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"Im Westen wird häufig generalisiert"

"Im Westen wird häufig generalisiert"

Lin Manhong vom Chinesischen Christenrat auf der Vollversammlung in Busan.

05. November 2013

Der Chinesische Christenrat (CCC) ist das einzige Mitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen aus China. Bei der 10. ÖRK-Vollversammlung ist der CCC mit einer Ausstellung vertreten. Im Interview spricht die chinesische Pfarrerin Lin Manhong, die für den CCC in Busan ist, über die Arbeit des Rates und die Situation der Christen in China.

Der CCC ist einer der größeren Mitglieder im Ökumenischen Rat der Kirchen. Welche Themen sind für ihn auf der Vollversammlung wichtig?

Alle Themen sind für uns interessant. Aber besonders wichtig ist das Thema Einheit. Auch in China versuchen wir, dass alle Kirchen einheitlich das christliche Wort sprechen.  Das liegt daran, dass wir bereits eine kleine Minderheit sind. Wenn wir uns teilen, werden wir zu Minderheiten innerhalb der Minderheit – das wäre nicht gut. Das bedeutet aber nicht, dass wir unterschiedliche Strömungen nicht respektieren würden. Jeder darf seinen Glauben leben, wie er es möchte.

Sie sprechen von sich selbst als Minderheit. Die Zahlen der Christen steigt in China seit Jahren enorm. Welche Gründe sehen sie dafür?

Es gibt viele Gründe. Einer ist, dass unsere Kirchenmitglieder mit ihren Freunden und ihrer Familie über ihren Glauben sprechen und sie mit in die Gottesdienste bringen. So ist eigentlich jedes Kirchenmitglied auch ein Missionar.

Was finden die Menschen in China im christlichen Glauben?

China entwickelt sich sehr schnell und wir haben mehr Möglichkeiten als früher. Aber das bedeutet auch, dass die Menschen neue Probleme haben. Sie stehen ständig unter Druck durch ihre Familien oder ihren Beruf. Sie suchen einen Platz, wo ihre Seele zu Ruhe kommen kann. Die Kirche ist so ein Ort.

Wie kann der CCC von anderen Kirchen lernen, die auch Mitglied im WCC sind?

Ich denke wir können viel lernen. Jede Kirche kämpft mit Problemen. Diese sind von Kirche zu Kirche unterschiedlich, trotzdem sind wir durch den WCC nie alleine damit. Viele Mitgliedskirchen kommen zu uns oder wir besuchen sie in ihren Ländern, um uns auszutauschen.

Jeder, der in die Kirchen gehen will, kann gehen

Fast alle Kirchen in China sind im Chinesischen Christenrat organisiert. Ist das Pflicht?

Sie müssen kein Mitglied sein. Seit den 1990er Jahren sind Kirchen zwar verpflichtet sich zu registrieren und die Mitgliedschaft ist wie eine Legalisierung der Kirche, aber es ist freiwillig. Es stimmt allerdings, dass lediglich eine kleine Minderheit von Kirchen nicht im CCC ist.

Sind das die illegalen so genannten Untergrundkirchen?

Wir nennen sie nichtregistrierte Kirchen.

Die Situation für Christen in China wird im Westen als äußerst kritisch betrachtet. Können Sie das bestätigen?

Nicht wirklich. Während der Kulturrevolution (Anm. Red. 1966-1976) waren Kirchen verboten. Mittlerweile sind sie für jeden weit offen. Jeder, der in die Kirchen gehen will, kann gehen. Anderseits ist China ein sehr großes Land. Grundsätzlich ist die Politik gut, aber auf lokaler Ebene kann es trotzdem zu Problemen kommen. Es gibt Fälle, in denen das Recht auf Religion verletzt wird. Das sind aber nur sehr wenige. Diese werden dann im Westen häufig generalisiert. Wir haben mehr als 50.000 Kirchen und rund 25 Millionen Gläubige – proportional spielen diese Fälle also keine Bedeutung.

Was unternimmt der CCC, wenn es zu diesen Einzelfällen kommt?

Dann sprechen wir mit dem Chinesische Amt für religiöse Angelegenheiten, das für uns zuständig ist. Wir berichten von dem Vorfall und versuchen, dass sie sich darum kümmern und das Problem lösen. Es gibt nämlich viele Dinge, die wir selbst nicht ändern können. Beispielsweise wenn eine Gemeinde eine neue Kirche bauen will, aber keine Genehmigung dafür bekommt. Eigentlich würden alle Behörden dem Bau zustimmen, aber in einzelnen Fällen verbieten sie den Bau. So entsteht auch der Eindruck, den viele im Westen von der Kirche in China haben. Dann heißt es plötzlich, dass Christen in China keine Kirchen bauen dürfen. Das stimmt aber nicht.

 

Hochauflösende Photos sind erhältlich über photos.oikoumene.org

Website der ÖRK-Vollversammlung