World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

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Programmpläne 2007-2013 - Zusammenfassung

06. September 2006

Programmzusammenfassung mit Kurzdarstellungen der Projekte 2007-2009

Entwurf 14. Juli 2006

"Als Kirchen gemeinsam die Welt verwandeln"

Kontext dieses Dokuments

Dieses Dokument gibt eine Einführung in die Pläne, die dem ÖRK-Zentralausschuss im September 2006 zur Prüfung und Bewilligung vorgelegt werden.

Für das Jahr 2007 sind die Zahlen dem Haushalt entnommen. Die Zahlen für 2008 und 2009 stecken einen Budgetrahmen für die Umsetzungskosten ab.

Das vorliegende Dokument enthält Kurzdarstellungen der vorgeschlagenen Programme und Projekte. Eine detaillierte Beschreibung von Projekten und Aktivitäten, einschließlich des jeweiligen Haushalts, ist zugänglich über www.ecuspace.net.

Das Thema der 9. Vollversammlung des ÖRK, "In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt", ruft Kirchen und Christen auf, sich bewusst zu machen, dass es Gottes Gnade ist, die Verwandlung bewirkt. Diese Einsicht haben wir von der Vollversammlung in Porto Alegre mitgenommen. Sie ist die Herausforderung für alles Tun des ÖRK, und sie bildet den Kern der vorliegenden Pläne. Das Vollversammlungsthema erinnert uns daran, dass wir an Gottes Gnade glauben und auf das Potenzial zur Verwandlung vertrauen müssen, um den Willen Gottes für die zukünftige Arbeit des ÖRK erschließen zu können.

Die Interpretation der Ergebnisse der 9. Vollversammlung und die Entscheidungsfindung über die zukünftige Programmarbeit des Rates sind komplexe Prozesse, Leitung und Personal des Rates vollziehen sie jedoch in einem Geist der Offenheit für den Heiligen Geist und für einander. Zunächst wurde die Vollversammlung eingehend analysiert, dann folgte eine intensive Phase des kreativen Verstehens, Interpretierens und Umsetzens der Grundsatzentscheidungen der Vollversammlung. Den Auftrag der Vollversammlung wandelten wir schließlich in auf sieben Jahre angelegte Programmziele um, mit einem rollenden Arbeitsplan für jeweils drei Jahre. Das Personal wirkt an diesem Reflexionsprozess in gemischten Mitarbeitergruppen mit (löst sich so von den Interessen des Teams, dem die Einzelnen gegenwärtig jeweils angehören) und konzipiert so diese nächste Phase im Leben des Ökumenischen Rates der Kirchen und seiner Mitgliedskirchen.

Wir haben einer kleinen Gruppe von Vertreterinnen und Vertretern von weltweiten christlichen Gemeinschaften, regionalen ökumenischen Organisationen, ökumenischen Jugendorganisationen, kirchlichen und kirchennahen Diensten und Werken sowie Mitgliedskirchen erste Fassungen von Planungsdokumenten vorgelegt. Mit Dankbarkeit habe ich die zusätzliche, informelle Möglichkeit wahrgenommen, den Werken von APRODEV bei ihrer Tagung in den Niederlanden unsere Vorschläge zu unterbreiten und um ihre Rückmeldung zu bitten. Auch die US-amerikanischen Mitgliedskirchen und Partner haben bei der US-Konferenz im Mai ihre Kommentare abgegeben. All diese Treffen waren konsultativer Art und brachten wertvolle Erkenntnisse. Die Texte wurden in der Folge umgearbeitet und erhielten die Ihnen nun vorliegende Gestalt.

Eine überarbeitete Fassung des Plans wurde dem ÖRK-Exekutivausschuss bei seiner Tagung im Mai 2006 vorgelegt. Er unterstützte die in der Zusammenfassung aufgeführten Programme, kommentierte seinerseits den Text und bat um eine weitere Ausarbeitung. Der Entwurf wurde dem Runden Tisch des ÖRK für Partnerorganisationen vorgelegt, die ebenfalls die Ausrichtung der Pläne insgesamt würdigten und im weiteren Verlauf des Prozesses wertvolle Vorschläge einbrachten. Die abschließenden Entscheidungen über die Vorschläge und die Organisationsstruktur, auf deren Grundlage sie umgesetzt werden sollen, sind Ihnen für die Tagung des Zentralausschusses im September 2006 anheim gestellt.

Ich freue mich, Ihnen diesen Vorschlag vorlegen zu können, und lade die Mitgliedskirchen ein, diese Arbeit zu begleiten, die beitragen wird zur Verwandlung der Kirchen und der Welt.

Pfr. Dr. Samuel Kobia

Generalsekretär

Ökumenischer Rat der Kirchen

Jede Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen bringt neue Inspiration und neue Herausforderungen für das Streben nach der sichtbaren Einheit der Kirchen und das Bemühen um ein gemeinsames ökumenisches Eintreten für Frieden und Gerechtigkeit in unserer Welt. Die Vollversammlung bietet auch Gelegenheit, Berichte entgegenzunehmen, die geleistete Arbeit auszuwerten und den weiteren Weg zu weisen. Sie stellt Richtlinien auf, die den Rahmen für die Arbeit setzen, und sie bietet den Kirchen Raum, ihr Engagement in der gemeinsamen, ökumenischen Arbeit durch die Programme des ÖRK zu erneuern. In den vergangenen Monaten haben wir den Versuch unternommen, die Vollversammlungsentscheidungen zu interpretieren und Ideen in Programmpläne für die nächsten sieben Jahre umzusetzen.

Die herausgearbeiteten Prioritäten

Die für den ÖRK geltenden Prioritäten finden ihren Niederschlag in den hier vorgestellten Hauptprogrammen. Der Arbeitszyklus wird bestimmt von der Begleitung der Kirchen und der gemeinsamen Vorbereitung auf die Erfüllung unserer wechselseitigen ökumenischen Verpflichtungen auf dem Weg zur 10. Vollversammlung. Bei der 9. Vollversammlung anerkannten die Kirchen eine neue und gestärkte Rolle des Ökumenischen Rates der Kirchen als Hort der ökumenischen Vision und Instrument der ökumenischen Bewegung im 21. Jahrhundert, das der Bewegung als Ganzer Kohärenz verleiht.

Diese Prioritäten setzen voraus, dass bei den Kontakten und der Zusammenarbeit der Kirchen das Streben nach sichtbarer Einheit ihr primäres ökumenisches Ziel bleibt. In unserer Zeit muss die Mission der Kirchen neu orientiert werden an den Herausforderungen der Zersplitterung und Zwietracht und den vielfältigen Gefahren, die aus ihnen für die Einheit erwachsen. Auch ist in den ÖRK-Mitgliedskirchen und in der Gesellschaft allgemein ein neues spirituelles Suchen spürbar geworden. Die Kirchen müssen sich mit den Auswirkungen dieser Dynamik auf die Ökumene auseinandersetzen.

Die Verbindung zwischen Einheit und Mission herzustellen und aufrecht zu erhalten ist eine Herausforderung an die Kreativität des ÖRK, der nach Möglichkeiten sucht, wie er gemeinsam mit Kirchen, Partnern und Missionswerken die Missionsprioritäten des 21. Jahrhunderts für die ökumenische Bewegung und die Kirchen herausarbeiten kann. Im Herzen der Berufung des ÖRK steht die Notwendigkeit, der Welt die Botschaft des Evangeliums, die Botschaft von Erbarmen und Gerechtigkeit zu bringen. Die Auseinandersetzung mit dem christlichen Selbstbild inmitten vieler Religionen bleibt eine klare Priorität des ÖRK. Hierzu ist eine verstärkte Kooperation der Bereiche Mission sowie Interreligiöser Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit auf der Ebene der Programme erforderlich. Eine weitere Dimension der christlichen Berufung besteht für die Kirche darin, heilende Gemeinschaft mit HIV/AIDS-Kompetenz zu sein. Die Forderungen des Evangeliums richten sich auch an die Kirchen selbst: denken wir, in Erinnerung an das 200. Jubiläum des gesetzlichen Endes der Sklaverei, an Rassismus und seine Konsequenzen für die Mission; denken wir an die Frage der Menschenrechte von Minderheiten - einschließlich christlicher Minderheiten, an Menschen mit Behinderungen und ihren Ruf nach einer "Kirche aller", an den Kampf der indigenen Völker und der Dalits um Würde und gerechte Beziehungen im Leben der Kirchen und in der Gesellschaft. Die vorliegenden Pläne berücksichtigen auch die sich wandelnde kirchliche Situation, die von Migration und der Vitalität und Dynamik der neuen Migrantengemeinden bestimmt wird, die diese in die etablierten Kirchen einbringen. Mit der Schwerpunktsetzung bei diesen Prioritäten aus dem Missionsbereich soll auf den Vorbereitungsprozess für die Weltmissionskonferenz 2010 in Edinburgh hingearbeitet und ein Beitrag zu ihm geleistet werden.

Darüber hinaus erfordert die Weltsituation ein öffentliches ethisch-moralisches Zeugnis, das aufzeigt, wie Macht ausgeübt wird und welch vielfältiges Unrecht in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur besteht. Die Kirchen sind nicht nur berufen, die Mächtigen in die Verantwortung zu nehmen, sondern auch denjenigen entgegenzutreten, die Macht haben und sie nicht in den Dienst der Menschen und des Lebensgewebes insgesamt stellen. Die Kirchen sind berufen, denen, die keine Stimme haben, Gehör zu verschaffen, die Stimme derer zu sein, denen die Wohltaten von Entwicklung und Gerechtigkeit vorenthalten bleiben, die Stimme derjenigen, deren Menschenrechte verletzt werden, die arm sind oder unter Rassendiskriminierung leiden, die Stimme der Behinderten, der Kinder, Frauen und jungen Menschen sowie der indigenen Völker. Gewalt und Konflikte in unserer Welt und die Unerlässlichkeit des kirchlichen Zeugnisses für den Frieden machen eine Erneuerung unseres Engagements und unserer für die Dekade zur Überwindung von Gewalt aufgewandten Kraft erforderlich. Dabei muss unsere besondere Aufmerksamkeit dem Nahen und Mittleren Osten gelten, wo ein Schlüssel zum Weltfrieden liegt. Das Engagement in Form prophetischer, mit Gerechtigkeit gepaarter Diakonie hat eine weitere Dimension: die Antworten, die die Kirchen zur Problematik ethischer Fragen, z. B. des Potenzials der Nutzung wie des Missbrauchs von Wissenschaft und Technik, des Klimawandels, und der HIV/AIDS-Pandemie, anbieten können.

Die Kirchen dürfen in ihrer ökumenischen Berufung nicht nachlassen, dementsprechend ist die ökumenische und religiöse Bildung von großer Bedeutung. Dabei geht es auch um den Willen, sich für die Schaffung einer Atmosphäre des Vertrauens im Umgang mit Menschen anderer Glaubensgemeinschaften einzusetzen, damit über den reinen Dialog hinaus der Zusammenarbeit wesentlich größere Aufmerksamkeit geschenkt werden kann.

Auf der Grundlage der von der Vollversammlung gegebenen Weisung wurden zu Beginn unseres Planungsprozesses alle diese Prioritäten definiert. Bevor wir nun zu den konkreten Plänen kommen, möchten wir auf einige Punkte im Zusammenhang mit den Neuerungen in den folgenden Dokumenten hinweisen.

Neue Prozesse und Instrumente

Der Planungsprozess selbst wurde in neuer Form durchgeführt. Das zur Anwendung gekommene interaktive Verfahren ist im Vorwort beschrieben. Ein solch intensiver konsultativer Planungsprozess wurde im ÖRK nie zuvor unternommen.

Wir schlagen vor, die vom Zentralausschuss bewilligten Projekte und Aktivitäten von flexiblen Mitarbeitergruppen umsetzen zu lassen, die mit Personen aus unterschiedlichen Teilen des ÖRK besetzt sind. Damit soll ein genuin integratives und interaktives Arbeitsmodell verwirklicht werden, das Mission und Einheit, öffentliches Zeugnis und Engagement im Bereich Wirtschaft, Diakonie und Gerechtigkeit, ökumenische Ausbildung und das Ökumenische Institut Bossey gleichermaßen einbezieht - und alle diese Bereiche gezielter aufeinander abstimmt.

Alle Programme umfassen eine Komponente, die Beziehungen fördert, einen Kommunikationsplan und einen Plan zum verantwortlichen Umgang mit personellen und finanziellen Ressourcen. Zentrales Element des neuen Programmvorschlags ist die Einrichtung eines globalen Forums für die theologische Reflexion und Analyse aller Tätigkeiten. Neu ist weiterhin ein Ökumenischer Solidaritätsfonds, in dem alle Finanzierungsinstrumente des ÖRK gebündelt werden sollen. Der Fonds soll von einem kleinen, aus unterschiedlichen Programmen besetzten Mitarbeiterteam zentral verwaltet und überwacht werden, um die Unterstützung ökumenischer Initiativen besser koordinieren und strategischer wahrnehmen zu können.

In der laufenden Arbeit des ÖRK sind neue Aktivitäten bzw. neue Arbeitsphasen begonnen worden:

  • Spiritualität als neuer Schwerpunkt,

  • ein Programm zum Themenbereich Glauben, Naturwissenschaft und Technik,

  • eine Initiative zur Schaffung neuer Synergieeffekte bei der Armutsüberwindung und beim Widerstand gegen die Schaffung von Reichtum auf Kosten der Erde,

  • erneuertes Engagement im Kampf gegen den Skandal der sich fortsetzenden Ausbreitung von HIV/AIDS, mit Schwerpunkt bei den Kirchen in allen Regionen sowie bei der Überwindung der Stigmatisierung innerhalb der Kirchen,

  • Schwerpunkt Naher und Mittlerer Osten mit dem Ziel, Grundsätze für ein gemeinsames Vorgehen in der Region zu erarbeiten,

  • Paradigmenwechsel im interreligiösen Dialog: stärkere Gewichtung von Zusammenarbeit und praktischen Anliegen des täglichen Lebens bei denjenigen Gruppen, die mit Spannungen und Verfolgung konfrontiert sind,

  • neuer Schwerpunkt Jugend und Einrichtung eines "Jugendgremiums" auf der Ebene der Leitungsorgane, das die gesamte Arbeit prüfend begleiten und Vorschläge machen soll, wie der ÖRK junge Menschen bestmöglich in alle Arbeitsbereiche einbinden kann,

  • gestärktes Büro für Programmplanung, Kontrolle, Auswertung und Berichterstattung im Rahmen des Generalsekretariats.

An dieser Stelle sollte besonders darauf hingewiesen werden, dass dieser Vorschlag den Auftrag der Vollversammlung aufnimmt, die Jugend verstärkt einzubeziehen. Durch die Verknüpfung sämtlicher Jugendinitiativen mit der Pflege der Beziehungen zu den Mitgliedskirchen wird die zentrale Rolle des ÖRK im Blick auf das Eintreten für die volle Teilhabe junger Menschen an allen ÖRK-Arbeitsbereichen betont. Von den jungen Erwachsenen wird ein wesentlicher Beitrag zur Diskussion über ein gemeinsames Verständnis und eine gemeinsame Vision wie auch zu dem Prozess, der sich mit der Ökumene im 21. Jahrhundert auseinandersetzt, sowie zur Arbeit des Rates im Bereich Ekklesiologie und Einheit erwartet. Junge Menschen werden erheblich beitragen zu Fortschritten im Bereich Menschenrechte, Diskussionen über die Globalisierung der Wirtschaft, über Glauben, Naturwissenschaft und Technik. Angebote der ökumenischen Ausbildung und der Beitrag der Jugend zum interreligiösen Zusammenleben sind Bereiche, in denen die Jugend von jeher ihren Einfluss geltend gemacht hat. Mit dem "Jugendgremium" soll eine Ideenschmiede eingerichtet werden, die einen kreativen Beitrag zur Stärkung der ökumenischen Vision des ÖRK leistet und jungen Männern und Frauen die Rolle kritischer Begleitung innerhalb der Struktur der Institution zuweist.

Wie verstehen wir die besondere Rolle des ÖRK?

Die Vollversammlung hat uns beauftragt, uns auf diejenigen Programme zu konzentrieren, für deren Umsetzung der ÖRK besonders gut positioniert ist, und vorrangig darauf zu achten, wie jedes vorgeschlagene Programm Aspekte dieser Rolle verwirklichen kann. Wir verstehen diese Aufgabe wie folgt:

  • Der ÖRK ist die umfassendste weltweite christliche Organisation, an ihm sind Kirchen und ökumenische Partner beteiligt.

  • Der ÖRK verfügt über ein enormes Potenzial zur Mobilisierung eines breiten Spektrums von Mitgliedskirchen und er ist eine Organisation, der seine Mitgliedskirchen vertrauen. Wir verfügen über eindeutige Hinweise, dass gegenwärtig Kirchen, die aus dem ÖRK ausgetreten waren, die Möglichkeit eines Wiedereintritts prüfen.

  • Der ÖRK bildet das Herzstück eines weitgespannten Netzwerks von Einzelpersonen und Organisationen, er bietet ökumenischen Partnerorganisationen Raum und handelt außerhalb der engen Grenzen seines institutionellen Eigeninteresses.

