World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Sie sind hier: Startseite / Pressezentrum / Nachrichten / ÖRK-Präsident an der Front des Klimawandels

ÖRK-Präsident an der Front des Klimawandels

ÖRK-Präsident an der Front des Klimawandels

Bischof Mark MacDonald spricht beim Plenum zur Christlichen Einheit

06. November 2013

von Friedrich Degenhardt (*)

Der neu gewählte Präsident des Ökumenischen Rates der Kirchen für Nordamerika, Bischof Mark MacDonald, wirbt für den Beitrag, den indigene Völker als glaubwürdige christliche Stimme zu den Themen Klimawandel und Säkularisierung leisten können. In einer Rede, die MacDonald am Dienstag, 5. November 2013, in Busan in einem Plenum zum Thema Christliche Einheit hielt, sprach er sowohl über die elenden Lebensbedingungen als auch über die spirituelle Kraft der sogenannten Völker des Landes.  Mark MacDonald, selbst indigener Herkunft, war zehn Jahre lang Bischof in Alaska und ist seit sieben Jahren der erste Nationale Indigene Anglikanische Bischof von Kanada.

„Die Auswirkungen an der Frontlinie des Klimawandels haben die harten Lebensbedingungen im hohen Norden weiter verschärft“, sagt MacDonald in seiner Rede auf der ÖRK-Vollversammlung. Im Kampf gegen Klimawandel und im Umgang mit der Schöpfung sieht MacDonald die indigenen Völker als Wegbereiter mit einer klaren Alternative zur globalen Umweltzerstörung. „Die eingeborenen Völker des Nordens sind zur prophetischen Stimme für den Rest der Welt geworden, die zur Bewahrung der gottgegebenen Lebensgemeinschaft zwischen Schöpfung und Menschen aufruft“, so MacDonald.

MacDonald sieht diese Entwicklung als „eine der größten Umkehrungen, die Gott in der Weltgeschichte bewirkt hat.“ Unter Beteiligung der westlichen Kirchen sei versucht worden, eingeborene Kulturen zu zerstören. Trotzdem seien heute ausgerechnet die Völker des Landes in Alaska und Kanada die Bevölkerungsgruppe mit dem höchsten Prozentsatz an Christen, sagt MacDonald. Als Pastor war er viele Jahre für indigene Christen tätig und setzt sich für die Kommission für Wahrheit und Versöhnung ein, die in Kanada das Schicksal indigener Kinder in kirchlichen Internaten während des 19. und 20. Jahrhunderts und deren Beitrag zur Zerstörung indigener Kulturen aufgearbeitet.

Der Reichtum weniger verdeckt Armut und Elend

In drastischen Worten stellte MacDonald in seiner Rede in Busan die Lebensbedingungen indigener Völker in Nordamerika da. Die Wirtschaftsstrukturen und die vorherrschende Denkweise seien immer noch kolonial geprägt. „Der Reichtum derer, die diese Bedingungen geschaffen haben, verdeckt eine große Ungerechtigkeit“, sagte MacDonald. Die Enteignung der indigenen Völker und die Entfremdung von ihrem Land setze sich nicht nur fortgesetzt, sondern beschleunige sich. „Dieses wunderschöne Land hat gewaltigen Reichtum für andere, weit entfernt im Süden, erzeugt“, sagte MacDonald. „Doch bei den indigenen Völkern herrscht Armut und Elend.“

In seiner Bewertung vorherrschender gesellschaftlicher Prozesse kritisierte Bischof MacDonald die fortgesetzte Säkularisierung aus seiner christlichen Perspektive als „Tarnung für Götzendienste“. Die Schöpfung werde in den heute herrschenden Realitäten entstellt und verstümmelt. Obwohl die Säkularisierung als Befreiung von einer dominanten Religiosität gefeiert würde, so MacDonald, sei das Ergebnis die Versklavung des menschlichen Geistes.

MacDonald stellte im Plenum zur Christlichen Einheit seiner harschen Kritik herrschender Lebensbedingungen ein Plädoyer für spirituelle Einfachheit gegenüber: „Das Herz des christlichen Glaubens wird in einer vielfältigen und unglaublichen Schlichtheit enthüllt.“ MacDonald beschrieb ökumenische Zusammenarbeit in Kanada und Alaska wie folgt: „Bei minus 10 Grad Celsius beginnen die Unterschiede und Unstimmigkeiten zwischen Christen zu schmelzen.“ Uneinigkeit könne man sich gar nicht leisten, so MacDonald, doch die Ergebnisse der Annäherung seien trotzdem alles andere als kitschige Kompromisse.

Am Ende seiner Rede zur Christlichen Einheit berichtete MacDonald von der Ausbreitung neuer christlicher Gemeinschaften, die mit den herkömmlichen Konfessionen wenig zu tun hätten. „Wir leben in einer Zeit des Wachstums lokaler Formen des christlichen Glaubens, jenseits unserer Wahrnehmung und unserer Verständnisses“, sagte er und forderte die ÖRK-Delegierten auf: „Lasst uns an Orten und bei Menschen nach unserem Retter und Gott Ausschau halten, bei denen wir am wenigsten damit rechnen, ihm zu begegnen.“

 

(*) Friedrich Degenhardt ist Journalist und Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Er arbeitet als Ökumene-Beauftragter in Hamburg vor allem mit Migrations-Gemeinden zusammen.

 

Biographie von Bischof Mark MacDonald auf der Webseite der Anglikanischen Kirche von Kanada

Hochauflösende Photos sind erhältlich über photos.oikoumene.org

Webseite der ÖRK-Vollversammlung