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Versuchen, der Welt Gutes zu tun

Versuchen, der Welt Gutes zu tun

Peter Weiderud Bild: Anis Issa, SwedAlex

18. Dezember 2017

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 21. Dezember 2017

Von Claus Grue*

Die Verleihung des Friedensnobelpreises 2017 an die langjährige Partnerin des ÖRK, die Internationale Kampagne zum Verbot von Atomwaffen (ICAN), war ein weiterer kleiner, aber wichtiger Schritt hin zu einer sichereren Welt. Der Preis war nicht nur eine Anerkennung globaler Bemühungen zum Verbot von Atomwaffen, sondern auch eine Bestätigung der Rolle, die die christlichen Kirchen an der Basis in Bezug auf die Stärkung des Bewusstseins und die Mobilisierung von Menschen gegen nukleare Proliferation gespielt haben.

Ein bekannter schwedischer Diplomat, der seit Jahren in dieser Arbeit im Einsatz ist, ist der ehemalige Vorsitzende der Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Peter Weiderud: „Seit seiner Gründung nach dem Zweiten Weltkrieg hat der ÖRK in Bezug auf Atomwaffen eine klare Position eingenommen. Seine starke Basis aus Mitgliedskirchen aus der ganzen Welt ist eine nicht zu vernachlässigende Stärke des ÖRK. Als unabhängige Hüterinnen der Menschenrechte können – und sollten – Kirchen etwas bewirken“, sagt Weiderud.

Dies umfasse auch, Regierungen für ihre Handlungen zur Rechenschaft zu ziehen und sie an die internationalen Abkommen zu erinnern, an die ihr Land gebunden sei.

„Für solch wichtige Aufgaben bedarf es Vertrauen, Integrität und Autorität, die Kirchen im Allgemeinen haben. Wir müssen diese Themen weiterhin ansprechen und an unserer einflussreichen Rolle festhalten“, erklärt er weiter.

Heute halten sich außer ein paar Ländern fast alle an den Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen. Gleichzeitig hat der einfache Zugang zu nuklearer Technologie die Schwelle zur Entwicklung von nuklearen Fähigkeiten herabgesetzt.

„Ein Angriff mit Atomwaffen wäre verheerend und wir müssen alles uns Mögliche tun, um die Entwicklung und den Einsatz dieser furchtbaren Waffen zu verhindern. Sie alle zu beseitigen ist der beste Weg, dies zu tun. Schließlich ist es eine Frage des Beweggrundes und des politischen Willens“, betont Weiderud.

Als ein Mann des Glaubens wird er von einer Mission angetrieben, der Welt Gutes zu tun.
Er ist besorgt über die gegenwärtige Zunahme von Polarisierung und Populismus, wo Rassismus und Islamfeindlichkeit an Boden gewonnen haben und wo Menschenrechte missachtet werden.

„Dies ist eine sehr ernste Situation, in der Kirchen aufstehen und erklären müssen, was es wirklich bedeutet, Mensch zu sein, und mit welchen Verantwortlichkeiten dies einhergeht. Wir sind heute in einer Situation, die derjenigen in den 1930er Jahren ähnlich sieht. Der wachsende Populismus, den wir heute in der westlichen Welt beobachten, zielt darauf ab, demokratische Institutionen zu zerstören, die nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurden, um uns vor Machtmissbrauch zu schützen. Die Lage wird dadurch noch verschärft, dass solcher Extremismus nun auch legal in Parlamenten und Regierungen vertreten ist, wo er gemeinsame internationale Übereinkommen behindert“, erklärt Weiderud.

Er definiert Demokratie als ein System, das die Regel der Mehrheit gewährleistet und gleichzeitig die Menschenrechte für alle schützt.

Inmitten dieser aktuellen und eher besorgniserregenden Entwicklung, in der Spannungen im Nahen Osten und auf der koreanischen Halbinsel wachsen, und in der die Europäische Union die größte je dagewesene Krise durchmacht, gibt es einige Hoffnungsschimmer, so Weiderud:
„Die junge Generation von heute ist aufgeklärter, toleranter, gebildeter und umweltbewusster als je zuvor. Ich bin zuversichtlich, dass wir uns nun langsam in die richtige Richtung bewegen, weg von Polarisierung und Unverstand, hin zu einer besseren und gerechteren Gesellschaft. Um dorthin zu gelangen sind aber Fürsprache und eine mutige politische Leitung erforderlich. Auch da spielen glaubensbasierte Organisationen als die Stimmen der Menschen wieder eine wichtige Rolle.“

Atomare Abrüstung behalte eine hohe Priorität für eine sicherere Welt, und Weiderud wünscht sich eine engere Zusammenarbeit unter Ländern, die über Atomfähigkeiten verfügen, diese aber bewusst nicht ausnutzen. Brasilien, Kanada, Deutschland, Kasachstan, Schweden, Japan und Südafrika gehören zu diesen Ländern.

„Solche Staaten sind vertrauenswürdig, sie haben die moralische Glaubwürdigkeit, die es ihnen ermöglicht, andere Länder zu beeinflussen. Durch seine Mitgliedskirchen ist der ÖRK an bester Stelle, um eine gut koordinierte Zusammenarbeit zwischen diesen Ländern anzustoßen“, erklärt Weiderud.

In der Überzeugung, dass Diplomatie und Dialog die wirksamsten Werkzeuge sind um Wandel herbeizuführen, geht er auf seinem Weg als christlicher Zeuge weiter, um der Welt Gutes zu tun. Seit 2015 arbeitet Weiderud als Direktor des Schwedischen Instituts in Alexandria, Ägypten, das zum schwedischen Außenministerium gehört. Dessen Aufgabe ist es, zwischen Europa und dem Nahen Osten/Nordafrika, den Dialog zu fördern, damit sich Europäerinnen und Europäer und die Menschen in der Region gegenseitig besser verstehen.

„Als Menschen sind wir alle gleich geschaffen, ungeachtet der Religion, Rasse oder anderer Unterschiede“, schließt Weiderud.

Vertrag zum Verbot von Atomwaffen ist „lang gehegter Traum“ des ÖRK (in englischer Sprache)

Sie mögen uns in guter Erinnerung bleiben, mit Würde und Respekt (in englischer Sprache)

Friedensstifterinnen und Friedensstifter aus der ganzen Welt am Fackelmarsch durch Oslo (in englischer Sprache)

Friedensarbeit: „eine großartige und starke Lebensaufgabe

Arbeit des ÖRK zur Kontrolle von Nuklearwaffen

Internationale Kampagne zum Verbot von Atomwaffen, ICAN (in englischer Sprache)

*Claus Grue ist Kommunikationsberater für den Ökumenischen Rat der Kirchen.