und ihnen gepredigt.“

Ihre Puppen waren eine aufmerksame Zuhörerschaft, als Swenson einen Klapptisch aufstellte, ihre Bibel darauf öffnete und ihre ersten Predigten übte.

„Natürlich habe ich in schwierigen Zeiten am intensivsten gebetet“, sagte sie. „Aber in erster Linie waren meine Gebete Dankesgebete“.

Dankbarkeit mitteilen

Swenson, die zurzeit stellvertretende Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) ist, erzählt, dass ihr Herz voller Dankbarkeit für Gottes Segen in der Schöpfung ist. Als Führungsperson unterstützt sie andere dabei, diese Dankbarkeit ebenfalls zu pflegen.

Swenson ist beim ÖRK als Seelsorgerin für die ÖRK-Führungsspitze im Zentralausschuss tätig und ermutigt die Gemeinschaft oft – insbesondere in den letzten beiden schwierigen Jahren – mit Gebeten und aus einem anscheinend nie versiegenden Quell der Hoffnung.

Gibt es in Swensons Gebetsleben manchmal so etwas wie eine Schreibblockade, wie sie Schriftstellerinnen erleben – eine Art „Gebetsblockade“? 

Nicht oft, so antwortete sie. Wenn sie sich tiefer ins Gebet versenken will, liest sie zur Inspiration die Geschichten und Gebete anderer Menschen.

Schon zu Beginn ihrer Studienjahre fing sie damit an und hat diese Angewohnheit bis heute beibehalten.

Swenson hat während ihrer Arbeit für den ÖRK und aufgrund ihrer Leitungsfunktion in der Vereinigten Methodistischen Kirche viele Länder weltweit bereist. Unterwegs hört sie Gebete, die bei ihr besonderen Anklang finden und die sie dann oft anderen Menschen mitgibt.

Allerdings bete sie öffentlich nicht so, wie sie dies alleine und privat praktiziere.

„Letzten Sonntag habe ich das pastorale Gebet in unserem Gottesdienst in der Hollywood United Methodist Church übernommen“, erzählte sie. „Ich werde oft dafür angefragt. Ich muss dann darüber nachdenken, wie sich das laute Beten für eine Gemeinschaft vom Beten allein an einem stillen Ort unterscheidet.“

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Bishop Mary Ann Swenson at the WCC Central committee meeting, 2018

Bischöfin Mary Ann Swenson, stellvertretende Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen.

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Als sie vor einigen Jahren als Ökumenebeauftragte tätig war, besuchte sie vier Jahre hintereinander die British Methodist Conference. „Sie haben jedes Jahr Gebete der Teilnehmenden der Konferenz veröffentlicht, und in einem Jahr hatte der Gebetsband den Titel ‚Hoffnung und Licht‘. ” 

Sie greift oft auf „Hoffnung und Licht“ zurück, wenn sie Gebete für den ÖRK und zu anderen Gelegenheiten ausarbeitet.

„Ich lese auch oft aus den Mährischen Tagestexten und dem armenischen Gebetsbuch oder dem Book of Common Pray der anglikanischen/episkopalischen Gemeinschaft“, sagte Swenson. „Ich habe mich intensiv mit den Heiligen befasst und ihre Gebete gelesen.“

Swenson ist besonders dankbar für die umfangreichen Materialsammlungen, die sie im Laufe der Jahre angelegt hat. „Das Erstaunliche dabei ist, dass diese Quellen mich durch schwierige Zeiten bringen, und ich hoffe, dass sie auch anderen Menschen helfen“, sagte sie.

Ein gemeinsames Gebet

Swenson hat das folgende Gebet verfasst, das sich, wie sie erzählt, aus unterschiedlichen Quellen speist und sowohl auf Gebete zurückgeht, die sie gelesen hat, als auch auf ihre eigenen Ideen. „Sie stammen nie ausschließlich von mir“, sagte sie. „Ich bediene mich bei der Weisheit anderer Menschen und eigne mir an, was mich tief im Innersten berührt.“

Liebender Gott und guter Lehrer,

Hilf uns, Deinen deutlichen Ruf in unseren Leben zu vernehmen. Komm leise und beruhige unser lärmendes, ausgelassenes und stürmisches Selbst; komme mit Macht und vertreibe die Geister, die uns trennen und uns mit Ängsten und Widersprüchen peinigen, komme mit Gnade und erhebe unsere Träume und Taten mit dem Wissen Deiner Allgegenwärtigkeit.

In den Einöden, die wir durchschreiten, in den Straßen, in denen wir unterwegs sind, auf den Pfaden, die wir kreuzen,
leite unsere Schritte, führe uns zu Orten, zu denen Du gehen würdest, gibt uns die Worte, die du sprechen würdest, und gib uns die innere Stärke, damit wir unserer Zeit mit einem klaren und entschlossenem Geist begegnen.

Komm jetzt, Geist der Rechtschaffenheit, der Sanftheit, des Urteils und des Tanzes, berühre unsere Sprachlosigkeit,  entzünde unsere Sehnsucht, höre in unser Schweigen, umarme uns mit deiner Barmherzigkeit.  
Wir danken Dir für Deine Gegenwart und dafür, dass du Deiner Gnade eine menschliche Anmutung gibst.
Wir erbitten nur von Dir, dass wir Dich bei uns wissen jede Minute, jeden Tag, jede Woche und jedes Jahr unseres Lebens.  Amen.