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„Die Kirche trägt eine große Verantwortung für die Selbstbestimmung der Frauen"

„Die Kirche trägt eine große Verantwortung für die Selbstbestimmung der Frauen"

Dr. Kimberly M. Lymore während einer Diskussion auf dem PAWEEN-Seminar © Everdith Landrau/ÖRK

26 July 2017

English version published on: 27 July 2017

Die unbekannten Geschichten und das vernachlässigte Potenzial von Frauen afrikanischer Herkunft waren das Hauptthema eines Seminars, das Anfang des Monats vom Ökumenischen Netzwerks zur Stärkung von Frauen afrikanischer Herkunft (PAWEEN) veranstaltet wurde. Das Netzwerk ist ein Projekt der Abteilung für ökumenische theologische Ausbildung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und des Ökumenischen Instituts des ÖRK in Bossey. Das nachfolgende Gespräch mit Dr. Kimberly M. Lymore ist das erste Interview in einer Reihe von Begegnungen und gibt einen Eindruck von den Erkenntnissen der Seminarteilnehmenden.

Dr. Lymore ist eine römisch-katholische Theologin aus den Vereinigten Staaten. Sie hat 2009 ihren Doctor of Ministry am McCormick Theological Seminary erworben. Ihre Doktorarbeit hatte den Titel „God Doesn’t Tilt: Making the Connection Between Worship and Justice.” Lymore arbeitet zurzeit als Pastoralreferentin an der Faith Community of St Sabina und leitet das Tolton Scholars Program der Catholic Theological Union.

F: Haben Sie im Laufe ihres Lebensweges Solidarität von anderen Frauen afrikanischer Herkunft erfahren? Inwiefern hat Sie das befähigt, einen Beitrag zur ökumenischen Bewegung bzw. zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten?

Ich hatte immer  mit Frauen aus verschiedenen afrikanischen Ländern und mit unterschiedlichen Konfessionen zu tun. Das PAWEEN-Seminar war allerdings eine der beeindruckendsten Solidaritätserfahrungen, die ich jemals in meinem Leben gemacht habe. Dort haben sich sehr gebildete und in der Sache engagierte Frauen getroffen, die nicht nur ihre wissenschaftliche Arbeit ernst nehmen, sondern auch alle vorhandenen Mittel oder ihnen zur Verfügung gestellten Plattformen einsetzen, um über für afrikanische Mädchen und Frauen wichtige Themen aufzuklären und dafür Interesse zu wecken.

Das PAWEEN-Seminar hat mich befähigt, alle mir zugänglichen Plattformen zu nutzen, um auf die Situation Mädchen und Frauen nicht nur in den USA hinzuweisen, sondern auch Themen und Entwicklungen anzusprechen, die weltweit von Relevanz sind.

F: Welche Erkenntnis nehmen Sie von diesem PAWEEN-Seminar mit nach Hause?

Selbstbestimmte, autarke Frauen können Großes leisten, wenn sie zusammenarbeiten.

F: Wie wollen sie weitere afrikanische Frauen in Zukunft zu selbstbestimmtem Handeln anleiten? Was kommt nach diesem Seminar?

Ich arbeite mit mehreren unterschiedlichen Frauengruppen zusammen. Fierce Women of Faith befasst sich mit der Frage, wie Frauen in Chicago das Problem der Waffengewalt thematisieren können. Die zweite Gruppe nennt sich National Consortium of Black Women in Ministry und bietet für ordinierte Frauen die Möglichkeit, sich in einem geschützten Raum über ihre Erfahrungen und Probleme auszutauschen.

Ich werde weiter mit PAWEEN in Kontakt bleiben und alles in meiner Macht stehende unternehmen, um die während des Seminars vorgelegte Agenda weiter voranzutreiben.

F: Sehen Sie Bereiche, in denen Sie nach wie vor einen besonderen Bedarf an Solidarität mit Frauen afrikanischer Herkunft sehen?

Besondere Solidarität ist gefragt, wenn es um die Gewalt geht, der unsere jungen Mädchen immer wieder ausgesetzt sind. Das passiert überall in der Welt, und wir müssen weltweit ein Bewusstsein dafür schaffen, dass dies geschieht.

F: Welche spezielle Rolle haben die Kirchen und der christliche Glaube, wenn es um die Selbstbestimmung der afrikanischen Frauen geht?

Die Kirche trägt eine große Verantwortung, die Autarkie und Selbstbestimmung der Frauen zu unterstützen, denn Frauen bilden die Mehrheit der Mitglieder dieser Institutionen. Wir brauchen einen gleichberechtigten Zugang zu Bildungsangeboten und besonders zu theologischer Ausbildung, damit Frauen ebenfalls die prestigeträchtigen Aufgaben übernehmen können, die bisher Männern vorbehalten sind. Es ist ebenfalls wichtig, dass die Kirche an der Seite der afrikanischen Frauen weltweit steht und gemeinsam mit ihnen auf das schreiende Unrecht hinweist, dem afrikanische junge Mädchen und Frauen ausgesetzt sind, z.B. Vergewaltigung, Menschenhandel, Lohnungleichheit usw.

Mehr Informationen über das Ökumenische Netzwerk zur Stärkung von Frauen afrikanischer Herkunft

Aufzeichnung mehrerer Podiumsdiskussionen während des PAWEEN-Seminars stehen auf dem Youtube-Kanal des ÖRK zur Verfügung