Engagement für die Einheit in einer gespaltenen Welt
Gebot der Liebe
Teilnehmende der Vierten Vollversammlung 1968 in Uppsala zündeten Kerzen an einem "Baum der Versöhnung" in der Kathedrale an und spendeten anschließend für die Martin Luther King-Stiftung. King, der ursprünglich die Predigt im Eröffnungsgottesdienst halten sollte, war drei Monate zuvor ermordet worden. Die Vollversammlung dankte Gott für Kings "treues und prophetisches Zeugnis, das er durch seinen Dienst und den Gebrauch gewaltloser Methoden zur Herbeiführung von gesellschaftlichem Wandel für das neutestamentliche Gebot der Liebe abgelegt hat".
Kampf gegen den Rassismus
Christinnen und Christen aus Kenia, Fidschi und Australien (im Bild zusammen mit ÖRK-Mitarbeiter Pfarrer Daisuke Kitagawa, rechts) waren unter den Teilnehmenden an der Konsultation über Rassismus, die 1969 in Notting Hill, London, stattfand und zur Einrichtung des Programms zur Bekämpfung des Rassismus führte. Dieses Programm engagierte sich insbesondere gegen institutionellen Rassismus, der in den Strukturen gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Macht verankert ist.
© ÖRK/John Taylor
Christliche Bildungsarbeit für den Wandel
Christliche Bildungsarbeit gewann in der ökumenischen Bewegung ganz neue Bedeutung, als der Weltrat für christliche Erziehung 1971 in den ÖRK eingegliedert wurde. Eines ihrer Ziele war es, den Menschen bewusst zu machen, dass sie Subjekte des Wandels und nicht bloß passive Objekte sind, und sie zu befähigen, in ihrem jeweiligen Lebenszusammenhang eine aktive Rolle zu übernehmen.
Foto: Die Bibelschule Majahida in Tansania bildet Pastoren/innen und Theologen/innen für die Afrikanische Inlandskirche aus.
© ÖRK/Peter Williams
Zuammenkunft in Nairobi
1975 kam die ÖRK-Vollversammlung erstmals nach Afrika, jenem Kontinent, auf dem das Christentum auch heute noch weltweit am schnellsten wächst und auf dem die Herausforderungen des täglichen Lebens viele der Themen, die auf der ökumenischen Tagesordnung stehen, anschaulich widerspiegeln. Die polarisierenden Auseinandersetzungen - zwischen Norden und Süden, Osten und Westen -, die einige für diese Vollversammlung vorausgesagt hatten, traten nicht ein. Dennoch war diese Fünfte Vollversammlung keine geruhsame Veranstaltung: es gab heftige Debatten über Fragen wie die Bedeutung "ganzheitlicher" Evangelisation, Beziehungen zu Angehörigen anderer Religionen und Ideologien, Sexismus und Menschenrechte.
Gemeinschaft von Frauen und Männern
In die Studie über die Gemeinschaft von Frauen und Männern in der Kirche, die Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre durchgeführt wurde, waren mehr Menschen auf lokaler Ebene einbezogen als je bei einer anderen Initiative von Glauben und Kirchenverfassung. Über 150 Berichte lokaler Gruppen sowie Materialien von regionalen Konferenzen und Sonderkonsultationen zu Fragen der Ordination, der theologischen Anthropologie und der Autorität der Schrift lieferten wertvolle Hintergrundinformationen für eine internationale Konferenz, die 1981 in Sheffield, England, stattfand (im Bild).
© ÖRK/John Taylor
Taufe, Eucharistie und Amt
Die drei kirchenspaltenden Themen Taufe, Eucharistie und Amt standen bereits auf der Tagesordnung der ökumenischen Bewegung, als die erste Weltkonferenz von Glauben und Kirchenverfassung 1927 zusammenkam. Auf ihrer Tagung 1982 in Lima, Peru, unterbreitete die Kommission für Glauben und Kirchenverfassung den Kirchen der Welt ein Dokument, in dem die wachsende ökumenische Konvergenz zu diesen Themen zusammengefasst und um offizielle Stellungnahme ersucht wurde. Hunderttausende Exemplare des Lima-Dokuments wurden in den darauffolgenden Jahren in Dutzenden von Sprachen verteilt. Die Stellungnahmen der Kirchen wurden vom ÖRK zusammengestellt und in mehreren Bänden veröffentlicht.
Foto: Taufe in der Dreifaltigkeitskathedrale in Leningrad, 1988.
© ÖRK/Peter Williams
Frieden und Gerechtigkeit in Zeiten des Kalten Krieges
In einer viel diskutierten Erklärung über Frieden und Gerechtigkeit rief die Sechste Vollversammlung die Kirchen 1983 in Vancouver auf, klar und eindeutig zu erklären, "dass sowohl die Herstellung und Stationierung als auch der Einsatz von Atomwaffen ein Verbrechen gegen die Menschheit darstellen und dass ein solches Vorgehen aus ethischer und theologischer Sicht verurteilt werden muss". Eine Gebetswache für den Frieden (im Bild), die eine ganze Nacht lang dauerte, gedachte des 38. Jahrestags der atomaren Bombardierung Hiroshimas. Einer der Redner war Desmond Tutu, der gerade erst in Vancouver angekommen war, da die südafrikanische Regierung ihn zunächst mit einem Ausreiseverbot belegt hatte.
Ökumenischer Besuch
Pfingsten 1984 stattete Johannes Paul II. (links) dem Ökumenischen Rat der Kirchen als zweiter römisch-katholischer Papst einen Besuch ab. In einer gemeinsamen Erklärung brachten ÖRK-Generalsekretär Philip Potter (rechts) und Jan Kardinal Willebrands, der Präsident des Vatikanischen Sekretariats für die Förderung der Einheit der Christen, ihren Dank zum Ausdruck "für das, was Gott tut, um Christen und ihre Kirchen und Gemeinschaften durch die ökumenische Bewegung, die eine Gnadengabe Gottes ist, einander näher zu bringen".
© ÖRK/Peter Williams
Kerzen erinnern an die Verschwundenen
Als der ÖRK-Zentralausschuss 1985 in Buenos Aires tagte, richtete sich die Aufmerksamkeit der weltweiten ökumenischen Gemeinschaft auf Lateinamerika. Neben bewegenden Begegnungen mit Menschen, die während der Jahre der Militärdiktatur in Argentinien gelitten hatten, gaben die Mitglieder des Zentralausschusses auch eine Erklärung zu den großen wirtschaftlichen und sozialen Schwierigkeiten ab, die durch die massive Auslandsverschuldung vieler lateinamerikanischer Länder noch verschärft wurden.
Foto: Paula Logares, die unter der Militärdiktatur eine Zeit lang verschwunden war, zündet auf der Tagung des Zentralausschusses in Buenos Aires eine Kerze an.
Diakonia: mehr als nur Geld
Arme und Unterdrückte, die auf der Tagesordnung der Welt nur am Rande vorkommen, sollten im Zentrum des christlichen Dienstes stehen, betonten die 300 Teilnehmenden an einer internationalen ökumenischen Konsultation über zwischenkirchliche Hilfe, die 1986 stattfand. Diakonia, so sagten sie, "befreit und verwandelt, leidet mit den Menschen und macht sie handlungsfähig". Christlicher Dienst kann nicht vom Engagement für Gerechtigkeit und Frieden getrennt werden; deshalb gehören Fürsprache, Solidarität und das Miteinanderteilen von Fähigkeiten genauso wesentlich zur diakonia wie die Bereitstellung von Geld.
Foto: Collage auf der Konsultation in Larnaca (Zypern)
© ÖRK/Peter Williams