  • Der ÖRK kann in Situationen, in denen Mitgliedskirchen mit kirchenspaltenden Fragen konfrontiert sind, als Katalysator und Vermittler dienen.

  • Dem ÖRK ist es gelungen, seine Mitgliedskirchen und ökumenischen Partner mit neuen, viel versprechenden Funktionsformen zu inspirieren, genannt sei hier die Entscheidungsfindung im Konsensverfahren.

  • Der ÖRK kann Konfliktparteien, die gegensätzliche Haltungen zu komplexen Fragen wie etwa der wirtschaftlichen Globalisierung vertreten, in einen echten Dialog führen. Der ÖRK kann seinen Mitgliedskirchen und Partnern dabei helfen, von einer auf Konfrontation gerichteten Haltung abzurücken und den konstruktiven Dialog zu suchen sowie gemeinsames Handeln anzustreben.

  • Aufgrund seiner langen Geschichte kompetenter Beziehungsarbeit mit Menschen anderer Glaubensgemeinschaften kann der ÖRK gemeinsam mit ihnen die Rolle der Religion im öffentlichen Leben der Gegenwart untersuchen und auf ihre Verwandlung hinarbeiten.

Die Vision für eine kohärente Programmarbeit des ÖRK 2007 bis 2013

Die Vision für die zukünftige Programmarbeit des ÖRK stützt sich außer auf die Empfehlungen der 9. Vollversammlung auch auf die Verfassung des ÖRK sowie den Prozess mit dem Ziel eines gemeinsamen Verständnisses und einer gemeinsamen Vision (CUV).

Die Verfassung

Die Vollversammlung bekräftigte die in der Verfassung (Abschnitt III) ausdrücklich festgelegte Zielsetzung und Funktionen des ÖRK als Grundlage für seine Arbeit.

Das Hauptziel der Gemeinschaft der Kirchen im Ökumenischen Rat der Kirchen besteht darin, einander zur sichtbaren Einheit in dem einen Glauben und der einen eucharistischen Gemeinschaft aufzurufen, die ihren Ausdruck im Gottesdienst und im gemeinsamen Leben in Christus findet, durch Zeugnis und Dienst an der Welt, und auf diese Einheit zuzugehen, damit die Welt glaube.

Dieser Abschnitt legt für den Rat auch die folgenden Punkte als Ziele fest:

  • das im Gebet getragene Streben nach Vergebung und Versöhnung in einem Geist der gegenseitigen Rechenschaft, die Entwicklung engerer Beziehungen durch den theologischen Dialog und das Miteinanderteilen menschlicher, geistlicher und materieller Ressourcen zu fördern;

  • das gemeinsame Zeugnis zu erleichtern und ihrer Verpflichtung zur diakonia Ausdruck zu verleihen, indem sie Menschen in Not dienen,

  • dazu beizutragen, dass sich ökumenisches Bewusstsein entfaltet;

  • einander in ihren Beziehungen zu und mit Menschen anderer Glaubensgemeinschaften zu unterstützen und

  • Erneuerung und Wachstum in Einheit, Gottesdienst, Mission und Dienst zu fördern.

Die 9. Vollversammlung

Als oberstes Entscheidungsgremium des Ökumenischen Rates der Kirchen legte die Vollversammlung die Richtung der Programmarbeit des ÖRK bis zur nächsten Vollversammlung fest. Die Ausschüsse der Vollversammlung arbeiteten nicht in einem Vakuum, vielmehr bemühten sie sich darum, die aus den Berichten des Vorsitzenden und des Generalsekretärs, den Plenarsitzungen, dem lateinamerikanischen Kontext, aus den Ökumenischen Gesprächen, dem Mutirão, den Gottesdiensten der Vollversammlung und aus den Tagungen in deren Vorfeld gewonnenen Einsichten zu berücksichtigen, da alle diese Elemente ihren Teil zum Geist und der Inspiration der Vollversammlung in Porto Alegre beitrugen.

Neue Arbeitsweisen

1. Integrierter, interaktiver Ansatz

Die 9. Vollversammlung "weist … den Generalsekretär … an, in Beratung mit dem Zentralausschuss die notwendigen klaren und kohärenten Veränderungen in der Arbeitsweise, Organisationsstruktur und personellen Besetzung des ÖRK vorzunehmen, damit die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen an die ökumenische Bewegung aufgegriffen werden können. Der Weisungsausschuss für Grundsatzfragen ist besonders daran interessiert zu gewährleisten, dass alle Programme, Konsultationen, Besuche oder Erklärungen, die aus einer Initiative des ÖRK hervorgehen, in einen Gesamtzusammenhang gestellt und mit der Arbeit, die der Stab in anderen [Programmen] leistet, koordiniert werden."

Wir haben uns damit auseinander gesetzt, wie der Gesamtzusammenhang aller Programme des ÖRK hergestellt, wie die Kohärenz zwischen den vielfältigen Programmbereichen gesichert und wie die Pflege von Beziehungen in allen Aspekten der Programmarbeit berücksichtigt werden kann.

2. Mechanismen für Programmplanung, Kontrolle, Auswertung und Berichterstattung

Der Finanzausschuss forderte den ÖRK auf, "einen der Leitungsgruppe des Stabes unterstellten Prozess zur Programmplanung, Kontrolle, Auswertung und Berichterstattung [umzusetzen], der die Arbeitskultur prägt und die Einstellung einer professionellen Koordinierungsperson, die Werkzeuge zur Verwaltung der Datenbankprogramme und die allgemeine Mitarbeiterausbildung vorsieht". Die Umsetzung ist mittlerweile angelaufen.

Der Ausschuss für Programmrichtlinien arbeitete ebenfalls Aspekte der Methodik heraus:

  • die Definition einer eindeutigen theologischen Grundlage für seine gesamte Arbeit;

  • die Förderung der Koordinierungsrolle des ÖRK durch den Ausbau der Partnerschaften, der Netzwerk- und Fürsprachearbeit mit anderen Organisationen - in der Hoffnung, dass viele dieser Programme in Gemeinschaftsarbeit umgesetzt werden können;

  • den Ausbau der Kapazitäten bei Mitgliedskirchen und ökumenischen Partnern;

  • die Begleitung von Kirchen und Völkern in kritischen Situationen, um sie handlungsfähig zu machen und zu stärken.

Im Rahmen ihrer Aufgabe, die zukünftigen Programme des ÖRK zu bestimmen, legte die 9. Vollversammlung das folgende Verfahren fest:

  • Für jedes Programm werden klare, gut funktionierende Planungs-, Kontroll- und Auswertungsmechanismen geschaffen.

  • Es wird klar unterschieden zwischen langfristigen, zeitlich befristeten oder besonders dringenden Aufgaben.

  • Für jedes Programm wird eine Strategie der wechselseitigen Kommunikation ausgearbeitet, die in der Arbeit mit den verschiedenen Mitgliederkreisen auch angewandt wird.

  • Für das schrittweise Auslaufen, die Neugestaltung und die Neukonzipierung von Programmen werden klare Auslaufstrategien geschaffen.

  • Mit den Mitgliedskirchen und den kirchlichen Diensten und Werken wird ein nachhaltiger Dialog geführt über Wege, zusätzliche finanzielle Unterstützung für die Programmarbeit des ÖRK zu erhalten.

3. Festlegung von Programmprioritäten

Der Ausschuss für Programmrichtlinien arbeitete sieben Grundprinzipien für die zukünftige Prioritätensetzung des ÖRK heraus:

  • Der ÖRK sollte sich darauf konzentrieren, was allein er als weltweite Gemeinschaft der Kirchen tun kann, indem er eine Führungsrolle in der gesamten ökumenischen Bewegung übernimmt.

  • Der ÖRK sollte weniger tun und dies gut tun, in einem integrierten, gemeinschaftlichen und interaktiven Ansatz.

  • Der ÖRK sollte dem Hauptziel der Gemeinschaft der Kirchen, einander zur sichtbaren Einheit aufzurufen, mehr Gewicht geben.

  • Der ÖRK sollte die Dialog- und Fürsprachearbeit, den Aufbau von Beziehungen und die Förderung des gesellschaftlichen Zeugnisses unter den Kirchen und mit verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen im Gleichgewicht halten.

  • Der ÖRK sollte ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl und aktivere Beteiligung der Kirchen fördern, indem er soweit wie möglich auf Initiativen von Kirchen und Partnerorganisationen aufbaut.

  • Der ÖRK sollte mit prophetischer Stimme und prophetischem Zeugnis zur Welt sprechen und zielgerichtet auf die dringenden Probleme unserer turbulenten Zeiten eingehen.

Es wurde beschlossen, die Arbeit in nur sechs Programmen zu konzentrieren und die Anzahl an Projekten und Aktivitäten zu begrenzen, damit sichergestellt ist, dass wir weniger besser tun. Aus dem Ihnen vorliegende Text ist der Vorschlag, in flexiblen, integrierten Mitarbeitergruppen und auf gemeinschaftlichere Weise mit Kirchen und ökumenischen Partnern zusammenzuarbeiten, nicht direkt ersichtlich. Dieses Vorgehen macht jedoch ebenfalls den Willen deutlich, weniger besser zu leisten. Es ist uns nicht möglich, die betreffenden Partner konkret aufzulisten, da im Vorfeld einer solchen formellen Kooperationsvereinbarung Verhandlungen und Dialog erforderlich sind.

4. Schwerpunkt Kommunikationsplan

Wir möchten besonders auf den vorgeschlagenen ÖRK-weiten Kommunikationsplan hinweisen. Um zu vermeiden, dass Kommunikation nur als Anhängsel der Programmpläne behandelt wird, haben wir die Kolleginnen und Kollegen aufgefordert, bereits während der Entwicklungsphase der Projekte einen Kommunikationsplan zu erarbeiten. Darüber hinaus wurde ein Mitarbeiterteam, dem auch ÖRK-externe Kommunikationsfachleute angehörten, eingerichtet, das uns beriet. Im vorliegenden Dokument wird nun ein Vorschlag für ein stärkeres und leistungsfähigeres Kommunikationsteam vorgelegt, dessen Leiter/Leiterin in enger Zusammenarbeit mit dem Generalsekretär für die Vorbereitung und Konkretisierung aussagekräftiger ethisch-moralischer Stellungnahmen zu Fragen von weltweiter Relevanz sowie für die Darstellung der Arbeit des ÖRK in der Öffentlichkeit verantwortlich sein wird.

Die Programmstruktur

Die wesentlichen Aufgabenbereiche des ÖRK wurden in sechs Programme übertragen, die als grundlegende Impulse für die Tätigkeit des ÖRK bis zur nächsten Vollversammlung zu verstehen sind. Jedes Programm soll im Rahmen eines auf sieben Jahre angelegten Prozesses, der jeweils von einer Vollversammlung bis zur nächsten dauert, eine Reihe von Zielen verwirklichen. Jedem Ziel sind Erfolgskriterien zugeordnet, die im Verlauf des dreijährigen rollenden Arbeitszyklus beobachtet werden müssen und eine Auswertung am Ende des Arbeitszeitraums ermöglichen, um festzustellen, inwieweit die Umsetzung erfolgt ist.

Ein Ziel wird durch die Umsetzung von Projekten erreicht, die den Prozess unterstützen. Die Projekte sind auf den Zeitraum 2007 bis 2009 festgelegt und liefern konkrete Ergebnisse. Ein Projekt umfasst jeweils eine Reihe von Aktivitäten, die zur Gewährleistung der Kohärenz in einem integrierten Prozess gebündelt sind. Ein Projekt kann unter Umständen zu mehreren Zielen unterschiedlicher Programme beitragen und wird dann von einer Kerngruppe von Personal eines Programms durchgeführt, wobei Mitarbeiter/-innen aus anderen Programmen mitwirkt. Ein Projekt hat eine konkrete Zielsetzung, einen Zeitrahmen, eine spezifische Methode, umfasst eine festgelegte Reihe von Aktivitäten und sieht konkrete Ergebnisse der Aktivitäten zu zuvor bestimmten Zeitpunkten vor.

Programme: laufen über die kommenden sieben Jahre, Ziele und Erfolgskriterien sind festgelegt.

Projekte: rollender Zyklus über jeweils drei Jahre, mit Auflistung der Aktivitäten.

Aktivitäten: Liste für die kommenden drei Jahre, Detailplan/-haushalt für ein Jahr

Das vorliegende Dokument bietet eine Übersicht über die Programme und Projekte. Detaillierte Beschreibungen der Projekte und Aktivitäten, einschließlich der Budgetplanung, sind zugänglich unter www.ecuspace.net

PROGRAMME

Hintergrund

Der Ökumenische Rat der Kirchen ist berufen, sich für die sichtbare Einheit der Kirche einzusetzen (Joh 17,21). Der ÖRK ist eine Gemeinschaft von etwa 350 anglikanischen, östlich- und orientalisch-orthodoxen, altkatholischen, protestantischen, unabhängigen und vereinigten Kirchen. Er ist ein wichtiges Instrument der gesamten ökumenischen Bewegung. In seiner Berufung zum Dienst an den Mitgliedskirchen und an der ökumenischen Bewegung wird der ÖRK mit den neuen, aus den Entwicklungen der Gegenwart erwachsenden Herausforderungen konfrontiert, erneuert und intensiviert er die Beziehungen zu seinen Partnern und ist er sich bewusst, dass das Verständnis der ökumenischen Berufung kontinuierlich weiter vertieft werden muss.

Die Initiativen des ÖRK ermöglichen seinen Mitgliedskirchen und einem breiten Spektrum ökumenischer Partner das gemeinsame Gebet, gemeinsame Reflexion, gemeinsames Planen und Handeln. Miteinander bemühen sie sich, die Verheißungen und Herausforderungen ihrer Zeit zu erkennen. Sie öffnen sich einer Kultur des Dialogs, der Kooperation und der Solidarität. Sie engagieren sich miteinander für die Heilung der Menschheit. Gemeinsam werden sie zu Akteuren jener Erneuerung und Verwandlung, die die ökumenische Bewegung seit ihren Anfängen kennzeichnet. Alle diese Punkte setzen die Pflege der Beziehungen mit und zwischen den Kirchen voraus, einschließlich derer, die noch nicht Mitglieder im ÖRK sind. Sie stützen sich auf die Herstellung und Pflege von Beziehungen zu weltweiten christlichen Gemeinschaften, konziliaren Gremien und anderen ökumenischen Organisationen; sie erfordern die Unterstützung ökumenischer Initiativen auf regionaler, nationaler und lokaler Ebene sowie die Erhaltung der Kohärenz der einen ökumenischen Bewegung in ihren vielfältigen Ausprägungen.

Das Programm hat drei wesentliche Facetten: (1) den Beitrag des ÖRK zur Entwicklung eines theologischen Forums zur gemeinsamen Reflexion über aktuelle ökumenische Aufgaben; (2) die führende Position des ÖRK bei der Koordinierung der gemeinsamen Anstrengungen zur Entfaltung der Herausforderungen, mit denen die Ökumene im 21. Jahrhundert konfrontiert ist, und ihrer Konsequenzen für Vision, Aktivitäten und Strukturen der ökumenischen Organisationen und Partner; (3) die Zielsetzung des ÖRK, die Beteiligung und Beiträge von Frauen und jungen Menschen zu koordinieren - dieser Punkt wurde dem vorliegenden Programm zugeordnet, um sicherzustellen, dass diesen Gruppen in allen Bereichen und vom gesamten Rat Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Die in diesem Kapitel vorgestellten Projekte sollten nicht als ausschließlich auf ein "Programm" festgelegt verstanden werden, sie bilden vielmehr die Grundlage für alle Aktivitäten, machen deren Vision einsichtig, begründen ihre Daseinsberechtigung und setzen ihren umfassenden Rahmen.

Ziele und Erfolgskriterien

Ziel 1a: Der ÖRK entspricht seiner Verpflichtung auf die sichtbare Einheit der Kirche und auf die Verwirklichung seiner Bestimmung als Gemeinschaft von Kirchen.

  • Der ÖRK ermöglicht die Interpretation und Aneignung des Prozesses mit dem Ziel eines gemeinsamen Verständnisses und einer gemeinsamen Vision (CUV) als diejenige Vision, die die Grundlage seiner Gemeinschaft bildet. (Projekt P101)

  • Der ÖRK trägt bei zur Stärkung der Beziehungen und der gegenseitigen Rechenschaftspflicht zwischen seinen Mitgliedskirchen, als Ausdruck ihrer Verpflichtung auf die Gemeinschaft und auf die sichtbare Einheit der Kirche. (Projekt P103)

  • Der ÖRK bietet einen koordinierten Ansatz für den Umgang mit den Anliegen von Frauen und jungen Menschen und fördert deren Beteiligung und Beiträge zur ökumenischen Bewegung. (Projekt P105)

  • Der ÖRK stärkt die Beziehungen zu seinen ökumenischen Partnern sowie den Kirchen, die nicht Mitglieder sind. (Projekt P104)

Ziel 1b: Der ÖRK verfügt über eine tragfähige theologische Basis und Schwerpunktsetzung für alle seine Programme und fördert die theologische Reflexion über bedeutende aktuelle Themen.

