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Ökumenischer Rat der Kirchen besorgt über Unruhen nach Präsidentschaftswahlen in Madagaskar

25 January 2002

Angesichts der andauernden Demonstrationen gegen das vorläufige Wahlergebnis der Präsidentschaftswahlen in Madagaskar hat der stellvertretende Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Georges Lemopoulos, die politischen Verantwortungsträger des Landes dazu aufgerufen, dafür Sorge zu tragen, dass der demokratische Prozess uneingeschränkt respektiert wird.

"Wir fordern diejenigen, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit verantwortlich sind, auf, auf den Einsatz von Gewalt zur Eindämmung oder Unterbindung von Demonstrationen des Volkes zu verzichten", schreibt Lemopoulos am Freitag, 25. Januar, in einem offenen Brief an die Kirchenleiter der ÖRK-Mitgliedskirchen in Madagaskar.

Lemopoulos hebt zudem die Rolle der Kirchen hervor, die sich für friedliche und demokratische Wahlen eingesetzt haben: "Wenige Kirchen in Afrika haben so reiche Erfahrungen und befinden sich in einer so guten Position wie Sie, um zwischen Volk und politischen Behörden zu vermitteln."

Zu den Unruhen in der madagassischen Hauptstadt Antananarivo kam es, nachdem am 16. Dezember das vorläufige Ergebnis der Präsidentschaftswahlen veröffentlich worden war. Die Demonstranten werfen der Regierung vor, das Wahlergebnis zu Gunsten des Amtsinhabers Didier Ratsiraka gefälscht zu haben.

Das offizielle Wahlergebnis soll am Montag, 28. Januar, vom obersten Gerichtshof des Landes bekanntgegeben werden.

Es folgt der Wortlaut des offenen Briefes:

"Der Ökumenische Rat der Kirchen verfolgt mit wachsender Sorge die Polemik und die Unzufriedenheit eines großen Teils der madagassischen Bevölkerung mit den Präsidentenwahlen in Madagaskar. Wir sind uns bewusst, dass Sie, die kirchenleitenden Repräsentanten unserer Mitgliedskirchen, große Anstrengungen unternehmen, damit der Wahlprozess friedlich ablaufen kann und der Wille des Volkes, wie er in den Wahlen zum Ausdruck kommt, respektiert wird. Wenige Kirchen in Afrika haben so reiche Erfahrungen und befinden sich in einer so guten Position wie Sie, um zwischen Volk und politischen Behörden zu vermitteln.

Wir haben erfahren, dass der oberste Gerichtshof angekündigt hat, die offiziellen Ergebnisse des ersten Wahlgangs der Präsidentenwahlen am 28. Januar zu veröffentlichen, dass er nicht bereit ist, die vom Nationalen Wahlrat (CNE) vorgelegten Informationen zu berücksichtigen, und dass es aufgrund von Befürchtungen, die Abhaltung eines zweiten Wahlgangs könnte annulliert werden, zu grossen Demonstrationen in Antananarivo und in den Provinzen gekommen ist. Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass diese Besorgnis erregende Situation zu einer schwerwiegenden politischen Krise führen könnte, die nur schwer unter Kontrolle zu bekommen wäre und unter der das Land und die Bevölkerung leiden würden.

Mit diesem offenen Brief rufen wir die politischen Machthaber in Madagaskar auf, alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um die Abhaltung demokratischer Wahlen zu gewährleisten. Wir fordern diejenigen, die für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit verantwortlich sind, auf, auf den Einsatz von Gewalt zur Eindämmung oder Unterbindung von Demonstrationen des Volkes zu verzichten.

Wir bringen Ihnen, dem madagassischen Volk und seinen politischen Führern unsere Solidarität in diesen schweren Zeiten zum Ausdruck und schliessen sie in unser Gebet ein. Wir sind für Sie da, wenn Sie unsere Hilfe bei Ihren Anstrengungen benötigen, ihrem geliebten Land eine Zukunft zu ermöglichen, die von sozialem und politischem Frieden und von Harmonie geprägt ist."