In drei dramatischen Dialogen brachten junge Schauspielerinnen auf den Punkt, warum Nicäa für uns heute immer noch relevant ist.
Eine von ihnen erklärte: „Die Debatte war nicht einfach, nicht wahr?“
Das ist sie noch immer nicht. Doch, wie eine der anderen jungen Schauspielerinnen eindringlich fragte: „Wenn wir es nicht gemeinsam schaffen, welche Hoffnung gibt es dann noch?“
Anhand der Planung einer couragierten Reise nach Jerusalem in Zeit voller Gefahren—zu denen unter anderem spuckende Kamele gehörten—boten die Dialoge einen frischen Blick auf den Kernpunkt von Nicäa: „Der christliche Glaube ist für die ganze Welt da“, ließ eine junge Darstellerin in der letzten Szene an einem imaginären Obststand verlauten.
Dialog heute
Pastorin Dr. Susan Durber, ÖRK-Präsidentin für die Region Europa, holte die Sitzung wieder zurück in die heutige Zeit. Sie moderierte die erste der beiden Podiumsdiskussionen, bei denen der Frage nachgegangen werden sollte, wie Nicäa nicht nur das Gebiet von Theologinnen und Theologen, sondern für alle Menschen christlichen Glaubens auf der ganzen Welt in der heutigen Zeit da sein kann.
Es habe eine Zeit in ihrem Leben gegeben, sagte sie, da habe sie das Konzil von Nicäa für eine akademische Konferenz gehalten, doch in Wirklichkeit sei es eine Zusammenkunft von Menschen gewesen, die alle mit Wunden und Traumata im Gepäck angereist waren—aber auch mit einem intensiven Glauben.
Anschließend leitete sie die Diskussionsrunde mit einer Frage an die einzelnen Podiumsmitglieder ein: „Beginnen möchte ich, indem ich euch alle bitte, uns eine Sache zu nennen, die euch an der ganzen Geschichte von Nicäa fasziniert.“
ÖRK-Präsidentin Pastorin Dr. Susan Durber von der Vereinigten Reformierten Kirche moderiert eine „Begegnung auf dem Pilgerweg mit dem apostolischen Glauben heute“ auf der Zentralausschusstagung des Ökumenischen Rates der Kirchen, die unter dem Motto „Pilgerweg der Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Einheit“ vom 18. bis 24. Juni 2025 in Johannesburg (Südafrika) stattfindet. Foto: Albin Hillert/ÖRK
Pastor Dr. Teddy Sakupapa, Presbyterianische Unionskirche im südlichen Afrika, brachte zum Ausdruck, dass für ihn das Glaubensbekenntnis von Nicäa vergleichbar sei mit „einer Richtschnur für die christliche Orthodoxie“.
Pfarrerin Dr. Seoyoung Kim, Presbyterianische Kirche in der Republik Korea, stellte sich das Konzil von Nicäa als eine Zusammenkunft von Menschen vor, die zwar verschiedene Ideologien vertraten, aber im Glauben vereint waren—eine Mentalität, die sie in ihrem Land, in dem der Koreakrieg offiziell nie beendet wurde, heute für dringend notwendig hält.
S. E. Metropolit Emmanuel von Chalkedon (Ökumenisches Patriarchat), der selbst nur rund eineinhalb Stunden Fahrt von Nicäa entfernt lebt, beschrieb, was heutige Reisende bei einem Besuch der Stadt zu sehen bekommen.
Erneute Verpflichtung
Eine zweite Podiumsdiskussion wurde von S. E. Dr. Metropolit Vasilios von Konstantia und Ammochostos (Kirche von Zypern), ÖRK-Präsident, moderiert. „Es ist ein gutes Zeichen, dass wir 1700 Jahre seit der Einberufung des Konzils von Nicäa feiern, doch wenn wir das tun, dann ist das keine Gedenkfeier, in der wir uns zurückbesinnen und einer Sache gedenken, die zwar geschah, die uns aber nicht berührt—ich sehe das vielmehr als erneute Verpflichtung.“
Seine Gnaden Bischof Abraham (Koptisch-Orthodoxe Kirche) brachte eine Ikone als Geschenk an das ÖRK-Leitungsgremium mit. Er sann über die Botschaft nach, mit der die Ikone in die Herausforderungen hineinreicht, vor denen wir heute stehen. „Gebt nicht auf. Fürchtet Euch nicht vor dem Unbekannten. Wandelt auf dem schmalen Grat und dort wird euch Christus begegnen“, sagte er.