  • Alle Programme des ÖRK sind theologisch fundiert. (alle Projekte)

  • Der ÖRK verfügt über ein wirkungsvolles Forum, das Gelegenheit bietet zum Dialog über und zur Analyse von Fragen, die für das Leben der Kirchen von wesentlicher Bedeutung sind. (Projekt P102)

Projekte 2007-2009

P101   Interpretation der ökumenischen Vision des ÖRK

Die Verabschiedung der Grundsatzerklärung "Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Vision des ÖRK" (CUV) bei der Vollversammlung in Harare (1998) eröffnete eine neue Möglichkeit, die Kirchen zur Analyse ihres ökumenischen Engagements zu ermutigen - sowohl in ihrem eigenen lokalen Umfeld als auch in ihren nationalen, regionalen und globalen Beziehungen und insbesondere in Bezug auf den ÖRK. Aus der Verpflichtung, die ökumenische Bewegung auszuweiten, ergeben sich zwei Kernaussagen: Zum Einen reicht die ökumenische Bewegung über die Organisationsformen unter dem Dach des ÖRK hinaus und zum Anderen dient der Rat dieser Gesamtheit der ökumenischen Bewegung als eines ihrer wichtigsten Instrumente.

CUV beeinflusste zwei zentrale ökumenische Prozesse, die Sonderkommission zur orthodoxen Mitarbeit im ÖRK und den Prozess unter dem Titel "Die Ökumene im 21. Jahrhundert". Letzterer befasst sich mit den Perspektiven der ökumenischen Partner zur Neugestaltung der ökumenischen Bewegung. Eine Weiterführung der Arbeit an diesen viel versprechenden Prozessen ist unerlässlich.

Auf der Interpretation und Vermittlung der Impulse des Prozesses mit dem Ziel eines "gemeinsamen Verständnisses und einer gemeinsamen Vision" liegt das Hauptaugenmerk dieses Projekts.

P102 - Globale Plattform für Theologie und Analyse

Als weltweites Instrument der christlichen Einheit hat der ÖRK den Auftrag, die gemeinsame theologische Reflexion über und Analyse von bestimmten grundlegenden Problemen in Leben, Arbeit und Beziehungen von Kirchen, weltweiten christlichen Gemeinschaften und ökumenischen Partnern aus verschiedenen Bereichen zu fördern. Dazu wird er ein breites Spektrum aus aller Welt von Personen aus kirchenleitenden Positionen, Theologie, Ethik, Soziologie sowie entsprechenden Anwendungsgebieten einladen, um die Konsequenzen solcher Herausforderungen für das christliche Zeugnis in der Gegenwart, die ökumenische Bewegung und die Kirchen zu analysieren, zu interpretieren und Vorhersagen über weitere Entwicklungen zu treffen. Die zu bearbeitenden Themen werden in einem Konsultationsprozess festgelegt, der einer Vielfalt von Positionen Raum gibt. Gezielte Bemühungen werden sich darauf richten, in erheblichem Masse die Beiträge junger Menschen in den Prozess einzubinden.

P103 - Pflege der Beziehungen zu den Mitgliedskirchen

Der ÖRK bietet einen Raum, in dem die Mitgliedskirchen gemeinsam erforschen und erfahren, was es bedeutet, miteinander in Gemeinschaft zu leben. Diese Gemeinschaft ist eine dynamische, auf Beziehung orientierte Realität, die die Fülle der Kirchen und das gesamte Leben und Tun des ÖRK umfasst. Um die Gemeinschaft seiner Mitgliedskirchen zu stärken und zu vertiefen, will der ÖRK die Partizipation und Repräsentation der Kirchen in seinem Leben und seinen Aktivitäten maximieren - durch die Leitungsorgane und in der laufenden Programmarbeit.

Der ÖRK ist sich der wesentlichen Bedeutung der ökumenischen Vision im Leben der Mitgliedskirchen bewusst, er fördert die Reflexion über die Zugehörigkeit zu dieser Gemeinschaft sowie deren konkrete Erfahrung. Das Hauptaugenmerk dieses Projekts liegt auf der Stärkung der Beziehungen zu den Mitgliedskirchen; gleichzeitig werden diese Beziehungen, die unverzichtbares Fundament aller Aktivitäten des ÖRK sind, als integraler Bestandteil aller Programme des Rates Berücksichtigung finden.

P104 - Partnerschaft mit ökumenischen Organisationen

In dem Bestreben, die Kohärenz der ökumenischen Bewegung zu sichern, entwickelt der ÖRK wirkungsvolle Partnerschaften mit einer ganzen Bandbreite ökumenischer Organisationen, die alle Beteiligten bereichern. Insbesondere ist sich der ÖRK der besonderen Rolle und des wichtigen Beitrags regionaler ökumenischer Organisationen, nationaler Kirchenräte, kirchlicher und kirchennaher Dienste und Werke, internationaler ökumenischer Organisationen und weltweiter christlicher Gemeinschaften bewusst. Er koordiniert zudem auch seine Beziehungen zu den Kirchen, die nicht ÖRK-Mitglieder sind, und ist Träger der gemeinsamen Arbeitsgruppen mit der römisch-katholischen Kirche (Zusammenarbeit mit P201) sowie mit den Pfingstkirchen und evangelikalen Kirchen (Zusammenarbeit mit P203). In den kommenden Jahren soll der Schwerpunkt auf der "Ökumene im 21. Jahrhundert" durch die inhaltliche Diskussion mit ökumenischen Organisationen über Rollen, Rechenschaftspflicht und Möglichkeiten zur Gewährleistung der Komplementarität von Programmarbeit und öffentlichen Erklärungen weiter vertieft werden. Die Unterstützung der Arbeit des Forums fällt ebenfalls in diesen Aufgabenbereich. Die koordinierende Funktion, die der ÖRK bei ACT-Entwicklung erfüllt, ist von großer Bedeutung für die Kohärenz des Zeugnisses für Entwicklung mit der ökumenischen Bewegung (P402).

P105 - Jugend und Frauen: Herausforderungen und Hoffnungen

Der ÖRK fördert die volle, kreative Beteiligung junger Menschen an allen Arbeitsbereichen. Im Rahmen dieses Projekts wird der ÖRK eine Koordinierungsfunktion übernehmen und Möglichkeiten für junge Menschen schaffen, ihre Perspektiven wirkungsvoll in alle Arbeitsbereiche des ÖRK einzubringen: Der ÖRK wird jungen Erwachsenen Raum geben, aktiver am Leben der Kirchen und der ökumenischen Bewegung teilzunehmen. Er wird Träger des neu einzurichtenden "Jugendgremiums" und fördert die Teilhabe von Stewards und Praktikanten/-innen am Leben des ÖRK. Zudem setzt er mithilfe des Weltjugendprogramms die Zusammenarbeit mit lokalen und regionalen ökumenischen Jugendinitiativen fort und trägt zur Schaffung eines ökumenischen Jugendnetzwerks bei, das von der Zusammenarbeit in intensivem Dialog und umfassender Partnerschaft geprägt sein soll.

Der ÖRK wird die Auseinandersetzung mit Frauenfragen und -perspektiven in der ökumenischen Bewegung sowie im Leben von Kirchen und anderen ökumenischen Gremien koordinieren. Er verfügt über die Möglichkeiten, Frauen aus unterschiedlichen christlichen Traditionen, Weltregionen und Altersgruppen einen echten Dialog zu ermöglichen, der einen Beitrag zur ökumenischen Vision und dem Streben nach Einheit leisten soll. Der ÖRK wird seine lange Tradition fortsetzen, Frauen den Raum zu geben, in dem sie Kirchen auf die wichtigen Anliegen hin hinterfragen können, die ihr tägliches Leben beeinflussen. Dies wird in enger Zusammenarbeit mit anderen Programmen geschehen, die Frauen in die Diskussion von Fragen wie Frauen und wirtschaftliche Gerechtigkeit, Gewalt gegen Frauen und Frauen in einer von religiöser Pluralität geprägten Welt einbinden. Als analytisches Instrument zur Konzeption von Rolle und Beitrag des ÖRK bei anderen in diesen Bereichen aktiven Netzwerken wird ein Gender-Ansatz dienen.

Finanzieller Überblick 2007-2009

P1 - Der ÖRK und die ökumenische Bewegung im 21. Jahrhundert

2007

2008

2009

Kosten für die Durchführung

 

 

 

P101 - Interpretation der ökumenischen Vision des ÖRK

154.200

100.000

153.000

P102 - Globale Plattform für Theologie und Analyse

89.056

89.000

89.000

P103 - Pflege der Beziehungen zu den Mitgliedskirchen

405.410

1.150.000

1.150.000

P104 - Partnerschaft mit ökumenischen Organisationen

134.200

165.000

155.000

P105 - Jugend und Frauen: Herausforderungen und Hoffnungen

630.000

685.000

685.000

Personal- und personalabhängige Kosten

1.876.292

1.876.292

1.876.292

Direktkosten gesamt

3.289.158

4.065.292

4.108.292

Kosten Infrastruktur

783.368

783.368

783,368

Programmkosten gesamt

4.072.526

4.848.660

4,891,660

Hintergrund

Das Programm "Einheit, Mission und Spiritualität" behandelt Bereiche, die für Identität, Leben und Zeugnis der Kirche von zentraler Bedeutung sind. Es ermutigt und befähigt die Kirchen, einander zum Ziel der sichtbaren Einheit zu rufen, die spirituelle und gottesdienstliche Dimension ihres Lebens zu vertiefen, sich gemeinsam für eine authentischere Mission in der Welt zu engagieren und in ihrem Zeugnis und Dienst die vollumfängliche Teilhabe derjenigen voranzutreiben, die in der Kirche am Rande stehen. In allen Bereichen nimmt das Programm die von den Kirchen bei der 9. ÖRK-Vollversammlung eingegangenen Verpflichtungen sowie den dort artikulierten Bedarf auf und berücksichtigt Anfragen ökumenischer Partner.

Der Reaktions- und Rezeptionsprozess zu dem von den Kirchen bei der 9. Vollversammlung des ÖRK verabschiedeten Ekklesiologie-Text "Berufen, die eine Kirche zu sein" will das Streben nach der sichtbaren Einheit erneuern und regt die Kirchen an, einander direkt zu fragen: Inwieweit erkennen wir eine gemeinsame Taufe in Christus an, und ziehen wir in unserem Leben als Kirchen die vollen Konsequenzen aus dieser Anerkennung? Das 100. Jubiläum der Gebetswoche für die Einheit der Christen 2008 stellt uns vor die Herausforderung, die Grundlagen des Strebens nach Einheit in Gebet und geistlichem Leben zu bekräftigen. Das 100. Jubiläum der Missionskonferenz in Edinburgh 2010, zu dem der ÖRK in erheblichem Masse beitragen wird, kündigt sich als Moment der Erneuerung für die Kirchen und ihr Verständnis wie ihre Praxis der Mission und Einheit an. Durch die Arbeit im Bereich Spiritualität und Gottesdienst wird der ÖRK Kirchen und ökumenischen Partnern Hilfestellung dabei geben, ihr Verständnis dieser fundamentalen Dimensionen christlichen Lebens zu vertiefen, und er wird Materialien für die praktische Anwendung innerhalb der Kirchen sowie auf der ökumenischen Ebene produzieren. Die Arbeit im Blick auf Gemeinschaft und Öffnung für andere soll dazu beitragen, dass die Kirchen ein kirchliches und gemeinschaftliches Leben fördern, das von Gerechtigkeit geprägt ist, allen offen steht und alle zur Partizipation ermutigt.

Die Projekte werden mit einem integrativen Ansatz etwa den Zusammenhang zwischen Fragen der Einheit und der Mission berücksichtigen bzw. die zentrale - und komplexe - Funktion von Spiritualität und Gottesdienst bei der Entstehung gerechter, alle einbeziehender Gemeinschaften in den Blick nehmen. Das Programm wird anderswo im ÖRK, etwa im globalen Forum für theologische Arbeit und Analyse (P102) oder im Bereich Glauben, Naturwissenschaft und Technik (P504), geleistete Arbeit aufnehmen.

Als weltweite Gemeinschaft von Kirchen ist der ÖRK in der Lage, ökumenisch engagierte Kirchen und andere Partner zu vernetzen und mit seinem eigenen Leben und seiner Arbeit die Vielfalt der weltweiten christlichen Familie theologisch, regional und kulturell zu verkörpern. Die Kommissionen für Glauben und Kirchenverfassung sowie für Weltmission und Evangelisation verfügen über Verbindungen zu einem umfangreichen Netzwerk von Mitgliedskirchen/-organisationen sowie Nichtmitgliedern. Die Arbeit im Bereich Spiritualität und Gottesdienst wird unterstützt durch weit reichende Kontakte zu den Programmen der Kirchen im diesem Bereich.

Die Vollversammlung unterstrich, dass Kirche und Gesellschaft alle Menschen einbeziehen müssen, und rief zur konzertierten Zusammenarbeit, mit Menschen, die sich gegen Rassismus engagieren, Menschen mit Behinderungen und indigenen Völkern auf. Sie hob zudem die Notwendigkeit hervor, gezielter die Arbeit mit den Dalits in Indien voranzutreiben. Das Ökumenische Aktionsbündnis von und für Menschen mit Behinderungen wurde beauftragt, noch mutiger und kreativer Methoden zu entwickeln, die, im Einklang mit der christlichen Theologie, die Kirchen zu Gemeinschaften machen können, die alle Menschen in vollem Umfang berücksichtigen. Die Vollversammlung rief dazu auf, die Arbeit des ÖRK mit indigenen Völkern zu verstärken und setzte sich mit den Möglichkeiten auseinander, wie die ökumenische Gemeinschaft neue Einsichten in die Bedeutung von Ort, Land, Sprache und Schöpfungstheologie im Leben der Kirche gewinnen kann. Diese Programme, Projekte und die in ihrem Rahmen vorgesehenen Aktivitäten werden auch zukünftig, bei den Vorbereitungen der ökumenischen Bewegung auf die Weltmissionskonferenz zum 100. Jubiläum von Edinburgh 1910-2010, eine herausragende Rolle spielen, wenn es darum geht, die Prioritäten und Herausforderungen herauszuarbeiten, mit denen die Mission einhundert Jahre nach diesem Meilenstein der modernen Ökumene konfrontiert ist.

Ziele und Erfolgskriterien

Ziel 2a: Der ÖRK verbindet sein Engagement sowohl für die sichtbare Einheit als auch für das Zeugnis des Evangeliums in einer gespaltenen, sich verändernden Welt.

  • Der ÖRK ermutigt und begleitet die Kirchen in ihrer theologischen und ekklesiologischen Reflexion zu grundlegenden Fragen der Einheit der Kirchen sowie zu den nach wie vor bestehenden Quellen der Spaltung unter den und innerhalb der Kirchen. (Projekt P201)

  • Der ÖRK ermutigt seine Mitgliedskirchen sowie die angeschlossenen Missionseinrichtungen und Studienzentren, die ökumenische Missionstheorie und -praxis im aktuellen Kontext zu beschreiben, unter besonderer Berücksichtigung der Schnittstelle zwischen Ekklesiologie und Mission. (Projekt P203)

Ziel 2b: Die ÖRK-Mitgliedskirchen erkennen einander als Quellen für die Vertiefung ihrer Spiritualität und die Bereicherung ihrer Gemeinschaft und ihres Zeugnisses.

  • Der ÖRK fördert bei den Kirchen eine größere gegenseitige Wertschätzung der spirituellen und gottesdienstlichen Traditionen, wobei Modelle und Materialien für Spiritualität und Gottesdienst, Formen kirchlichen Lebens und kontextuelle Verkündigungsweisen des Evangeliums kennen gelernt und ausgetauscht werden, die Heilung und Versöhnung fördern. (Projekt P202)

Ziel 2c: Der ÖRK ermutigt die Mitgliedskirchen, zu gerechteren, alle einbeziehenden Gemeinschaften zu werden, an denen alle Menschen voll teilhaben und zu denen sie ihren vollen Beitrag leisten können.

  • Der ÖRK unterstützt die Mitgliedskirchen dabei, Rechenschaft voneinander zu fordern, wo Diskriminierung und Ausgrenzung im kirchlichen Leben sichtbar sind. In den Delegationen der Kirchen zur 10. Vollversammlung wird die Beteiligung von Frauen, jungen Menschen, Menschen mit Behinderungen, indigenen Personen, Dalits und ethnischen Minderheiten verstärkt. (Projekt P204)

Projekte 2007-2009

P201 - Berufen, die eine Kirche zu sein

Dieses Projekt dient den Kirchen in ihren Bemühungen, einander in die sichtbare Einheit zu rufen. Auch nach Jahrzehnten ökumenischen Fortschritts bleibt dies eine Notwendigkeit, denn obwohl die Kirche in Christus eins ist, sind die Kirchen auch weiterhin zu oft gespalten, wo es um grundlegende theologische und ethische Fragen geht oder Erinnerungen an Konflikte der Vergangenheit weiter bestehen. Sündhafte, trennende Kräfte wie Rassismus und die negative Betonung ethnischer oder nationaler Identität stellen ihrerseits die Einheit der Kirchen infrage.

Dieses Projekt stützt sich auf von den Kirchen bei der 9. Vollversammlung angenommene Verpflichtungen und Aufgaben sowie auf den von langjährigen ökumenischen Partnern artikulierten Bedarf. Schwerpunkte setzt es bei der Studienarbeit, bei Prozessen zur Erarbeitung von Konsenspositionen und zur Klärung von Differenzen sowie beim Aufbau von Beziehungen innerhalb des einen Leibes Christi. Es entwickelt Instrumente für ÖRK-Mitglieder und Kirchen, die nicht Mitglieder sind, weltweite christliche Gemeinschaften sowie vereinigte und sich vereinigende Kirchen, die dazu dienen, die Grundlagen für deren Einheit herauszuarbeiten und das ganze Spektrum von Fragen theologischer, historischer und sozialer Art zu behandeln, die weiter spaltend wirken.

P202 - Spiritualität und Gottesdienst im ökumenischen Kontext

Dieses Projekt will die Kirchen ermutigen, sich mit traditionellen und neueren Dimensionen der Spiritualität in der ökumenischen Bewegung zu befassen. Gezielt soll von den Glaubenswegen und Lebenserfahrungen von Frauen und jungen Menschen sowie Gemeinschaften wie Taizé und Iona gelernt werden. Auch die Arbeit an der Gebetswoche für die Einheit der Christen, der Aufbau einer Sammlung von Materialien zu Spiritualität und Gottesdienst sowie von heilenden Gemeinschaften wie auch eine Reihe von Workshops zur Spiritualität als Inspiration für das gemeinsame Leben der Kirchen wird fortgesetzt.

P203 - Ökumenische Perspektiven zu Mission und Einheit

Der ÖRK blickt auf eine lange Geschichte der Missionsarbeit und der Verknüpfung des Engagements für die Einheit der Kirche mit Mission und Evangelisation zurück. Aus diesem Grund ist er gut positioniert, um an einem internationalen Studienprozess zur Mission mitzuwirken, der in Vorbereitung auf das 100. Jubiläum der Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh eine große Bandbreite an Beteiligten (der pfingstkirchlichen, evangelikalen, orthodoxen und römisch-katholischen Tradition) umfasst. Der ÖRK als institutioneller Erbe der in Edinburgh initiierten Bewegung steht vor der Herausforderung und ist bereit, bei den Vorbereitungen sowie der Durchführung der Veranstaltungen 2010 eine Führungsrolle zu übernehmen. Die Aktivitäten dieses Projekts werden einen Beitrag zu einem geschärften ökumenischen Missionsverständnis und einer geklärten ökumenischen Missionspraxis leisten. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf der unauflöslichen Beziehung zwischen Mission und Einheit sowie Mission und Ekklesiologie liegen. Der ÖRK wird konkreten Beiträgen aus Mitgliedskirchen, angeschlossenen Missionseinrichtungen und Studienzentren/theologischen Fakultäten sowie dem Netzwerk junger Missiologen/-innen zu neuen Entwicklungen im ökumenischen Missionsverständnis und der ökumenischen Missionspraxis Raum geben. In dem Studienprozess "Horizont Edinburgh 2010" wird ein Schwerpunkt bei der Schnittstelle zwischen Mission und Einheit, Mission und Ekklesiologie gesetzt.

Das Projekt hat ein verwandtes Ziel, die Stärkung von Dialog und Zusammenarbeit mit Pfingstkirchen und evangelikalen Kirchen sowie mit Missionseinrichtungen in "Nord" wie "Süd" in Verbindung mit der Arbeit der neuen Kommission für Weltmission und Evangelisation.

P204 - Gerechte, integrative Gemeinschaften

Dieses Projekt unterstützt die sinnvolle Beteiligung und Leistung von Beiträgen durch Menschen, die in der Gemeinschaft der Kirche wie in der Gesellschaft häufig Ausgrenzung erfahren. In Begegnungen und theologischer Reflexion, durch den Aufbau von Netzwerken und die Unterstützung von lokaler ökumenischer und globaler Arbeit setzt sich das Projekt mit der Frage auseinander, was gerechte, integrative Gemeinschaften fördert. Der ÖRK eröffnet einen Raum, in dem Menschen mit Behinderungen, Angehörige indigener Völker, von Rassismus Betroffene, ethnische Minderheiten und Dalits Wegweisung und Perspektiven in die ökumenische Bewegung einbringen können. Die Solidarität des ÖRK mit Menschen, die in Kirche und Gesellschaft gewöhnlich am Rand stehen, wird die ökumenische Bewegung stärken, indem sie gerechte Beziehungen und soziale Gerechtigkeit zwischen den und innerhalb der Kirchen fördert. Diese Aktivität stellt die Mitgliedskirchen vor die Herausforderung, Ausgrenzung und Diskriminierung entgegenzutreten, sie zu überwinden und positive Beispiele aus dem je eigenen Erfahrungsschatz an gerechtem, partizipatorischem und alle einbeziehendem kirchlichem und gesellschaftlichem Leben weiterzugeben.

Finanzieller Überblick 2007-2009

P2 - Einheit, Mission und Spiritualität

2007

2008

2009

Kosten für die Durchführung

 

 

 

P201 - Berufen, die eine Kirche zu sein

166.890

253.000

116.000

P202 - Spiritualität und Gottesdienst im ökumenischen Kontext

90.000

137.000

122.000

P203 - Ökumenische Perspektiven zu Mission und Einheit

301.650

203.000

247.000

P204 - Gerechte, integrative Gemeinschaften

630.000

630.000

630.000

Personal- und personalabhängige Kosten

1,623.879

1.623.879

1.623.879

Direktkosten gesamt

2.812.419

2.846.879

2.738.879

Kosten Infrastruktur

691.207

691.207

691.207

Programmkosten gesamt

3.503.626

3.538.086

3.430.086

Hintergrund

Gegenwärtig befinden sich Gesellschaften wie auch der internationale Kontext im Umbruch, was die ökumenische Bewegung vor eine große Herausforderung stellt. Der Skandal der Armut und Ausgrenzung und die Art und Weise, wie wirtschaftliche, soziale, kulturelle und politische Macht ausgeübt wird, müssen einer konzertierten, gemeinsamen Reflexion der Kirchen unterzogen werden, aus der heraus auch ein entsprechendes Handeln erfolgen muss. Als weltweite Gemeinschaft von Kirchen vollzieht der ÖRK ein integrales Element seiner Mission, indem er in all diesen Bereichen öffentlich Position bezieht und in prophetischem Zeugnis den Mächtigen entgegen- und für den Frieden eintritt. Sein Zeugnis berücksichtigt drängende Anliegen der Kirchen in den Bereichen Frieden, Sicherheit, Armut und weltweite Gerechtigkeit.

In der vor uns liegenden Arbeitsphase wird der ÖRK auf globaler Ebene vermehrt koordinierend tätig werden und seine Fürsprecherrolle bei zwischenstaatlichen Organisationen wie etwa den Vereinten Nationen, den internationalen Finanzinstitutionen, dem Internationalen Strafgerichtshof o. ä. verstärken. Auf dem Weg über diese Kanäle artikuliert der ÖRK die Anliegen der Kirchen und der ökumenischen Bewegung mit dem Ziel, auf Grundsatzentscheidungen der Weltordnungspolitik Einfluss zu nehmen und so der Menschenwürde verstärkte Berücksichtigung zu erwirken. Das lokale und regionale Engagement der Kirchen für Frieden und Gerechtigkeit wird auf globaler Ebene koordiniert. Der ÖRK führt die Entwicklung und Umsetzung eines ökumenischen Ansatzes für den Umgang mit internationalen Themen weiter, der Analyse und Dokumentation, die Entwicklung von Grundsatzpositionen, Fürsprachearbeit, Solidaritätskampagnen und Bewusstseinsbildung umfasst.

In unserer heutigen Welt stellt die vom Familienleben bis in die internationalen Beziehungen allgegenwärtige Gewalt eine schwer wiegende Bedrohung dar. Die Dekade zur Überwindung von Gewalt: Kirchen für Frieden und Versöhnung 2001 - 2010 (DOV) setzt sich mit dieser Problematik auseinander. Im Rahmen der DOV findet die ökumenische Reaktion der Kirchen auf verschiedene Formen der Gewalt in ihrem jeweils eigenen Kontext statt. In diesem Bereich ist die interreligiöse Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung. Sie schöpft aus den Frieden fördernden Impulsen, die in allen religiösen Traditionen zu finden sind. Die Beteiligung von Kindern, jungen Menschen und Frauen sowie die Zusammenarbeit mit Akteuren der Zivilgesellschaft sind zentrale Dimensionen dieses Programms, das es den Kirchen ermöglicht, sich mit Geist, Dynamik und Praxis der Gewalt auseinanderzusetzen. Die letzte Phase der DOV eröffnet den Kirchen ein Potenzial, gemeinsam Position zu beziehen und zu handeln, um unsere auf allen Ebenen von Gewalt, Kriegen und Konflikten heimgesuchte Welt einem gerechten Frieden und der Versöhnung näher zu bringen.

Ein besonderer regionaler Schwerpunkt wird während dieser Phase im Nahen Osten gesetzt, einem konkreten Fall, der jedoch weltweite Relevanz besitzt. Frieden, Sicherheit und Menschenwürde, auch jegliche Form des Einsatzes für die Menschenrechte, sind nur wirksam zu thematisieren, wenn Fragen von Armut, Wohlstand und Umwelt nicht ausgeklammert werden. Das Ökumenische Begleitprogramm in Israel und Palästina (EAPPI) wird eng in dieses Projekt eingebunden.

DemÖRK fällt dabei die Rolle zu, die von den Kirchen, regionalen ökumenischen Organisationen sowie kirchlichen und kirchennahen Diensten und Werken geleistete Arbeit zu fördern, mit ihnen zusammenzuarbeiten und ihre Bemühungen zu koordinieren. Gleichzeitig stellt er die weltweite Relevanz konkreter Situationen heraus. Das Zeugnis für Frieden und Gerechtigkeit ist einer der wesentlichen Beiträge des ÖRK zur ökumenischen Bildung der gesamten ökumenischen Bewegung und entfaltet eine besondere Dimension der Mission, die in einer multikulturellen, globalisierten Welt prophetische Diakonie möglich macht.

Ziele und Erfolgskriterien

Ziel 3a: Zur Überwindung der Gewalt und zur Erringung von Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung arbeiten die Kirchen aktiv zusammen.

  • Vertreter und Vertreterinnen von ÖRK-Mitgliedskirchen, von Kirchen, die nicht Mitglied im ÖRK sind, und von ökumenischen Partnern vollziehen gemeinsam einen Prozess, in dem eine gemeinsame Vision eines gerechten Friedens und das Engagement für dessen Erlangung artikuliert werden. (Projekt P301)

Die Kirchen und die weitere ökumenische Bewegung tauschen Erfahrungen aus, unterstützen sich gegenseitig und engagieren sich miteinander und in Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft für die Überwindung der Gewalt. (Projekt P301)

Ziel 3b: Der ÖRK ist Instrument des prophetischen Zeugnisses zu kritischen Themen und nimmt im Streben nach einer gerechteren und friedlicheren weltweiten Gemeinschaft die Mächtigen in die Verantwortung.

  • Der ÖRK als Instrument der Kirchen bringt seine Position zu Themen von globaler Tragweite erfolgreich an die Öffentlichkeit und übt im Bereich der Fürsprache eine wirkungsvolle Koordinationsfunktion aus. (Projekt P302)

  • Durch die Auseinandersetzung mit Menschenrechtsfragen aus ethisch-theologischer Sicht verteidigt der ÖRK die Menschenwürde. (Projekt P303)

  • Der ÖRK hat eine umfassende Nahost-Politik entwickelt und bündelt das prophetische Zeugnis der Kirchen in aller Welt für Frieden in der Region. (Projekt 304)

  • Der ÖRK verstärkt und wirbt für sein Programm der Begleitung der Menschen in Israel und Palästina. (Projekt P305)

Ziel 3c: Der ÖRK führt mit den Kirchen den kritischen Dialog über die Zusammenhänge zwischen Armut, Wohlstand und Umwelt; er initiiert gemeinsames Handeln in diesem Bereich.

  • Der ÖRK mobilisiert Kirchen und ökumenische Partner, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Armut, Reichtum und Umwelt auseinandersetzen, zu Dialog und gemeinsamem Handeln. (Projekt P306)

Projekte 2007-2009

P301 - Dekade zur Überwindung von Gewalt (DOV)

Die "Dekade zur Überwindung von Gewalt: Kirchen für Frieden und Versöhnung" (DOV) wurde durch einen prophetischen Aufruf der 8. Vollversammlung des ÖRK 1998 in Harare initiiert. Sie startete 2001 und wird 2010 enden. Während der ersten Hälfte der Dekade engagierten sich viele Kirchen, es wurden Materialien und Ressourcen ausgetauscht, Bewusstsein wachgerufen und kreative Handlungsschritte unternommen. Die Bandbreite und Komplexität der Gewaltproblematik und die Herausforderung, sie zu überwinden, sind uns deutlicher geworden. Während der zweiten Hälfte der Dekade (2006-2010) geht es nun darum, die kirchlichen Bündnisse zu stärken, ihre Urteilsfähigkeit zu schärfen und ihren Wunsch nach gerechtem Frieden "von der Peripherie ins Zentrum von Leben und Zeugnis der Kirche zu rücken". Der Jahresfokus und Teambesuche werden die Grundlage verschiedener wichtiger öffentlichkeitswirksamer Aktivitäten sein, zu nennen sind der Internationale Gebetstag für den Frieden, Bildungs- und Aufklärungsarbeit in der Fokusregion sowie Internet- und Multimedia-Projekte. Die DOV endet 2010/11 mit einer Internationalen ökumenischen Friedensversammlung, in deren Rahmen eine "Erklärung zum gerechten Frieden" verabschiedet werden soll, die die Kirchen diskutieren und bearbeiten werden.

P302 - Globale Fürsprachearbeit für Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht

Es besteht dringender Bedarf, dass Kirchen und ökumenische Organisationen konzertierter und koordinierter ihre Stimme erheben, damit Staaten und zwischenstaatliche Organisationen wie die Vereinten Nationen, der Internationale Strafgerichtshof und die internationalen Finanzinstitutionen ihnen Gehör schenken. Der ÖRK erfüllt eine wichtige Funktion dabei, Kirchen sowie ökumenische Organisationen und Bewegungen an einen Tisch zu bringen, damit sie zu kritischen Situationen in einzelnen Ländern, regionalen Entwicklungen oder Themenschwerpunkten mit globaler Relevanz aus ethisch-theologischer Sicht Position beziehen können. Im Bezug zu den Vereinten Nationen bietet der ÖRK auch weiterhin eine Plattform, über die die verschiedenen Anliegen der ökumenischen Bewegung in Genf wie New York kommuniziert werden können. In der anstehenden Phase werden besondere Schwerpunkte bei nuklearer Abrüstung, wirtschaftlicher Gerechtigkeit, den legitimen Forderungen indigener Völker, dem Internationalen Strafgerichtshof und regionalen Fragen im Zusammenhang mit dem DOV-Jahresfokus gesetzt. Jährlich wird eine Fürsprachewoche bei den Vereinten Nationen in New York stattfinden.

P303 - Menschenrechtsarbeit zur Wahrung der Menschenwürde

Häufig bitten Kirchen den ÖRK um Begleitung in kritischen Situationen, wo die Menschenwürde verteidigt, Straffreiheit überwunden, Rechenschaft gefordert und gerechte und friedliche Gesellschaften geschaffen werden müssen. Der ÖRK verfolgt in solchen Fällen einen integrativen Ansatz, der bürgerliche und politische Rechte, wirtschaftliche, kulturelle und soziale Rechte sowie das Recht auf Entwicklung gleichermaßen berücksichtigt. Förderung und Schutz der Menschenrechte aus ethisch-theologischer Perspektive erfordern eine intensive Begleitung der Kirchen ebenso wie die Weitergabe der von Kirchen, regionalen ökumenischen Organisationen, weltweiten christlichen Gemeinschaften und anderen ökumenischen Partnern bei der diesbezüglichen Arbeit in anderen Kontexten gelernten Lektionen. Folgende Herausforderungen stellen sich für die kommenden Jahre: Vertiefung der interreligiösen Dimension der Konzepte Rechte und Würde; Konzentration auf Opferrechte, Straffreiheit, Religionsfreiheit und Minderheitenrechte; Schaffung eines Raumes, in dem die Kirchen in Zusammenarbeit mit der globalen Plattform für Theologie und Analyse (P102) die Zusammenhänge zwischen Gerechtigkeit, Menschenrechten und Menschenwürde diskutieren können.

P304 - Kirchen und der Nahe und Mittlere Osten: Solidarität und Zeugnis für den Frieden

Der Nahe Osten als Geburtsstätte dreier monotheistischer Religionen und als Region, deren Erbe eine außerordentliche christliche Präsenz ist, ist für den ÖRK von jeher von besonderem Interesse. Die Kirchen der Region können ihre Wurzeln bis in die apostolische Zeit zurückverfolgen. Heute stehen sie vor beispiellosen Herausforderungen. Zwischen- und innerstaatliche Kriege und Konflikte geißeln die Region. Wachsender religiöser Extremismus, zunehmende Intoleranz und religiöse Spannungen verschärfen die Probleme und gefährden Sicherheit und Stabilität.

