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Kann indigene Spiritualität den Wandel von Ungerechtigkeit zu Gerechtigkeit bewirken?

01 September 2016

English version published on: 05 September 2016

„Wir beten in verschiedenen Sprachen und Kulturen, aber wir sind alle eins in Christus. Diese Erfahrung ist sehr bereichernd“, sagt Dr. Jude Long, Direktorin des Nungalinya College in Darwin (Australien, Bundesstaat Northern Territory) nach der Begegnung mit Vertreterinnen und Vertretern indigener Völker aus der ganzen Welt, die sich im Laufe der letzten Woche über Spiritualität austauschten.

Long hatte zusammen mit australischen Aborigines und Studierenden des Colleges Gebete und Bibelarbeiten für die Konsultation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zu indigener Spiritualität und Theologie vorbereitet, die vom 27. bis 31. August in Darwin stattfand.

Der Ort der Konsultation hat eine besondere Bedeutung, da die australischen Aborigines – vor allem Jugendliche – in den Gefängnissen des Landes überrepräsentiert sind. Nur weniger als drei Prozent aller Australier gehören indigenen Völkern an, aber über die Hälfte aller Jugendlichen in Jugendgefängnissen sind Aborigines.

Dieses Ungleichgewicht ist im Northern Territory noch extremer, wo letztes Jahr 97 % der jugendlichen Inhaftierten Aborigines waren. Dies wird durch die weitverbreitete unmenschliche Behandlung von Inhaftierten noch weiter verschlimmert – in Australien wurde das Problem in diesem Jahr sogar zu einer nationalen Krise erklärt.

In diesem Zusammenhang sei das Motto der Konsultation „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens: Gemeinsam Landschaften der Hoffnung gestalten“ nicht nur in Australien, sondern in der ganzen Welt relevant: Die Teilnehmenden hätten von ihrem individuellen Bemühen um Anerkennung, Überleben und dem Recht, als eigenes und selbstbestimmtes Volk in ihrem eigenen lokalen sowie im globalen Kontext zu leben, berichtet und sich ausgetauscht, so Dr. Katalina Tahaafe-Williams, ÖRK-Programmreferentin für Mission und Evangelisation.

„Die Teilnahme und das Hören von Geschichten aus der ganzen Welt hat mir mehr Hoffnung denn je gegeben, dass die ungerechten Bedingungen, denen indigene Völker ausgesetzt sind, durch spirituelle Praxis und theologische Überzeugungen, die uns gemeinsam auf einen Weg der Gerechtigkeit führen, verändert werden können“, sagt sie.

Auf der einen Seite zeigte die Konsultation auf drastische Art, dass indigene Völker nach wie vor Ungerechtigkeit in Form von Kolonisierung, politischer Unterdrückung, wirtschaftlicher Ausbeutung, Gewalt gegen Frauen und Kinder und Landlosigkeit erfahren.

Auf der anderen Seite kamen im Rahmen dieser Konsultation indigene Theologinnen und Theologen aus der ganzen Welt zusammen, die ein indigenes spirituelles und theologisches Verständnis vom Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens formulierten. „Ich habe miterlebt, wie indigene Teilnehmende proaktiv und strategisch planten, wie eine indigene Spiritualität und Theologie effektiv zur ökumenischen Bewegung beitragen und sie heute und in Zukunft beeinflussen kann.“

Die Teilnehmenden kamen in Kleingruppen zusammen, erzählten von ihrer jeweiligen Geschichte und befassten sich mit Fragen wie beispielsweise: Wie können wir heilen? Wann vergeben wir?

Die Konsultation war die erste einer geplanten Reihe, die zum Aufbau und zur Stärkung von ökumenischen Netzwerken unter indigenen Völkern auf regionaler und globaler Ebene beitragen soll.

„Ungerechtigkeit gegenüber indigenen Völkern ist in allen Kontexten inakzeptabel”, sagt Tahaafe-Williams. „Wir sind hier zusammengekommen, um weltweit zu neuerlichen politischen und humanitären Anstrengungen und Verpflichtungen aufzurufen, damit alle Menschen Gerechtigkeit erfahren.“

Indigene Spiritualität soll Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens bereichern und verwandeln (ÖRK-Pressemitteilung vom 15. August 2016)

Weitere Informationen über die ÖRK-Konsultation zu indigener Spiritualität und Theologie vom 27. bis 31. August (in englischer Sprache)

ÖRK-Solidarität mit indigenen Völkern

ÖRK-Mission von den Rändern her

Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens