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23.04.08 16:47

Ökumene trauert um Krister Stendahl

 

Krister Stendhal. Foto: Harvard Divinity School

Krister Stendhal, herausragender Ökumeniker, Neutestamentler, ehemaliger Bischof von Stockholm und Dekan der Harvard Divinity School, starb am Dienstag in Boston im Alter von 86 Jahren.

 

In der weiteren ökumenischen Bewegung ist Krister Stendhal vor allem durch seine intensiven Bemühungen, die Christen am ökumenischen Tisch zu versammeln, bekannt geworden. Gleichzeitig rief er sie dazu auf, die Schönheit und den Wert anderer religiöser Traditionen zu erkennen. Sein Beitrag zum christlichen Selbstverständnis inmitten religiöser Pluralität, insbesondere im Blick auf die jüdisch-christlichen Beziehungen, sei außergewöhnlich, erklärte Shanta Premawardhana, Direktor des ÖRK-Programms für interreligiösen Dialog und Zusammenarbeit. "Er hat den mittlerweile bekannt gewordenen Begriff des ,heiligen Neids’ geprägt, um zu beschreiben, welche Haltung interreligiöse Dialogpartner entwickeln sollten, die im Glauben des anderen einen geistlichen Reichtum entdecken, den sie in ihrem eigenen Glauben nicht finden."

 

Der ÖRK ist Krister Stendhal zutiefst verpflichtet für die führende Rolle, die er im Ausschuss für die Kirche und das jüdische Volk gespielt hat – einem Gremium, das dem ÖRK-Exekutivausschuss 1982 die "Ökumenischen Überlegungen zum christlich-jüdischen Dialog" unterbreitete.

 

Zu einer Zeit, in der die ökumenische Bewegung ihre ersten vorsichtigen Schritte im Dialog mit Angehörigen anderer Religionen unternahm und in der heftige Debatten über die Unterschiede zwischen Evangelisation, Mission und interreligiösem Dialog geführt wurden, erinnerte Krister Stendhal die Christen mit dem ihm eigenen Witz und Charme daran, dass "wir dazu berufen sind, das Salz der Erde zu sein und nicht die ganze Welt zu einem Salzberg zu machen, Sauerteig im Brot zu sein und nicht den ganzen Leib Brot in einen Sauerteigklumpen zu verwandeln!"

 

Der lutherische Bischof zeigte durch seine herausragende wissenschaftliche Arbeit neue Wege auf, wie die Schriften des Heiligen Paulus so ausgelegt werden können, dass sie die Möglichkeit der Frauenordination und neue Ansätze in Fragen der menschlichen Sexualität eröffnen. Zugleich sprach er sich nachdrücklich für die Verwendung integrativer Sprache aus.

 

Stendhal wurde am 21. April 1921 in Stockholm geboren. Zum Glauben fand er, als er im Alter von 16 oder 17 Jahren eine äußerst schmerzhafte Arthritis der Wirbelsäule entwickelte. Die ständigen Schmerzen prägten seine Lektüre religiöser Schriften. Seinen Doktortitel erwarb er an der Universität von Uppsala (Schweden) mit einer Arbeit über die Schriftrollen vom Toten Meer. Von 1954 an lehrte er Neues Testament an der Harvard Divinity School, wo er von 1968-79 das Amt des Dekans innehatte. Als Bischof von Stockholm rief er die Kirche in den 1980er Jahren auf, ernsthaft zu prüfen, welche konkreten Implikationen ihre Berufung habe, und beschleunigte den Prozess, der in Schweden zur Trennung von Kirche und Staat führte.

 

Krister Stendhal leistete mit seinem Buch „... und lebenspendend wirkt der Geist: Gedanken zum Thema "Komm, Heiliger Geist - erneuere die ganze Schöpfung" einen wichtigen Beitrag zur Siebten Vollversammlung des ÖRK in Canberra. Zu seinen vielen weiteren Schriften gehört auch das wegweisende Buch "The Apostle Paul and the Introspective Conscience of the West". Im vergangenen Dezember wurde im Harvard Divinity School Bulletin einer seiner jüngsten Artikel "Why I love the Bible: beyond distinctions of intellect and spirit, an ever-transforming affair of the heart" veröffentlicht, in dem er beschreibt, wie dieses heiligste aller Bücher ihn auf seinem ganzen Lebensweg begleitet hat.