Gegenwärtig ist der Nahe und Mittlere Osten mit den folgenden Problemen konfrontiert: das Dilemma der Unsicherheit im Irak, der Iran und sein Kernwaffenprogramm, die Unnachgiebigkeit Israels und schließlich das Unruhepotenzial in Saudiarabien, Kuwait, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Probleme der Region sind verquickt mit der Frage der Kontrolle über die Energiereserven: 25 Prozent der weltweiten Ölproduktion kommen aus der Region, Saudiarabien allein liefert 15 Prozent. Unter den gegebenen Umständen ist es wahrscheinlich, dass die Sicherheitsprobleme der Region noch komplexer und bedrohlicher werden.

Es handelt sich hier um einen der großen Krisenherde der Welt. Dementsprechend erfordert die Situation im Nahen und Mittleren Osten das kollektive Engagement der ökumenischen Partner für Frieden und Gerechtigkeit auf lokaler, nationaler, regionaler und internationaler Ebene. Der ÖRK ist entschlossen, die Kapazitäten der Kirchen aufzubauen, im Bereich Friedens- und Fürsprachearbeit auf der lokalen und nationalen Ebene einerseits sowie im Blick auf die Einflussnahme auf die Politik der wichtigsten globalen und regionalen Mächte andererseits.

P305 - Ökumenisches Begleitprogramm in Israel und Palästina (EAPPI)

Dieses Sonderprojekt will angesichts der Situation in Palästina und Israel Schutz bieten, Solidarität zeigen und Fürspracheaktionen konzipieren. In etwa fünf Gemeinwesen und bei lokalen palästinensischen und israelischen Partnerorganisationen sind ökumenische Begleitpersonen im Einsatz.

Mithilfe der Berichte und der Einsätze der Begleitpersonen und ihrer Partnerinnen und Partner vor Ort prangert EAPPI die Gewalt der Besetzung sowie die Verletzungen der Menschenrechte und des humanitären Völkerrechts an und tritt für deren Beendigung ein. Die Berichte wecken in der Gemeinschaft des ÖRK das Bewusstsein für die Ziele der Kirchen und Friedensgruppen in den Besetzten palästinensischen Gebieten und in Israel. Sie werben und ermutigen weitere EAPPI-Partner zur Fürsprache in ihren Heimatländern und sie liefern den Kirchen Informationen, die diese zur Einflussnahme auf die öffentliche Meinung in ihren Heimatländern und auf deren Nahostpolitik einsetzen können.

P306 - Armut, Reichtum und Umwelt: Reflexion und Aktion

Die Globalisierung der Wirtschaft hat Armut, Ungleichheit und Umweltschäden nicht verringert. Im Gegenteil, sie hat die Zerstörung der Umwelt zur Folge und vertieft die Kluft zwischen Reich und Arm. Am schwersten betroffen sind Frauen, junge Menschen, indigene Völker und Menschen mit Behinderungen. Hauptaufgabe für die Ökumene ist in dieser Situation die Herstellung des Zusammenhangs zwischen Armut, Reichtum und Umwelt und, daraus folgend, die konkrete Analyse wirtschaftlichen Unrechts, die Reflexion über die Problematik und das entsprechende Aktivwerden gegen Missstände. Die Vollversammlung in Porto Alegre hat allerdings sehr deutlich gezeigt, dass ganz unterschiedliche Analyseergebnisse dieser Realität und darauf beruhende Handlungsimpulse existieren. Der ÖRK hat das Potenzial, ein neues Paradigma zu entwickeln, das die Synergieeffekte zwischen den unterschiedlichen Positionen erschließt. Hier soll versucht werden, Kirchen und ökumenische Partner aus Nord, Süd, Ost und West an einen Tisch zu bringen, um in der gemeinsamen Analyse, Reflexion, und im gemeinsamen Handeln neue und kreative Möglichkeiten zu entdecken, wie der weltweite Wohlstand genutzt werden kann, um die Armut zu überwinden. Dabei wird das achte Milleniumsentwicklungsziel in den Blick genommen, das die Staaten vor die Herausforderung stellt, mehr Mittel für die Erreichung der übrigen Ziele bereitzustellen, und der ÖRK wird den Mangel an echten Fortschritten zur Überwindung der Armut prüfen. Der Zusammenhang zwischen Armut, Reichtum und Umwelt im Kontext des Aufrufs des AGAPE-Papiers (Alternative Globalisierung im Dienst von Menschen und Erde) wird durch die Kooperation mit ökumenischen Partnern und Kirchen weiter bearbeitet, in deren Rahmen Aktionen zu gerechtem Handel, ökologischer Verschuldung, menschenwürdiger Arbeit etc. durchgeführt werden sollen. Weiterhin liegt der Vorschlag vor, als Handlungshilfe für Christinnen und Christen neben der "Armutsgrenze" eine "Konsum- und Habgiergrenze" zu entwickeln.

Finanzieller Überblick 2007-2009

P3 - Öffentliches Zeugnis: Macht hinterfragen, für Frieden eintreten

2007

2008

2009

Kosten für die Durchführung

 

 

 

P301 - Dekade zur Überwindung von Gewalt

245.000

245.000

245.000

P302 - Globale Fürsprachearbeit für Gerechtigkeit und Rechenschaftspflicht

265.000

265.000

265.000

P303 - Menschenrechtsarbeit zur Wahrung der Menschenwürde

180.000

181.000

181.000

P304 - Kirchen und der Nahe und Mittlere Osten: Solidarität und Zeugnis für den Frieden

225.025

226.000

226.000

P305 - Ökumenisches Begleitprogramm in Israel und Palästina

686.000

686.000

686.000

P306 - Armut, Reichtum und Umwelt: Reflexion und Aktion

303.000

300.000

300.000

Personal- und personalabhängige Kosten

2.464.851

2.464.851

2.464.851

Direktkosten gesamt

4.368.876

4.367.851

4.367.851

Kosten Infrastruktur

921.609

921.609

921.609

Programmkosten gesamt

5.290.485

5.289.460

5.289.460

 



Hintergrund

Das Programm Gerechtigkeit und Diakonie stützt sich auf das ökumenische Engagement für Gerechtigkeit sowie für die Förderung des Potenzials und der Kraft der Menschen, ihr eigenes Leben und ihre Lebensgrundlage zu verwandeln. Die Bündelung von Gerechtigkeits- und Diakoniearbeit des ÖRK in einem Programm soll die Wirkkraft des Rates auf die Anstrengungen der Kirchen sowohl zur Behebung unmittelbarer Not als auch zur Auseinandersetzung mit den strukturellen Wurzeln des Unrechts verstärken. Der ÖRK ist außergewöhnlich gut positioniert, Möglichkeiten ökumenischer Solidarität zu eröffnen, Fragen der Rechenschaftspflicht zu analysieren, das heilende Amt der Kirchen zu unterstützen und deren Reflexion und Handeln im Bereich Umwelt und Bioethik zu fördern. Die Kräfte strukturellen Unrechts gefährden das Gewebe des Lebens und die neuen technischen Möglichkeiten können diesen Prozess noch beschleunigen, wenn sie missbraucht werden. Daher wird dringend ein Projekt benötigt, das sich mit Glaube, Wissenschaft und Technik auseinandersetzt.

Dieses Programm nimmt den von Mitgliedskirchen des ÖRK, ökumenischen Organisationen und Netzwerken sowie kirchlichen und kirchennahen Diensten und Werken artikulierten Bedarf auf. Den sieben Projekten des Programms ist die Absicht gemeinsam, unterschiedliche Aspekte ökumenischer Arbeit auf neue Weise mit Gerechtigkeit und Diakonie zu verbinden. Beispielsweise wird die Arbeit des Rates im Bereich HIV und AIDS enger mit den Themen Gerechtigkeit und Diakonie verknüpft. Die Arbeit in diesem Programm steht in engem Zusammenhang mit der übrigen Programmarbeit des ÖRK. Das Engagement im Bereich Gerechtigkeit und Gesundheit wiederum erfordert eine enge Zusammenarbeit mit den Projekten des Rates im Bereich öffentliches Zeugnis.

Verschiedene Dimensionen von Naturwissenschaft und Technik richten Anfragen an unseren Glauben. So können etwa bioethische Fragen "kirchentrennend" sein, weswegen der ÖRK hier das Programm Einheit, Mission und Spiritualität intensiv in die Diskussionen einbinden wird. Formen ökumenischer Solidarität sind ein konkretes Mittel, die Beziehungen innerhalb der Gemeinschaft zu stärken. Migrationsprozesse verändern die kirchliche Landschaft und die Arbeit in diesem Bereich erhält im Kontext sich verändernder Verstehensweisen des "Kircheseins" positive Impulse. Die Arbeit im Bereich Klimawandel und Recht auf Wasser ist verknüpft mit dem Engagement für wirtschaftliche Gerechtigkeit.

Durch die Bündelung von Gerechtigkeit und Diakonie entsteht auch die Möglichkeit, unsere Konzeption und Theologie von den Verknüpfungen zwischen verwandelnder Gerechtigkeit und prophetischer Diakonie zu vertiefen, was wiederum einen ganzheitlicheren Umgang der Kirchen mit ihrer jeweiligen Situation ermöglichen sollte.

Ziele und Erfolgskriterien

Ziel 4a: Der ÖRK fördert das Engagement von Kirchen und ökumenischen Organisationen in der Zusammenarbeit mit dem Ziel lebensfördernden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandels.

  • Der ÖRK begleitet die Kirchen und stärkt ihre Kapazitäten für die Bemühungen, sowohl Menschen in Not zu dienen als auch für gerechtere Strukturen einzutreten. (Projekt P401)

  • Der ÖRK nimmt die Mitglieder der ökumenischen Familie im Blick auf ihren Beitrag zum Kampf um Gerechtigkeit und auf das miteinander Teilen von Ressourcen wirksam in die gegenseitige Verantwortung. (Projekt P402)

  • Der ÖRK fördert die Aktivitäten der Kirchen im Zusammenhang mit Fragen der Migration, auf der Grundlage verwandelnder Gerechtigkeit als Maßstab. (Projekt P403)

Ziel 4b: Der ÖRK leistet durch die Unterstützung der Kirchen und ökumenischen Organisationen bei ihrer Arbeit im Bereich Bioethik und Umwelt einen Beitrag zum Eintreten für verwandelnde Gerechtigkeit und die Würde des Lebens.

  • Der ÖRK fördert Forschung und Zusammenarbeit von Kirchen und ökumenischen Organisationen bei Fragen von Naturwissenschaft und Technik. (Projekt P404)

  • Der ÖRK stärkt die Rolle von Kirchen sowie ökumenischen Organisationen und Netzwerken bei der Fürsprachearbeit in den Themenbereichen Klimawandel und Wasser. (Projekt P405)

Ziel 4c: Der ÖRK stärkt die Kirchen in ihrem Engagement und ihrer Zusammenarbeit im Blick auf den ganzheitlichen Umgang mit Gesundheit und Heilung, besondere Schwerpunkte sind HIV/AIDS und der Bereich psychisch-geistige Gesundheit.

  • Der ÖRK fördert ein vertieftes Verständnis zu Gesundheitsthemen, insbesondere HIV/AIDS und psychische Gesundheit, und ihrer theologisch-ethischen Relevanz für die Kirchen. (Projekte P406 und P407)

  • Durch die Eröffnung von Möglichkeiten zur Teilnahme an internationalen Foren im Gesundheitsbereich unterstützt der ÖRK die im Gesundheitsbereich angesiedelten ökumenischen Organisationen und Einrichtungen bei der Fürsprachearbeit, dem Aufbau von Netzwerken und der Weiterbildung. (Projekt 406)

Projekte 2007-2009

P401 - Ökumenische Solidarität

Von seiner Gründung an verbindet der ÖRK theologische Reflexion, praktische Werke der Solidarität zur Linderung brennender menschlicher Not und die Befähigung der Kirchen zur Zusammenarbeit bei der Auseinandersetzung mit den Grundursachen der Probleme, die praktische Solidarität erforderlich machen. Diese ökumenische Solidarität hat viele Formen: Pastoralbesuche bei Kirchen in schwieriger Situation, praktische Solidarität, Zusammenarbeit mit Kirchen bei der Stärkung ihrer organisatorischen Kapazitäten, Weitergabe von Materialien des ÖRK zum Thema Buchhaltungs- und Berichterstattungsnormen zur Förderung der Kapazitäten der Kirchen in diesem Bereich, Bereitstellung aktuell benötigter Ressourcen zur Unterstützung strategischer Initiativen. Dieses Projekt will ein praktisches solidarisches Handeln fördern, das angesichts wachsender Armut, Vertreibung, Ausgrenzung etc. den ökumenischen Willen zum miteinander Teilen von Ressourcen deutlich macht. Das Projekt baut auf die in der diakonischen Arbeit gesammelten Erfahrungen auf und passt sie an neue Herausforderungen an.

P402 - Gegenseitige Rechenschaftspflicht

Dieses Projekt setzt sich mit Fragen der gegenseitigen Rechenschaftspflicht in der ökumenischen Bewegung auseinander, dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt der Arbeit im Bereich Gerechtigkeit und Diakonie. Die theologische Reflexion über die wechselseitige Verantwortung soll ergänzt werden durch ein Aktivwerden des ÖRK zur kritischen Prüfung der Rechenschaftspraxis innerhalb der ökumenischen Familie. Das Projekt leistet bei Bedarf auch zukünftig Unterstützung für nationale und regionale Runde Tische, einschließlich Begleitung, Vermittlung und Koordination. Im Lauf des Jahres 2007 werden verschiedene organisatorische Modelle für das Osteuropabüro geprüft, die Umsetzung erfolgt 2008/2009.

P403   Migration und soziale Gerechtigkeit

Dieses Projekt will die Arbeit der Kirchen und ihrer Partner im komplexen Problembereich Migration unterstützen. Ein Teil der traditionellen Aktivitäten des Rates im Bereich Netzwerkbildung und Fürsprache für Entwurzelte wird fortgesetzt, gleichzeitig kommen mit der Untersuchung der Verknüpfungen zwischen Migration, Rassismus und interreligiösen Beziehungen neue Dimensionen hinzu. Ein Schwerpunkt des Projekts wird bei den aus der Migration erwachsenden Veränderungen und neu entstehenden kirchlichen Realitäten gesetzt.

P404 - Glaube, Wissenschaft und Technik

Von genverändertem Saatgut bis zur "Ernte" menschlicher Eizellen zur Gen- und Stammzellenforschung, von bionischen Beinen bis zur künstlichen Intelligenz: neu entstehende Technologien beeinflussen das Leben von Menschen an vielen Orten weltweit. Einige dieser neuen Herausforderungen drohen, Kirchen zu spalten, und stellen tief verwurzelte Glaubensüberzeugungen in Frage. Dieses Projekt arbeitet eng mit ausgewählten nationalen Kirchenräten, den Fachabteilungen der Kirchen und der Weltvereinigung für Christliche Kommunikation zusammen. Es soll einen ökumenischen Raum sowie ein Netzwerk schaffen, wo eine gemeinsame Auseinandersetzung mit den neu entstehenden Herausforderungen neuer Technologien an das Leben stattfinden kann. In diesem Rahmen sollen Möglichkeiten zur ökumenischen Reflexion und Fürsprache in Zusammenhang mit den für den Menschen und die Zukunft des Lebens auf der Erde relevanten Themen eröffnet werden. Ein Schwerpunkt wird bei Nutzung und Missbrauch von Naturwissenschaft und neuen Technologien, wie etwa Biotechnologie, Information, Energie und Überwachungstechnik gesetzt.

P405 - Klimawandel und Wasser: Bewahrung der Schöpfung

Die Auswirkungen des Klimawandels treffen Menschen weltweit. Schwere Stürme, Dürre, Überschwemmungen und steigende Meerespegel haben jedoch vor allem für Arme und Schwache katastrophale Folgen. Der Klimawandel verschärft die Wasserkrise, die vielerorts immer akuter wird. Der ÖRK bündelt die Probleme Klimawandel und Wasser in einem Dialog, wodurch die Verbindung deutlicher wird zwischen ökologischen und sozialen Problemen, Nothilfe und Entwicklung, globalen Gefahren und lokalen Erfahrungen, lokaler Arbeit und nationaler wie internationaler Fürsprache. Das neue Ökumenische Wassernetzwerk profitiert von der Erfahrung der Partner, die im Bereich Klimawandel aktiv sind und bezieht zukünftig noch aktiver kirchliche und kirchennahe Dienste und Werke sowie regionale ökumenische Organisationen in die Aktivitäten rund um das Recht auf Wasser sowie Initiativen auf lokaler Ebene ein. Einen neuen Schwerpunkt stellt eine Studie zu Energieversorgung und -erzeugung dar, die die Bezüge zu Sicherheitsfragen sichtbar macht. Dies ist insbesondere im Pazifik relevant, wo die Kirchen auf die Bedrohung durch den steigenden Meeresspiegel und die Nukleartests in ihrer Region verweisen.

P406 - Gesundheit und Heilen

Dieses Projekt will die Arbeit der Kirchen im Bereich Gesundheit und Heilen unterstützen, dabei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf HIV. Die jüngst von der WHO aufgeworfenen Fragen nach der psychisch-geistigen Gesundheit der Bevölkerung stellen die Kirchen vor die Herausforderung, sich mit der theologisch-ethischen Notwendigkeit auseinanderzusetzen, in diesem Problembereich aktiv zu werden. Ökumenische Netzwerke im Gesundheitsbereich sollen beim Knüpfen weiterer Kontakte und bei der Fürsprachearbeit auf internationaler Ebene unterstützt werden. Die theologische Reflexion über HIV und psychisch-geistige Gesundheit wird ebenfalls gefördert, samt der Erarbeitung praktischer Handlungshilfen zur Stärkung der kirchlichen Kompetenz im Bereich HIV und der Hilfestellung für Glaubensgemeinschaften zur verstärkten Auseinandersetzung mit der Problematik psychischer Erkrankungen.

