World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

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Protokollpunkt zu unserer religiösen Pflicht, Sensibilität und Versöhnung in einer sich wandelnden Gesellschaft zu fördern

20. Februar 2008

 

1. In den letzten Jahren haben Kränkungen, Angriffe und Beleidigungen gegen religiöse Gemeinschaften immer wieder zu heftigen gesellschaftlichen Protesten geführt. Die Ursachen für diese Konflikte sind komplex und resultieren oft aus Migration und anderen Folgen der Globalisierung. In ehemals stabilen Gesellschaften in Europa z.B. wird dieser kulturelle und religiöse Identitätswandel von Teilen der Bevölkerung als Bedrohung empfunden und löst fremdenfeindliche Reaktionen aus.

2. Migranten, die häufig tief in ihren religiösen Traditionen und Praktiken verwurzelt sind, bringen neue Dimensionen in die öffentliche Debatte ein, die etablierte säkulare Lebensmodelle sowohl bereichern als auch hinterfragen. Diese neuen Herausforderungen einschließlich derer, die durch die Migration traditioneller religiöser Gemeinschaften entstehen, führen zu intensiven Debatten über die Rolle der Religion im öffentlichen und politischen Leben und insbesondere zu Spannungen zwischen der freien Meinungsäußerung und der Achtung religiöser Symbole und Werte.

3. In diesem Zusammenhang schließen wir uns der Sorge an, die in den Niederlanden und anderen Teilen der Welt nach Gerüchten über die Veröffentlichung eines gegen den Koran gerichteten Films durch ein holländisches Parlamentsmitglied zum Ausdruck gebracht wurde.

4. Als Gemeinschaft von Kirchen erinnern wir an das klare und eindeutige biblische Gebot, "die Fremdlinge (in unserer Mitte) zu lieben" (5. Mose 10,19), und auch daran, dass im Gebot der Nächstenliebe, das Jesus uns gelehrt hat, unser Nächster häufig derjenige ist, den wir nicht als solchen erkennen (Lk 10,25-37).

5. Wir bekräftigen, dass wir uns dringend mit den Ängsten und Kränkungen beschäftigen müssen, die alle betroffenen Gemeinschaften erleben. Der "Protokollpunkt zur gegenseitigen Achtung und Verantwortung und zum Dialog mit Menschen anderen Glaubens", der 2006 in Porto Alegre angenommen wurde, bietet eine Grundlage, die von Kirchen, die sich in diesem Sinne engagieren möchten, genutzt werden kann.

Unter Hinweis darauf, dass einige unserer Kirchen, insbesondere in Asien, Afrika und dem Nahen Osten, jahrhundertelange Erfahrung darin haben, in einem religiös und kulturell pluralen Umfeld zu leben, fasst der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen, der vom 13.-20. Februar 2008 in Genf tagt, folgenden Beschluss.

Der Zentralausschuss

A. empfiehlt Kirchen, die vor solchen Herausforderungen stehen, Gelegenheiten zur Beteiligung in Netzwerken zu suchen, um an den Erfahrungen und Erkenntnissen der Mitgliedskirchen, die in einem religiös und kulturell pluralen Umfeld leben, teilhaben zu können;

B. ermutigt Mitgliedskirchen, im öffentlichen Leben aktiv ein Klima tiefen Respekts, offener Kommunikation und gegenseitigen Verständnisses zu fördern, indem sie Einfluss auf Meinungsführer, Massenmedien und andere einflussreiche gesellschaftliche Kräfte ausüben, den positiven Beitrag von Menschen mit religiösen Überzeugungen zum nationalen und gesellschaftlichen Leben hervorzuheben;

C. bestätigt die einzigartige und strategische Rolle sowie die moralische Verantwortung von religiösen Führungspersönlichkeiten, sich für Versöhnung und Heilung in ihrer eigenen Gemeinschaft wie auch zwischen Gemeinschaften einzusetzen, und ermutigt christliche Führungspersönlichkeiten, Prozesse einzuleiten und zu erleichtern, die Gemeinschaften nicht nur von Feindseligkeit zu friedlicher Koexistenz führen, sondern auch zur Feier unseres gemeinsamen Lebens;

D. ruft christliche Verantwortliche mit Nachdruck auf, sich direkt, kontinuierlich und selbstkritisch an ihre eigenen Gemeinschaften zu wenden und zur Umsetzung der höchsten ethischen Standards der Nächstenliebe anzuhalten und anderen Gemeinschaften eine Hand der Versöhnung auszustrecken, wann immer eine Gemeinschaft, ihre Angehörigen und ihre Glaubensüberzeugungen angegriffen oder gekränkt worden sind;

E. ruft christliche Gemeinschaften dazu auf, sich mit anderen Religionsgemeinschaften zusammenzutun, um auf Krisen zu regagieren und gewaltlose und respektvolle Lösungen aufzuzeigen.

 

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