Wesen und Auftrag der KircheTheologisch gesehen ist die Kirche eins, aber in der Geschichte sind die Kirchen trotz aller ökumenischen Fortschritte in grundlegenden Fragen noch immer gespalten. Dies beeinträchtigt ihr Zeugnis vom dreieinigen Gott und mindert die Effizienz und sogar die Glaubwürdigkeit ihres Auftrags und ihres Zeugnisses in der heutigen Welt. Keines dieser Themen, welche die Kirchen spalten, ist zentraler als das Verständnis von Kirche an sich – ihre Identität, ihr Auftrag in der Welt, ihre Struktur, ihre Autorität. Die unterschiedlichen Auffassungen haben unmittelbare Auswirkungen – z. B. für die gegenseitige Anerkennung der Kirchen, für ihre Fähigkeit, einen gemeinsamen Auftrag zu erfüllen, zusammen Gottesdienst zu feiern, eine gemeinsame Diakonie (Dienst) auszuüben, zusammen Lösungen für kontroverse ethische Fragen zu entwickeln, den Dienst der anderen zu würdigen und sich in der Frage der Frauenordination zu einigen. Als offizielles weltweites Gremium für theologische Reflexion ist die ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung in einer einzigartigen Position, um die Diskussion in diesem kritischen Bereich zu fördern. Die Kommission hat dieses zentrale Thema der Ekklesiologie in ihrem Studiendokument „Wesen und Auftrag der Kirche“ behandelt, das der ÖRK den Kirchen zur Stellungnahme unterbreitet hat. Die Kirchen bekräftigten die Bedeutung der Arbeit in diesem Bereich, indem sie in Porto Alegre den ekklesiologischen Text „Berufen, die eine Kirche zu sein“ verabschiedeten und alle ÖRK-Mitgliedskirchen damit beauftragten, bis zur nächsten ÖRK-Vollversammlung offiziell zu diesem Text Stellung zu nehmen. Zu dieser Aktivität gehören die Organisation eines integrierten und komplementären Reaktionsprozesses auf die zwei Studiendokumente, die Auswertung der eingehenden Stellungnahmen und die Vorlage der Ergebnisse im ÖRK-Zentralausschuss und in der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung als Beitrag zur fortlaufenden Arbeit für die sichtbare Einheit der Kirche. Spezialisten/innen für Missionsfragen werden sich an dem Prozess beteiligen.
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