Inmitten von Gewalt setzen sich die philippinischen Kirchen für Frieden ein

Theatralische Darstellung der Repressionen, die die Kirchen aufgrund ihres Einsatzes für die Menschenrechte erleiden. Aufgenommen während des Gedenkgottesdienst für den ein Jahr zuvor ermordeten Bischof Alberto Ramento. Foto: ÖRK
Maurice Malanes (*)
Im Angesicht von Tod und Gewalt arbeiten die philippinischen Kirchen für Frieden in dem südostasiatischen Land, wo besonders in den ländlichen Gebieten ein bewaffneter Konflikt wütet. Die Auseinandersetzungen spielen einer verstärkten Militarisierung in die Hände und kosten zahlreiche unschuldige Zivilpersonen, darunter Frauen und Kindern, das Leben.
Zusammen mit Menschenrechtsgruppen haben die philippinischen Kirchen ihre Stimme gegen die Gewalt und Zerstörung eines vier Jahrzehnte andauernden bewaffneten Konflikts erhoben. Sie kritisieren auch die Tatsache, dass zahllose Bauern keinen Zugang zu Ackerland haben, obwohl ein angeblich "umfassendes" staatliches Agrarprogramm existiert.
Viele Mitarbeitende der Kirchen haben mit dem Leben dafür bezahlt, dass sie Frauen und Kindern ihre Stimme liehen, die durch die staatliche Aufstandsbekämpfung ihren Vater oder Ehemann verloren haben.
Ihre Namen stehen auf der Liste der über 800 außergerichtlichen Hinrichtungen, welche die unabhängige Menschenrechtsorganisation Karapatan seit 2001 registriert hat.
Eines der bekanntesten Opfer ist Bischof Alberto Ramento von der einheimischen Iglesia Filipina Independiente (Philippinische Unabhängige Kirche). Ramento, der sich vehement für Arbeiter- und Menschenrechte eingesetzt hat, wurde im Oktober 2006 erstochen.
Friedenszonen retten Menschenleben
Die kirchlichen Friedensbemühungen stoßen auf eine "militaristische Kultur", wie politische Analysten es bezeichnen - ein Vermächtnis des verstorbenen Diktators Ferdinand Marcos. Dieser regierte das Land von 1972 bis zu seinem Sturz durch eine von der Zivilbevölkerung gestützte Militärrevolte im Februar 1986 unter Kriegsrecht.
Der anglikanische Priester Rex Reyes vom Nationalen Kirchenrat auf den Philippinen bezeichnet es als eine unglückselige Tragödie, dass die nachfolgenden Regierungen Marcos' Militärgeneräle und andere hohe Beamte beibehalten haben.
Den Zulauf zu der New People's Army, dem bewaffneten Flügel der verbotenen Kommunistischen Partei der Philippinen (maoistisch), führen viele Beobachter auf Marcos' repressives Regime zurück, das junge Aktivisten dazu trieb, sich den seit 1969 aktiven Guerillakämpfern anzuschließen.
Neben der New People's Army gibt es noch die Moro Islamic Liberation Front, die seit den 1970er Jahren versucht, im Süden des Landes einen unabhängigen islamischen Staat zu errichten.
Obwohl die Mitgliederzahlen der New People's Army Berichten zufolge seit Marcos' Sturz zurückgegangen sind, bedient sich die Regierung weiterhin seiner Taktik "das Wasser ablassen, um die Fische zu fangen" - das heißt Einschüchterung oder sogar Hinrichtung von Mitgliedern von Gemeinschaften, die unter Verdacht stehen, die Rebellen zu unterstützen. Die starke Präsenz des Militärs in solchen Gemeinden stellt häufig eine Bedrohung für Leib und Leben unschuldiger Zivilpersonen dar, die zwischen die Fronten geraten, darunter auch Frauen und Kinder.
Eine Antwort darauf bildet die Kircheninitiative zur Einrichtung von "Friedenszonen" in Gemeinden, wo Militär und Rebellen häufig aufeinanderprallen. Dazu fordern kirchliche Verantwortliche und die betroffenen Gemeinde zunächst beide Seiten auf, die designierte Friedenszone zu respektieren, erklärt Pfarrer Carlos Mendez von der Bischöflichen Kirche auf den Philippinen.
Mendez war unter den kirchlichen Führungspersönlichkeiten, die mit dem Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pfarrer Dr. Samuel Kobia, und einer kleinen ökumenischen Delegation zusammentrafen, als diese vom 18.-21. November das mehrheitlich katholische Land mit 86 Millionen Einwohnern besuchte.
