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Ein sicherer Ort für sündige Menschen, um sich zu ändern und Schmerz zu teilen

Ein sicherer Ort für sündige Menschen, um sich zu ändern und Schmerz zu teilen

Maria Dous während des PAWEEN-Seminars. © Everdith Landrau/ÖRK

03. August 2017

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 09. August 2017

Die Kirche muss ein sicherer Ort sein, an dem sündige Menschen aufgenommen werden, um aus ihren Fehlern zu lernen und sich zu ändern, und an dem diejenigen, denen Wunden zugefügt wurden, ihren Schmerz teilen und eine Zuflucht finden können, sagt Maria Dous, Medizinstudentin aus Ägypten.  Im Juli nahm sie an einem Seminar teil, das vom  Ökumenischen Netzwerks zur Stärkung von Frauen afrikanischer Herkunft (PAWEEN) veranstaltet wurde. Das Netzwerk ist ein Projekt der Abteilung für ökumenische theologische Ausbildung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und des Ökumenischen Instituts des ÖRK in Bossey. Das folgende Gespräch gehört zu einer Reihe von Begegnungen und gibt einen Eindruck von den Erkenntnissen einiger Seminarteilnehmenden.

Maria Dous ist Laienmitglied der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Ägypten. Sie ist in Ihrer Kirche in unterschiedlicher Weise engagiert, zum Beispiel arbeitet sie als Tutorin in der Sonntagsschule und hilft bei der Organisation spiritueller und sozialer Entwicklungsprogramme, die im Sommer für Hunderte von Jugendlichen und Kindern stattfinden. Zu ihren Erfahrungen in der Freiwilligenarbeit gehören auch zwei Jahre mit dem Nile of Peace Student Chapter von People to People International, während dieser Zeit besuchte sie Waisenhäuser und organisierte Fundraising-Veranstaltungen.

F: Haben Sie im Laufe ihres Lebensweges Solidarität von anderen Frauen afrikanischer Herkunft erfahren? Inwiefern hat Sie das befähigt, einen Beitrag zur ökumenischen Bewegung bzw. zu einer nachhaltigen Entwicklung zu leisten?

Nun, in Ägypten haben wir im Normalfall eher wenig mit Menschen afrikanischer Herkunft und anderer Abstammung zu tun, wie das bei mir auf dem Seminar der Fall war. Die Frauen, denen ich meine Selbstbestimmung verdanke, sind in erster Linie ägyptische Frauen, und davon gab es ehrlicherweise viele.

Ich erinnere mich zum Beispiel an Frau Haidee Kamil, meine Musiklehrerin und eine Ikone der Musikpädagogik in Ägypten und im Nahen Osten, an Dr. Basma Gregory, meine IGCSE-Englischlehrerin, und natürlich meine Mutter!

Diese drei Frauen waren maßgeblich daran beteiligt, mir über meinen gesamten Bildungsweg und durch alle widrigen Lebensumstände hindurch zu Autarkie und Selbstbestimmung zu verhelfen. Sie haben immer an mich geglaubt, selbst in Zeiten, in denen ich nicht einmal an mich selbst glauben konnte.

F: Welche Erkenntnis nehmen Sie von diesem PAWEEN-Seminar mit nach Hause?

PAWEEN war die erste gesamtafrikanische Veranstaltung, an der ich teilgenommen haben, und für mich war das eine ganz neue Erfahrung.

Zunächst war es eine inspirierend Erfahrung, mit all diesen unterschiedlichen großartigen Frauen afrikanischer Herkunft vertraut zu werden, denn ich lernte die Geschichte jeder einzelnen dieser Frauen kennen und bekam einen Eindruck von den Kämpfen, die sie auf ihren persönlichen Lebenswegen ausfechten mussten.

Eine weitere erhellende Erfahrung waren die gemeinsamen Gebete mit all den anderen Teilnehmenden, jeder und jede auf seine bzw. ihre eigene Art und Weise mit dem Gefühl, dass Gott uns alle in gleicher Weise erreicht, in der eigenen Sprache. Für mich war das eine überaus kraftvolle, allen verständliche  Botschaft, die ich erst richtig begriffen habe, als ich gemeinsam mit Menschen gebetet habe, die anders beten als ich.

Wenn ich das Gelernte zusammenfassen soll, so würde ich sagen, dass ich noch viel mehr darüber in Erfahrung bringen muss, was afrikanische Frauen weltweit jeden Tag durchmachen müssen, damit ich ihnen eines Tages helfen kann.

F: Wie wollen sie weitere afrikanische Frauen in Zukunft zu selbstbestimmtem Handeln anleiten? Was kommt nach diesem Seminar?

Wie in dem Seminar bereits erörtert wurde, werde ich die Kirchenleitenden und möglichst auch die Regierungen auffordern, die erforderlichen Änderungen auf Ebene der Politik, der Gesetze und der Entwicklungspläne in Angriff zu nehmen.

Persönlich bin ich davon überzeugt, dass ich sensibilisiert wurde und mich persönlich stärker  verantwortlich für das Wohlergehen meiner Mitstreiterinnen aus Ägypten und Afrika fühle. Wann immer es also eine Möglichkeit gibt, einem benachteiligtes Mädchen zu mehr Selbstbestimmung zu verhelfen, Aufklärungsarbeit bei Analphabetinnen zu leisten oder ungerechte Verhaltensweisen und Praktiken zu bekämpfen, werde ich mich dafür einsetzen.

F: Gibt es Bereiche, in denen Sie nach wie vor einen besonderen Bedarf an Solidarität mit Frauen afrikanischer Herkunft sehen?

Wenn ich das auf mein Heimatland beziehe, so halte ich es für erforderlich, dass wir andere Frauen afrikanischer Herkunft besser kennenlernen. Die meisten von uns wissen nichts über die Kämpfe, die diese Frauen ausfechten müssen, weder über ihre Verwundungen, noch über ihre Erfolge, und das gilt auch umgekehrt.

Ich würde sagen - ja, wir brauchen diese gegenseitige Solidarität in allen Bereichen.

F: Welche spezielle Rolle haben die Kirchen und der christliche Glaube, wenn es um die Selbstbestimmung der afrikanischen Frauen geht?

Nach allem, was ich während des Seminars gehört habe und was dort erläutert wurde, dürfte meiner Meinung nach die wichtigste Rolle der Kirche darin bestehen, Jesu Wirken in der richtigen Weise zu vermitteln und die Christenheit und den christlichen Glauben so darzustellen, wie er wirklich ist, damit sie nicht zu einem Hindernis zwischen den Menschen und dem Himmlischen Vater werden und die Menschen nicht von ihrem liebenden Gott ferngehalten werden.

Die Kirche muss außerdem ein sicherer Ort sein, der Sünderinnen und Sünder aufnimmt,  wo sie lernen und sich ändern können und wo die Verwundeten ihren Schmerz teilen und eine Zuflucht finden können. Wo auch immer sich Ungerechtigkeit, Irrglaube und falsche Praktiken ausbreiten, muss die Kirche aktiv dagegen einschreiten und dies unterbinden.. Die Kirche muss jederzeit für alle beten, die verwundet wurden und die gesündigt haben.

Mehr Informationen über das Ökumenische Netzwerk zur Stärkung von Frauen afrikanischer Herkunft

Botschaft der Seminarteilnehmenden (auf EN)

Aufzeichnung mehrerer Podiumsdiskussionen während des PAWEEN-Seminars stehen auf dem Youtube-Kanal des ÖRK zur Verfügung