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Gemeinsames Gebet in Genf als Antwort auf Gewalt

Gemeinsames Gebet in Genf als Antwort auf Gewalt

Foto: Peter Williams/ÖRK

16 November 2015

English version published on: 02 December 2015

Das Gedenken an den armenischen Völkermord der Jahre 1915-1923 hätte eigentlich im Zentrum des Gottesdienstes am 15. November in der Kathedrale Saint-Pierre auf dem Gipfel der Genfer Altstadt stehen sollen. Nach den Anschlägen der letzten Tage in Beirut und Paris, bei denen Hunderte Zivilisten getötet und verletzt wurden, haben die Gebete der Reformierten Kirche Genfs und des Exekutivausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) aber eine neue Dimension angenommen.

Der armenische Erzbischof Vicken Aykazian, Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses, hielt gemeinsam mit Anderen Fürbitten auf Französisch und Englisch, und zwar sowohl für die Märtyrer und alle, die während des Völkermords im 20. Jahrhundert gelitten haben, als auch „für die heutigen Opfer von Beirut und Paris“.

Er zitierte außerdem aus einer Erklärung, die am Wochenende vom Exekutivausschuss abgegeben wurde: „Angesichts dieser brutalen Verbrechen müssen die Menschheit und alle gläubigen Menschen guten Willens zusammenstehen und sich mehr denn je zu ihrer Pflicht bekennen, ihren Nächsten mit Respekt und Fürsorge zu begegnen, sie zu schützen und derartige Akte der Gewalt zu verhindern.“

Der armenische Erzbischof Nareg Alemezian, Mitglied des ÖRK-Exekutivausschusses, bat Gott, die Menschheit in diesen Zeiten vom Bösen zu erlösen und die Gläubigen im christlichen Leben zu stärken.

Der ÖRK-Exekutivausschuss tagte vom 13. bis 18. November in der Nähe von Genf und war zu dem gemeinsamen Gottesdienst in der historischen Kathedrale Saint-Pierre eingeladen worden. Bei der Kirche handelt es sich um die alte Genfer Kathedrale, die während der Reformation im 16. Jahrhundert zur Heimstätte des Reformators Johannes Calvin und der französischsprachigen Reformierten Kirche Genfs wurde.

ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit überbrachte der Gemeinde Grüße im Namen des ÖRK und dessen Vorsitzender, Dr. Agnes Aboum von der Anglikanischen Kirche von Kenia. Er sagte, der ÖRK sei selbst Teil dessen, was Genf ausmache: eine der internationalen Organisationen, die wegen eines „Hungers und Durstes nach Gerechtigkeit, nach Frieden und nach Dialog“ in die Stadt gekommen seien.

Die Mitglieder des Exekutivausschusses und andere ÖRK-Amtsträger, die in den vorderen Bänken des großzügigen Kirchenraumes saßen, spiegelten die Vielfalt der weltweiten Christenheit wider: Frauen und Männer aus unterschiedlichen Regionen, Traditionen und verschiedenster ethnischer Abstammung.

Exekutivausschuss-Mitglied Pastor Taaroanui Maraea aus Französisch-Polynesien fasste den Geist der christlichen Einheit, der sich in diesem Gottesdienst zeigte, in seinem Gebet zusammen: „In dieser Zeit der Verbundenheit mit Brüdern und Schwestern aus der ganzen Welt freuen wir uns, dass wir gemeinsam mit einer Stimme und einem Herzen zu dir beten können. Wir danken dir für den Auftrag, den du uns gegeben hast: Zeugnis zu geben und uns für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen, wo wir sind und wo deine Kirche ist.“

Die Predigt hielt Pastor Emmanuel Fuchs, Präsident der Reformierten Kirche Genfs. Als Predigtgrundlage diente der Ausspruch Jesu in Johannes 14,6: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“; dabei bezog sich Fuchs auf das aktuelle programmatische Thema des ÖRK: „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“.

Er sagte, der christliche „Pilgerweg“ nehme nicht nur die Form dramatischer Unternehmungen und großer Herausforderungen an, sondern auch die des „täglichen Weges“. Auf dem Weg, den Christinnen und Christen täglich gehen, sei es wichtig, nicht zu vergessen, dass der Gipfel bzw. das Ende der Reise vielleicht nicht so entscheidend sei wie der Weg selbst. „Ich bin der Weg“, spricht Jesus.

Laut Fuchs könne der wichtigste Moment im christlichen Leben die Entscheidung sein, sich auf diesen Weg zu begeben. In diesem Sinne sei die Kirche eine Gemeinschaft von Wegbegleitern, die sich gemeinsam für ein aktives und befreiendes Leben einsetzten, sich gegenseitig ermutigten und die Bedürfnisse der Anderen anerkannten und darauf reagierten.

Fuchs fuhr fort: Selbst in Paris, wo die Menschen fassungslos auf die Ereignisse reagierten, müsse ein Weg in die Zukunft gefunden werden. Die Kirche müsse sich in einer Welt voller Gewalt entschlossen auf den Weg machen. Wie eine Pilgerin gehe die Kirche hoffnungsvoll voran.

Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens

WCC Executive Committee convenes to review ecumenical progress (ÖRK-Pressemitteilung vom 13. November in englischer Sprache) (in englischer Sprache)

Bericht des Generalsekretärs Olav Fykse Tveit an den ÖRK-Exekutivausschuss (ÖRK-Pressemitteilung vom 13. November)

ÖRK verurteilt Terroranschläge auf Schärfste (ÖRK-Pressemitteilung vom 14. November)

COP 21: ÖRK bekräftigt sein Engagement für Klimaschutz (ÖRK-Pressemitteilung vom 15. November)

Mehr Informationen zum ÖRK-Exekutivausschuss