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Tveit: „Wir sind aufgerufen, die Gaben der anderen anzunehmen“

Tveit: „Wir sind aufgerufen, die Gaben der anderen anzunehmen“

Foto: Albin Hillert/ÖRK

07. November 2017

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 09. November 2017

Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, sprach am 7. November in Genf an einem Symposium der Islamischen Weltliga zum Thema „Die Rolle der Religionen bei der Förderung des Weltfriedens“.

Tveit sprach über Friedensschaffung als eine gemeinsame Agenda mit höchster Priorität für die verschiedenen religiösen Führungspersönlichkeiten, die versammelt waren, um den Beitrag der Religionen zu einem positiven Leben im Gegensatz zu allen Formen von Gewalt und das Bedürfnis nach Frieden in menschlichen Gesellschaften hervorzuheben.

„Wir treffen uns zu einem Zeitpunkt, der für Europa, für den Nahen Osten und für viele Regionen der Welt entscheidend ist. Unter Völkern und Nationen gibt es Zeichen von Trennung und Polarisierung, und vielerorts ist der Glaube selber zu einem trennenden Faktor geworden“, sagte Tveit. „Dies passiert in vielen Teilen der Welt.“

Männer und Frauen des Glaubens, und insbesondere religiöse Führungspersönlichkeiten trügen eine besondere Verantwortung, die Heiligkeit des Lebens aller Menschen, die vom heiligen Gott geschaffen wurden, hochzuheben, fuhr Tveit weiter.

„Wir anerkennen, dass wir alle verletzlich sind, und dass wir alle in gleicher Weise Schutz und Menschenrechte brauchen“, sagte er. „Staatliche Behörden sind verantwortlich, dafür den Rahmen zu schaffen, damit wir alle mit gleichen Rechten behandelt werden und dieselben Pflichten haben.“

Auf mehrere Arten entspreche dies dem Konzept der Staatsbürgerschaft, erklärte Tveit. „Das Prinzip der Staatsbürgerschaft ist deshalb meiner Meinung nach im Bereich der Politik eine geeignete Art, etwas auszudrücken, das auch in unserem Glauben an Gott wichtig ist“, sagte er. „Das Prinzip der Staatsbürgerschaft gehört zur Welt der Politik und der Rechtssysteme, kann aber für die Rechte und den Schutz sorgen, die wir brauchen, wer auch immer wir sind und welcher Glaubensgemeinschaft auch immer wir angehören.“

Unterschiedliche Menschen sollten für ihr Leben und für das Leben ihrer Kinder und Enkelkinder die gleiche Grundlage und Sicherheit haben, überlegte er. „Im Rahmen eines Staates und in der internationalen Staatengemeinschaft benötigen wir Grundsätze, die für Gerechtigkeit und Frieden für alle sorgen“, sagte er. „Gegen Ungerechtigkeiten und Gewalt müssen wir allen den gleichen Schutz bieten.“

Gewalt im Namen der Religion könne nicht stattfinden, ohne die Werte der Religion zu missachten, fuhr Tveit weiter. „Gewalt im Namen Gottes gegenüber denjenigen, die nach dem Bilde Gottes geschaffen wurden, ist Gewalt gegen Gott“, sagte er. „Vom Anfang bis zum Ende sind wir gegenüber Gott rechenschaftspflichtig.“

Unsere Vielfalt dürfe uns nicht davon abhalten, gemeinsam für den Frieden zu arbeiten, sagte Tveit. „Wir teilen die Wahrheit über die Liebe Gottes und den Willen Gottes, und wir suchen ebenso nach der Wahrheit über die Realität, in der wir innerhalb unserer unterschiedlichen Kontexte leben“, so Tveit. „Die Realität der Gnade Gottes, die wir teilen, ist durchsetzt mit der Realität der Sünde.“

„Wir wollen gemeinsam und mit allen Menschen und Glaubensgemeinschaften zusammenarbeiten zum Wohl unserer Welt“, schloss er. „Die Vorstellung von der Vielfalt in der Einheit ist ebenfalls ein Geschenk, das wir in den größeren Kontext der interreligiösen Zusammenarbeit stellen wollen, in der sich Männer, Frauen und Kinder zahlreicher unterschiedlicher Religionen für den Weltfrieden und Gerechtigkeit für alle Menschen und auch für das Wohl des Planeten selbst einsetzen“, sagte er. „Als religiöse Führungspersönlichkeiten, die wir heute hier für den Frieden zusammengekommen sind, haben wir die Pflicht, mit einer Stimme zu sprechen und uns besonders gegen die Hasspropaganda zu wenden, die zu Gewalt, Diskriminierung oder anderen Verletzungen der Würde führt, die allen Menschen innewohnt, unabhängig von Religion, Glaube, Geschlecht, politischer Meinung oder anderen Überzeugungen, nationaler oder sozialer Herkunft oder einem anderen Status.“

Interreligiöser Dialog des ÖRK

Rede des ÖRK-Generalsekretärs in vollem Wortlaut (in englischer Sprache)