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Großmütter der Plaza de Mayo leben Führungsrolle von Frauen für Gerechtigkeit und Frieden vor

Großmütter der Plaza de Mayo leben Führungsrolle von Frauen für Gerechtigkeit und Frieden vor

Estela de Carlotto erhält einen #ThursdaysinBlack-Anstecker

11 September 2017

English version published on: 13 September 2017

Von Annegret Kapp*

In Situationen von Krieg und Unterdrückung ist Gewalt gegen Frauen zügellos, doch sind es oft auch die Frauen, die im Einsatz gegen Ungerechtigkeit die Führung übernehmen. Den Mut von Müttern und Großmüttern von in Argentiniens schmutzigem Krieg (1976 – 1983) Verschwundenen beschrieben Vertretende des ÖRK kürzlich als beispielhaft und inspirierend.

Für den Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, sowie für die anwesenden leitenden Angestellten war es ein bewegendes Erlebnis, die erfahrene Menschenrechtsaktivistin Estela Barnes de Carlotto, Präsidentin der Vereinigung der Großmütter der Plaza de Mayo in Argentinien, bei ihrem Besuch am 31. August in Genf (Schweiz) zu treffen.

Die Gruppe der Großmütter strebt nach Gerechtigkeit für die 30.000 Opfer, die unter dem Staatsterror in Argentinien verschwanden, und hat das Ziel, Kindern von Regimegegnerinnen, die während dieser Zeit auf illegale Weise adoptiert wurden, ihre wahre Identität zurückzugeben und sie mit ihren biologischen Familien in Verbindung zu setzten.

Die Frauen, die sich jeden Donnerstag auf der Plaza de Mayo – einem symbolischen Platz im Zentrum der argentinischen Hauptstadt – versammelten, um Gerechtigkeit für ihre Kinder und Enkelkinder zu verlangen, waren die ersten, die auf die Menschenrechtsverletzungen des Militärregimes aufmerksam machten. Ihr wöchentlicher Protest sei eine wichtige Inspiration für die Kampagne „Donnerstag in Schwarz“ gewesen, erinnerte Dr. Fulata Lusungu Moyo, ÖRK-Programmreferentin für Gerechte Gemeinschaften von Frauen und Männern, anlässlich des Treffens vom 31. August.

Diese einfache aber tiefgreifende Kampagne besteht darin, wöchentlich das eigene Engagement für eine Welt ohne Gewalt, insbesondere Gewalt gegen Frauen, zu bekunden. Die Teilnehmenden tragen schwarze Kleidung und einen „Donnerstag in Schwarz“ (#ThursdaysinBlack)-Anstecker und geben sich so als Teil der globalen Bewegung zu erkennen, die sich gegen Haltungen und Verfahren auflehnt, die Vergewaltigung und Gewalt dulden.

Während der ökumenischen Dekade „Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ (1988 – 1998) besuchten verschiedene Teams des ÖRK als sogenannte „lebendige Briefe“ Argentinien und begleiteten die Kundgebungen der Mütter und Großmütter auf der Plaza de Mayo. In diesen und anderen Begegnungen erlebten die Teams, dass Gewalt an Frauen weit verbreitet ist, aber auch, dass Frauen besondere Initiativen gegen Gewalt durchführen, sagte die ÖRK-Expertin für geschlechtsspezifische Fragen Moyo.

Die Bewegung #ThursdaysinBlack begann während der Dekade der Solidarität mit den Frauen und würdigt die Widerstandsfähigkeit von Frauen, ihren Einfluss und ihren persönlichen Einsatz, einer Kultur von Gewalt zu widerstehen. Die Kampagne kombiniert den wöchentlichen Protest am Donnerstag mit der Verwendung von Schwarz als Farbe des Widerstandes, in Anlehnung an Friedensdemonstrantinnen in Israel und Palästina sowie an die Black Sash-Bewegung (Schwarze Schärpe) in Südafrika.

Am Treffen mit Carlotto sagte der ÖRK-Generalsekretär, die #ThursdaysinBlack-Kampagne sei eine gute Erinnerung an die gewaltvolle Realität, mit der viele Menschen auf der Welt zu kämpfen hätten, besonders Frauen und Kinder. „Wir glauben, dass diese Gewalt etwas ist, das verändert werden kann“, fügte er hinzu.

Tveit sagte auch zu Carlotto, er verstehe das mutige Beispiel von ihr und den anderen Großmüttern der Plaza de Mayo als eine „Herausforderung für uns als Männer, unsere Rolle als Großväter ebenfalls wahrzunehmen und uns für die Zukunft unserer Enkelkinder einzusetzen.“

Bei dieser Gelegenheit lobte Carlotto ihren Ehemann und die anderen Großväter als „stille Helden“, da diese akzeptiert hätten, zu Hause zu bleiben und für die Familie zu sorgen, während die Frauen draußen demonstrierten. „Sie warteten auf uns, und wussten nie, ob wir nach Hause kommen würden“, erklärte sie.

Tatsächlich wollten die Frauen nicht, dass ihre Ehemänner sich den Kundgebungen anschlossen, da sie sonst höchstwahrscheinlich auf der Stelle verhaftet worden wären. Die Großmütter wurden ihrerseits von den Generälen als „verrückte Frauen“ abgetan. So konnten sie von den Vorurteilen des Militärs profitieren, von denen sie nicht ernst genommen wurden. Trotzdem wurden einige Frauen schlussendlich Opfer von Zwangsverschleppung.

Auf die Frage, was Carlotto von den Kirchen erwarte, sagte sie, die Kirchen sollten in Kämpfen um das Leben eine wesentliche und sichtbare Rolle spielen, dem Beispiel Christi folgend, der uns lehrte, den Anderen als unseren Bruder zu sehen.

Lesen Sie ebenfalls:

Menschenrechte in Argentinien: die Reise geht weiter (ÖRK-Pressemitteilung vom 1. September 2017)

ÖRK-Mitgliedskirchen in Argentinien

Weitere Informationen zur Kampagne „Donnerstag in Schwarz“ (#ThursdaysinBlack)

Blogbeitrag (in englischer Sprache): Ein Pilgerweg von Donnerstag zu Donnerstag

Hier können Sie gratis Bilder des Treffens und eine kurze Tonaufnahme in spanischer Sprache zur Illustration dieses Artikels herunterladen.

*Annegret Kapp ist Mitarbeiterin der Kommunikationsabteilung des Ökumenischen Rates der Kirchen.