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Erklärung zu den Vorfällen vom 29. April bis 2. Mai 2016 am internationalen Flughafen Ben Gurion

Teilnehmende aus 13 verschiedenen Ländern, die zu einem Treffen der ÖRK-Arbeitsgruppe zum Klimawandel angereist waren, stießen bei ihrer Ankunft am Flughafen Ben Gurion auf ein vom ÖRK niemals zuvor erlebtes Maß an Aggression und Einschüchterung von Seiten der israelischen Behörden.

09. Mai 2016

Hebräische Übersetzung (pdf)

Teilnehmende aus 13 verschiedenen Ländern, die zu einem von der Arbeitsgruppe zum Klimawandel des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Beit Jala geplanten Treffen angereist waren, stießen letzte Woche bei ihrer Ankunft am internationalen Flughafen Ben Gurion auf ein vom ÖRK niemals zuvor erlebtes Maß an Aggression und Einschüchterung von Seiten der israelischen Behörden.

Mehrere Teilnehmende - sowohl ÖRK-Mitarbeitende als auch Vertreter und Vertreterinnen von Mitgliedskirchen und ökumenischen Partnern - wurden während bis zu drei Tagen unter gefängnisähnlichen Bedingungen festgehalten und schließlich in ihr Herkunftsland abgeschoben. Andere durften erst nach ungewöhnlich langer und konfrontativer Befragung nach Israel einreisen. Alle berichteten über aggressive, anklagende und beleidigende Vernehmungen, Drohungen und Einschüchterungen, die weit über das hinaus gehen, was der ÖRK als akzeptabel zu betrachten bereit ist.

Der ÖRK protestiert mit Nachdruck gegen die unverhältnismäßige, unzumutbare und vollkommen ungerechtfertigte Behandlung durch die israelischen Behörden von Vertretern und Vertreterinnen der Mitgliedskirchen und Mitarbeitenden des ÖRK, die von den ÖRK-Mitgliedskirchen in der Region zu einer von ihnen organisierten Tagung über Klimawandel und Umweltschutz eingeladen wurden.

Von vorrangiger Bedeutung in diesem geographischen Kontext sind für uns nach wie vor die täglich mit Gewalt, Unsicherheit und der Verweigerung ihrer Grundrechte konfrontierten Menschen in der Region, die Verwirklichung der längst überfälligen Zweistaatenlösung und eine Zukunft friedlicher Koexistenz zwischen allen Gemeinschaften der Region. Das Verhalten der israelischen Behörden gegenüber gläubigen Menschen aus der ganzen Welt, die im Geiste der ökumenischen Solidarität nach Israel reisten, um sich den gemeinsamen Herausforderungen im Umgang mit dem globalen Klimawandel zu stellen, ist für den ÖRK höchst bedauerlich - und symptomatisch für die gegenwärtige Lage.

Die Mitgliedskirchen des ÖRK haben sich zu einem „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ verpflichtet, auf dem sie angesichts der Konfliktsituationen, Ungerechtigkeit und Unterdrückung in der Welt gemeinsam voranschreiten und handeln wollen. Wir sind bestrebt, diesen Weg im Dialog und in Zusammenarbeit mit staatlichen, zwischenstaatlichen und interreligiösen Partnern und mit allen Menschen guten Willens gemeinsam zu beschreiten. Der ÖRK engagiert sich seit langen Jahren aktiv für den interreligiösen Dialog und die Beziehungen mit jüdischen und muslimischen Partnern sowie mit Vertretern anderer Weltreligionen.

Wir stehen einer Begegnung mit den Vertretern der politischen Führung Israels stets aufgeschlossen gegenüber und bitten in dieser Angelegenheit um ein Gespräch mit hochrangigen israelischen Regierungsvertretern, um die Wiederholung solcher Vorfälle zu vermeiden.

Der ÖRK fordert die israelische Regierung auf, sich bei den Betroffenen auf gebührende Weise zu entschuldigen und von ihrem aggressiven Verhalten gegenüber den Mitgliedskirchen und den Mitarbeitenden des ÖRK abzusehen.

Genf, den 9. Mai 2016

Pastor Dr. Olav Fykse Tveit
Generalsekretär
Ökumenischer Rat der Kirchen