P407 - Ökumenische HIV/AIDS-Initiative in Afrika (EHAIA)

Die EHAIA soll die Kirchen in Afrika dabei unterstützen, wirkungsvoller auf HIV und AIDS in ihrer Region zu reagieren, die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern, die Betroffenen zu begleiten und zu versorgen und sich für die Überwindung der Stigmatisierung und Diskriminierung einzusetzen, unter denen Menschen, die von HIV und AIDS betroffen sind, leiden. Den in der Region aktiven Kirchen und ökumenischen Organisationen sollen Konsultationen, Weiterbildung, Workshops, Publikationen und individuelle Beratung angeboten werden.

Finanzieller Überblick 2007-2009

P4 - Gerechtigkeit und Diakonie

2007

2008

2009

Kosten für die Durchführung

 

 

 

P401 - Ökumenische Solidarität

1.200.000

1.200.000

1.200.000

P402 - Gegenseitige Rechenschaftspflicht

362.700

402.000

367.000

P403 - Migration und soziale Gerechtigkeit

225.177

231.000

186.000

P404 - Glaube, Wissenschaft und Technik

63.000

85.000

105.000

P405 - Klimawandel und Wasser: Sorge für die Schöpfung

162.000

185.000

190.000

P406 - Gesundheit und Heilen

310.000

270.000

270.000

P407 - Ökumenische HIV/AIDS-Initiative in Afrika

1.637.736

1.640.000

1.640.000

Personal- und personalabhängige Kosten

2.250.720

2.250.720

2,250.720

Direktkosten gesamt

6.211.333

6.263.720

6.208.720

Kosten Infrastruktur

829.448

829.448

829.448

Programmkosten gesamt

7.040.781

7.093.168

7.038.168

Der Ökumenische Solidaritätsfonds soll es Kirchen und Partnern ermöglichen, gegenseitige Solidarität zu praktizieren. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt bei der Unterstützung junger Menschen gesetzt. Der Fonds vereint bestehende ÖRK-Finanzinstrumente, den Ökumenischen theologischen Ausbildungsfonds, den Fonds für Strategieinitiativen, Zuwendungen für den Kapazitätsaufbau, den Kirchlichen Dienst im städtischen und ländlichen Bereich, den Sonderfonds zur Bekämpfung des Rassismus sowie die Unterstützung für Menschenrechte und andere Initiativen. Der Fonds stellt eine Initiative des gesamten Rates dar und Personal aus allen Programmen wird an ihm mitwirken. Es wird sichergestellt, dass Kriterien und Verfahren erarbeitet werden, die die Zweckbestimmung von Mitteln für konkrete Aktivitäten berücksichtigen.

Viele kirchliche und kirchennahe Dienste und Werke unterstützen von ökumenischen Partnern geleistete diakonische Arbeit, der ÖRK seinerseits bietet jedoch einen einzigartigen Raum für die Verwirklichung einer multilateralen Solidarität bzw. des multilateralen Teilens von Ressourcen. Für gewöhnlich setzen Dienste und Werke Prioritäten in bestimmten Ländern oder Regionen, während der ÖRK auf die Anliegen von Kirchen in allen Regionen reagieren kann und so ein Gegengewicht zu gewissen negativen Auswirkungen der in kirchlichen und kirchennahen Diensten und Werken zu beobachtenden Konzentrationstendenzen bildet. Die Mitwirkung am multilateralen Teilen stärkt die Arbeit des ÖRK in anderen Bereichen, etwa Fürsprache und Analyse.

Im Jahr 2004 wurde die Praxis des multilateralen Teilens von Ressourcen einer umfassenden Prüfung unterzogen, aus der eine Reihe Empfehlungen im Sinne einer Systematisierung und Homogenisierung hervorgingen. Konkret wurde vorgeschlagen, den Schwerpunkt dieses multilateralen Austausches beim Kapazitätsaufbau in den Kirchen zu setzen. Im Lauf der nächsten drei Jahre soll das multilaterale Teilen im Einvernehmen mit den Partnern schrittweise eingestellt werden.

Ökumenischer Solidaritätsfonds - einschließlich Fonds für Strategieinitiativen, Kapazitätsaufbau, Ökumenische theologische Ausbildung, Sonderfonds zur Bekämpfung des Rassismus, Kirchlicher Dienst im städtischen und ländlichen Bereich, etc. *

1.200.000

* Dieser Betrag ist in Projekt P401 enthalten.

Multilaterale Solidarität **

1.750.000

** Dieser Betrag ist nicht in die Programmberechnung einbezogen.

Hintergrund

Die ökumenische Ausbildung wird zunehmend als wesentliches Element einer Erneuerung der ökumenischen Bewegung erkannt. Vielen Verantwortlichen und Mitgliedern in Kirchen bzw. ökumenischen Netzwerken und Organisationen mangelt es jedoch an Gelegenheiten, ökumenische Erfahrungen und ökumenisches Wissen zu sammeln. Die Vision von Ökumene, die die Entwicklung der ökumenischen Bewegung motivierte, bedarf der Erneuerung. Die 9. Vollversammlung unterstrich diesen Bedarf und forderte eine Programmpriorität ökumenische Ausbildung sowie die Berücksichtigung dieses Aspekts in allen Arbeitsbereichen des ÖRK.

Die Prozesse der ökumenischen Ausbildung sind eng verknüpft mit solchen der religiösen Bildung. Der ÖRK ist von jeher mit der religiösen Bildung befasst, da er vom Weltrat für christliche Erziehung das Anliegen der grundlegenden christlichen Bildung sowie vom Internationalen Missionsrat die Sorge um die theologische Ausbildung übernommen hat. Christliche Erziehung und Bildung, wie sie im Leben der Kirchen sowie in ihren Bildungs- und Forschungseinrichtungen geschieht, kann die Menschen öffnen für alles, was Gott uns in unseren Mitmenschen schenkt - oder sie weckt in uns das Misstrauen gegenüber jenen, die sich von uns unterscheiden. Dieses Programm soll eine Vermittlung christlicher Inhalte fördern, die ökumenisch ausgerichtet ist. Weiterhin wird es die ökumenische Ausbildung auf der Grundlage der Heranbildung christlicher Werte, Haltungen und einer christlichen Beziehungspraxis betonen.

Die historisch begründete Trennung zwischen den im Ökumenischen Zentrum und im Ökumenischen Institut Bossey koordinierten Aspekten der ökumenischen Ausbildung hat sich als unproduktiv erwiesen. Das Programm vereint beide starken Traditionen, die im ÖRK im Bereich ökumenische Ausbildung existieren mit ihrer je unterschiedlichen Schwerpunktsetzung. Der gesamte Bereich der ökumenischen und religiösen Bildung soll auf seine Strukturen hin analysiert und seine Konzepte sollen weiter entwickelt werden. Formelle und informelle Angebote der ökumenischen und religiösen Ausbildung sollen konkret durchgeführt werden. Die Anbieter solcher Programme innerhalb der ökumenischen Bewegung (Kirchen, Räte, ökumenische Gremien und Einrichtungen) erhalten Unterstützung bei der Entwicklung von Konzepten und Methodik sowie, wo erforderlich, materielle Hilfen.

Ökumenische und religiöse Bildung ist immer in ihrem jeweiligen Kontext verankert. Dementsprechend erwachsen gewisse Ressourcen aus dem lokalen Umfeld. Das vorliegende Programm soll jedoch gleichzeitig eine globale Dimension einbringen, die gespeist wird aus Inhalten und Anliegen anderer ÖRK-Programme.

Zentrale Arbeitsfelder des Programms: Angebote der ökumenischen Ausbildung in Bossey und im ÖRK insgesamt, Förderung von Kapazitäten, Erarbeiten von Lehrplänen und Methoden für die kontextrelevante ökumenische und religiöse Bildung, Förderung der Synergieeffekte zwischen den Partnern.

Ziele und Erfolgskriterien

Ziel 5a: Der ÖRK entwickelt Prozesse ökumenischer und religiöser Bildung, die Kirchen, Institutionen und Netzwerke dazu anregen, ihre Beziehungen und ihre Tätigkeit ökumenisch zu gestalten.

  • Der ÖRK organisiert ein Netzwerk von Pädagogen/-innen und Praktikern/-innen im Bereich ökumenische und religiöse Bildung. (Projekt P501)

  • Der ÖRK betreibt aktiv den wechselseitigen Kapazitätsaufbau im Bereich ökumenische Ausbildung sowie die Entwicklung kontextrelevanter Modelle, Methoden, Lehrpläne und Materialien. (Projekte P501, P502 und P503)

  • Der ÖRK macht Angebote zur ökumenischen und religiösen Bildung bzw. unterstützt sie - in Form von Seminaren, Workshops und Stipendien. (Projekte P501 und P503)

Ziel 5b: Der ÖRK entwickelt das Ökumenische Institut in Bossey verstärkt zu einem Laboratorium der ökumenischen Bewegung, in dem Begegnungen, Dialog und Ausbildung stattfinden können.

  • Der ÖRK setzt die formelle ökumenische Ausbildung jüngerer Verantwortungsträger/-innen fort und bietet Raum für die Reflexion über neu entstehende Herausforderungen. (Projekt P503)

Projekte 2007-2009

P501 - Ökumenisches Institut Bossey

Die Verbindung von Gottesdienst, Gemeinschaft, und formellen Bildungsangeboten macht Bossey zu einem besonderen Ort ökumenischer Ausbildung. Bossey bietet Teilnehmenden aus ÖRK-Mitgliedskirchen und anderen Kirchen Seminare sowie Graduierten- und Postgraduiertenkurse im Bereich ökumenische Forschung. Mit der Bandbreite seiner Aktivitäten schafft Bossey Möglichkeiten der Mitwirkung für kirchliche Gruppen, themenorientierte Netzwerke, kirchenleitende Verantwortliche sowie Theologen/-innen. Als Laboratorium der ökumenischen Bewegung kann Bossey Raum bieten für die Auseinandersetzung mit Fragen, die die ökumenische Bewegung vor Herausforderungen stellen.

P502 - Förderung ökumenischer und religiöser Bildung

Dieses Projekt umfasst drei strategische Ansatzpunkte für die Förderung und Unterstützung ökumenischer und religiöser Bildung innerhalb der ökumenischen Bewegung: ein Praxisnetzwerk, Seminare/Workshops sowie Stipendien. Bestehende Netzwerke und Partnerschaften sollen genutzt werden, um ein Netzwerk von interessierten Praktikerinnen und Praktikern der ökumenischen und religiösen Bildung aus Kirchen und Institutionen sowie von unabhängigen Fachleuten zu bilden. Dieses Netzwerk soll eine angemessene Praxis und die handlungsorientierte Forschung fördern sowie den Austausch und die gemeinsame Entwicklung von Konzepten, Methoden, Lehrplänen und Materialien ermöglichen.

Workshops/Seminare und Diskussionsforen werden in den und für die Mitgliederkreise des ÖRK organisiert, mit dem Ziel, Menschen in Schlüsselpositionen entsprechend weiterzubilden und eine angemessene Praxis zu vermitteln. Stipendien sollen an Gruppen und Einzelpersonen vergeben werden, deren Kirchen oder ökumenische Gremien festgestellt haben, dass zur Erfüllung ihres Auftrags Weiterbildungsbedarf besteht.

P503 - Kontextbezogene ökumenische theologische Ausbildung

Zukünftige Kirchenleiterinnen/-leiter und Geistliche müssen in ihrer Ausbildung die Fähigkeiten vermittelt bekommen, um sich mit den Problemen ihrer Gesellschaft ökumenisch und theologisch auseinandersetzen zu können. Theologische Einrichtungen sind jedoch häufig nicht ökumenisch orientiert und ihnen fehlen die nötige Kapazität und das nötige Fachwissen, ökumenische Ausbildung anbieten zu können. Dieser Aktivitätsbereich soll auf regionaler Ebene die ökumenische Ausrichtung von Lehrenden und Einrichtungen im theologischen Bereich anregen und fördern.

Hand in Hand mit diesen Bemühungen geht die Entwicklung von Lehrplänen, die einen kontextbezogenen und ökumenischen Lehr- und Ausbildungsansatz beinhalten. Hier soll der für die Erarbeitung von Curricula in den Bereichen HIV/AIDS und Behinderungen erfolgreich entwickelte Ansatz zur Anwendung kommen, der auf der Ebene der jeweiligen Region die Lehrplankonzeption durchführt und pädagogische Fachkenntnisse nutzbar macht, während er gleichzeitig das Wissen berücksichtigt, das durch die ÖRK-Programmarbeit in anderen Bereichen gesammelt wurde.

P504 - Bibliothek und Archiv

Die reichhaltige Sammlung an Büchern und das Archiv, deren Treuhänder der ÖRK für die ökumenische Bewegung ist, bieten eine einzigartige Quelle für die Forschung und die Verfassung wissenschaftlicher Arbeiten zu ökumenischen Themen. Der ÖRK setzt in enger Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Institut Bossey und der Universität Genf die Weiterentwicklung der Bibliothek und des Archivs fort und ermutigt Studierende und andere Interessierte, die Bestände für die Recherche zu nutzen. Darüber hinaus bietet er Studierenden aus aller Welt, die an ökumenischen Themen arbeiten, seine Hilfestellung an.

Finanzieller Überblick 2007-2009

P5 - Ökumenische und religiöse Bildung

2007

2008

2009

Kosten für die Durchführung

 

 

 

P501 - Ökumenisches Institut Bossey

1.197.227

1.197.000

1.197.000

P502 - Förderung ökumenischer und religiöser Bildung

1.264.000

1.284.000

1.284.000

P503 - Kontextbezogene ökumenische theologische Ausbildung

225.000

225.000

225.000

P504 - Bibliothek und Archiv

33.300

34.000

34.000

Personal- und personalabhängige Kosten

1.754.528

1.754.528

1.754.528

Direktkosten gesamt

4.474.055

4.494.528

4.494.528

Kosten Infrastruktur

599.046

599.046

599.046

Programmkosten gesamt

5.073.101

5.093.574

5.093.574

 

 

 

Bossey, Betriebs- und Hotelkosten

1.985.012

1.985.012

1.985.012

Gesamt

7.058.113

7.078.585

7.078.585

Hintergrund

Zweifellos ist Religion eine machtvolle und in der Menschheit allgegenwärtige Kraft. Im Namen der Religion wurden zahllose Kriege geführt und Menschen getötet. War bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts die Religion an den Rand des politischen Geschehens gedrängt worden, ist am Beginn des 21. Jahrhunderts ein Wiederaufleben religiösen Empfindens zu verzeichnen. Religion nimmt im öffentlichen Leben einen wichtigen Raum ein und ist mittlerweile von großer identitätsstiftender Relevanz. Die Religionen vertreten gegensätzliche Wahrheitsansprüche. In einer zunehmend pluralistisch geprägten Gesellschaft ist eine Verstärkung des interreligiösen Dialogs und der interreligiösen Zusammenarbeit dringend notwendig, um religiösen Konflikten vorzubeugen. Die Motivation hinter den tragischen Ereignissen des 11. September 2001 in New York und Washington D.C. und den Kriegen, die auf sie folgten, mag für die Öffentlichkeit nicht auf den ersten Blick erkennbar sein, aber die Aussagen von Personen, die sich in den Zusammenhang der damaligen Ereignisse stellen, offenbaren eine religiöse Weltsicht, die die Angriffe rechtfertigen will. Auch für die Gegenangriffe wurden religiöse Empfindungen bemüht.

Damit in einer von religiöser Vielfalt, weltweiter wechselseitiger Abhängigkeit, politischer und sozialer Instabilität und sich wandelnden kulturellen Werten bestimmten Welt ein harmonisches und friedliches Zusammenleben möglich wird, sind ein besseres gegenseitiges Verständnis und mehr Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften nötig, die aus den spirituell-religiösen Traditionen nachhaltige Werte schöpfen und ein Leben in Würde für alle Menschen begründen. Der Dialog selbst muss auf pragmatischer wie paradigmatischer Ebene in den Blick genommen werden. Auf der pragmatischen Ebene geht es vordringlich um die Förderung der interreligiösen Zusammenarbeit. Gleichzeitig erfordert unsere heutige Gesellschaft der wechselseitigen Abhängigkeiten neue Paradigmen, die neue Verständnisweisen von Partikularität und Pluralismus eröffnen. Viele traditionelle Formen der Weltanschauung und der Beziehung zu anderen sind nicht länger angemessen. In Anbetracht dieser Realität ist erforderlich, dass Menschen die Befähigung und das Selbstvertrauen erlangen, ihren Glauben unverkürzt zu leben und gleichzeitig die Menschen, mit denen sie zusammenleben, zu achten und anzunehmen.

