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Kirchenleitende der Welt informieren Präsident Trump: Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt bedroht Frieden und riskiert weiteren Konflikt

Kirchenleitende der Welt informieren Präsident Trump: Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt bedroht Frieden und riskiert weiteren Konflikt

Foto: Ivars Kupcis/ÖRK

16. Dezember 2017

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 19. Dezember 2017

Christinnen und Christen aus der ganzen Welt sind der Ansicht, dass die Entscheidung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, ein ernsthaftes Hindernis für einen gerechten und nachhaltigen Frieden im Heiligen Land ist und weiteren Konflikt in der Region provozieren könnte.

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) betrachtet Jerusalem seit langem als eine Stadt, die zwei Völker sich teilen, und die drei Religionen heilig ist. Diese Position wurde auch in einer Erklärung von ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit vom 6. Dezember bezogen, in der er große Besorgnis über Präsident Trumps Ankündigung ausdrückte.

„Ein solcher Schritt bricht mit dem seit langem bestehenden internationalen Konsens und mit fast sieben Jahrzehnten etablierter amerikanischer Politik, den Status Jerusalems weiterhin ungeklärt zu belassen“, sagte Tveit.

„Dieses Vorgehen nimmt auch für jegliches Friedensabkommen, das zwischen Israelis und Palästinensern selber erreicht werden muss, eine ausgehandelte Lösung für dieses extrem schwierige Problem vorweg.“

Am selben Tag schrieben führende Vertreter lokaler Kirchen anglikanischer, lutherischer, orthodoxer, protestantischer und römisch-katholischer Tradition in Jerusalem und im Heiligen Land einen offenen Brief an Präsident Trump.

In diesem Brief heißt es: „Wir haben mit Besorgnis die Berichte darüber verfolgt, dass die Vereinigten Staaten möglicherweise den Status Jerusalems ändern wollen.

Wir sind sicher, dass solche Schritte zu weiterem Hass und Konflikt, zu mehr Gewalt und Leid in Jerusalem und im Heiligen Land führen werden, und wir uns so immer weiter von unserem Ziel der Einheit in Richtung destruktive Spaltung bewegen.“

„Ernster Rat“

Der „ernste Rat“ und die Bitte der Jerusalemer Kirchenleitenden an den amerikanischen Präsidenten lautet, „den gegenwärtigen internationalen Status von Jerusalem weiterhin anzuerkennen“.

Jede plötzliche Änderung würde zu irreparablem Schaden führen.

„Die Heilige Stadt kann miteinander geteilt und vollständig genossen werden, wenn ein politischer Prozess dazu beigetragen hat, die Herzen aller ihrer Bewohner von der Erfahrung des Konflikts und der Zerstörungswut zu befreien“, schreiben sie.

Außerdem appellierten die Kirchenleitenden an Präsident Trump, im Geiste Weihnachtens als Friedensfest „Jerusalem den Frieden nicht vorzuenthalten“; darüber hinaus baten sie ihn, sich „das Lied der Engel anzuhören“.

Der Nationale Kirchenrat der USA (NCC) hat gleichermaßen seine Verurteilung der Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, bekanntgegeben.

Er erinnerte den Präsidenten daran, dass der NCC 1980 eine Erklärung zum israelisch-palästinensischen Konflikt abgegeben hat.

In dieser Erklärung des NCC heißt es: „Unilaterale Maßnahmen einer beliebigen Gruppe in Bezug auf Jerusalem führen nur zum Fortleben der Feindseligkeiten, die den Frieden in der Stadt und möglicherweise der ganzen Region bedrohen.“ 2007 hatte der NCC die Vision eines gemeinsamen Jerusalems erneut bekräftigt.

„Wir bekräftigen heute diese Erklärungen. Jahrzehntelang haben US-amerikanische Präsidenten das Thema Jerusalem besonnen und vorsichtig behandelt. Präsident Trumps Schritte können in der ganzen Region Gewalt auslösen und der letzten noch bestehenden Glaubwürdigkeit der amerikanischen Diplomatie, einen Friedensvertrag zu vermitteln, schweren Schaden zufügen.“

Auch der Lutherische Weltbund sandte Präsident Trump einen offenen Brief.

Der Präsident des LWB, Erzbischof Dr. Panti Filibus Musa aus Nigeria, und LWB-Generalsekretär Pastor Dr. Martin Junge brachten ihre „tiefe Bestürzung über die Nachricht“ zum Ausdruck, dass die USA erwägen, ihre Botschaft von Tel Aviv zu verlegen.

„Diese einseitige Maßnahme steht im Widerspruch zur langjährigen Position der internationalen Gemeinschaft, nach der Jerusalem eine Stadt mit zwei Völkern und drei Religionen ist“, schreiben sie.

Sie seien tief besorgt, dass „ein solcher Schritt die Aussicht auf einen israelisch-palästinensischen Frieden konterkarieren und verbreitete Gewalt im Nahen Osten und dem Rest der Welt auslösen könnte. Der Nahe Osten und der Rest der Welt brauchen Frieden und nicht mehr Gewalt.“

Papst Franziskus wünschte sich, dass sich Weisheit und Besonnenheit in Bezug auf Jerusalem durchsetzen mögen. „Ich bete zum Herrn, dass die Identität Jerusalems zugunsten des Heiligen Landes, des Nahen Ostens und der ganzen Welt bewahrt und gestärkt wird, und dass sich Weisheit und Besonnenheit durchsetzen, damit einem globalen Kontext, der schon unter so vielen grausamen Konflikten leidet, nicht noch weitere Spannung hinzugefügt wird“, sagte er.

In Südafrika verurteilte der Friedensnobelpreisträger Erzbischof Emeritus Desmond Tutu ebenfalls Präsident Trumps Entscheidung bezüglich des Status von Jerusalem.

„Gott weint“

„Gott weint wegen Präsident Trumps aufrührerischer und diskriminierender Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel. Es liegt an uns, Herrn Trump zu sagen, dass er im Unrecht ist“, sagte Tutu.

Die katholische Friedensbewegung Pax Christi International gab an, sie sei von Trumps Entscheidung „erschüttert“, aufgrund der „verheerenden Folgen, die sie für eine gerechte Lösung des seit langem bestehenden israelisch-palästinensischen Konflikts haben wird.“

„Dieser Schritt der Trump-Verwaltung widerspricht dem lange bestehenden internationalen Konsens, der durch Beschlüsse der Vollversammlung und des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verbrieft ist. Er wirft Jahrzehnte amerikanischer Politik um. Er macht ein ausgehandeltes Friedensabkommen noch schwerer, steigert das Risiko von Gewaltausbrüchen in der Region und erhöht die Bedrohung gegen dortige Christen“, schreibt die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen.

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