Image
Meharry COVID-19 testing-001
Foto:

Regierungen und internationale Organisationen müssen gemeinsam die Frage beantworten, wer das Vakzin gegen COVID-19 zuerst und in welcher weiteren Reihenfolge erhalten soll. Vor diesem Hintergrund haben der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und der Jüdische Weltkongress (WJC) in einer gemeinsamen Veröffentlichung auf die moralischen Fragestellungen hingewiesen, die religiöse Führungspersonen und glaubensgestützte Organisationen in politischen Diskussionen über die Impfstoffverteilung ansprechen müssen.

Die Veröffentlichung mit dem Titel „Aufforderung zur Auseinandersetzung mit ethischen Fragen im Zusammenhang mit der Verteilung von COVID-19-Vakzinen“ weist darauf hin, dass Entscheidungen über die Impfstoffverteilung „grundsätzlich ethischer Natur sind und religiöse Führungspersönlichkeiten und glaubensgestützte Organisationen eine wichtige Rolle und Verantwortung in den einschlägigen politischen Diskussionen übernehmen müssen.“

Der ÖRK und der WJC gehen auf problematische Fragen ein, die auf internationaler und nationaler Ebene von religiösen Führungspersonen erörtert und angesprochen werden müssen. Dazu gehören die Sorge um die globale Gerechtigkeit bei der Verteilung der verfügbaren Vakzine um sicherzustellen, dass die Menschen in den ärmeren Ländern nicht ausgeschlossen werden.

Die beiden Organisationen setzen sich auch kritisch mit der Frage des „Impfstoffnationalismus“ auseinander. Es besteht die Gefahr, dass sich wohlhabendere Länder höhere Impfstoffkontingente sichern und damit weniger Vakzine für eine gerechte weltweite Verteilung zur Verfügung stehen. „Das ist eine moralische Frage, die Kommentare und Handeln seitens der religiösen Führungen rechtfertigt.“

Pastor Prof. Dr. Ioan Sauca, Interims-Generalsekretär des ÖRK, sieht es als besonders wichtig an, dass „religiöse Führungskräfte Verantwortung übernehmen und ihre Gemeinschaften und die Gesellschaft dabei unterstützen, über diese wichtigen ethischen und praktischen Fragen nachzudenken und einen Beitrag zu Entscheidungen zu leisten, die moralisch fundiert sind und in ihren jeweiligen Kontexten an diesem kritischen Punkt des Pandemieverlaufs akzeptiert werden. Ich bin sehr dankbar, dass wir die Aufforderung gemeinsam mit dem Jüdischen Weltkongress formulieren und an unsere jeweiligen Gemeinschaften richten konnten, die sich mit diesen äußerst schwierigen Fragen auseinandersetzen müssen.“

Maram Stern, Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses, sagte: „Jetzt, da wir endlich Licht am Ende des langen COVID-19-Tunnels sehen, begrüße ich von ganzem Herzen diese gemeinsame Initiative des ÖRK und des WJC, die zur rechten Zeit kommt und eine substanzielle Bedeutung hat. Ich hoffe, dass religiöse Führungspersönlichkeiten und glaubensgestützte Organisationen überall auf der Welt den Wert dieser Leitlinien erkennen und ihre Regierungen und politischen Entscheidungsinstanzen über Prioritäten bei der Impfstoffverteilung entsprechend beraten. Diese Veröffentlichung wurde im Geist des interreligiösen Dialogs verfasst und ist inspiriert von unseren jeweiligen christlichen und jüdischen Traditionen, die uns bisher durch diese lebensverändernden Zeit geleitet haben.“

Der ÖRK und der WCJ fordern religiöse Führungskräfte aller Glaubensrichtungen nachdrücklich auf zu erwägen, „in aller Öffentlichkeit gegen unbewiesene Gerüchte und ohne jeden wissenschaftlichen Nachweis verbreitete Verschwörungsmythen Stellung zu beziehen, die das öffentliche Vertrauen in unsere Gesundheitsbehörden und Gesundheitsdienste und auch in die geprüften und zugelassenen Vakzine selbst unterwandern und auf diese Wiese eine effektive Bekämpfung der Pandemie durch das öffentliche Gesundheitssystem gefährden.“ In einigen Fällen haben diese Verschwörungsmythen eine ausgemacht antisemitische Grundierung, die auf jeden Fall zu verurteilen ist“, heißt es in der Veröffentlichung.

Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von 350 Kirchen aus mehr als 110 Ländern und vertritt damit über 500 Millionen Menschen christlichen Glaubens weltweit. Der Jüdische Weltkongress vertritt als internationale Organisation die politischen Belange  jüdischer Gemeinschaften in mehr als 100 Ländern gegenüber Regierungen, Parlamenten und internationalen Organisationen.

Der vollständige Text der Veröffentlichung ist auf der Website des ÖRK und des WJC zu finden. Religiöse Führungskräfte und glaubensgestützte Organisationen sind aufgefordert, den Text weiter zu verbreiten.

Hier klicken, um den vollständigen Text zu lesen

 

Über den Ökumenischen Rat der Kirchen
Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von 350 Kirchen aus mehr als 110 Ländern und vertritt damit über 500 Millionen Menschen christlichen Glaubens weltweit.
www.oikoumene.org
Twitter / Facebook

Medienkontakt
Marianne Ejdersten, Leiterin der ÖRK-Kommunikationsabteilung
+41.79.507.6363; 
mej@wcc-coe.org

Über den Jüdischen Weltkongress
Der Jüdische Weltkongress (WJC) vertritt als internationale Organisation die politischen Belange  jüdischer Gemeinschaften in mehr als 100 Ländern gegenüber Regierungen, Parlamenten und internationalen Organisationen. 
www.wjc.org
Twitter | Facebook

Medienkontakt
Samantha Kupferman, West End Strategy Team
+1 202-215-9260; 
skupferman@westendstrategy.com