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Tveit: Jenseits nationaler Grenzen sind wir eine Menschheit

Tveit: Jenseits nationaler Grenzen sind wir eine Menschheit

Tveit sprach in der UNICEF-Zentrale in New York über seine ökumenische Sicht auf Migration, Inklusion und Gerechtigkeit © Marcelo Schneider/ÖRK

23. Januar 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 25. Januar 2018

Mit seiner Rede anlässlich eines von UNICEF ausgerichteten Empfangs am 22. Januar hat der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, seine ökumenische Sicht auf Themen wie Migration, Inklusion und Gerechtigkeit beschrieben.

„In dieser historischen Krisensituation ist es wichtig, Entscheidungen zu treffen, die unsere gemeinsamen menschlichen Werte zeigen“, sagte er. „Es ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung, dass wir uns bei der Entwicklung nachhaltiger internationaler Systeme für Migration von der Würde des Menschen leiten lassen, damit Migration in einer sicheren, ordentlichen und geregelten Weise stattfindet.“

Dieser Empfang war eine von zahlreichen Veranstaltungen des eintägigen Programms des Vierten Jahressymposiums zur Rolle der Religion und religiöser Organisationen in internationalen Angelegenheiten, das im Sekretariat der Vereinten Nationen in New York City stattfand. Das Thema lautete „Migrationsperspektiven: Vertreibung und Marginalisierung, Inklusion und Gerechtigkeit.“

Tveit forderte neue Prioritäten zum Schutz der Menschenwürde, der menschlichen Solidarität, der Menschenrechte und der menschlichen Einheit. „Wir leben in einer schwierigen, ja gefährlichen Zeit der Menschheitsgeschichte“, sagte er. „Gerade jetzt, da internationale Solidarität und Zusammenarbeit mehr als jemals zuvor gefragt sind, um globalen Herausforderungen zu begegnen, scheinen Multilateralität und die Verpflichtung zur Einhaltung gemeinsamer internationaler Normen und Rechtsvorschriften immer stärker gefährdet und auf dem Rückzug zu sein.“

Die Welt könne manchmal wie ein düsterer Ort wirken, so Tveit, aber immer mehr Menschen wachten auf. „Sie erkennen, dass sie angesichts dieser Situation keine unbeteiligten Zuschauer und Zuschauerinnen mehr sein können, sondern zeigen ihre Hoffnung auf das Überleben der Schöpfung Gottes durch spezielle Aktionen, die eine Kehrtwende bewirken könnten“, erklärte er. „Wir haben eine gemeinsame ökumenische Vision, die in dem täglichen Gebet zum Ausdruck kommt, dass Gottes Wille geschehe im Himmel wie auf Erden.“

Menschen könnten, so führte Tveit weiter aus, auf verantwortliche Weise miteinander umgehen, auch wenn sie in einem völlig unterschiedlichen Kontext und völlig anderen Umständen lebten. „Wir können anhand einiger Zeichen erkennen, was es bedeutet, eins zu sein - in Solidarität und in Gemeinsamkeit, in Glaube, Hoffnung und Liebe“, sagte er. „Der Ökumenische Rat der Kirchen feiert dieses Jahr sein 70-jähriges Jubiläum, und wir erkennen, dass sein Zweck und seine Ziele auch heute noch so wichtig sind, wie sie es immer waren.“

„Wir brauchen eine andere Einstellung, wenn wir die vielen Herausforderungen unserer Zeit bewältigen wollen“, sagte er. „Wir müsse alle unsere Beziehungen mit anderen Menschen dem Grundsatz der gegenseitigen Verantwortung unterordnen. Diese wichtige Überzeugung hat die ökumenische Bewegung als Gemeinschaft der Kirchen zum Leben erweckt.“

Als Kirchen, so führte Tveit weiter aus, stehe die ÖRK-Gemeinschaft für Engagement, aktive Präsenz und eine offene Gemeinschaft für Menschen, die auf der Flucht seien. „Aber wir vertreten gemeinsam mit anderen religiösen Gemeinschaften auch die Migranten und Migrantinnen selbst, die mit ihrer eigenen Glaubensidentität zu uns kommen“, sagte er. „Ihr Glaube ist oft das wichtigste Gepäck, das sie haben, um ihre Situation zu bewältigen“.

Tveit bestätigte ebenfalls, wie wichtig die Beiträge aus unterschiedlichen Sektoren und Gemeinschaften seien. „Als Kirchen brauchen wir die Kompetenz und das Engagement anderer Partner, wie wir sie zum Beispiel im Kontext der VN bekommen“, sagte er. „So fordern wir unter anderem auch alle Staaten auf, die dies bisher versäumt haben, die Internationale Konvention zum Schutz der Rechte aller Wanderarbeitnehmer und ihrer Familienangehörigen zu unterzeichnen, zu ratifizieren und umzusetzen.

Die moralische und ethische Dimension der Zwangsmigration

Das Symposium, organisiert vom ACT-Bündnis, dem Ausschuss für Kirche und Gesellschaft der Vereinigten Methodistischen Kirche, der Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten und dem Ökumenischen Rat der Kirchen, erhielt ebenfalls finanzielle Unterstützung durch die adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe, das Parlament der Weltreligionen und das Amt des UN-Sonderbeauftragten für die Verhinderung von Völkermord im Namen der Interinstitutionellen Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für die Zusammenarbeit mit religiösen Organisationen.

Die Berichte während des Symposiums kamen zu dem Schluss, dass große Migrationsbewegungen durch ökologischen und sozialen Druck oder andere widrige Umstände ausgelöst werden, so dass sich die Menschen für verzweifelte Maßnahmen entscheiden, um sich und ihren Familien eine besserer Zukunft zu sichern.

„Das sind Motive, die wir alle kennen“, sagte Tveit. „Es wird wahrscheinlich in Zukunft noch viel mehr Menschen geben, die zu solchen verzweifelten Schritten gezwungen werden.“

Bei den Diskussionen ging es in erster Linie darum, zu einem grundsätzlichen und pragmatischen Konsens zu kommen, damit Migration für alle funktionieren kann. Die Teilnehmenden setzten sich ebenfalls mit der Frage auseinander, wie Genderthemen, Sicherheitsbedenken, Rasse, ethnische Zugehörigkeit, anekdotische Berichte und Würde in diesem Kontext zu bewerten sind.

„Wir sind aufgefordert, Hoffnung zu geben, aber nicht auf eine oberflächliche Weise“, sagte Tveit abschließend. „Wir fordern alle Menschen guten Willens auf, sich uns anzuschließen.“

Lesen Sie den vollständigen Text der Rede des ÖRK-Generalsekretärs (auf EN)