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A group photo of the Women church leaders meeting at WCC, May 2022

Ivars Kupcis/ÖRK

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In einer „Klagelitanei“ haben die Frauen – die alle kirchliche Leitungsfunktionen innehaben – ihren Kummer und Schmerz zum Ausdruck gebracht, dass die Sünden des Patriarchats und des Sexismus die Welt auch heute noch entstellen. 

„Wir beklagen das Leid, das Frauen und Mädchen durch das repressive System des Patriarchats zugefügt wird, und dass dieses System von Religionen und der vorherrschenden Kultur aufrechterhalten wird“, schrieben sie in ihrer Wehklage. „Wo herrscht heute Gerechtigkeit für Frauen, die Tag für Tag Angst haben müssen, von jenen Menschen vergewaltigt zu werden, denen sie vertrauen?“

Die Kirchenleiterinnen bekräftigten, dass Gott uns zeige, was Gerechtigkeit bedeutet. „Er tut das, wenn die Kirche zu dem wird, wozu sie berufen ist“, heißt es in der Wehklage. „Er tut das, wenn die Kirche gegen alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen eintritt und sich für ein Ende aller Formen dieser Gewalt einsetzt – gesellschaftliche, religiöse, wirtschaftliche, politische und kulturelle Formen von Gewalt gegen Frauen und Kinder.“

Die Botschaft der Konsultation würdigt die Entscheidungen vieler Kirchen in der Region Afrika, Frauen in verschiedenen Ämtern auf den höchsten Leitungsebenen der Kirche einzusetzen.

„Um länderübergreifende Netzwerke der Solidarität zu fördern haben auch Frauen in Führungspositionen anderer beruflicher und geographischer Kontexte an dem Treffen teilgenommen und über ihre Erfahrungen, ihre Arbeit und ihr Zeugnis berichtet“, heißt es in der Botschaft weiter. „Die erste Arbeitssitzung zum Umgang mit Macht und Autorität war eine wichtige Plattform, um einen Austausch und die Analyse anzustoßen, die für die verschiedenen Schwerpunkte des Leitungswirkens im Folgenden durchgeführt wurden.“

Die Frauen erörterten weiterhin, wie wichtig es ist, Macht, Autorität und Verantwortung auf eine Art und Weise mit anderen zu teilen, die gerecht, transparent und kooperativ ist und sich der Schnittstellen von ethnischer Zugehörigkeit, Gesellschaftsschicht, Kultur, sexueller Vielfalt und Genderzugehörigkeit bewusst ist.

„Auf dem Programm stand auch eine Reflexion über das Afrika, für das wir beten, und die Führungspersonen waren eingeladen, den anderen Teilnehmenden von ihren Träumen und Gebeten für Afrika (und die Welt) zu berichten, die sich aus den verschiedenen Problembereichen aus ihrem jeweiligen Kontext ergeben“, erläutert die Botschaft. „Unterm Strich ist es unsere gemeinsame Hoffnung, dass die wichtigen Lektionen und Erkenntnisse, die wir auf dieser Konsultation gewonnen haben, zu ähnlichen Treffen in anderen geographischen Kontexten animieren können, wo Frauen ebenfalls weiterhin ihrer Berufung folgen, mit Mut und Mitgefühl Führungsrollen zu übernehmen.“

Den Blick schärfen und das Wirken unterstützen

Die vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) in Zusammenarbeit mit dem Desmond Tutu Centre for Religion and Social Justice an der Universität des Westkaps in Südafrika und der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz ausgerichtete Konsultation war ein Pilotprojekt im afrikanischen Kontext, das als Vorbild für ähnliche Konsultationen in anderen geographischen Regionen dienen sollte. 

Pastorin Nicole Ashwood, Programmreferentin für das ÖRK-Programm „Gerechte Gemeinschaften für Frauen und Männer“, sagte, die Konsultation sei aus dem Wunsch entstanden, weibliche Kirchenleiterinnen „in ihren kontextabhängigen Lebensrealitäten“ zu begleiten. „Viel zu oft werden Frauen aus den wirklich wichtigen Gesprächen ausgeschlossen, wenn sie in Führungspositionen sind; wir wollen sie auch in diesen Kreisen zu Wort kommen lassen und ihnen eine stärkere Stimme geben“, sagte sie.  Die angesprochenen Probleme würden im Sommer auch auf der ÖRK Vollversammlung angesprochen werden, versicherte sie. 

Prof. Dr. Sarojini Nadar, Direktorin des Desmond Tutu Centre for Religion and Social Justice, sagte mit Blick auf die Konsultation, dass es für sie besonders wichtig gewesen sei, „Solidarität unter den Frauen zu fördern, weil sie oftmals mit Führungsrollen betraut würden, ohne die notwendigen Werkzeuge und Instrumentarien an der Hand zu haben, die es ihnen ermöglichen, mit der Macht und Autorität umzugehen, die mit diesen Führungsrollen einhergehen“.

Bischöfin Dr. Vicentia Kgabe von der Diözese Lesotho der Anglikanischen Kirche des südlichen Afrika sagte, die Tagung habe in ihren Augen bekräftigt, dass Frauen in der Lage seien, Führungsverantwortung zu übernehmen, und dass es nun „um Zusammenarbeit und Weggemeinschaft ganz allgemein“ ginge. „Alle Arten von Aus- und Weiterbildung sind für Frauen wichtig“, sagte sie.
  
Pastorin Dr. Emily Onyango, Assistenzbischöfin der anglikanischen Diözese Bondo in Kenia, erklärte, dass weibliche Bischöfinnen in Afrika durch ihre Einsatzorte versteckt werden könnten. „Ich glaube, die Sichtbarkeit ist sehr wichtig“, sagte sie. „Ihr Dienst darf nicht verschleiert werden.“

Und weiter führte Onyango aus, dass sie die Hoffnung habe, dass es noch viel mehr Tagungen von weiblichen Führungspersonen geben werden und dass die Interaktion zwischen den Protagonistinnen verstärkt werde.

„Für mich ist es wichtig, Kolleginnen aus Afrika persönlich zu treffen, und auch andere Partner, die dem gleichen Ruf gefolgt sind“, sagte sie. „Es schärft meinen Blick und hilft mir und ich hoffe, dass wir diese Gelegenheiten wieder haben werden.“

Erklärung von der Konsultation zum offiziellen Start der „Ecumenical Women's Initiative for Leadership and Learning“ des ÖRK (WE WILL) 

Klagelitanei

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Gerechte Gemeinschaften für Frauen und Männer