WCC > News
18.02.08 15:12

Totem kehrt zurück in den Schoß der Erde

 

Dr. S.W.A. Gunn, der auch 1984 bei der Aufstellung des Totems dabei war, ergreift das Wort während der Zeremonie.

Einen ungewöhnlichen Rückblick in die Geschichte des Ökumenischen Rates der Kirchen erhielten die Mitglieder des Zentralausschusses am Sonntag am Ökumenischen Institut Bossey. Auf dem Anwesen um das Schlösschen, das diese Bildungseinrichtung beherbergt, stand seit einem Vierteljahrhundert ein Totempfahl, den die kanadischen Kirchen dem ÖRK nach dessen Vollversammlung in Vancouver 1983 geschenkt hatten. Über die Jahre hatten Wind und Wetter dem massiven Zedernstamm so zugesetzt, dass er schweizerischen Sicherheitsbestimmungen nicht mehr genügte und seine geordnete Überführung in eine horizontale Lage entschieden wurde.

 

So liegt der fünfzehn Meter hohe Pfahl nun flach auf Gottes guter Erde und geht allmählich in ihr auf. Dieses Los ereilt früher oder später - je nach Holz und Wetterlage - auch seine weniger weitgereisten Geschwister in Kanada. Da einem Totem in jedem Abschnitt seines Lebenszyklus mit Respekt zu begegnen ist, nahm der "Weltkirchenrat" von dem ihm gewidmeten Exemplar in Bossey würdevoll Abschied. In einer Zeremonie unter der Leitung von Carmen Landsdowne, die selbst von den Ureinwohnern Nordwest-Kanadas abstammt und dem ÖRK-Zentralausschuss angehört, erwies das Leitungsgremium des Rates, das derzeit in Genf tagt, dem Totem die letzte Ehre.

 

Traditionell findet man Totems in Dörfern der Urbevölkerung an Kanadas Nordwestküste, wo sie die Geschichte eines Menschen oder eines Volkes erzählen. Das "ÖRK-Totem" - in einer Haftanstalt in Vancouver von Künstlern aus der Urbevölkerung der Region geschnitzt - stellt die menschliche Suche nach Spiritualität im Laufe der Zeiten dar.