Weltweite Fastenaktion für systemischen Verzicht auf CO2-Emissionen – ein im Glauben verankertes Engagement in der Fastenzeit
Die Weltwirtschaft ist heute von einem Extraktivismus-Denken geprägt – einem Lebensstil, der die Erde als etwas betrachtet, das wir verbrauchen können, anstatt es zu bewahren. Die Nutzung von fossilen Brennstoffen, die Abholzung von Wäldern, die industrielle Landwirtschaft und der ständige Druck für mehr Wirtschaftswachstum treiben den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt an. Und am schwersten darunter zu leiden haben in der Regel diejenigen, die am wenigsten zur Entstehung der Krise beigetragen haben: indigene Völker, kleinbäuerliche Familien, Menschen, die an den Küsten leben, und alle, die im globalen Süden leben.
Die genannten Industrien haben unmittelbare Auswirkungen auf die Systeme zur Versorgung der Menschen in unserer Welt mit sauberem Trinkwasser und konzentrieren die Macht bei sich statt sie marginalisierten Bevölkerungsgruppen wie beispielsweise Frauen zu überlassen. Kirchen, Gemeinden und ökumenische Netzwerke sind aufgerufen, diese Wirtschaftsstrukturen zu bekämpfen, weil sie den Menschen und der Schöpfung schaden, – und entschlossen Schritte hin zu Alternativen zu unternehmen, die das Gleichgewicht in der Schöpfung wiederherstellen.
Fundament für diese Fastenaktion ist eine „Theologie des Genug“. Gott schuf eine Welt der vollen Genüge für alle Geschöpfe – keine Welt, in der Mangel herrscht, aber auch keine Welt unbegrenzten Konsums oder einer hemmungslosen Bereicherung. Christliche Gläubige sind aufgerufen, die Schöpfung insgesamt zu schützen und zu bewahren und in rechten Beziehungen mit ihren menschlichen und nichtmenschlichen Mitgeschöpfen zu leben – nicht über sie zu herrschen und zu verfügen. Das entspricht dem Konzept des „buen vivir“ – gut zu leben, indem man nach einem harmonischen Zusammenleben mit der Erde, der biologischen Vielfalt, den anderen Menschen und mit Gott strebt. Wasser offenbart die Gewalt und Ungerechtigkeit, die in diesen Systemen vorherrschen, auf einzigartige Art und Weise. Einen vergifteten Fluss oder eine ausgetrocknete Schicht im Boden, die eigentlich Wasser führen sollte, kann man nicht verstecken. Wenn Industrien Wasser verunreinigen oder monopolisieren, zeigt sich deutlich, wie eng das Überleben einzelner Menschen und systemische Ungerechtigkeit verknüpft sind.
Die siebenwöchige Fastenzeit wird von Gebeten, Reflexion und konkreten Aktionen geprägt sein. Durch das Beten verankern wir unsere Teilnahme in Glauben, Anteilnahme und Hoffnung. In den Bibelarbeiten, die für jede Woche zur Verfügung gestellt werden, wird es um Gemeinwesen und Gemeinschaften gehen, die direkt mit den Auswirkungen konfrontiert sind, und sowohl um das Thema Klimawandel als auch um das Thema Wasser. Bei den konkreten Vorschlägen für individuelle und gemeinschaftliche Aktionen wird es um Möglichkeiten gehen, wie Kirchen Alternativen schaffen oder fördern können – Initiativen für erneuerbare Energien, Systeme für die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln, Advocacy-Kampagnen.
Auch das Thema für den Weltwassertag 2026, Geschlechtergerechtigkeit in der Wasserver- und Abwasserentsorgung, wird uns immer wieder begegnen und zeigen, dass dies Frauen eine unverhältnismäßig große Last auferlegt, weil sie immer weitere Strecken zurücklegen müssen, um dann nur verunreinigtes Wasser zu bekommen, sie keinen Zugang zu Abwasserentsorgung haben und Land an große Industrievorhaben verlieren.
Zu Beginn der Kampagne wird am 18. Februar der theologische Rahmen abgesteckt und es wird eine Eröffnungsandacht geben. In der Folge werden sich die Teilnehmenden dann in jeder Woche mit einem anderen Industriezweig beschäftigen – fossilen Energieträgern, Bergbau, industrieller Landwirtschaft, Abholzung von Wäldern und Überfischung, Tiefseebergbau und neu entstehende Grenzen. Wir werden in jeder Woche zeigen, inwiefern diese Praktiken den Klimawandel vorantreiben und die Wasserressourcen der Welt verunreinigen und monopolisieren. Zum Abschluss der Kampagne werden wir am 1. April Bilanz der verschiedenen Aktionen ziehen und eine Abschlussandacht feiern – und unser Bekenntnis zur Ökumenischen Dekade für Klimagerechtigkeit bekräftigen.
Teilnehmen können Einzelpersonen und Gemeinden aus aller Welt. Jede Woche wird eine Materialsammlung zur Verfügung gestellt – mit Bibelarbeiten, Gebeten und Anleitungen für konkrete Aktionen. Wie stark sich Kirchen engagieren und einbringen, können sie selbst entscheiden. Sie können die Themen nur jeweils im Sonntagsgottesdienst aufgreifen oder sich intensiv und umfassend mit Bibelarbeiten und Advocacy-Aktionen einbringen. Wer möchte, kann sich ausführlicheres Material zum Thema Wassergerechtigkeit vom Ökumenischen Wassernetzwerk des ÖRK bestellen, das tiefergehend über die Themen Wasserver- und Abwasserentsorgung, die geschlechtsspezifischen Aspekte der Themen und die technischen Möglichkeiten informiert. Alles Material wird in verschiedenen Sprachen zur Verfügung stehen.
Alle christlichen Konfessionen und ökumenischen Partner können mitmachen! Durch eine Teilnahme können eigene Wertvorstellungen und Gewohnheiten verändert werden und Einfluss auf Politik, Beziehungen, Systeme und die Zukunft genommen werden.
Das Material zur Fastenaktion für einen systemischen Verzicht auf CO2-Emissionen finden Sie hier.
Das Material für die Sieben Wochen im Zeichen des Wassers finden Sie hier.