World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

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Geschichte

Edinburgh 1910

Die Weltmissionskonferenz, die 1910 unter dem Motto der Studentenbewegung "Evangelisation der Welt in dieser Generation" in Edinburgh stattfand, gilt als symbolischer Anfangspunkt der modernen ökumenischen Bewegung.

Bereits zuvor hatte es größere Missionskonferenzen gegeben, aber in Edinburgh wurden erste Schritte in Richtung auf eine gewisse Institutionalisierung der Zusammenarbeit zwischen protestantischen Missionsräten unternommen. An dieser Konferenz nahmen jedoch weder katholische noch orthodoxe Delegierte teil. Von den 1400 Teilnehmenden stammten nur 17 aus der so genannten Dritten Welt.

Edinburgh war in thematischen Kommissionen sehr sorgfältig vorbereitet worden. Obwohl in einigen dieser Kommissionen relativ "fortschrittliche" Debatten stattfanden, verkörperte Edinburgh im Allgemeinen doch einen traditionellen, konservativen Missionsansatz, der die Verkündigung des Evangeliums an die Heiden mit der Ausbreitung der westlichen Kultur verknüpfte.

Aus der Konferenz gingen die International Review of Mission und einen Fortsetzungsausschuss hervor, der die Schaffung des Internationalen Missionsrates (IMR) im Jahr 1921 vorbereitete.

Jerusalem 1928

Die Stimmung, die 1928 auf der zweiten Weltmissionskonferenz in Jerusalem herrschte, war eine ganz andere. Der von "christlichen" Ländern ausgelöste Erste Weltkrieg hatte die Idealvorstellung von der westlichen Zivilisation als Verkörperung des Evangeliums zutiefst erschüttert. Die kommunistische Revolution 1918 hatte den Traum von der Evangelisation der ganzen Welt innerhalb einer Generation unrealistisch gemacht. Auf der Konferenz in Jerusalem wurde heftig über das Missionsverständnis gestritten. Es schälten sich zwei grundlegende Fragen heraus, in denen kein wirklicher Konsens zustande kam: die Beziehung zwischen der christlichen Botschaft und anderen Religionen und die theologische Auslegung des gesellschaftlichen und politischen Engagements der Christen.


Die dritte Missionskonferenz fand 1938 in Tambaram in der Nähe von Madras (Indien) statt. In einer Welt, in der faschistische Regime (Deutschland, Italien, Portugal, Spanien, Japan) eine wachsende Gefahr für den Frieden darstellten, konzentrierten sich die Diskussionen auf die Bedeutung und die zentrale Stellung der Kirche (insbesondere der lokalen Kirche) in der Mission. Vertreter so genannter "junger" Kirchen waren in Tambaram schon in der Mehrheit. Auch die Tambaram-Konferenz verteidigte die letztgültige Wahrheit der christlichen Botschaft gegenüber anderen Religionen, empfahl christlichen Missionaren aber, Menschen anderer Glaubensrichtungen zuzuhören und mit ihnen in Dialog zu treten.

Die IMR-Konferenz 1947 in Whitby (Kanada) setzte sich nach dem Schock des Zweiten Weltkriegs mit den grundlegenden Veränderungen in der Welt auseinander. Nicht nur Länder, sondern auch die Beziehungen zwischen Menschen, die unterschiedlichen Konfliktparteien angehört hatten, mussten wiederaufgebaut werden. Die Konferenz wurde bekannt für ihren Leitspruch "Partnerschaft im Gehorsam". Der Begriff "Partnerschaft" war bereits zuvor verwendet worden, aber in Whitby wurde ihm ganz besondere Bedeutung beigemessen. Die Delegierten gaben die Begriffe "christliche" und "nichtchristliche" Länder auf und eröffneten der Missionstheologie damit ganz neue Wege.

Die nächste erweiterte Tagung des IMR fand 1952 in Willingen (Deutschland) statt. Da die kommunistische Revolution in China der traditionellen Missionsarbeit dort ein Ende gesetzt hatte, erkannten die Delegierten von neuem, dass Mission in erster Linie als Gottes eigenes Handeln verstanden werden muss. Mission ist Heilsplan und Handeln des dreieinigen Gottes. Das Konzept der missio Dei, das im Anschluss an die Willinger Konferenz weiter ausgearbeitet wurde, erwies sich als höchst kreativ. Die zentrale Rolle der Kirche in der Mission wurde durch eine umfassendere Sichtweise ersetzt, die wichtige Ereignisse in der Welt als entscheidende Faktoren für die Mission verstand.

1958 tagte der IMR in Achimota in der Nähe von Accra (Ghana) und erörterte den Vorschlag einer Vereinigung mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen, mit dem der IMR mehrere Programme gemeinsam durchführte und intensive Beziehungen unterhielt. Der Vorschlag wurde mit großer Mehrheit angenommen, wobei bestimmte, theologisch eher konservative Missionsräte den Gedanken einer Integration von Mission und Kirche ablehnten. Sie wollten die Freiheit missionarischer Arbeit bewahren und nicht von kirchlichen Autoritäten und Programmprioritäten abhängig werden.