In dem Aide-Mémoire einer vom ÖRK organisierten multireligiösen Konsultation über interreligiöse Initiativen heißt es: "Aktuell wächst das Interesse an multireligiösen Lösungsansätzen zu gemeinsamen Problemen. Parallel zu diesem Interesse nimmt die Zahl unterschiedlicher internationaler interreligiöser Initiativen sprunghaft zu, die auch einen gewissen Zuspruch finden. An die Glaubensgemeinschaften richtet sich die Erwartung, angemessen auf solche Initiativen zu reagieren. Die zahlreichen interreligiösen Initiativen unterscheiden sich erheblich in ihrem Umfang, ihrer Wirksamkeit, und den beteiligten Akteuren. Im besten Falle besteht ihr Hauptziel darin, zu Diskussionen und Gedankenaustausch anzuregen, die Anerkennung gemeinsamer Werte zu unterstützen und Achtung sowie die Akzeptanz für Unterschiede zu fördern." Viele Kirchen und ökumenische Partner haben die Notwendigkeit eines diesbezüglichen Engagements erkannt, sind im interreligiösen Dialog aktiv und arbeiten religionsübergreifend zusammen. Um die Kohärenz auf der ökumenischen Ebene zu verbessern, wird der ÖRK hier Koordinationsfunktion übernehmen, um aus den vielfältigen Bemühungen zusätzliche Kraft zu schöpfen. Der ÖRK ist in einer Position, die es ihm ermöglicht, Christinnen und Christen aus vielen Traditionen ins Gespräch darüber zu bringen, was Christsein in einem Kontext bedeutet, in dem viele Religionen nebeneinander existieren.

Die Projekte dieses Programms setzen folgende Schwerpunkte: Vertiefung des gegenseitigen Vertrauens durch interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit; innerchristliche theologische Arbeit, die den Kirchen die Werkzeuge an die Hand gibt, ihr Selbstverständnis neu zu artikulieren, aufbauend auf den und durch die im interreligiösen Dialog gesammelten Erfahrungen; Feststellen und Bearbeitung der in den laufenden Dialogen bestehenden Lücken im Blick auf Genderproblematik und Konflikt sowie die Beziehung junger Menschen zur religiösen Praxis; gezielte Begleitung von Kirchen in Spannungs- und Konfliktsituationen.

Die Projekte verbindet das Bestreben, nicht nur einen gerechten Dialog mit Menschen anderer Glaubensgemeinschaften zu ermöglichen, sondern sich um ein besseres Verständnis, echte Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen Menschen unterschiedlicher Religionen zu bemühen. Zentrale Themen bei dieser Arbeit sind die Stärkung des Bewusstseins für religiöse Pluralität, die potenzielle Rolle der Religion in Konflikten sowie die wachsende Bedeutung der Religion im öffentlichen Leben.

Das Programm setzt sich gemeinsam mit dem ÖRK-Arbeitsbereich öffentliches Zeugnis mit der Rolle der Religion im öffentlichen Leben sowie mit der Lage von Kirchen in Minderheitensituationen auseinander. Es knüpft an die Diskussionen über die Mission der Kirche und ihr theologisches Selbstverständnis, sowie über Bildung und ökumenische Ausbildung an.

Ziele und Erfolgskriterien

Ziel 6a: Der ÖRK setzt sich, im Dialog mit Menschen anderer Glaubensgemeinschaften und in ökumenischen Gesprächen, mit den Herausforderungen auseinander, vor die eine von religiöser Pluralität geprägte Welt die Religion stellt, und sucht nach Möglichkeiten, das Verständnis und die Zusammenarbeit zu verbessern, um Zweifel und Ängste zu verringern, die Menschen gegenüber Anhängern anderer Religionen hegen.

  • Der ÖRK arbeitet, in Dialog und Kooperation mit Partnern anderer Glaubensgemeinschaften, auf die Artikulation gemeinsamer Werte hin und sucht gemeinsam mit ihnen Möglichkeiten zur Bewältigung kontroverser Themen. (Projekt P601)

  • Der ÖRK ist sich der Herausforderungen bewusst, die eine religiös plurale Welt für das christliche Selbstverständnis und Zeugnis birgt und stellt die Weichen für eine ökumenische Reaktion auf sie. (Projekt P602)

  • Der ÖRK arbeitet neue Fragen der interreligiösen Kooperation heraus und setzt sich mit ihnen auseinander, schwerpunktmäßig bemüht er sich darum, dass die interreligiöse Kooperation die Analyse von Unterschieden und Realitäten in den Bereichen Gender und Generationen vollzieht. (Projekt P601)

Ziel 6b: Der ÖRK begleitet Kirchen, die mit religiöser Intoleranz, Diskriminierung und religiösen Konflikten konfrontiert sind.

  • Der ÖRK begleitet Kirchen in Minderheitensituationen, leistet pastorale Unterstützung und bindet die Mitgliedskirchen in die Schaffung der Stiftung für interreligiöse Zusammenarbeit ein.

Projekte 2007-2009

P601 - Stärkung von Vertrauen und Achtung zwischen den Religionen

Dieses Projekt soll die bilaterale und multilaterale Auseinandersetzung mit gemeinsamen Anliegen wie auch Spannungsbereichen auf der interreligiösen Ebene fördern. Bisweilen leben Religionsgemeinschaften auf der lokalen Ebene gut und in nachbarschaftlichen Beziehungen zusammen. Aber es gibt auch die andere Seite, wo Christen und Muslime, Christen und Hindus, Christen und Buddhisten nebeneinander her leben - in gegenseitiger Unkenntnis, Isolation und, im schlimmsten Fall, in von Konflikten und der Angst voreinander geprägten Situationen. Der ÖRK ist sich bewusst, dass dringend vertiefte und verbesserte Beziehungen zwischen Christen und ihren Nachbarn anderen Glaubens geschaffen werden müssen. Der ehemalige Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses, Aram I. stellte fest: "Der Fundamentalismus und die Renaissance ethnischer Überheblichkeit sind in allen Weltregionen und in allen Gesellschaftsbereichen kontinuierlich auf dem Vormarsch. Wie können wir den Dialog zwischen unterschiedlichen Kulturen fördern und ein einträchtiges Zusammenleben sowie das friedliche Miteinander von liberalen und konservativen Werten sichern? Es ist wahr, Religionen lassen sich leicht zur Verstärkung negativer Stereotypen einsetzen. Sie können aber auch eine wesentliche Rolle bei der Schaffung von Kommunikationswegen und Brücken der Versöhnung zwischen verfeindeten Gruppen spielen."

Neben der Kultivierung und Vertiefung der Beziehungen zu Angehörigen anderer Glaubensgemeinschaften mithilfe bilateraler Dialoge soll das Projekt einen Schwerpunkt bei aktuellen, bzw. neu entstehenden Problemen in unserer heutigen religiös pluralen Gesellschaft setzen. Es wird zudem nach neuen Kommunikationsmöglichkeiten für interreligiöse Themen, wie beispielsweise Religion und Gewalt oder der "Andere" in unserer religiösen Tradition, suchen. Aufbauend auf der Konferenz "Entscheidender Moment im interreligiösen Dialog", die im Juni 2005 stattfand, werden die Gespräche zur Frage der Bekehrung fortgesetzt.

Das Projekt sieht Raum für junge Erwachsene vor, wo Fragen zur religiösen Identität und der Sinnstiftung in pluralistischen Gesellschaften nachgegangen werden soll. Junge Menschen sehnen sich nach Spiritualität, was nicht notwendigerweise im engen religiösen Sinn zu verstehen ist, sondern eher in einem weiteren Sinn, der, nach einer bewussten Hinwendung zur Autonomie, abgekoppelt ist von institutioneller Religion, Glaubensdogmen, -riten und -praxis. In diesem Rahmen sollen sowohl regionale als auch kulturübergreifende Begegnungen junger Erwachsener stattfinden.

Frauen haben vielerorts eine wesentliche Rolle bei der Überwindung religiöser Kontroversen und bauen von Frieden und Versöhnung geprägte Gemeinwesen. Der ÖRK unterstützt seit Jahren immer wieder derartige Initiativen und würdigt den Beitrag von Frauen, die religiöse Gräben überwinden und sich, besonders in Konfliktsituationen, für den Frieden einsetzen. Der ÖRK setzt darüber hinaus seine Unterstützung für Frauen fort, die den Missbrauch von Religionen für die Legitimierung von Traditionen und Gebräuchen in Frage stellen, die ein Gewaltpotenzial gegen Frauen bergen.

P602 - Christliches Selbstverständnis im Angesicht vieler Religionen

Dieses Projekt analysiert die Ergebnisse bilateraler und multilateraler Dialoge und will auf diesem Weg die Kirchen zur Reflexion über das christliche Selbstverständnis anregen. Dabei nimmt es die Aufforderung der Vollversammlung zu einem verstärkten innerchristlichen Dialog über die Bedeutung des Christseins in einer Welt vieler Religionen auf. "Christ sein heißt eben nicht, Anspruch auf absolutes Wissen zu erheben, sondern eine Perspektive zu beanspruchen, die die zutiefst in unserem Innern verwurzelten Verletzungen und Ängste verwandeln und so die Welt auf der wichtigsten Ebene verändern wird." Mit dieser von Dr. Rowan Williams, dem Erzbischof von Canterbury, bei der Vollversammlung artikulierten Herausforderung an die Kirchen wird sich das vorliegenden Projekt auseinandersetzen.

Das Projekt und insbesondere der Aktivitätsbereich zum Thema Bekehrung als Fragestellung in den interreligiösen Beziehungen stellt für den ÖRK eine Möglichkeit dar, zwischen christlichen Gemeinschaften, einschließlich der Pfingstkirchen und evangelikalen Kirchen, einen Dialog zur Auseinandersetzung mit dem christlichen Selbstverständnis in einer Welt vieler Religionen anzuregen. Der ÖRK betrachtet sich als Brückenbauer zwischen vielfältigen, oft sehr gegensätzlichen Sichtweisen zu Dialog und Zusammenarbeit mit Menschen anderer Glaubensgemeinschaften. Indem er einen Raum für den Dialog anbietet, ermutigt er zur aufrichtigen Diskussion und Reflexion über unsere Rolle als Christinnen und Christen in einer Welt religiöser Pluralität.

P603 - Begleitung von Kirchen in Konfliktsituationen

Das Bewusstsein dafür, dass Religion im gesellschaftlichen und politischen Leben eine zentrale Rolle spielt, wächst. In manchen Ländern werden religiöse Symbole und religiöse Sprache manipulativ eingesetzt und in den Dienst politischer Macht und Interessen gestellt, was zu Spannungen und Konflikten zwischen den Glaubensgemeinschaften führt. Die religiöse Intoleranz wächst und wirkt sich negativ auf die jeweilige Gesellschaft aus. Dieses Projekt hebt die positiven Aspekte aller Religionen hervor, um so Frieden und Eintracht zwischen den Glaubensgemeinschaften zu fördern.

Das Projekt läuft zunächst in fünf Ländern an, in Regionen, wo Religionen missbraucht werden, um Konflikte zu schüren. Es wird auf die Bitte um Unterstützung seitens der nationalen Kirchenräte initiiert. Die Aktivitäten des Projekts sind verknüpft mit anderen Programmbereichen des ÖRK, die ökumenische Beziehungen, Gerechtigkeit und Frieden zum Thema haben. Es begleitet Kirchen und Gemeinschaften, die mit einem von religiöser Intoleranz, Diskriminierung und religiösen Konflikten geprägten Umfeld konfrontiert sind und unterstützt sie beim Kapazitätsaufbau und beim Engagement für Veränderungen.

Finanzieller Überblick 2007-2009

P6 - Interreligiöser Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit

2007

2008

2009

Kosten für die Durchführung

 

 

 

P601 - Stärkung von Vertrauen und Achtung zwischen den Religionen

105.000

105.000

105.000

P602 - Christliches Selbstverständnis im Angesicht vieler Religionen

67.500

85.000

85.000

P603 - Begleitung von Kirchen in Konfliktsituationen

94.300

94.000

94.000

Personal- und personalabhängige Kosten

613.167

613.167

613.167

Direktkosten gesamt

879.967

897.167

897.167

Kosten Infrastruktur

276.483

276.483

276.483

Programmkosten gesamt

1.156.449

1.173.649

1.173.649

Hintergrund

Der Arbeit des Ökumenischen Rates der Kirchen in den Medien Aufmerksamkeit zu verschaffen, ist eine der Hauptaufgaben des Rates. Der ÖRK will, durch kirchliche und säkulare Medien, die alternative ethisch-moralische Stimme der Kirchen und der ökumenischen Bewegung in der Welt zu Gehör bringen. In den säkularen Medien besteht nur geringes Interesse am institutionellen religiösen Leben, gleichzeitig wächst jedoch die Aufmerksamkeit für ethisch-moralische Perspektiven zu den großen Herausforderungen in Öffentlichkeit, Politik, Wirtschaft und Umwelt. Vor kurzem stellte der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, fest, "Religion macht Schlagzeilen, wenn sie als Quelle von Konflikten erlebt wird". Andererseits interessieren sich die Medien auch dafür, wie die Kirchen auf religiös motivierte Gewalt reagieren. In einer Welt, die von vielfältigen Konflikten und Unrecht geprägt ist, wird die Suche nach alternativen Paradigmen auf der Grundlage von lebensfördernden Werten zur ökumenischen Notwendigkeit.

Dementsprechend kann ein Grossteil der Arbeit des ÖRK das Interesse der Medien finden. Nötig ist eine begleitende Kommunikationsstrategie, die sicherstellt, dass interessante Berichte, Stellungnahmen, Pressegespräche schnell und detailgenau vorbereitet werden. Pressekonferenzen mit strategischer Konzeption, organisierte Interviews und gründlich recherchierte Vortragsnotizen des Generalsekretärs (oder des/der von ihm bestimmten Sprechers/Sprecherin), in denen auf Angelegenheiten von weltweiter Tragweite zeitnah eingegangen wird, sind von größter Bedeutung. Das Personal im Kommunikationsbereich des ÖRK arbeitet eng mit dem Programmpersonal zusammen, der für andere Arbeitsbereiche zuständig ist, und gewährleistet so die Kohärenz zwischen Programm- und Kommunikationsarbeit.

Im Zentrum der Zielsetzungen des ÖRK steht die Zusammenarbeit der Kirchen zur Erlangung sichtbarer Einheit und der Verwandlung von Welt und Gesellschaft. Eine gute Kommunikationsstrategie trägt zur Verwirklichung der Vision einer Vertiefung und Erweiterung der Gemeinschaft bei.

Die extrem rasche Entwicklung von Kommunikationstechnologie, -methodik und deren Potenzial stellt den ÖRK vor die Herausforderung, die Kommunikationsmöglichkeiten umfassend zu nutzen, um seine Botschaft zu vermitteln. Der ÖRK wird zu diesem Zweck Multimedia-Angebote einsetzen. Unterschiedliche Zielgruppen müssen mit jeweils unterschiedlichen Botschaften und spezifischen Medienanbietern (spezialisierte Medien oder Massenmedien, kirchliche oder säkulare Medien) erreicht werden. So müssen dringend die professionellen und kreativen Fähigkeiten des ÖRK-Kommunikationsprogramms gestärkt werden, um den verschiedenen Bedürfnissen zeitnah und angemessen gerecht zu werden.

Als internationale Organisation und Gemeinschaft von Kirchen mit unterschiedlichem konfessionellem und sprachlichem Hintergrund sollten umfassende Kommunikationsrichtlinien auch den Rat und die Kirchen in den Blick nehmen, mit dem Ziel ihre Gemeinschaft miteinander zu vertiefen. Informationen können an die Mitglieder und die allgemeine Öffentlichkeit weitergegeben werden, für die Institution werben, den Mitgliedern Rechenschaft geben und sie aufklären und in die Lage versetzen, sich stärker mit der Arbeit und koordinierenden Rolle des ÖRK zu identifizieren bzw. sich in die geleistete Arbeit einzubringen. Manche Programme des ÖRK benötigen nur eine vereinfachte Kommunikation, was eventuell mit einer Weiterbildung der Mitarbeiter/-innen abgedeckt werden kann. Dies setzt im Kommunikationsbüro Kapazitäten frei für die Bereiche, die intensiverer Aufmerksamkeit bedürfen, um die Botschaft an die Öffentlichkeit zu bringen.

Das ÖRK-Kommunikationsprogramm hat die Kapazität, zur neuen Vision eines interaktiven, integrativen Ansatzes für die Arbeit des ÖRK beizutragen und mit Kirchen und ökumenischen Partnern Kooperationen aufzubauen, um diese Arbeit umzusetzen. Die Strategie muss daher Möglichkeiten entwickeln, die in einigen ausgewählten Programmen des ÖRK, in denen Partnerschaften entstanden sind, von den Kirchen und Partnern geleistete Arbeit zu kommunizieren.

Für die Entwicklung der technischen Kommunikationsdienstleistungen ist es wichtig, Möglichkeiten zur Bündelung der nötigen technischen Kapazität mit Kommunikationsabteilungen der Schwesterorganisationen im Ökumenischen Zentrum Genf zu erschließen, um so Ressourcen gemeinsam nutzen zu können und das Potenzial für die Entwicklung moderner und leistungsfähiger technischer Rahmenbedingungen zu maximieren.

