Der Pazifik sei kein leerer Raum, sondern ein heiliger Raum, erklärte Pillay. „Für die Menschen in der Pazifikregion steht der Ozean für das Leben, für ihre Identität und für Spiritualität“, sagte er. „Er ist eine Verbindung zwischen Inseln und Generationen. Nie ist er einfach nur Wasser. Er steht für das Leben. Er steht für Erinnerungen. Er steht für Identität. Er erzählt Geschichten.“
Und trotzdem sei dieser heilige Ort heute ernsthaft bedroht, so Pillay.
„Im Sprachgebrauch des ÖRK geht es hier nicht nur um eine ökologische Krise – es geht um Gerechtigkeit, Würde und volle Genüge für alle Menschen“, betonte er. „Wenn wir also über Christi Auferstehung sprechen, sprechen wir nicht nur über Christi Sieg über den Tod, sondern über Gottes Bekenntnis zum Leben angesichts all der Ungerechtigkeit.“
In der Pazifikregion habe auch der Ozean eine Stimme, sagte Pillay weiter. „Er erzählt vom Leben, von Schönheit und von Fülle – aber derzeit erzählt er auch von einer Krise“, unterstrich er. „Die Auferstehungshoffnung ist also Hoffnung in Gestalt von Gerechtigkeit.“
Der ÖRK habe immer wieder dazu aufgerufen, dass die Kirche das Klagen der Erde und das Klagen der Armen erhören müsse. „Und dabei ist es egal, ob du in Fidschi, Genf, Afrika oder irgendwo anders auf der Welt bist“, erklärte er. „Wir alle sind eine Familie, Teil von Gottes Schöpfung.“
Die Auferstehungshoffnung leugne nicht, dass es Leid gebe – vielmehr nenne sie es beim Namen und verkündige gleichzeitig, dass Gott etwas Neues hervorbringe, sagte Pillay weiter.
„Der Ökumenische Rat der Kirchen versteht die Kirche nicht als etwas Statisches, sondern als Pilgervolk“, erklärte er. „In der Pazifikregion ist dies ein aussagekräftiges Bild.“
In Kiribati erzählt man sich oft eine Geschichte über eine Gemeinschaft von Menschen, die vor ihrer Umsiedlung zu einem Gottesdienst zusammenkommen, etwas Sand vom Strand ihres angestammten Lebensmittelpunktes einpacken und an den neuen Ort mitnehmen.
„Die Auferstehung verwandelt Vertreibung in einen Pilgerweg mit Gott“, sagte Pillay. „In der Theologie des ÖRK ist Erlösung niemals nur etwas Individuelles. Erlösung geschieht in der Gemeinschaft der Menschen und des Kosmos.“
Gott erneuere das ganze Netz des Lebens, so Pillay. „Der Ökumenische Rat der Kirche ruft die Kirchen zu prophetischem Zeugnis auf“, unterstrich er. „Auferstehung ist keine passive Bequemlichkeit – Auferstehung ist aktiver Widerstand gegen todbringende Kräfte.“
Die Kirchen in der Pazifikregion seien zu prophetischen Stimmen in globalen Foren geworden, so Pillay.
„In der Pazifikregion ist Auferstehungshoffnung keine abstrakte Theologie“, erklärte er. „Sie ist gelebte Realität.“
Bestimmendes Merkmal für die Pazifikregion sei nicht Verlust, sondern Leben, so Pillay. „Möge das hier in Fidschi und überall auf der Welt, wo die Menschen angesichts von Leid und Schwierigkeiten Hoffnung nötig haben, unsere Auferstehungshoffnung sein“, betonte er.
ÖRK-Generalsekretär Pastor Prof. Dr. Jerry Pillay hält im Eröffnungsgottesdienst der Tagung von Kirchenleitenden in der Pazifikregion in Suva, Fidschi, am 13. April die Predigt.
Der Älteste Pastor Dr. Leatulagi Faalevao, Vorsitzender der Pazifischen Kirchenkonferenz, begrüßte die Teilnehmenden.
„Wir kommen hier heute Abend voller Dankbarkeit gegenüber Gott zusammen, der uns von vielen verschiedenen Inseln, aus vielen verschiedenen Ländern, mit vielen verschieden Sprachen und kirchlichen Traditionen in Christus vereint zusammengeführt hat“, sagte er. „Wir wollen die Grundfeste des pazifischen Haushalts Gottes neu betrachten, über den Weg nachdenken, den wir gemeinsam gegangen sind, und herausarbeiten, wie wir unserer Berufung zufolge im treuen Glauben mit den Lebensrealitäten umgehen können, mit denen unsere Völker und unsere Region konfrontiert sind.“
Faalevao erklärte, Ziel der Tagung sei, das gemeinsame Verständnis zu verbessern, das Zusammengehörigkeitsgefühl zu fördern und den richtigen Weg in die Zukunft auszuloten.
„Mögen wir in den nächsten Tagen nicht nur als Kirchenleitende zusammenfinden, sondern als Schwestern und Brüder in Christus, die gemeinsam darauf hören, was der Heilige Geist den Kirchen in der Pazifikregion in der heutigen Zeit sagen will“, sagte Faalevao.
Die Tagung von Kirchenleitenden in der Pazifikregion findet noch bis zum 17. April in Suva, Fidschi, statt.
Lesen Sie die Predigt des ÖRK-Generalsekretärs im vollständigen Wortlaut (in englischer Sprache)