Die ganze bewohnte Erde
Afrika
Die Gründungsversammlung der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz fand 1963 in Kampala, Uganda, statt (im Bild). Zur selben Zeit, als aus Kolonien unabhängige Staaten wurden, lösten sich die Kirchen aus den Missionsstrukturen. Das unglaubliche Wachstum der in Afrika entstandenen (unabhängigen) Kirchen - mit ihrer spezifisch afrikanischen konfessionellen Offenheit und ihrem kulturellen Reichtum - hat die älteren Missionskirchen inzwischen weit hinter sich gelassen. Zusammen mit den andernorts entstandenen Pfingstkirchen sind sie die am schnellste wachsende Form von Religiosität in Afrika.
Europa
Das ökumenische Symbol - ein Schiff - hat für die Konferenz Europäischer Kirchen eine ganz besondere Bedeutung. Ihre konstituierende Vollversammlung fand im Oktober 1964 an Bord der M.S. Bornholm in den internationalen Gewässern zwischen Dänemark und Schweden statt. Zur Wahl des ungewöhnlichen Tagungsortes kam es aufgrund von Schwierigkeiten mit der Beschaffung von Visa für die Delegierten aus der DDR. So beschlossen die Organisatoren, ein dänisches Schiff zu chartern und die DDR-Delegierten auf hoher See an Bord zu nehmen. © ÖRK/John Taylor
Naher und Mittlerer Osten
Der 1974 gegründete Rat der Kirchen im Mittleren Osten hat von Anfang an neben protestantischen Traditionen östlich-orthodoxe und orientalisch-orthodoxe Kirchen, denen die überwiegende Mehrheit der Christen in der Region angehört, zu seinen Mitgliedern gezählt. 1988 schlossen sich die katholischen Kirchen der Region - sieben Zweige mit unterschiedlichen ethnischen und kulturellen Wurzeln - dem Rat an.
Zwei Entwicklungen hatten der Ökumene in der Region den Weg geebnet: Zum einen waren sehr aktive orthodoxe Jugendbewegungen entstanden, die durch ökumenische Jugendlager im Nahen Osten mit jungen Protestanten in Kontakt kamen. Und zum anderen waren die Probleme, die aus der Vertreibung der Palästinenser und den anhaltenden arabisch-israelischen Spannungen entstanden, nur gemeinsam zu bewältigen. So entwickelte sich durch die gemeinsame Flüchtlingsarbeit (Foto) von Orthodoxen, Protestanten und Katholiken eine Gemeinschaft des Dienstes.
Karibik
Obwohl die 1950er Jahren bereits erste vorsichtige Schritte in Richtung Ökumene brachten, gelang erst 1973 in Kingston, Jamaika, die Gründung der Karibischen Konferenz der Kirchen (im Bild). Ihr gehören neben anglikanischen, lutherischen und reformierten Kirchen sowie der Brüdergemeinde und der Heilsarmee siebzehn römisch-katholische Diözesen an. Auch innerhalb der kirchlichen Traditionen sind mancherlei Unterschiede festzustellen, die - ebenso wie die vier Amtssprachen Holländisch, Englisch, Französisch und Spanisch - auf die Kolonialzeit zurückgehen. © ÖRK/John Taylor
Lateinamerika
1916 führte ein Kongress über christliche Arbeit in Lateinamerika zur Gründung einer Reihe von nationalen Kirchenräten in der Region. In den 1960er Jahren rückten Fragen sozialer Gerechtigkeit in den Mittelpunkt (Foto: Straßenszene in Guatemala-Stadt, 1986) und fanden ihren Niederschlag in der Gründung dynamischer regionaler Jugend- und Studentenbewegungen sowie Bewegungen für Kirche und Gesellschaft und kirchliche Mission in städtischen und ländlichen Gebieten. Sie alle orientierten sich an der weltweiten ökumenischen Bewegung. Als 1982 schließlich der Lateinamerikanische Rat der Kirchen gegründet wurde, konnte er 85 Kirchen und sechs angeschlossene ökumenische Einrichtungen zu seinen Mitgliedern zählen. © ÖRK/Peter Williams
Pazifik
Der pazifische Raum, in dem rund 7,5 Millionen Menschen leben und über 1200 Sprachen gesprochen werden, ist der vielleicht am wenigsten bekannte Teil der oikoumene. Und doch ist der prozentuale Anteil der Christen an der Gesamtbevölkerung in Polynesien, Mikronesien und Melanesien wahrscheinlich höher als in jeder anderen Region (Foto: Kinderchor einer methodistischen Kirche in Nuku'alofa, Tonga). Nur auf Fidschi sind andere Religionen - Hinduismus und Islam - mit größeren Gemeinschaften vertreten. Die Pazifische Konferenz der Kirchen wurde 1961 gegründet und hat 1976 als erste regionale ökumenische Organisation eine Frau - Lorine Tevi aus Fidschi - zur Generalsekretärin gewählt. © ÖRK/Peter Williams
Nordamerika
Wenn Nordamerika heute der einzige Teil der Welt ist, der keine regionale ökumenische Organisation hat, dann liegt das z.T. daran, dass es auf diesem riesigen Kontinent nur zwei Länder gibt, Kanada und die Vereinigten Staaten, die beide über einen einflussreichen nationalen Kirchenrat verfügen. Die nordamerikanischen Kirchen gehen im Allgemeinen sehr viel pragmatischer an die interkonfessionelle Zusammenarbeit heran als die europäischen Kirchen, bei deren Gesprächen über die Einheit häufig theologische Fragen im Vordergrund stehen.
Foto: Bibelstudiencamp in Pennsylvania, 1997.
Asien
"In der Überzeugung, dass es Gottes Plan für die Kirchen in Ostasien ist, zusammenzuleben und gehorsam seinen Willen zu erfüllen", wurde 1959 die erste regionale ökumenische Organisation gegründet, die sich zunächst Ostasiatische Christliche Konferenz und ab 1973 Asiatische Christliche Konferenz nannte. Seit der Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh haben asiatische Kirchenführer die europäischen und nordamerikanischen Beteiligten immer wieder daran erinnert, dass "ökumenisch" nicht nur "interkonfessionell", sondern auch "international" bedeuten müsse.
Foto: Die Maramon Convention 2007 in der Nähe von Kozhencherry, Indien. Es handelt sich um das größte christliche Jahrestreffen in Asien, an dem täglich 100.000-200.000 Menschen teilnehmen. © ÖRK/Peter Williams


