Dr. Brigalia Bam, eine südafrikanische Frau, die während ihrer Arbeit für den ÖRK von 1967 bis 1981 vorrangig mit dem Thema Frauen und mit dem Programm zur Bekämpfung von Rassismus befasst war, hat damals eine Zeit erlebt, in der das Wort „Sexismus“ nicht einmal übersetzt werden konnte – denn die Menschen wussten nicht, was es bedeutete.
Zu der damaligen Zeit, so Bam, wurde der Begriff „Rassismus“ sehr gut verstanden. Was jedoch Sexismus anging, war die gängige Meinung der Menschen, „das ist Tradition“ und „das war schon immer so.“
Sie erinnert sich ebenfalls an die Widerstände gegen die Einführung der feministischen Theologie. „Gott sei Dank ist das heute eine akzeptable Art und Weise geworden, um über unsere Situation nachzudenken“, sagte sie. „Das Thema ist ökumenisch akzeptiert, ebenfalls von zahlreichen Kirchen.“
Bam forderte Frauen nachdrücklich auf, weiterhin mit anderen Frauen zusammenzuarbeiten.
„Wir werden nicht in der Lage sein, als Frauen die Probleme in der Welt anzugehen – womit ich alle meine, sei es Armut oder Krieg –, wenn wir als Frauengruppen keinen Weg finden, zusammenzuarbeiten.“
Sie fragte alle persönlich anwesenden und über das Internet teilnehmenden Personen: „Wie besetzen wir Führungsräume? Gibt es einen typisch weiblichen Stil oder eine Herangehensweise, die man als weiblich beschreiben könnte?“
Andere Rednerinnen berichteten über Beispiele für typisch weibliches Vorgehen. Margarita Nelyubova vom Moskauer Patriarchat beschrieb, wie die Schwestern der Barmherzigkeit mit ihrem Laiendienst an Mitmenschen besonders während der ÖRK-Dekade der Solidarität mit Frauen von 1988–1998 an Bedeutung gewonnen haben. „Während dieser Dekade wurden christliche Kindergärten und Sonntagsschulen eröffnet, in denen vorwiegend Frauen gearbeitet haben.“
Gruppendiskussionen während einer Pilgerbegegnung zum Thema Gendergerechtigkeit auf der Zentralausschusstagung des Ökumenischen Rates der Kirchen 2025, die in Johannesburg (Südafrika) vom 18. bis 24. Juni 2025 zum Thema „Pilgerweg der Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Einheit“ stattfindet.
Jinqin Gu berichtete aus ihrer Perspektive als chinesische Christin über die Erklärung und Aktionsplattform von Beijing, ein wegweisendes Dokument für die Verbesserung der Frauenrechte und der Geschlechtergleichstellung, angenommen auf der Vierten Weltfrauenkonferenz in Beijing im Jahre 1995.
„Hier wurde eine Saat gelegt, die in den chinesischen Gemeinschaften und sogar in den chinesischen Kirchen immer weitergewachsen ist“, sagte sie. „Sie hat Gesprächen über häusliche Gewalt, Bildung, Chancengleichheit und Gesundheitsversorgung den richtigen Nachdruck verliehen.“
1993, direkt vor der Konferenz, hat der Chinesische Christenrat einen Ausschuss für Frauenarbeit ins Leben gerufen.
„Heute sind fast 42 Prozent der ordinierten Seelsorgenden in China Frauen, und der Anteil weiblicher Studierender in den Seminaren ist geringfügig höher als bei den Männern“, sagte Jinquin Gu. „In ländlichen Gebieten sind es traditionelle Wertvorstellungen, die in manchen Gemeinden immer noch den Zugang von Frauen zu Führungspositionen einschränken.“
Als Diskussionsleiterin berichtete Pastorin Dr. Henriette Hutabarat Lebang, ÖRK-Präsidentin aus Asien, über zahlreiche Denkanstöße und nannte Beispiele, wie vom ÖRK geführte Programme besonders vulnerablen Menschen geholfen haben.
„Heute ist der ÖRK nach wie vor die wichtigste ökumenische Organisation, die mit HIV und AIDS lebenden Menschen Unterstützung und Orientierungshilfe gibt“, sagte sie und nannte eines von vielen Beispielen.
Bischöfin Dr. Vicentia Kgabe von der Diözese Lesotho, Anglikanische Kirche des südlichen Afrika, überbrachte eine Botschaft mit der Aussage, nicht mehr „was wäre, wenn“ zu fragen, sondern zu sagen: „es werde!“ Sie stellte fest, dass sich der ÖRK-Zentralausschuss im Angesicht einer verwundeten Welt versammelt habe, die die Herzen seiner Mitglieder berühre.
„Was, wenn unseren Kirchen nicht mit Mitleid, sondern im Geiste der Partnerschaft zuhörten?“ fragte sie. „Lassen wir unseren Dienst von Traumata inspirieren.“
Wenn Frauen vertrieben, missbraucht oder zum Schweigen gebracht werden, so sagte sie, werde das Ebenbild Gottes verunstaltet. „Als Ökumenischer Rat der Kirchen sind Sie nicht nur Beobachter und Beobachterinnen, sondern Sie – und wir alle – sind eine moralische Stimme mit globaler Reichweite.“
Dr. Brigalia Bam spricht während einer Pilgerbegegnung zum Thema Gendergerechtigkeit auf der Zentralausschusstagung des Ökumenischen Rates der Kirchen 2025, die in Johannesburg (Südafrika) vom 18. bis 24. Juni 2025 zum Thema „Pilgerweg der Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Einheit“ stattfindet.