Ziele und Erfolgskriterien

Ziel Ca. Der ÖRK sorgt für eine wirksame Leitung, die sicherstellt, dass ein koordinierter, leistungsfähiger Kommunikationsansatz zur Anwendung kommt.

  • Der ÖRK als Instrument der Kirchen verfügt über ein Kommunikationsteam, das seinen Aufgaben gewachsen ist, über die erforderliche Kompetenz verfügt und das Potenzial hat, der Öffentlichkeit die Arbeit des ÖRK wirksam zu vermitteln.

  • Der ÖRK verfügt über wirksame Prozesse, damit Stellungnahmen des ÖRK-Generalsekretärs/des ÖRK zeitnah und korrekt publiziert werden können.

Ziel Cb. In säkularen und christlichen Medien wird mehr über den ÖRK berichtet und die Stimme der Kirchen zu Themen von öffentlicher Relevanz, die deren ethisch-moralische Reaktion erforderlich machen, wird gehört.

  • Der ÖRK steht im Zusammenhang mit einigen der entscheidenden Themen im Kontakt mit den großen säkularen Medien.

  • Der ÖRK arbeitet gemeinsam mit den Kirchen daran, dass die christlichen Medien breit über die Arbeit des ÖRK berichten.

Ziel Cc. Der ÖRK sorgt, in Zusammenarbeit mit den Schwesterorganisationen im Ökumenischen Zentrum, für eine leistungsfähige und moderne technische Ausstattung, die sicherstellt, dass der ÖRK wirksam kommunizieren kann.

  • Der ÖRK entwickelt gemeinsam mit den Schwesterorganisationen eine Strategie für die Bereitstellung der erforderlichen Fachkenntnis und technischen Ausstattung.

  • Der ÖRK steht in Kooperation mit Kirchen, kirchlichen und kirchennahen Diensten und Werken sowie ökumenischen Partnern, um Informationen auszutauschen und die bestehenden personellen und technischen Ressourcen gemeinsam zu nutzen.

Projekte 2007-2009

C101 - Stimme und Zeugnis in der Welt

Leitung und Koordination des öffentlichen Auftretens des ÖRK: sorgt für ein verbessertes Profil der Arbeit und Vision des ÖRK in säkularen und religiösen Medien; schafft die nötigen Instrumente, um öffentliche Stellungnahmen des ÖRK durch den Generalsekretär medienwirksamer zu kommunizieren.

Web-Büro: entwickelt eine attraktive, benutzerfreundliche Webseite für den ÖRK, die dem Bedarf aller Programme entspricht.

Büro für Bild und Grafik: sorgt für gutes Management des ÖRK-Fotodienstes und -archivs und verbessert die Zugangsrichtlinien.

Veröffentlichung von Büchern, Produktion anderer medialer Materialien: Entwicklung angemessener Richtlinien für Publikationen, die dem Bedarf der Programme an gedruckten und anderen Materialien entsprechen.

Sprachendienst: bietet auch zukünftig Verdolmetschung und Übersetzungsleistungen in den Arbeitssprachen des ÖRK.

Finanzieller Überblick 2007-2009

C1 - Kommunikation

2007

2008

2009

Kosten für die Durchführung

 

 

 

C101 - Stimme und Zeugnis in der Welt

766.700

766.700

766.700

Personal- und personalabhängige Kosten

1.860.000

1.860.000

1.860.000

Direktkosten gesamt

2.626.700

2.626.700

2.626.700

Kosten Infrastruktur

368.644

368.644

368.644

Programmkosten gesamt

2.995.344

2.995.344

2.995.344

 

Kernfunktionen

Hintergrund

Der Programmplan 2006 sagte voraus, die "Förderung einer verantwortungsvollen Haushalterschaft der personellen, finanziellen und materiellen Ressourcen des Rates" (also ein leistungsfähiges Management auf allen Ebenen) werde nach der Vollversammlung zu den Hauptprioritäten des Rates gehören. Die Vollversammlung bestätigte dies. Um eine wirksame Unterstützung der neuen Programmstruktur zu gewährleisten und der neuen, verstärkten Bündelung verwandter Dienste gerecht zu werden, wird die bisherige Gestaltung des Management-/Verwaltungsbereichs geprüft und aller Wahrscheinlichkeit nach vom Zentralausschuss im September 2006 verändert.

Die Vollversammlung sprach unter anderem die folgenden Empfehlungen im Blick auf eine leistungsfähige Verwaltung aus:

Planung und Haushaltsaufstellung sind an klar formulierten Zielen und Erfolgskriterien auszurichten. Hierunter fällt die Schaffung einer professionellen Einheit für Programmplanung, Kontrolle, Auswertung und Berichterstattung (PMER) im Rat. Dieser Prozess ist bereits angelaufen.

  • Alle Mitgliedskirchen mögen ihrer finanziellen Verantwortung gerecht werden und wenigstens den Mindestbeitrag von CHF 1.000 entrichten, um so ihr Engagement für die Gemeinschaft unter Beweis zu stellen.

  • Vom Rat sind Arbeitsmethoden einzuführen, die die in der ökumenischen Gemeinschaft verfügbaren Mittel wirksam einsetzen.

  • Der Rat möge effiziente Strategien zur Einkommensentwicklung und Mittelbeschaffung sowie eine Planung einführen, die die Bedeutung der fortlaufenden Arbeit für das gegenseitige Verständnis und Vertrauen der Finanzpartner sicherstellt.

  • Es möge eine umfassende Überprüfung der ÖRK-Personalordnung und -politik durchgeführt und in die Personalpolitik der Grundsatz aufgenommen werden, dass gezielt jüngere Bewerbern/-innen gefördert werden, um deren Mitwirkung an der Verwandlung der Organisation zu gewährleisten.

Ein integrierter Arbeitsansatz

Pläne für die Anwendung eines die bisherigen Teams und Büros des Verwaltungsbereichs übergreifenden, integrierten Arbeitsansatzes sollen nicht nur eine verbesserte Integration aller Managementteams erreichen, sondern auch die Verknüpfungen zwischen Programm- und Managementteams stärken. Betont werden dabei Teamarbeit, Technik und Training.

Die Computerinformationsdienste, die schwerpunktmäßig für die Nutzung der IT im Dienst des Rates und seiner Aufgaben verantwortlich sind, werden verstärkt in den Austausch mit allen Managementdiensten und der Kommunikation treten. Zur verbesserten Integration aller Teams werden technische Mittel wie Datenbank-Unterstützung für den PMER-Prozess, ein Zeitmanagementsystem und, innerhalb des PMER-Prozesses, technische Unterstützung für die Weiterentwicklung von Kontrolle und Berichterstattung im Finanzbereich zum Einsatz gebracht.

Der Bereich Finanzentwicklung/Einkommenskontrolle und -entwicklung soll noch enger mit den Programmbereichen, dem Kommunikationspersonal und dem Finanzmanagement zusammenarbeiten.

Das Finanzmanagement wirkt zukünftig an einer engeren Zusammenarbeit und Aufgabenteilung in den Bereichen Buchhaltung und Vermögensverwaltung, Planung und Budgeterstellung sowie zentrale Dienstleistungen mit. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Bereitstellung der benötigten Finanzdienstleistungen für die Programme sowie auf der Weiterbildung von und der Vermittlung von Erfahrungen an das Programm- und Managementpersonal, um das Verständnis für Finanzkontrollen und -richtlinien zu fördern.

Der Bereich Humanressourcen richtet sein Hauptaugenmerk auf die Personalentwicklung, die Personalbetreuung und die Personalordnung, entwickelt aber gleichzeitig engere interaktive Verbindungen zum Finanzmanagement, zu den Programmbereichen sowie den externen Strukturen des Rates.

Ziele und Erfolgskriterien

Ziel a: Der Rat verfügt über eine gemeinsame Arbeitskultur, die sich auf gegenseitiges Vertrauen und gegenseitigen Austausch stützt und Kreativität sowie aktives Engagement für Veränderungen fördert.

  • Ein Arbeitsumfeld ist erkennbar, das gegenseitige Achtung fördert und Vielfalt wertschätzt.

  • Die Mitarbeiter/-innen sind motiviert und bereit, mithilfe eines offenen Trainings- und Qualifizierungsprogramms besonders in den Bereichen Programm/Projekt, PMER sowie Management- und Leitungsqualifikation ihre Fähigkeiten und Kompetenz auszubauen, um so bessere Leistungen zu erbringen.

  • Die Managementservice-Teams arbeiten mit dem Programmpersonal bei der Umsetzung neuer Arbeitsinstrumente oder -techniken zusammen, die sich direkt auf Projektergebnisse und/oder die Durchführung bzw. Kommunikation des Projekts auswirken.

Ziel b: Der Rat verfügt über klare Managementrichtlinien und -abläufe, die von Leitung und Management mitgetragen, durch fortlaufendes Training und Begleitung eingeführt und aufrechterhalten werden, mit denen sich alle Mitarbeitenden identifizieren und für deren Umsetzung jede/-r einzelne Mitarbeiter/-in Verantwortung trägt.

  • Managementrichtlinien werden nach Plan aktualisiert und erlangen Gültigkeit.

  • Die Richtlinien werden in allgemeinen Trainingseinheiten vermittelt.

  • Die nötigen Abläufe existieren, um praktisches, erfahrungsorientiertes Lernen zu ermöglichen.

Ziel c: Der Rat entwickelt ein integriertes Instrumentarium für Planung, Haushaltsaufstellung, Kontrolle, Auswertung und Berichterstattung in Zusammenhang mit seinen Programmaktivitäten, führt dieses Instrumentarium ein und verwaltet es.

  • Das Instrumentarium wird eingeführt.

  • Die Mitarbeiter/-innen werden in dessen Anwendung bzw. die Anwendung derjenigen Elemente eingewiesen, die sie für ihren Aufgabenbereich benötigen.

  • Für die Mitgliedskirchen und Partner ist erkennbar, dass sich Qualität und Effizienz von Management und Kontrolle der Projektarbeit sowie der diesbezüglichen Berichterstattung verbessern.

Alle Managementdienste werden Ziele und Erfolgskriterien für ihre konkreten Arbeitsbereiche entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei jeweils die weiter oben dargestellten Gesamtziele.

Hauptaufgabe der Managementteams ist es, sowohl das Umfeld als auch die praktischen Gegebenheiten zu schaffen, damit Programmteams und spezialisierte Referate die ihnen übertragenen Aufgaben wirkungsvoll wahrnehmen können. Die Managementbereiche sollen mit Personal besetzt sein, das über professionelle Kompetenz und Erfahrung im Management eines bestimmten Ressourcentyps verfügt, dessen Verwaltung für die Aktivitäten des ÖRK unerlässlich ist. Jeder Bereich trägt innerhalb des ÖRK die primäre Verantwortung für die Bereitstellung und Verwaltung der ihm jeweils unterstellten Infrastruktur.

Die Teams leisten dem gesamten Personal des Rates effizient Unterstützung, wobei sie mit allen anderen Teams und den Büros des Generalsekretariats kooperativ und kontinuierlich zusammenarbeiten.

Managementprojekte

Projekt 1: Im Rat Veränderung ermöglichen

Die 9. Vollversammlung verabschiedete grundlegende Empfehlungen mit Konsequenzen für den Arbeitsstil des Rates als Institution sowie die zukünftigen Arbeitsweisen der Mitarbeiter/-innen. So wurden beispielsweise neue Leitlinien für die Programme eingeführt, die Einrichtung eines neuen PMER-Büros empfohlen und dem Personal der Auftrag gegeben, integrativer und interaktiver zu arbeiten. Darüber hinaus wurden neue Arbeitsbereiche vorgeschlagen.

Die empfohlenen Veränderungen würden sich darauf auswirken, wie der ÖRK seine Programmarbeit und sein Management gestaltet und erfordern Veränderungen in der Einstellung, Arbeitsweise und Qualifikation der sie umsetzenden Mitarbeiter/-innen. Generell wird vom gesamten Personal erwartet, dass es sich weiterbildet oder die bestehenden Fähigkeiten vertieft; bestimmte Personen, deren bisherigen Aufgabenstellung sich erheblich verändert hat, oder die neue Arbeitsaufträge erhalten, werden spezifisches Training oder Einarbeitung benötigen. Darüber hinaus ist ein erneuertes Verständnis von Management und Beziehungen erforderlich.

Die in Porto Alegre eingeleiteten Veränderungen setzen eine solide Strategie und die angemessenen Ressourcen jenseits der alltäglichen Abläufe der Personalentwicklung voraus.

Projekt 2: Modernisierung der Arbeitstechnik

Die Vollversammlung forderte eine Erneuerung der Technik und Prozesse, mit denen der Rat seine Prioritäten umsetzt. Dabei geht es beispielsweise um die Entwicklung eines datenbankgestützten Programmmanagements, um verbesserte Zeitmanagementsysteme sowie eine fortlaufende Verbesserung der Instrumente für Finanzmanagement und Berichterstattung.

Dieses Projekt umfasst:

  • i-Scala: Fertigstellung des Berichts nach Upgrade des Systems 2006

  • ÖRK-Handbuch: Grundsätze und Verfahren

  • Datenbank: Kontakte, Veranstaltungen, Projekte

  • Elektronisches Management von Dokumenten: Veröffentlichung und Archivierung

  • Zeiterfassungssysteme im Personalbereich

Managementdienste: Finanzieller Überblick 2007

Ausgaben, ausgeglichen durch Einnahmen aus Vermietungen u. ä.

3.019.958

Den Programmen zugewiesene Ausgaben

4.469.804

Gesamtkosten Managementdienste

7.489.762

Der partizipatorische, interaktive und integrative Prozess, den der ÖRK zur Arbeitsplanung für die Jahre 2007 bis 2013 durchlaufen hat, belegt seinen Willen, eine neue Organisationskultur zu entwickeln. Der ÖRK erlebt einen Lernprozess und ist sich daher bewusst, dass wir im Verlauf des jeweiligen 3-Jahreszyklus nach und nach gezielter den rollenden Planungsprozess verbessern und noch wirkungsvoller machen können. Ziel ist die größtmögliche Transparenz aller Facetten des Prozesses und die Rechenschaft über unsere Arbeit gegenüber den Partnern auf allen Ebenen. Das Büro für Programmplanung, Kontrolle, Auswertung und Berichterstattung (Planning, Monitoring, Evaluation and Reporting, PMER) wird alle Bereiche des Lebens im ÖRK gemeinsam in den Blick nehmen - Programme, Beziehungen, Kommunikation und die gute Haushalterschaft von finanziellen und personellen Ressourcen.

Die Einrichtung eines PMER-Büros innerhalb des Generalsekretariats, das nach der ÖRK-Zentralausschusstagung im September noch erweitert werden soll, beruht auf der Empfehlung des Ausschusses der 9. Vollversammlung für Programmrichtlinien, "für jedes Programm … klare, gut funktionierende Planungs-, Kontroll- und Auswertungsmechanismen [zu] …schaffen". Weiter empfahl der Finanzausschuss, dass "als Teil der Dreijahrespläne … Einjahresziele und die erwarteten Ergebnisse zur Genehmigung vorgelegt" und eine angemessene Organisation und angemessene Verfahren geschaffen werden sollten. Diesem Aufruf entsprechend konzentriert der ÖRK seine Anstrengungen auf drei Schlüsselelemente: einen klar definierten Programmrahmen, der die Kohärenz des Gesamtplans darlegt, Verfahren zur Gewährleistung einer Organisation mit der erforderlichen angemessenen Personalausstattung sowie Verfahren und Instrumente zur Organisation und Koordination dieser gemeinsam zu leistenden Arbeit.

Planungsprozess

Zum Planungszyklus gehört eine Planungsphase für das folgende Jahr - im kommenden Planungszeitraum wäre dies das Jahr ab Februar 2007. Im Rahmen der Kontrolle sollen das Jahr über alle Projekte regelmäßig überprüft werden. Der noch detaillierter auszuarbeitende Kontroll-Mechanismus wird vier Dimensionen umfassen: (1) Sicherstellung der geplanten Fortschritte und rechtzeitige Feststellung entstehender Probleme, so dass Änderungen vorgeschlagen oder die Mitarbeiter/-innen bei der Umsetzung begleitet werden können; (2) Sicherstellung der Verwaltung der finanziellen Mittel innerhalb der genehmigten Haushalte mit Unterstützung der zuständigen Fachkräfte in den einzelnen Projekten; (3) Sicherstellung von Teamgeist und Beteiligung aller Mitarbeiter/-innen an der Arbeit, um so eine gut funktionierende Leistungsbewertung zu ermöglichen; (4) Sicherstellung einer wirkungsvollen Organisation im Blick auf Informationsaustausch, Koordination und Integration. Am Ende jedes Jahres finden Kurzbewertungen der geleisteten Arbeit statt und Berichte werden vorgelegt. Eine umfassende externe Auswertung wird auf halbem Weg zwischen den Vollversammlungen und nochmals vor der nächsten Vollversammlung durchgeführt.

Programmstruktur

Dieser Rahmen, der im Detail auf Seite 13 unter "Die Programmstruktur" beschrieben wird, umfasst 7-Jahres-Programme einschließlich der Ziele und Erfolgskriterien, Projekte innerhalb eines dreijährigen rollenden Arbeitszyklus sowie die im Verlauf eines Jahres geplanten Aktivitäten samt detaillierter Planung und Budget.

 

(in Millionen CHF)

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