Ökumenische Konferenz zu rassistischen Strukturen als Vermächtnis des Sklavenhandels

Ein brasilianischer Junge vor dem Bild "Trabalhadores" von Orlando Mattos. Foto: CARF Brasilien
Das Vermächtnis des Sklavenhandels und die Frage, wie die Kirchen auf historische und aktuelle Formen der Sklaverei reagieren können, stehen auf der Tagesordnung einer ökumenischen Konferenz, die vom 10.-14. Dezember in Runaway Bay, Jamaika, stattfindet. Etwa sechzig Persönlichkeiten aus Kirchenleitung, Theologie, Sozialwissenschaft und Zivilgesellschaft, mehrheitlichaus Afrika, dem amerikanischen Doppelkontinent und der Karibik werden in dem Land zusammenkommen, wo fast eine Million Afrikaner und Afrikanerinnen und später Schuldknechte aus Asien als menschliche Ware ausgebeutet wurden und das für viele weitere Durchgangsstation auf ihrer oft Tod bringenden Reise in die Sklaverei war.
"Die Konferenz soll nicht nur der Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels im Jahr 1807 gedenken, sondern darüber hinaus die Muster untersuchen, die er eingeführt hat und die bis heute nachwirken", erläutert Deenabandhu Manchala, Programmreferent für gerechte und integrative Gemeinschaften im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK). Mit Erzählungen, Drama, Musik und Tanz werden die Teilnehmenden einander die Leidensgeschichten ihrer Völker in einem Balm Yaad - so heißt in Jamaika traditionell der Ort für rituelle Heilungen - nahebringen.
Im Gedenken an die Kirche, die vor 200 Jahren als eine bedrohte und versklavte Gemeinschaft in den Kerkern und Häfen, auf den Ranchen und Plantagen lebte und Zeugnis ablegte von der prophetischen Hoffnung auf Befreiung durch Widerstand und Revolte, wird die Konferenz die Kulturen und Spiritualitäten Afrikas feiern, die dieses Zeugnis möglich gemacht haben. Sie wird auch ihre Unterstützung bekunden für den Kampf der Dalits in Indien, der indigenen Völker und all derer, die sich heute der verschiedensten Formen der Sklaverei, einschließlich Menschenhandel, erwehren müssen.
Eine Schlusserklärung soll die Kirchen und die ökumenische Bewegung auffordern, sich mit der historischen Schuld zu befassen, in der diejenigen, die von dem Reichtum profitieren, der auf der Ausbeutung von Natur und Mensch beruht, bei denen stehen, die am meisten unter den Folgen dieser Ausbeutung leiden. Dazu werden auch folgende Fragen untersucht: Was bedeuten Reue und Wiedergutmachung? Welches sind ihre konkreten, greifbaren Ausdrucksformen? Wie tritt die Kirche ein für Gerechtigkeit im Namen der erschlagenen Abels unserer Welt? Ist es möglich, die rassistische Komponente der wirtschaftlichen Globalisierung aufzudecken und somit ihr Potenzial aufzuzeigen, Ungerechtigkeit zu institutionalisieren, Kulturen der Ausgrenzung zu legitimieren und den Menschen immer mehr zur Ware zu machen?
Die internationale ökumenische Konferenz "Abgeschafft, aber nicht ausgelöscht: Gedenken an den Sklavenhandel im 21. Jahrhundert" ist eine gemeinsame Veranstaltung des Ökumenischen Rates der Kirchen, des Reformierten Weltbundes und des Rates für Weltmission. Gastgeberin ist die Vereinigte Kirche auf Jamaika und den Cayman-Inseln.
Mehr Informationen über die Antirassismusarbeit des ÖRK
Website des Reformierten Weltbundes
Website des Rates für Weltmission (auf Englisch)
Website der Vereinigten Kirche auf Jamaika und den Cayman-Inseln
Medienkontakt in Jamaika: Vereinigte Kirche auf Jamaika und den Cayman-Inseln, Tel.: (+876) 926 6059, churchunited [at] hotmail.com; synod [at] unitedchurchja.com