Pastorin Prof. Dr. Stephanie Dietrich (Kirche von Norwegen), Vorsitzende der ÖRK-Kommission der Kirchen für Glauben und Kirchenverfassung, hielt eine Grundsatzrede zum Motto der anstehenden Sechsten Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung: „Wo bleibt jetzt die sichtbare Einheit?“
Der Aufruf zur Einheit stellt uns nicht nur die Frage, was wir als ein Leib in Christus gemeinsam glauben, sondern auch, was wir gemeinsam hoffen können, merkte Dietrich an. „Vorausschauend betrachtet, bietet die erwartete Sechste Weltkonferenz für Glauben und Kirchenverfassung unseren Kirchen die einzigartige Gelegenheit, unseren Pilgerweg zur sichtbaren Einheit hin wieder aufzunehmen“, sagte sie.
: Angelehnt an eine Ikone leitete Seine Gnaden Bischof Abraham von der Koptisch-Orthodoxen Kirche eine Meditation im Rahmen einer Begegnung auf dem Pilgerweg mit dem apostolischen Glauben heute, die im Rahmen der vom 18. bis 24. Juni 2025 in Johannesburg (Südafrika) unter dem Motto „Pilgerweg der Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Einheit“ stattfindenden Zentralausschusstagung des Ökumenischen Rates der Kirchen erfolgte. Foto: Albin Hillert/ÖRK
Die anderen Teilnehmenden an der Podiumsdiskussion antworteten auf Dietrichs Äußerungen und auf die weiteren Fragen des Moderators.
Pastor Dr. Marc Boss (Vereinigte Protestantische Kirche Frankreichs) sann über die Beziehung zwischen Gerechtigkeit und Einheit nach. „Könnte man die derzeitige Arbeit von Glauben und Kirchenverfassung in einen Slogan packen—und ich bin nicht sicher, ob das eine gute Idee wäre—, dann würde dieser lauten „Verpflichtung zur Gerechtigkeit spaltet, ein moralisches Urteilsvermögen vereint.“
S. E. Metropolit Thomas von Quosia und Mir (Koptisch-Orthodoxe Kirche) wählte eine poetischere Herangehensweise an die vorliegenden Probleme. Er stellte seinen Ausführungen eine Metapher voran, mit der er die schwierige Aufgabe veranschaulichte, die bereits vor 1700 Jahren und noch heute bestehenden theologischen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Worte zu fassen.
„Zuallererst möchte ich Ihnen eine Frage stellen: Wie schmeckt Wasser?“ erkundigte er sich. „Kann mir jemand beschreiben, welchen Geschmack Wasser hat?"
Pastorin Terri Hord Owens (Christliche Kirche (Jünger Christi)) stellte einen US-Kontext in den Vordergrund, als sie davon sprach, wie die derzeitige US-Präsidentschaft versucht, „Diversität, Gleichberechtigung und Inklusion“ oder DEI (diversity, equity, inclusion) in Regierung, Geschäftsleben und Gesellschaft auszumerzen.
Doch in der Kirche gelingt diese Ausmerzung nicht, sagte Hord Owens. „Ich würde mich als Angestellte von DEI bezeichnen“, sagte sie.
Die ÖRK-Zentralausschusstagung wird vom 18. bis 21. Juni und dann erneut am 23. Juni von 8.30 h bis 12.30 h südafrikanischer Standardzeit live gestreamt.
Auf der Übersichtsseite findet sich eine Tagesordnung, Informationen zur Verfassung und Satzung des ÖRK sowie das Verfahren zur Entscheidungsfindung im Konsens und die Anträge für eine Medienakkreditierung.
ÖRK-Zentralausschuss, Juni 2025
Video-Aufzeichnung vom 3. Tag der Zentralausschusssitzung