Wie notwendig sind die Begleitpersonen angesichts der Eskalation des Konflikts?
Majlaton: Nach der Evakuierung der ökumenischen Begleitpersonen aufgrund der Zuspitzung der Feindseligkeiten konnte die Unterbrechung der physischen Anwesenheit internationaler Augenzeuginnen und Augenzeugen nicht vermieden werden. Doch die Gefährdung und tägliche Gängelung der Gemeinschaften, die wir unterstützen – die Bauern- und Beduinengemeinden in den südlichen Hebron-Hügeln, die Familien und Schulkinder in Jerusalem und Bethlehem, die Gemeinden im Jordantal –, lässt nicht nach.
Inwiefern dient das virtuelle Programm als Überbrückung?
Majlaton: Unsere Verpflichtung diesen Gemeinden gegenüber ist nicht nur in unserer programmatischen Verantwortung verankert, sondern auch in einer theologischen Berufung: Zeugnis abzulegen, Solidarität zu zeigen und die Würde aller Menschen zu bekräftigen, denn sie wurden als Ebenbild Gottes erschaffen. Das virtuelle Begleitprogramm kann zwar den inkarnatorischen Wert der physischen Anwesenheit nicht ersetzen, doch es ist eine gewissenhafte und notwendige Überbrückung. Durch das Programm möchten wir sicherstellen, dass diese Gemeinden nicht außen vor gelassen werden und dass der Dienst der Begleitung, verankert in Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Wahrheit, trotz physischer Entfernung weitergeführt wird.
Beschreiben Sie doch die verschiedenen Facetten des Programms.
Majlaton: Das virtuelle Begleitprogramm baut weiterhin auf dem Ethos der Begleitung auf und wurde mit Bedacht an die aktuellen Umstände angepasst. Zu den Hauptaspekten gehören ein wöchentlicher virtueller Austausch, Zuhören, Dokumentation, Bezeugung sowie Berichterstattung und Advocacy-Arbeit.
Wofür kann die ökumenische Familie für Sie bei der Weiterführung dieser Aufgabe beten?
Majlaton: Wir bitten unsere ökumenische Familie schlicht darum, diesen Dienst weiterhin in ihre Gebete einzuschließen. Beten Sie für Schutz, Durchhaltevermögen und standhafte Hoffnung für die Gemeinden, die wir begleiten und die noch immer täglichen Ungewissheiten und Entbehrungen gegenüberstehen. Beten Sie für die Sicherheit und Umsicht unseres Personals vor Ort, unserer Fahrerflotte und unserer ökumenischen Begleitpersonen, die sich mit Mut und Bedacht in komplexen Situationen zurechtfinden müssen. Beten Sie für die Integrität und Ergiebigkeit unseres gemeinsamen Zeugnisses, dass die Wahrheit mit Klarheit gesprochen und mit Offenheit empfangen werden könne.
Indem Sie mit nationalen Koordinationspersonen zusammenarbeiten, um die Sammlung verifizierten Erzählungen und Berichte bekannt zu machen, verschaffen Sie den Stimmen jener Gehör, die sich für Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Frieden einsetzen. Ihre anhaltende Solidarität, Sensibilisierungsarbeit und Ihr Austausch mit Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern unterstützt unsere Mission für einen gerechten Frieden maßgeblich.
Iskandar Majlaton, Programmreferent des Ökumenischen Begleitprogramms in Palästina und ÖRK-Generalsekretär Pastor Prof. Dr. Jerry Pillay in Jerusalem.