Gewinner-Essays zur Zukunft der Ökumene: "Inspiration und Wegweisung"
"Die Einheit auf die Erde holen", "kommunikatives Handeln" und "Theologie der Wüste" - diese und andere Ideen wurden in den Essays ausgeführt, die im Wettbewerb zum Thema "Erwartungen an die Ökumene im 21. Jahrhundert" ausgezeichnet wurden. Die Gewinner, zwei Frauen und vier Männer, stammen aus Afrika, Asien, Europa und Nordamerika.
Der Essay-Wettbewerb ist Teil des Programms zur Feier des 60-jährigen Bestehens des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK). Über 50 junge Theologen/innen aus 36 Kirchen in 24 Ländern hatten Aufsätze zum Thema des Wettbewerbs eingereicht.
In einem Brief, in dem Pfarrer Dr. Samuel Kobia die sechs Gewinner und Gewinnerinnen bekannt gab, schrieb er, die Wettbewerbsteilnehmenden hätten der ökumenischen Bewegung "Hoffnung, Inspiration und Wegweisung" gegeben. "Dies ist das beste Geburtstagsgeschenk, das der ÖRK bekommen konnte."
Die Gewinner/innen, deren Aufsätze von einem internationalen Team von leitenden ÖRK-Mitarbeitern und Dozenten des Ökumenischen Instituts Bossey ausgewählt wurden, sind (in alphabetischer Reihenfolge, zusätzliche Informationen siehe weiter unten):
- Erin Brigham, römisch-katholische Kirche, USA
- Beril Huliselan, Indonesische Christliche Kirche (GKI), Indonesien
- Gu Mengfei, Chinesischer Christenrat, China
- Peniel Jesudason Rufus Rajkumar, Kirche von England, Vereinigtes Königreich/Indien
- Pfr. Chad Rimmer, Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika, USA/Dänemark
- Lucy Wambui Waweru, Presbyterianische Kirche von Ostafrika, Kenia/Niederlande
Die Gewinner/innen werden Gelegenheit haben, ihre Gedanken im Januar 2009 in Belem (Brasilien) auf einer internationalen Konsultation zur Ökumene im 21. Jahrhundert zu diskutieren. Ihre Beiträge und weitere ausgewählte Essays werden vom ÖRK-Verlagsbüro gedruckt sowie auf der ÖRK-Webseite veröffentlicht werden.
"Nachdem wir Ihre Aufsätze gelesen haben, ist unser Vertrauen gewachsen, dass die eine ökumenische Bewegung das Werk des Heiligen Geistes ist - dass sie geschaffen wurde und erhalten wird, um unsere Einheit in Christus sichtbar und unser Zeugnis an die Welt glaubwürdig zu machen", schrieb Kobia den Teilnehmenden.
Zusätzliche Informationen über die Gewinner:
Erin Brigham, Mitglied der römisch-katholischen Kirche in den USA, ist Doktorandin in systematischer und philosophischer Theologie an der Graduate Theological Union of Berkeley in Kalifornien. Sie konzentriert sich in ihrer Arbeit auf Fragen des ökumenischen Dialogs und der Ekklesiologie, mit Schwerpunkt auf der römisch-katholischen Kirche.
Brigham fragt in ihrem Essay über Communicative Action as an Approach to Ecumenical Dialogue (Kommunikatives Handeln als ökumenischer Dialogansatz) nach dem Verständnis der sichtbaren Einheit im letzten Jahrhundert und setzt sich mit den gegenwärtigen Unsicherheiten im Blick auf das Wesen der Einheit, die wir suchen, auseinander. Sie schlägt Wege vor, wie wir im Dialogprozess selbst Einheit erkennen können.
Beril Huliselan von der Indonesischen Christlichen Kirche (GKI) ist Absolvent des Jarkata Theological Seminary. Er ist gegenwärtig Mitglied der Theologischen Forschungskommission der Indonesischen Christlichen Kirche.
In seinem Essay Bringing Unity down to Earth (Die Einheit auf die Erde holen) vertritt er die These, dass die Ökumene als "Moment der Inkarnation Gottes in Christus" verstanden werden sollte. Der Verfasser argumentiert, dass das, was eine "Einheitsbewegung" geworden sei, die Normen und Formen festzulegen versuche, in "Einheit in Bewegung" umgewandelt werden müsse. Christus müsse die zentrale Figur der ökumenischen Bewegung sein, die sich engagieren und allen die Fülle des Lebens bringen müsse. Der erste Schritt auf diesem Weg sei vortheologisch, schreibt er, sei eine Frage des festen Glaubens. Beim zweiten Schritt gehe es um eine Reflexion über Gott, der unter den Menschen gegenwärtig sei - um eine Hermeneutik der Inkarnation.
