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Bishop Malusi Mpumlwana saying homily in St Alban’s Anglican Cathedral, Pretoria, South Africa

Bischof Malusi Mpumlwana, Generalsekretär des Südafrikanischen Kirchenrats bei seiner Homilie am Gedenkgottesdienst für Erzbischof Desmond Tutu am 30. Dezember 2021 in der anglikanischen Kathedrale St. Alban´s in Pretoria.

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In seiner Trauerrede für den am 26. Dezember verstorbenen Desmond Tutu rief Mpumlwana bei einem Gedenkgottesdienst für den anglikanischen Führer dazu auf, dessen Vision fortzuführen. Tutu hatte dazu beigetragen, seine Nation zur Versöhnung zu führen, nachdem er zu den stärksten Gegnern der Apartheid gehörte.

Mpumlwana, Bischof der Äthiopischen Bischöflichen Kirche, der gemeinsam mit Tutu gegen die Apartheid gekämpft hatte, sprach während eines interreligiösen Gedenkgottesdienstes.

„Die Vision einer Regenbogennation war anspruchsvoll, etwas, wonach man streben und worauf man hinarbeiten konnte. Wir beten dafür, dass sie sich für das Versprechen eines Südafrikas nach der Apartheid bewahrheiten wird.

Diese Vision hat sich bisher nicht erfüllt, denn um die Wunden in unserer Gesellschaft zu schließen, die uns zu einer gewalttätigen Gesellschaft machen, braucht es Heilung und Versöhnung“, sagte das südafrikanische Kirchenoberhaupt.

Er sprach in der St.-Georgs-Kathedrale in Kapstadt an einem der vielen Gottesdienste, die überall in Südafrika zu Ehren Tutus abgehalten wurden. Dort ist er aufgebahrt, und am 1. Januar wird auch dort seine Trauerfeier stattfinden.

Mpumlwana beklagte die Gewaltverbrechen, die Korruption, die geschlechtsspezifische Gewalt und die sinnlosen Femizide, gegen die Tutu immer gewettert hatte.

„Deswegen müssen wir uns ernsthaft bemühen, eine Nation im Sinne von Tutus Regenbogennation zu erschaffen“, sagte der Führer der SACC.

„Außerdem gibt es Armut und Ungleichheit. Es braucht eine Transformation des wirtschaftlichen Aufbaus dieses Landes, um tatsächlich eine Inklusion der, wie wir sie nennen, ausgeschlossenen Mehrheit der Coloureds, Afrikanerinnen und Afrikanern, Menschen aus den ländlichen Bantustan-Gebieten und den kleinen Städten, für die sich nicht viel geändert hat, zu erreichen“, sagte er.

Dazu gehörten auch diejenigen, die vor der ländlichen Armut in das städtische Elend fliehen, um nach flüchtigen Gelegenheiten zu suchen.

Prophet Jeremia

Mpumlwana zog Parallelen zwischen Tutu und dem Propheten Jeremia, der sagte:

„Da dachte ich: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, verschlossen in meinen Gebeinen.  Ich mühte mich, es zu ertragen, aber konnte es nicht.“

Beim Gottesdienst verlas die stellvertretende Generalsekretärin, Prof. Dr. Isabel Apawao Phiri, eine Gedenkbotschaft im Namen des geschäftsführenden Generalsekretärs des ÖRK, P. Prof. Dr. Ioan Sauca, in dem er das Ableben Tutus beklagt.

Desmond Tutu verfügte über eine einzigartig strahlende Persönlichkeit, ein ansteckendes Lachen und eine Lebensfreude, die Widerstände auflösen und Verbündete und Anhänger um sich scharen konnte. Er wurde sehr geliebt und liebte sehr. Er war ein tiefgläubiger Kirchenmann und ein engagierter Ökumeniker“, sagte Phiri, die aus Malawi stammt und in Südafrika studiert hatte.

„Doch wie das Nobelkomitee feststellte, brachte er in seine Arbeit mit dem Südafrikanischen Kirchenrat und der Anglikanischen Kirche auch eine stählerne Klarheit über die Ziele und ein unerschütterliches Engagement für soziale Gerechtigkeit für alle Südafrikanerinnen und Südafrikaner ein.“

Sie sagte, er sei trotz seiner weltweiten Bekanntheit und dem Lob für seine erfolgreiche Arbeit „ein bescheidener und ernsthafter Diener Gottes geblieben, der fest entschlossen war, die Liebe Gottes mit allen Menschen Gottes und der Erde zu teilen.“

Der Apostolische Nuntius in Südafrika, Erzbischof Peter Wells, überbrachte ebenfalls eine Botschaft.

„Seine Heiligkeit Papst Franziskus war betrübt, vom Tod des Erzbischofs Desmond Tutu zu erfahren. Er spricht dessen Familie und Angehörigen in Anbetracht seines Dienstes am Evangelium zur Förderung der Rassengleichheit und der Versöhnung in seinem Heimatland Südafrika sein tief empfundenes Beileid aus,“ sagte Wells.

Video des Gedenkgottesdienstes für Erzbischof em. Desmond Tutu.

Desmond Tutu, Apostel für Versöhnung: Eine Gedenkbotschaft des Ökumenischen Rats der Kirchen

Die Welt trauert um Desmond Tutu (ÖRK-Nachricht vom 26. Dezember 2021)