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ÖRK-Vorsitzende fordert Neuausrichtung der Außenpolitik im Hinblick auf einen gerechten Frieden

ÖRK-Vorsitzende fordert Neuausrichtung der Außenpolitik im Hinblick auf einen gerechten Frieden

Gottesdienst für Groß und Klein auf dem Kirchentag. © DEKT/Kay Michalak

26 May 2017

English version published on: 31 May 2017

Die Außenpolitik der Regierungen müsse sich ändern und sich auf globale Ungleichheiten konzentrieren, die in vielen Ländern für Konflikte verantwortlich seien, so die Vorsitzende des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Dr. Agnes Abuom, in einem Gespräch mit dem deutschen Außenminister Sigmar Gabriel in Berlin.

„Wir wollen, dass die Außenpolitik neu ausgerichtet wird und einer Wirtschaft Einhalt gebietet, die Menschen als Ware betrachtet“, sagte Abuom, die der Anglikanischen Kirche von Kenia angehört, am 26. Mai auf dem Forum zum Thema „Größere Verantwortung für den Frieden übernehmen: Deutsche Außenpolitik in Zeiten des Aufruhrs“ auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Der Kirchentag wird alle zwei Jahre in einer anderen deutschen Stadt veranstaltet; dieses Mal kamen über 100.000 Teilnehmende aller Altersgruppen vom 24. bis 28. Mai nach Berlin.

Abuom wies darauf hin, dass sich zahlreiche Länder kürzlich auf die Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung verpflichtet hätten. Aber „die Militärausgaben sind weitaus höher als die Ausgaben für Gesundheit oder Bildung“, sagte Abuom. „Was für ein Widerspruch – man gibt mit einer Hand und nimmt mit beiden Händen.“

„Wir teilen uns alle denselben Planeten, aber auf diesem Planeten eignet sich nur ein Prozent aller Menschen dessen Ressourcen an – zulasten der restlichen 99 Prozent“, sagte Abuom.

In seiner Erklärung auf dem Forum kritisierte Außenminister Gabriel Forderungen an die Bundesregierung, die Militärausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben, und warnte vor der „totalen Dominanz“ militärischer Perspektiven in der Sicherheitspolitik.

Die Welt stehe vor einer „massiven Rüstungsspirale“, warnte er. „Es wird allein durch militärische Lösungen keine Stabilität und keinen Frieden geben; stattdessen benötigen wir Entwicklungshilfe und Krisenprävention“, sagte Gabriel, der im Januar Außenminister wurde.

„Das Hauptproblem ist, dass keiner darüber spricht, außer hier auf dem Kirchentag“, meinte er. „Helfen Sie uns, eine öffentliche Debatte über Abrüstung und Rüstungskontrolle zu führen, um zu verhindern, dass wir in eine Zeit zurückfallen, als alle nur über die Aufrüstung sprachen“, rief Gabriel die Teilnehmenden des Forums auf.

Abuom beschrieb den deutschen Beitrag zur Friedensarbeit als „glaubwürdige Friedenspolitik, die die Ursachen für Gewalt angeht und alle Völker und Länder unabhängig von deren wirtschaftlicher, militärischer oder strategischer Bedeutung einbezieht“.

Sie erzählte von der Erfahrung des ÖRK mit dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens und unterstrich die Notwendigkeit, die Zivilgesellschaft, den privaten Sektor und nichtstaatliche Akteure in die Friedensarbeit und Friedensförderung mit einzubeziehen. „Wir möchten den Frieden von unten, von der Basis her aufbauen“, erklärte sie, und „einen gerechten Frieden“ schaffen, nicht nur Sicherheit.

„Es ist wichtig, eine Kultur des Dialogs und der Gewaltlosigkeit zu fördern, keine Kultur der Macht und Stärke; keine Kultur, die sich hinter Mauern versteckt, die Menschen voneinander trennen“, so Abuom. „Wir wollen eine Kultur, die trennende Mauern einreißt.“

Die Teilnehmenden des Forums verabschiedeten mit großer Mehrheit eine Resolution, die Deutschland aufruft, sich den Verhandlungen der Vereinten Nationen zu einem weltweiten Atomwaffenverbot anzuschließen, und die Lagerung von Atomwaffen auf deutschem Boden zu verbieten.

Jonathan Frerichs, ÖRK-Berater für humanitäre Abrüstung, der Aktivitäten zur Unterstützung eines UN-Verbots für Atomwaffen koordiniert, sagte, dass auf dem Kirchentag „sowohl Barack Obama als auch Angela Merkel die nukleare Abrüstung als notwendig ansahen; es liegt an uns, mit unserem Glauben und durch unsere Pflicht als Christinnen und Christen, uns für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen.“

Mehr Informationen über den Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens: www.oikoumene.org/pilgerweg

ÖRK-Arbeit zur Kontrolle von Nuklearwaffen

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Video-Interviews vom ÖRK-Stand auf dem Kirchentag (in englischer Sprache)