Gu Mengfei ist Mitarbeiter der Forschungsabteilung des Chinesischen Christenrats. Er ist Absolvent der Universitäten Nanjing und Beijing. In seinen veröffentlichten Werken beschäftigt er sich mit der Geschichte der Kirche in China.
Mengfei beschreibt in seinem Essay The Post-Denominational Era - Chinese churches on the way toward unity (Das post-konfessionelle Zeitalter - chinesische Kirchen auf dem Weg zur Einheit), wie die Kirchen in China sich um die Überwindung des von westlichen Missionaren übernommenen christlichen Konfessionalismus bemühen. Er verweist auf wichtige Erfolge, wie die Einführung gemeinsamer Gottesdienste im Jahr 1958, sowie das Prinzip, Gemeinsamkeiten zu suchen und Unterschiede in gegenseitigem Respekt zu bewahren.
Peniel Jesudason Rufus Rajkumar, Mitglied der Kirche von England, ist Dozent am United Theological College in Bangalore (Indien). Er schloss seine Doktorarbeit in Praktischer Theologie und Ethik an der Universität Kent in Canterbury (England) ab. 2007 veröffentlichte er Challenges of Transition: Religion and Ethics in Changing Contexts (Herausforderungen des Übergangs: Religion und Ethik in sich wandelnden Kontexten) und arbeitet gegenwärtig an einem Buch über Dalit-Theologie.
In seinem Essay Towards a Transforming Togetherness (Auf dem Weg zu einer verwandelnden Gemeinschaft) beschäftigt sich Rajkumar kontextbasiert mit der "Zukunft der Ökumene im 21. Jahrhundert". Das Verständnis von "Gemeinschaft" durch trinitarische Einheit und "Unterschied" im Rahmen der Postmoderne verweist auf die dialektische Spannung zwischen Verheißung und Herausforderung innerhalb der ökumenischen Bewegung.
Pfarrer Chad Rimmer von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Amerika ist Pfarrer der Internationalen Kirche von Kopenhagen.
In seinem Essay Towards an Ecumenical Theology of the Wilderness (Auf dem Weg einer ökumenischen Theologie der Wüste) versucht er, die Ökumene in den Kontext der postmodernen Welt zu stellen, in der der Funktion mehr Bedeutung beigemessen wird als der Form. Daher schlägt er vor, die sich entwickelnden Funktionen der ökumenischen Bewegung zu artikulieren, statt ihre Ausdrucksformen neu zu gestalten. Sein Vorschlag einer "Theologie der Wüste", angewandt auf die gegenwärtige ökumenische Szene, impliziert eine Rückkehr zur Würdigung der Gaben jedes einzelnen ökumenischen Partners, ein Erleben des Sabbat und der kirchlichen Einheit als Gabe in Christus sowie die Erwartung, dass die ökumenische Bewegung auf diesem Weg verwandelt wird.
Lucy Wambui Waweru von der Presbyterianischen Kirche von Ostafrika in Kenia hat an der St. Paul's University in Limuru studiert und absolviert gegenwärtig einen Master-Studiengang in Neuem Testament an der Protestantischen Theologischen Universität in Kampen (Niederlande). Ihr Ziel ist es, in ihrer Kirche als Pfarrerin zu arbeiten.
Waweru schildert in ihrem Essay Preparing for Tomorrow (Vorbereitung auf morgen) viele der Errungenschaften der vergangenen 60 Jahre und stellt sie in Beziehung zum Einzug der Israeliten in das Land Kanaan unter der Leitung Joschuas. Die Autorin entfaltet eine ökumenische Vision, die auf die Herausforderungen der Globalisierung eingeht, den Paradigmenwandel berücksichtigt und die Notwendigkeit unterstreicht, zum einen die Menschen an der Basis, insbesondere Jugendliche und Frauen, für eine aktivere Rolle zu stärken und zum anderen die Gabe des Dienstes zu betonen.
Weitere Informationen zum Essay-Wettbewerb


