Zentrales Thema des Besuchs war das Engagement von al-Azhar für die Förderung von Dialog, Geschwisterlichkeit und Frieden. Der Großimam hielt eine Vorlesung über das islamische Prinzip des „Mittelwegs“ und die Bedeutung interreligiöser Dialoge.
Er unterstrich, dass die jungen Menschen von heute mit wichtigen Aufgaben wie der Bewältigung der „sinnlosen Kriege, die unsere Welt verwüsten“, betraut seien, „Kriege, die von manchen Ländern genutzt werden, um ihre Profite aus Waffenverkäufen zu maximieren, und die sich dabei auf Kosten unschuldiger Menschenleben nur für die eigenen Interessen interessieren“.
„Die jungen Menschen müssen Botschafterinnen und Botschafter für Frieden sein und entschieden die Stimme gegen Kriege und Konflikte erheben“, führte der Großimam aus.
Weiterhin betonte er, dass al-Azhar engagiert für Weltfrieden eintrete und sich mit aller Kraft dafür einsetze, dass er für alle Menschen Wirklich wird. „Dafür reichen wir Kirchen, Kultureinrichtungen und religiösen Institutionen in aller Welt wie beispielsweise dem Vatikan, dem Ökumenischen Rat der Kirchen und dem Kirchenrat des Nahen Ostens partnerschaftlich die Hände, um durch Zusammenarbeit Brücken zu bauen“, sagte er.
„Ich war bereits beim ÖRK zu Besuch und habe meinen Bruder, den verstorbenen Papst Franziskus, bei zahlreichen Gelegenheiten und bei verschiedenen Dialogkonferenzen getroffen. Der bisherige Höhepunkt unserer gemeinsamen Bemühungen war 2019 die Unterzeichnung des Dokuments über die Brüderlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt, das international große Anerkennung fand.“
Prof. Dr. Ani Ghazaryan Drissi, GETI-Koordinatorin, brachte den großen Respekt des ÖRK für al-Azhar und dessen historischen Beitrag zu einem moralischen und spirituellen Leben weltweit zum Ausdruck.
„Unter Ihrer Leitung ist al-Azhar auch weiterhin ein Motor für Frieden, Gerechtigkeit und die Geschwisterlichkeit der Menschen“, sagte sie. „Das Dokument über die Geschwisterlichkeit der Menschen ist auch heute noch ein starkes Symbol der Hoffnung – es zeigt, dass Religion statt einer Hürde auch als Brücke dienen kann.“
„Wir alle wollen die jungen Menschen zurüsten, dass sie Frieden stiften können und sich gegenseitig mit Respekt begegnen“, erklärte sie.
„Gemeinsam können wir die Zusammenarbeit in der Ausbildung interreligiöser Kompetenzen und der Friedensarbeit stärken und zukünftigen Generationen helfen, unsere Gesellschaft mit Anteilnahme und Mut zu verwandeln.“
Nach dem Treffen mit dem Großimam hatten die GETI-Teilnehmenden Gelegenheit, das al-Azhar Observatorium für die Bekämpfung des Extremismus zu besichtigen, eine von der al-Azhar-Universität gegründete Organisation, die extremistische Ideologien durch die Beobachtung, Analyse und Entkräftung dieser bekämpft. Zudem besuchten sie die al-Azhar-Moschee, eine historisch sehr bedeutsame Moschee, die sich in ein wichtiges Zentrum für sunnitische Islamwissenschaft entwickelt hat und Sitz der al-Azhar-Universität ist.
Der Präsenzteil des GETI 2025 findet vom 12. bis 29. Oktober genau wie die Sechste Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung im St. Pischoi-Kloster in Wadi El Natrun, Ägypten, statt.
Fotos vom Treffen mit dem Großimam
Weitere Informationen über GETI 2025 (in englischer Sprache)