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Sabbah: Einzig verbleibende Hoffnung knüpft sich an prophetische Stimme und prophetisches Handeln der Kirchen

Sabbah: Einzig verbleibende Hoffnung knüpft sich an prophetische Stimme und prophetisches Handeln der Kirchen

© Ben Gray/ÖRK

21 June 2017

English version published on: 22 June 2017

Anlässlich einer Tagung im Heiligen Land, die sich mit der seit 50 Jahren bestehenden Besetzung der palästinensischen Gebiete sowie dem diesbezüglichen Vorgehen der ökumenischen Bewegung befasste, hat der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, betont, am angemessensten lasse sich dieser seit fünf Jahrzehnten andauernden Tragödie gedenken, indem man den Zeugnissen der Hoffnung gebührende Aufmerksamkeit schenke, die jene beisteuerten, die unter der Besetzung lebten und in ihrem Alltag deren schwerwiegende Folgen erführen.

Kein Volk sollte eine solche Besetzung erleben müssen, so Tveit. „Keinem Volk sollte das Recht auf echte Selbstbestimmung vorenthalten werden. Kein Staat sollte fortwährend, 50 Jahre lang, die Menschenrechte eines anderen Volkes verletzen.“

Die fünfzig Jahre Besetzung seien ein Teil der Weltgeschichte, dessen sich die Welt schämen müsse, führte Tveit weiter aus. „Aber es ist nie zu spät, die Besetzung zu beenden. Es ist möglich, eine durch menschliches Handeln geschaffene Tragödie in eine Situation der Hoffnung zu verwandeln.“

In seiner Eröffnungsrede betonte der emeritierte katholische Patriarch Michel Sabbah: „Alle Israelis und alle Palästinenser, alle, die an die Heiligkeit dieses Landes glauben, fragen: wird es auf ewig ein Land des Todes bleiben, anstatt zu sein, was es ist, wozu Gott es berufen hat – ein Land der Verheißungen, ein Land von ‚Milch und Honig‘, ein Land der Auferstehung?“

Weiter führte Sabbah aus: „Die Heilung, die politische und menschliche Heilung Jerusalems wird auch die Heilung der Region bringen und die Heilung so vieler Gewissen hier und in der Welt.“

Er stellte fest: „Die auf Weltebene politisch Verantwortlichen entziehen sich ihrer Pflicht“, und fragte: „Werden die Kirchen der Welt sich ebenso entziehen und ihre prophetische Stimme und ihr prophetisches Handeln zum Verstummen bringen? Die einzige Hoffnung, die noch bleibt, knüpft sich an die prophetische Stimme und das prophetische Handeln der Kirchen.“

Der emeritierte Patriarch schloss mit dem Aufruf, Aufklärungsarbeit zu leisten bei der jeweiligen heimischen Bevölkerung und den politisch Verantwortlichen.

Es sei unmöglich, die Besetzung moralisch oder auch nur politisch zu rechtfertigen, betonte Tveit in seinem Beitrag. „Die Besetzung ist das Tor für so viele Aspekte, die benannt werden müssen: Diskriminierung, Unterdrückung, Schikane, Einschränkung der Freizügigkeit anderer Menschen, Diebstahl an der Hoffnung und Zukunft der nächsten Generationen, Veranlassung anderer Menschen zur Verzweiflung und zu Verzweiflungstaten, Belagerung und Blockade, außerrechtliche Hinrichtungen, Festnahmen und Ermordungen von politischen Führungspersönlichkeiten eines anderen Volkes, Kollektivstrafen für Familien und Gemeinwesen, Bulldozer, die Häuser niederreißen, Landraub, Annexion von Land, das anderen gehört, Beschlagnahmung von Land und privatem Immobilienbesitz, Kolonialisierung.“

Im Rahmen der Tagung, die vom 20. bis 22. Juni stattfand, kamen Kirchenleitende, junge Menschen, Frauen, Kinder und andere zu Wort, die von ihren aktuellen persönlichen Erfahrungen des Lebens unter der Besetzung berichteten. Weiterhin brachten Fachleute und Angehörige staatlicher Stellen ihre Perspektiven ein. Das Programm der dreitägigen Veranstaltung beinhaltete zudem Bibelarbeiten sowie Einheiten, die Strategien für die Advocacyarbeit behandelten.

In einem offenen Brief an den ÖRK und alle in der ökumenischen Bewegung Aktiven beschrieb die National Coalition of Christian Organizations in Palestine (Nationale Koalition christlicher Organisationen in Palästina) das im Heiligen Land herrschende Unrecht. Weiterhin sprach das Bündnis christlicher Organisationen in Palästina Empfehlungen an die Kirchen weltweit aus, wie sie zu Gerechtigkeit und Frieden in Palästina und Israel beitragen könnten.

Begrüßung durch den em. Patriarchen Michel Sabbah, 20. Juni 2017 (in englischer Sprache)

„Eine Wolke von Zeuginnen und Zeugen der Hoffnung“, Einführung zur Tagung „50 Jahre Besetzung“ in Bethlehem, Pastor Dr. Olav Fykse Tveit (in englischer Sprache)

Offener Brief der Nationalen Koalition christlicher Organisationen in Palästina an den Ökumenischen Rat der Kirchen und die ökumenische Bewegung

Kampagne „Seek #JusticeAndPeace in the Holy Land“ (in englischer Sprache)

Kirchen und Naher Osten: Solidarität und Zeugnis für den Frieden