1961 wurde die "Integration" von Kirche und Mission, d.h. die Vereinigung von IMR und ÖRK, auf deren Vollversammlungen in Neu-Delhi Wirklichkeit. Die dem IMR angegliederten Missionsräte wurden zu angegliederten Räten der Kommission des ÖRK für Weltmission und Evangelisation (CWME). Die Abteilung für Weltmission und Evangelisation und ihr Abteilungsausschuss übernahmen die Verantwortung für die Programmarbeit und die Aufgaben des IMR, der aufhörte als solcher zu existieren.

Von nun an verdienten die Weltmissionskonferenzen aufgrund der sehr viel breiteren konfessionellen Vertretung, einschließlich orthodoxer Kirchen und bald nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil auch römisch-katholischer Beobachter, wirklich die Bezeichnung "ökumenisch".

1963 versammelte sich die CWME in Mexiko-City unter dem Thema "Mission in sechs Kontinenten" zu ihrer ersten Weltmissionskonferenz. Das Missionsverständnis wurde dahingehend erweitert, dass jetzt alle Kontinente und nicht mehr nur die Länder des Südens im Blickfeld der Mission waren. Die Konferenz, die in der ersten Entwicklungsdekade stattfand, setzte sich intensiv mit dem christlichen Zeugnis in einer Welt auseinander, die als Ort des Heilshandelns Gottes - der die Kirchen zur Mitwirkung an der missio Dei aufruft - verstanden wurde. Es war eine Zeit, in der Säkularisierung und nichtreligiöse Ausdrucksformen christlichen Glaubens und Handelns insbesondere im Westen positiv beurteilt wurden.

Bangkok,1972

Die Weltmissionskonferenz, die an der Jahreswende 1972/1973 in Bangkok stattfand, wurde für ihre ganzheitliche Sichtweise des Themas "Das Heil der Welt heute" bekannt, die die spirituellen wie auch die soziopolitischen Aspekte dieses Themas einbezog und keinem von beiden Vorrang einräumte. Die Konferenz in Bangkok erkannte an, dass Theologie notwendigerweise kontextgebundene Ausdrucksformen hat und dass die Stimme derer, die Christus antworten und ihm nachfolgen, durch ihre kulturelle Identität geprägt ist. Die Delegierten setzten sich intensiv mit der Realität der Ausbeutung und Ungerechtigkeit auseinander, die auch in den Beziehungen zwischen Kirchen besteht. Um es lokalen Kirchen in Afrika, Asien, Lateinamerika und im pazifischen Raum zu ermöglichen, eigene Schwerpunkte zu setzen, fiel der Vorschlag für ein zeitlich befristetes "Moratorium" für den Transfer von Geld und die Aussendung von Missionaren aus dem Norden. Als Alternative dazu wurde die Umwandlung der Pariser Missionsgesellschaft in eine Gemeinschaft von Kirchen in der Mission (abgekürzt: CEVAA) wahrgenommen, die gerechtere Missionsbeziehungen herstellen sollte.

Die nächste Weltmissionskonferenz fand 1980 in Melbourne (Australien) statt. In ihrer Reflexion über das Thema "Dein Reich komme" stellte die Konferenz die besondere Rolle der Armen und der Kirchen der Armen in der Mission Gottes in den Vordergrund. Unter dem Einfluss lateinamerikanischer Befreiungstheologien betonten die Delegierten die grundlegenden Aspekte der Botschaft vom Reich Gottes und die tief greifende Herausforderung, vor die die traditionelle Missionstheologie und Missionsarbeit dadurch gestellt wurden. Gleichzeitig leistete die Sektion, die sich mit dem Zeugnis der Kirche befasste, bemerkenswerte Arbeit zum Thema Evangelisation und Kirche als heilende Gemeinschaft. Die Konferenz setzte sich auch damit auseinander, wie die Entscheidung Christi für einen Weg der Verletzlichkeit und des Kreuzes den Umgang mit Macht in Politik, Kirche und Mission beeinflusst.

Ein Großteil der Konferenzergebnisse von Melbourne findet sich in dem Dokument "Mission und Evangelisation - Eine ökumenische Erklärung" von 1982 wieder, das für den ÖRK auch heute noch der maßgebliche Text zur Mission ist. Dieses wegweisende Dokument baut auf Erkenntnissen der protestantischen, evangelikalen, orthodoxen und römisch-katholischen Missionstheologie auf. Nach den Spannungen, die in den 1970er Jahren mit der Gründung einer neuen internationalen evangelischen Missionsbewegung (dem Lausanner Ausschuss für Weltevangelisation im Jahr 1974) einhergingen, darf das Dokument von 1982 als Versuch der CWME gesehen werden, eine Neupositionierung ökumenischer Missionstheologie durch ein Gleichgewicht zwischen der klaren Verpflichtung zur Verkündigung des Evangeliums und der prophetischen Herausforderung durch Konferenzen wie Bangkok oder Melbourne vorzunehmen.

In dieser Zeit intensivierte sich die bereits recht aktive Beteiligung der römischen Katholiken noch durch die Ernennung einer (in der CWME arbeitenden) Beraterin für den ÖRK durch den Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen.