"Da weder das Militär, noch die Rebellen eine ausgewiesene Friedenszone betreten dürfen, hoffen wir, die Zahl der Todesopfer in der Zivilbevölkerung, die andernfalls zwischen die Fronten geraten kann, zu verringern, wenn nicht sogar zu stoppen", erklärt Mendez weiter. Friedenszonen können sich über ganze Ballungsräume oder über Stadtzentren erstrecken. Die Friedenszonen, die die Kirche im Norden der Philippinen eingerichtet hat, gelten laut Mendez als vorbildhaft. Andere Gemeinden wollen sie nachbilden.
Angesichts der anhaltenden Aufstandssituation hat der Nationale Kirchenrat auf den Philippinen (NCCP), dem zehn der etablierten protestantischen Kirchen angehören, die Regierung zu Friedensgesprächen mit der Nationalen Demokratischen Front aufgerufen, einer Gruppierung von Untergrundorganisationen. Da die beiden führenden Organisationen in der "Front", die New People's Army und die Kommunistische Partei der Philippinen, von der philippinischen und der US-amerikanischen Regierung als "Terroristengruppen" angesehen werden, sind solche Friedensgespräche blockiert.
"Trotz der Blockade geben wir die Hoffnung nicht auf, dass die beiden Krieg führenden Parteien den bewaffneten Konflikt letztlich am Verhandlungstisch und nicht durch Gewehre beenden werden", sagt NCCP-Generalsekretärin Sharon Rose Joy Duremdes.
Muslime und Christen: gemeinsame Friedensstiftung
Die Evangelisch-Methodistische Kirche auf den Philippinen hat unlängst eine Übereinkunft mit Muslim Aid, einem muslimischen Nothilfe- und Entwicklungsdienst getroffen, um zivile Kriegsopfer und besonders Frauen und Kinder zu schützen, nicht nur auf den südlichen Philippinen, sondern auch in anderen Teilen Asiens, berichtet der methodistische Bischof Solito Toquero.
Eine weitere Friedensinitiative geht von der Bischöfe-Ulama-Konferenz aus, einer Gruppierung von katholischen und protestantischen Bischöfen, muslimischen Führern sowie Anführern indigener Völker. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Frieden auf der südphilippinischen Insel Mindanao zu stiften, auf der die islamische Sezessionsbewegung beheimatet ist.
Die Konferenz hat die letzte Novemberwoche zur "Woche des Friedens für Mindanao" erklärt. In öffentlichen Gesprächsforen und Diskussionen am Runden Tisch werden sich leitende christliche, muslimische und indigene Verantwortliche um ein besseres gegenseitiges Verständnis bemühen.
"Unser letztes Ziel ist Frieden", erklärt Bischof Antonio Tobias, Vorsitzender der Ökumenischen Kommission der Katholischen Bischofskonferenz des Landes. Durch die Gespräche mit muslimischen Verantwortlichen "schaffen wir ein Klima, das Friedensgespräche zwischen der Regierung und der Moro Islamic Liberation Front begünstigt".
Die Bischöfe-Ulama-Konferenz hat in Manila ein Gegenstück im neu gegründeten Priester-Imame-Dialog, erzählt Fr. Carlos Reyes, der den ökumenischen und interreligiösen Dienst der katholischen Erzdiözese von Manila koordiniert.
Tobias und Reyes gehörten zu den führenden katholischen Verantwortungsträger, mit denen Kobia und die ÖRK-Delegation am 21. November auf Einladung der Katholischen Bischofskonferenz zu einem informellen Dialog zusammentrafen.
Kobia zeigte sich von den verschiedenen kirchlichen Friedensinitiativen im Land beeindruckt und lud die philippinischen Kirchenverantwortlichen ein, zu der geplanten ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden beizutragen. Diese Erklärung soll von der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation verabschiedet werden, die 2011 unter dem Thema "Ehre sei Gott und Friede auf Erden" stattfinden und den abschließenden Höhepunkt der ÖRK-Dekade zur Überwindung von Gewalt bilden wird.
"In Anbetracht aller Geschichten von Gewalt und Unrecht, die wir gehört haben, sowie Ihres Engagements für den Frieden und für eine Gesellschaft, in der alle Filipinos und Filipinas gleichberechtigt und in Würde leben können, bin ich der Überzeugung, dass das philippinische Volk einen signifikanten Beitrag leisten wird", sagte Kobia vor den kirchlichen Verantwortlichen.
(*) Maurice Malanes ist freiberuflicher Journalist auf den Philippinen. Zurzeit ist er Korrespondent des Ökumenischen Nachrichtendienstes ENI, schreibt aber auch für den Phillipine Daily Inquirer in Manila und die Union of Catholic Asian News (UCAN) in Bangkok.
Weitere Informationen über den Besuch des ÖRK-Generalsekretärs auf den Philippinen (auf englisch)
Mehr Informationen über die Internationale ökumenische Friedenskonvokation
Siehe auch die Website des Nationalen Kirchenrates auf den Philippinen