San Antonio, 1989


Die Weltmissionskonferenz 1989 in San Antonio (Texas/USA) fand als letzte in jener Zeit statt, in der die Welt von dem Konflikt zwischen zwei ideologischen und wirtschaftlichen Systemen (1918-1989) beherrscht wurde. Sie schloss an Melbourne mit einer weiteren Bitte aus dem Vaterunser an - "Dein Wille geschehe", mit dem Zusatz "Mission in der Nachfolge Christi", einer Formulierung aus der Erklärung von 1982. San Antonio wurde bekannt für eine Konvergenzerklärung, die zur Beziehung zwischen Christentum und anderen Religionen erarbeitet wurde. Dieses Thema hat seit jeher auf allen Missionskonferenzen Kontroversen ausgelöst. Der in San Antonio erreichte Konsens lässt sich in drei Sätzen zusammenfassen: Wir können keinen anderen Weg des Heils bezeugen als Jesus Christus; gleichzeitig können wir Gottes Heilshandeln keine Grenzen setzen. Zwischen diesen beiden Aussagen besteht eine Spannung, die wir anerkennen und die wir nicht lösen können. In San Antonio bezog man außerdem erstmals den Missionsauftrag auf die ganze Schöpfung.

 

Salvador da Bahia, 1996.

Die Missionskonferenz 1996 in Salvador da Bahía (Brasilien) war voll und ganz der Beziehung zwischen Evangelium und Kultur(en) gewidmet. Aufgrund der weltpolitischen Umwälzungen 1989 und des zunehmenden Einflusses kultureller und ethnischer Identitäten auf gewalttätige Konflikte war es notwendig geworden, das Thema Kultur in missionstheologischer Perspektive neu zu untersuchen.

In Salvador wurde die in Bangkok entwickelte Haltung zur Inkulturation bekräftigt. Die reiche Vielfalt der Kulturen als Gabe Gottes stand im Mittelpunkt, aber es wurde auch an das Gebot des Evangeliums erinnert, die Bekräftigung der eigenen kulturellen Identität mit der Offenheit gegenüber anderen Identitäten zu verbinden. Die Konferenz in Salvador erkannte an, dass alle Kulturen grundsätzlich gleichwertig sind, aber auch zwiespältige Elemente enthalten. Die Bezugnahme auf unterschiedliche Kulturen könne das Evangelium erhellen, aber auch verdunkeln. Kirchen in der Mission müssten sich zu bestimmten Elementen ihrer Kultur bekennen, andere hingegen in Frage stellen. Angesichts der Lage insbesondere im östlichen Teil Europas bekräftigte die Konferenz die ablehnende Haltung des ÖRK gegen Proselytismus (der Abwerbung von Gläubigen) und die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit in Mission und gemeinsamem Zeugnis.


Im Jahr 2000 nahm die CWME ein Studiendokument mit dem Titel "Mission und Evangelisation in Einheit heute" an. Aus den intensiven Studienprozessen, die zur Vorbereitung der Weltmissionskonferenz 2005 stattgefunden hatten, ging ein Papier mit dem Titel "Mission als Versöhnung" hervor.

 

Athens, 2005

2005 tagte die Konferenz für Weltmission und Evangelisation in der Nähe von Athen (Griechenland). Zum ersten Mal kam die CWME in einem mehrheitlich orthodoxen Umfeld zusammen, und zum ersten Mal nahmen auch Vertreter/innen der römisch-katholischen Kirche sowie evangelikaler und pfingstlich orientierter Kirchen mit vollem Stimmrecht an der Konferenz teil. Das Thema lautete: "Komm, Heiliger Geist, heile und versöhne - in Christus berufen, versöhnende und heilende Gemeinschaften zu sein". Dieses Thema lädt zu mehr Demut in der Mission ein. Es erinnert uns daran, dass die Mission Gottes, des Heiligen Geistes, der Mission der Kirche in der Welt vorangeht und dass allein Gott Heilung und Versöhnung im vollen Sinne des Wortes bringen kann. Eingebunden in diese Dynamik Gottes in der Welt haben die Kirchen eine besondere Berufung: Botschafter der Versöhnung zu sein und Räume zu schaffen, zu erneuern und zu multiplizieren, in denen die Menschen Gottes heilende und versöhnende Gnade spüren können.


Die Feierlichkeiten zum hundertjährigen Jubiläum der Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh wurden durch einen polyzentrischen Studienprozess vorbereitet, der die Kirchen im Norden, Süden, Osten und Westen zur Zusammenarbeit aufrief. Vom 2.-6. Juni 2010 fanden in Edinburgh die von allen Beteiligten mitgetragenen Jubiläumsfeierlichkeiten, einschließlich einer Konferenz, statt. Die ÖRK-Kommission für Weltmission und Evangelisation hat beschlossen, sich voll an dieser gemeinschaftlichen Erfahrung einer "erweiterten Ökumene" zu beteiligen.

Mehr Informationen zur Konferenz für Weltmission und Evangelisation in Arusha, Tansania, 2018.